Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1915)
- Date
- 1915-12-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 412 UEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50 deutschen Tiirnerschal't, Herrn Dr. <) ö t / , Leipzig, welcher ein Freund unserer Sache war, gewidmet. Die Versammlung erhob siel! zum Zeichen des Beileids und zur Ehrung der Verstorbenen von den Sitzen. Die Verlesung des Jahresberichtes, zeigte, daß trotz der schwierigen Kriegsvcrliältnisse der Verein in der Lage war, seinen Betrieb in allen Abteilungen aufrechtz.uerhalten. 111 den Kinder-Abteilungen turnten 164 Knaben und 204 Mädchen; in der Daimht-Ahtrlung, welche zurzeit 124 Mitgdieder zählt, turnten durchschnittlich ungefähr 00 Damen; die Herren- Abteilung hat naturgemäß dadurch, daß 12$ Turnbrüder im Felde stehen, nur noch eine Durchschnittsfrequenz. pro Abend von ungefähr 20 Turnern (junge Leute im Alter von 1(1 bis 18 Jahren). Der Bericht der Hockey-Abteilung, Wandcr- Abteilung-, Ruder-Abteilung und Fußball-Abteilung ergab ein sehr erfreuliches Bild einer ernsten, zielbewußten Tätigkeit. Besonders hat die Fußball- Abteilung bei den verschiedenen Wettspielen, die sie gegen andere Hamburger Vereine zum Aus trag brachte, im allgemeinen sehr gut abgeschnitten. i>ef Kassenbericht ergab ein an sich recht erfreuliches Resultat insofern, als der Verein in der Lage war, seine Verpflichtungen stets pünktlich zu erfüllen und mit einem erheblichen UeberscliuB in das neue Oeschiiftsjahr einzutreten. Durch die Unterstützung des ,,Vereins für Pflege schwacher israelitischer Kinder“ waren wir i!1 e!ef Lage, auch unseren orthopädischen Kursus für schwächliche Knaben weiterzuführen. Einen besonders schweren Verlust erlitt der Verein durch den Tod des im Felde gefallenen Vorstandsmitgliedes, Referendar Dr. Fritz Fink. Der Verein war in der Lage, für die örtliche Kriegshilfe HK) M., für unsere östlichen Brüder HM) M.. für Kinderspeisung 70 M., für die ״Abendküche“ uer ״Zionistischen Frauenvereiuigutig“ 61 M. und zur Nagelung des ״Eisernen Michel30 ‘׳ M. zu spenden. Für Liebesgaben wurden ca. 200 M. gesammelt. Mit unseren Freunden im Felde wurde ein lebhafter Verkehr durch Uebersendung dieser Liebesgaben und durch fortgesetzte Korrespondenz, sowie durch die Uebersendung unserer Mitteilungen aufreehterhalten. Es verdient noch besonders erwähnt zu werden, daß sich für den Verein Fräulein K ,1׳t z. e 11 s t e i 11, Frau״ lein W i g d c 1־ o w i t s c h, Fränlcin B 11 r c h a r 11 und Fräulein Arni C o h c 11 , sowie Herr Emil E n o c h una Herr Willy W i g d e r o w i t s c 11 besonders verdient gemacht haben, wqfiir der Vorsitzende ihnen den llank des Vereins abstattete. Mit dem Eisernen Kreuz wurden ausgezeichnet: Leutnant Ihr. Martin Auerbach, Vizefeldwebpi Siegfr. B1 a n k e 11 f e 1 d (gefallen), Unteroffizier Hugo Goldschmidt, Stabsarzt Dr. Henry Hirsch. Vizefeldwebel Ludwig Katzmann, Vizewaehtmeiste!• Leo J. L e ß m a!1 n , Assistenzarzt Dr. Simon Levy, Oberarzt Dr. S. Stichel, Feldwcbdlemnant Dr. Walte! W c i g e 1־ t, Dragoner Walter B r ii n n. Bei der Vorstandswahl wurden für den g.eschiibsführenden Ausschuß Herr Dr. Martin Auerbach und Fräulein Efly Wigderovvitsch wiedergewählt; an Stelle des im Fehle stehenden Herrn Martin Fürstenberg wurde Herr Leopold Abraham in den geschäftsführe״- den Ausschuß gewählt. Die übrigen Vorstands!