Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1915)
- Date
- 1915-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 J U EDI SC H E RUNDSCHAU Seite 411 geschlag 11׳i sind, /ur Aih'ok.'itur /ii/ulassen. 111 Zukiiult solle» aller die Juden in den Städten mit einer kleinen nur zu 5 ״,. und in den Städten mit einer überwiegenden jüdischen Bevölkerung /n I3 ״ ״ der Gesamtzahl der Anwälte zur Advokatur ziigclasseu werden. Solange aber di r vorge-elmebcne 1'1׳ o - z c 111 s a t / erreicht w ird, mul! die Z u I a s s 1111 ״ der Juden / 11 r A d \ o k a tue eingestellt werden. (jvLf 1■ 11 diesen Beschluß, jüdische Rechtsanwälte imierhalh lies Ansieillungsravoiis nur bis zu 13״... in ״gemischteil“ (lebenden bis zu 1(1 ״״ und alitierhalb des Ausicdliuigsgebictcs zu ״ ׳׳ ד zur Advokatur zuzulassen, wurden in zahlreichen Städten Rußlands von den A d v ״ k a t e 11 g e s e II s e 11 a 1 t e u P r o - 1 e s t k 11 11 tl g e I) 11 )1g e 11 veranstaltet. Besonders schart’ traten diesem Beschlüsse die Vereine m .Woskau, Saratow mul 'Tomsk entgegen. Eine große Hilfsaktion für die Juden in dem von den Russen besetzten Teil Galiziens ]11 der Sh/uii״ des Petersburger ,.Zentralk o 'm i t e e s f ii r l1 n t e 1׳ s t it t /. 11 n g d e r k rie״s- 11 o 11 e i d e 11 d e n J 11 d e 11 1 n R u B 1 a n d“ vom 22. bis 23. Oktober a. St. wurde beschlossen; 70 000 Rubel für Kleider und Schuhe für die Juden des von den Russen o k k u p i e 1־ t e 11 T e i 1 s v o n () s t - G a 1 i z i e 11 aii/u weisen. Für die Zukunft wurde das Komitee in Kiew mit der Leitun״ der Unter- Stützung dieser galiz.ischeii Juden beauftragt, wobei das Zentralkomitee in Petersburg 70 ״ , der Ausgaben sieh zu decken verpflichtet. Die (iroß/iigigkeit dieses Beschlusses, in dem die russische [udenheit ihrem Solidantätsgefiihl den galizischen Juden gegenüber Ausdruck־ gegeben hat, tritt besonders klar hervor, wenn man erfährt, daß in der gleichen Sitzung durch den Sekretär des Zentralkoinitees festgestellt wurde, daß 200 000 jüdische Flüchtlinge in Rußland allein infolge ihrer ״Evakuierung“ soweit ins Eilend geraten sind, daß sie ganz auf die Hilfe der jüdischen Unterstütz.iingskomitecs angewiesen sind, und daß bloß, um diese Flüchtlinge vor Finbruch der Winterkälte mit .Schuhen und Kleidern zu versorgen, eine Summe von 31- Millionen Rubeln erforderlich ist. Wilson für die Gleichberechtigung der Juden in Rußland und Rumänien Wie uns aus New York mitgeteilt wird, fand in Baltimore anläßlich der Gründungsfeier des großen jüdischen Ordens Bne-Berith eine Massenversammlung statt, in der der jüdische Politiker Simon Wulf aus W.a s h i n g t o 11 einen Brief des Präsiden ten Wilson zur Kenntnis brachte, in dem dieser versichert, er werde in der Stunde des Friedens seinen ganzen Einfluß a 1 s H a u p t d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e 11 dafür einsetzen, daß die J 11 d e 11 R11IJ1 a n tl s u n d R u m ä - n i e n s (i I c i c 1111 e r e c 111 i g u 11 g bekommen. In einem zweiten, ebenfalls von Herrn Wulf mit* geteilten Schreiben des Präsidenten gab dieser die Erklärung ab, er werde kein e m n c tl e!1 H a n d e 1 s v e r t r;1 g tn i t Rubi a n d seine Z u s t i in nt tt 11 g geben, bevor die ü leie 11 b e - rechtig'ung der Juden in diesem Lande tl tt r c 1t ge f ü 11 r t ist. ״Das Verbrechen“ der englischen Juden bi einer großen Versammlung der englischen Juden in London am 31. Oktober unter dein Vorsitz von Leopold de Rothschild befaßte man sich ernst und eindringlich mit der entsetzliehen L;1 g e tl e r r u s s i s c h e n J u d e 11. Die Reden der Herren Hermann Landau, des Oberrabbiners Herz und des Hacham Dr. Gast er gaben ein erschütterndes Bild vorn ,,1' o d e s k a 111 p t" der russischen J u d e n - h e i t. Es wurde testgestellt, daß die bisher für die russischen Juden in England aufgebrachte Notstandssumme von 60 000 Pfund gerade hinreicht, um die Masse der Vertriebenen und Flüchtlinge drei Tage lang zu ernähren. Die Versammlung war darin einig, die größten Anstrengungen im ganzen britischen Reich zu machen, 11111 w enigstens eine Million P fu 11 d für die russischen Juden aufziihringen. Sehr Ixtzeichnend war eine Stelle der Rede des Oberrabbiners, in der er die Gründe für den bishetigen, verhältnismäßig so kleinen Ertrag der NotstniHlssamnihing innerhalb der britischen Judenheit darlegte. Der Hauptgrund sei die IJ 11 ־ k e n 111 n i s der Tatsachen. Die Judenlieit in England und den Kolonien wisse jetzt noch nicht genau, welch furchtbare Dinge in Rußland passiert sind. Und daran trage Schuld das S c 11 w e i g e ko 111 p lo11 der Presse. ״Als uns gegen Ende Mai,“ führte er aus, ,,die ersten Berichte über die Greuel in Rußland erreichten, die ersten Meldungen über die hunderttausende Vertriebenen, über die Verjaguiig ganzer Gemeinden zu uns kamen, w ar es ein Verbrechen, das zu sagen, was wir wußten. 1111 Juli zog der ,, J e w i s h C11 ro n i c 1 e' den Schleier weg, der uns die Wahrheit über die Lage unseres Volkes in Rußland verhüllte und Zaugwill veröffentlichte zwei Artikel im ״Daily Uh r o 11 i c 1 e“ darüber. Einige Wochen später fand dann die weltgeschichtliche Dumas i t z u 11 g statt. Aber auch dann noch hielt die T o t s c 11 w c i g e p o I i t i k d er Presse an, und einzig der ,,J e w i s 11 C 11 ro ti i c 1 e“ brachte eine® ausführlichen Bericht über die Reden in der Duma. Daher kommt es, daß nur ein k leiner Teil der jüdischer! und eine verschwur!- dende Minderheit der allgemeinen Oeffontlichkeit über die furchtbare Tragödie unterrichtet ist, die jetzt vor sich geht.“ Gesundheitspflege in Palästina Die türkische Zeitschrift für Gesundheitspflege ״S e h i e - M e d j m o nass i“, die vom Allgemeinen Gesundheitsamt in Konstantinopel herausgejrebe» wird, veröffentlicht einen Bericht von dem Bakterioiogen Dr. Os!11 an G 11 c r e f e d d i n e Bey über die öffentliche Gesundheitspflege in Jaffa. Der Artikel spricht in lohenden Ausdrücken über das jüdische Viertel Tel-Awiw in Jaffa. ״Dieses Viertel,“ heißt es, ״gleicht kleinen Villenorten im Weichbild von Berlin «der Paris. Die Straßen sind breit tind sauber; die Häuser sind aus Stein, und vor jeder Wohnung befindet sich ein Blumengärtchen. Alle Häuser haben Wasserleitung, und zwar ein vom Standpunkt des Bakteriologen aus sehr gutes und reines Wasser. Mit einen! Wort,“ schließt Dr. Cherefeddine Bey, ״es ist eine Stadt, die als M 11 s t e r dienen kann und die vom g e su 11 d - heit liehen Standpunkt jedes Lob verdient.