««־ giieder, Fräulein Cohen, Fräulein Burchard, Fräulem Lotte Hecker, Herr Emil Enoch, Herr Martin Fürste«- berg, Herr Adolf Cohen, wurden wiedergewählt. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenbeiten besprochen wurden, an denen sich die Versammelten lebhaft beteiligten, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Makkabäerfeier in Berlin Montag, $ Uhr abends, fand im ,Meisters».־!! die diesjährige M a kk a b ä e r 1' e i e r der B er- 1 i n e r Zionistisch e!1 V e r e i 11 i g u n g statt. An der Abendkasse waren keine Karten mehr zu haben — alle Plätze• waren schon im Vorverkauf vergriffen. Und in der Tat, die zahlreichen Besucher, die gekommen waren in der Erwartung, an einer an Zeit entsprechenden, würdigen Leier tcilztinelmieri, sahen sich nicht getäuscht. Zur Einleitung hielt Dr. K1 e e die Festrede. Lr verstand es, den üblichen schabloneumäliige!] Ton völlig auszuschalten, er sprach Worte, die durchaus in die Zeit hineinpalheii. Er warnte vor Stimmungen, rx. denen man sich gerade jetzt so leicht hinreißen lassen könnte; er warnte davor, kampfmiidc zu werden und das Hci^darin zu sehen, um jeden Preis mit den Ci egnerri Frieden zu schließen, lind sei es auch um den Preis eines unserer höchsten Ideale. Nein, nicht im Koni prouiili kann unsere Stärke beruhen, sie beruht vielmehr nur in unserer Treue gegenüber allen Ideen, die wir als richtig erkannt haben, die wir auf unser Banner geschrieben haben. Das war die Größe de; Makkabäer, daß sie von ihrem Ziele nicht um Haares Breite abwichen, nur das kann auch unsere Größe sein. Rauschender Beifall bezeugte dem Redner, ließ die Zuhörer seinen Gedankengang verstanden und sich j l״it ihm eins fühlten. 1 Die künstlerischen Darbietungen wurden durcli!rau Elisabeth L e s s e r eingeleitet, die Bectho- I . e n s G-dur Romanze und Brahms’ Adagio au.« Nim Violin-Kon/ert zum Besten gab. Unterstützt von mret ״!!llanteu Technik gelang es ihr, eine abgerundete künstlerische Leistung dem Publikum zu bieten. Beide Stöcke waren nicht nur wohl durchdacht, sondern was wen mehr bedeutet, wohl durchfühlt und empfunden. Reicher Beifall, von dem■ ein Teil auch gewiß der überaus verständnisvollen Begleitung Paul Frenkels galt, nelolmtc sie für ihre fleißige Knust. Dü* Rezitation hatte Frau 1211111־ Scharon übelnommen. Mit ungewöhnlich viel Verständnis vermoente sie aus ihrem reichen Temperament heraus rin Kapitel aus dem Hohelied der Zuhörerschaft näher zu bringen, eine Leistung, die deshalb um so j höher enizuschät/en ist, als ja gerade das Hohelied der sprödeste Stoff Nt, den man sich denken kann. Ebenso tief lUtrchfühlt, waren die ״Urgieiclmisse“ des jungen hebräischen Dichters Jacob Kahan, der selbst bei der Feier zugegen war. Reicher Beifall drückte den Dank des Publikums aus. Den Schluß bildeten die von Leo ü o 11 a n i!1 vorueuagenen jidisclu-n Volkslieder. Darüber läßt sich wahrlich nicht mehr sagen, als bereis vielfach gtesagt worden ist. Gollanin gehört zu den wenigen, die mit dem tiefen Verständnis für alles Jüdische zugleich eine selten schöne• Stimme verbinden. So gelingt es