“ Russische Geistliche gegen die Gleichberechtigung der Juden Die Kopcnhagener ,,J ii d i s ch e Volkss t i m 111 e“ berichtet über eine in K i e w abgehaltene K 0 11 f e r e n z der r 11 s s i sehen (i eistliehen im Kiewer Gouvernement, auf der der Beschluß gefaßt wurde, die G1 e i c h b er e c ht i g 1111 g d e r J u d e n z u b e k ä tn p f e n. TURNEN und SPORT Die J ti d i s c 11 e T 11 r n e 1־ s c h a f t hat sei! dem Beginn des Krieges ihre ״Monatshefte für Turnen und Sport1‘ nicht weiter herausgegeben. Obwohl sie manchem dadurch aus dem Sinn gekommen ist, hat sie doch ihre Tätigkeit nach Maßgabe der anormalen Verhältnisse aufrecht erhalten. Wir wollen versuchen, kurz ein Bild der Situation zu geben, müssen uns aber dabei allerdings auf deutsche Vereine beschränken, da wir von den anderen Ländern gar keine oder sehr unzureichende Informationen erhalten konnten. In den ersten Kriegswochen schien zunächst fast allerorts das Leben in unseren Vereinen ausgestorben zu sein. Die Männer eilten zum größten Teil zu den Fahnen, die Frauen und Mädchen blieben vorn Turnboden fort. Teils, weil ihre Angehörigen im Felde standen und innen die Lust zum Turnen fehlte, teils, weil ihr Interesse sozialer Hilfsarbeit zugewandt war. Wir fürchteten zuerst, die Arbeit vieler Jahre gänzlich zerstört zu sehen. Es ist aber so schlimm nicht geworden, Selbstverständlich ist die Aufrcchterhaltung des Männer- Betriebes nur in ganz, kleinen Grenzen möglich. Aber fast überall besteht noch das Gerüst, so daß wir die Gewißheit haben: Bei der Heimkehr der Einsern blüht das alte Leben in unseren Vereinen wieder auf. 111 den Frauenabteihmgen besteht der Betrieb meist unvermindert weiter. An einigen Stellen macht sich die Abwesenheit der männlichen Turnleiter und Vorturner natürlich bemerkbar und in einigen Vereinen mußten aus Mangel geeigneten Ersatzes auch die t'raucnabtcilungen dauernd «der zeitweise geschlossen werden. Dort, wo das Turnen ganz, aufgehört hat. ist man bemüht gewesen, den Zusammenhang der Mitglieder aufrecht zu erhalten. Einen ständigen Konnex mit unseren Leuten draußen im Felde schafft der Liebesgabeiiversand, der sowohl in den einzelnen Vereinen als auch in der Berliner Zentrale organisiert ist. Pas Büro in Berlin besteht weiter 1111(1 erhält die bestellende Organisation nach Möglichkeit. Die Beamten des Ausschusses und alle männlichen Mitglieder des Deutschen Kreisvorstandes sind vingezogen. Die Weiterherausgabe der ״Monatshefte für Tnrneu und Spart“ scheiterte an materiellen Schwierigkeifen. Die im Felde stellenden Mitglieder zahlen keine Beiträge, die Vereine sind also nicht in der Lage, ihre Verbandsabgnben zu zahlen. Wir geben einige Angaben unserer deutschen Vereine, wie wir sie bekommen konnten. Sie sind nicht alle neuesten Datums, werden aber im allgemeinen noch Gültigkeit haben. I >er J ü d i s c h e T 11 1 11 v e r ein B a 1־ K o c h - ha Berlin turnt in zwei Mäm1erabteil1111״e!1 und zwei Jugeiidabteihingeii, drei Frauen-, einer Mädchen- und einer Scliiilerabteilung. Der Betrieb ist in allen Abteilungen stark gemindert, läßt sieb aber noch in erfreulicher Form aufrecht erhalten. Die Sportabteihing hat leider infolge Einziehung sämtlicher Mitglieder ganz, den Betrieb cinstcllen müssen. Ebenso die Fechtriege. Allmonatlich werden gemeinschaftliche Wanderungen und Abteilnngstumfahrien unternommen, die sielt lebhaften Besuches erfreuen. Ein Turnwartskursus unter Leitung des Herrn Julius Hirsch ist eingerichtet worden, der an jedem Sonntag Nachmittag von 3 bis 5 Uhr in den Räumen des Herzl- Clubs stattfindet. Am 30. Oktober wurde ein Schauturnen veranstaltet, das einen der episten Zeit entsprechenden würdigen Verlauf nahm. Es beteiligten sich ca. 200 Turner und Turnerinnen daran. Der Reinertrag der Veranstaltung wurde dem Komitee der galizischen und palästinensischen Juden zugeführt. Der J ü d i s c h e Fr a 11 e 11 b 11 n d f ii r Turne 11 11 11 d S po rt turnt in drei Frauen- und zwei Mädchenabteiliuigcn im ganzen wöchentlich S mal. Eier Turnbesuch ist wenig unter dem früheren Durchschnitt, in einigen Abteilungen sogar erheblich besser. Der Verein hat eine gesonderte Wanderabfeilung gegründet, die in zwei Gruppen jede» Sonntag Wanderungen macht 1111(1 regen Zuspruch findet. Der Rasensportbetrieb war in diesem Sommer besser als im Vorjahre Der Winterbetrieb im Stadtheim hat mit hebräischen und jüdischen Kursen begonnen. Der Jüdische Ruderklub I v r i a Hat seinen Betrieb aufrecht erhalten können. Der Jüdische Turnverein Bar Kochha Hamb 11 rg hält seine Arbeit in sehr erfreulicher Weise aufrecht. Geturnt wird in einer Frauen-, einer Männerlind drei Jugeiidabteiluugeii, im ganzen 5 mal wöchentlich. Die Ruderabteiiimg hat im Sommer noch bestanden, mußte aber jetzt wieder schließen. Hockey und Fußball wurde weiter trainiert. Die Wanderabteihing macht regelmäßig Ausflüge. Die Vereilte in Breslau, Köln, K a 11 o - w i t z , M ii 11 e 11 e 11, N ii r 11 b erg, S t c 11 i n kortnten ihre Betriebe aufrecht erhalten, besonders die Fraiieiiahteiliingen sind normal besucht. Die V. J. St.e!1 haben ihre Turtibetriebe eiligestellt. Unser Verein in Posen mußte aus Mangel an turnerischer Leitung und einer Turnhalle 7.11 Beginn des Krieges seinen Betrieb schließen. Seit einigen Monaten ist die Arbeit durch einen Berliner Bar Kochbancr, der dort seinen militärischen Dienst ausiibt. wieder mitgenommen worden. II ä 1 h e r s t a 111, I) 1111 z i g , F r a 11 k f 11 r t und S a in t e 1׳ haben das T urnen einsfdicu müssen. III Königsberg wurde der Betrieb auch eingestellt, er ist aber jetzt in den Frauenabteihmgen wieder aufgenomiiien worden. 1 >ie J ii d i s e 11 e T u r 11 e r Schaft versendet, wie im Vorjahre, auch diesmal Chan uk ahgaben an ihre im Felde befindlichen Turner. Das Büro, Berlin W. 15, Bleibtreustr. 25, nimmt Liebesgaben aller Art gern entgegen. AUS HAMBURG-ALTO!^ Der jüdische Turnverein Bar Kochha in Hainbürg hielt am 28. Oktober seine diesjährige General- Versammlung ab. An Stelle des im Felde stehenden Vorsitzenden, Herrn Dr, Marlin Auerbach, lfcitete Herr Leopold( Abrah a m die Versammlung. Nach Eröffnung der sehr gut besuchten General- Versammlung gedachte der Vorsitzende zunächst der gefallenen Tnrnbrütler des eigenen Vereins: Musketier Willi B e h 1׳ c 11 d , Musketier Siegfried Demb i 11 s k i, Vi/.efcldwebel Siegfried Blau k e n f e 1 d , Gefreiter Arthur Fink, .Musketier Julius Salzm a n 11, Feldwebel Dr. Fritz. F i 11 k , Musketier Martin Daniel, als auch derjenigen der gesamten ,,Jiidischen Turnersdiaft". Hierbei wurde besonders des־ verdienten Vorsitzenden der ״Jüdische» T11 r - n e r s c 1! n f t“, des Herrn Rechtsanwalts Greifenh a gen, Berlin, sowie des Herrn Fritz. Ab ra 11 a ni, Berlin, gedacht. Auch ehrende Worte des Gedenkens wurden dem kürzlich verstorbenen Vorsitzenden der