ihm, immer wieder die Zuhörer mit sich fortzureillen, in den Vortrag eines kurzen Liedes das ganze Leid, die ganze Sehnsucht des jüdischen Volkes zu legen. Die Zuhörer können für etwas derartiges nicht umlankbur sein: ein Beifall, der sich gar nicht legen wollte, zwang den Künstler zu noch z.wei Zugaben; eine dritte ließ er sien nicht abpressen. Die Feier schloss mit Absimning der ersten Verses der Hatikwah durclt.die netrasterte Jugend. Alles in allem : eine außerordentlich wohlgeluiigcne Feier Hoffen wir, daß die größere Feier, die die BZ V im Januar veranstaltet, in gleicher Weise gelinrr. H. A. Ausweis Schekel: 161 1/15; Berlin 2, , aus d. Felde 8, ־; 1015/10; Wiesbaden 20, . Landesbeiträge: Berliner Zion. Vereinigung (für 1UI44 3.-, Zion. Jug.-Verein Berlin (f. 1011) 6,-, Halle (Soliderbeitrag) 50, , aus d. Felde 1, . ׳״•opagandafonds: Berlin; Einzelbeitrag 3,--; Mannncmi: Kantor Ign. Kurzweil 5,; aus d. Felde: Rechtsanwalt Kur/weg-Taniowitz 5, , Gefr. Nathan 5.־ . Einzelheitrag 3, . *'״rschiedene Spenden: aus d. Felde 6,50, Hambura 12, . Flntfang vom 25. November bis 8. Dezember 1915: Schekel: 1014,15: 10, M.; 1015/16: 20,— Marie: Landesbeiträge: 57, M.; P r 0 p a - 0׳ a n liafonds: .39,50 M. Gesamteingang: Schekel: 1914/15: 3079, Mark; 1915/16 : 280, M.; I. a n d e s b e i t r ä g e: 3407.50 M.; P r o p a g a n d a 1' o 11 d s: 9427, M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinlgung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. HL Heymann & Co., Berlin W 56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Chanukahpakete Infolge falscher Adressierung haben wir die au folccnue Freunde adressierten C h a n u k a h p a k e t e zurtickbckonirneri: ' *nteroffiz. 13 a 11 t e 11! 1• r v. Jiid. Geuicimiebtuid, Friearien M i c 111■ 1, S c h w a r z s c 11 i I d , Hermann Turnier, Max Fleisch m a 11 11 , A. Silbergleit. Theodor Friedman!!, Hugo Waguer IL Lewin Ewald, Kurt 1. e w k o wi t z , Siegfried Eise mann, Max Pappenheimer, Josef Sen meid 1er, Richard Ehrlich, Hermann Warisen. Dr. Westfeld, Arno Lauer, Alb. Danie!. Arnold W 0 I f f, J. Heymann, Alfred t-'onn, Louis W c i 11 h e r g, Georg Juli 11 s h e r - ger, Max Horn, Walter G 111 ui a 1111, Dr. Max Kirscnner, Leopold Israel. Zionistische Vereinigung für Deutschland. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Ungarn. Am l. Dezember hat der Verein ״Hasiiioniia“ einen neuen Zweigverein gegründet, der es sich zur Aut na ne macht, die heranwachsende jüdische Jugend riir n»״n Zionismus 7.11 interessieren. In der ersten Versammlung, die im Lokal des Zionistischen Zentral- Büros 10r Ungarn stattfand, wurde Herr Geza U11 - gar zum Vorsitzenden, Boris Q u a r t i n zum Sekretär iitia trno Grün zum Kassierer gewählt. Jedem Sonn- 1a״ Nacnmittag wild der neugegründete Verein im Lökai aes Zionistischen Zentralbüros Versammlungen 11 tu! Vorträge ablialten. Als Eröffnungsveranstaltung fand am 5. Dezember eine Clianukahfeier statt. AUS ALLER WELT Aus Ungarn. (T ü r die N o t I c i (I e 11 d c n i!1 P a löst in a.) Der Vorsitzende des ungarischen Komitees für die Notleidenden in Palästina, Dr. Alexander Lederer, hat beschlossen, die gesammelten 4401) Kr. nach Palästina zu senden : weitere IUI) Kr. wurden an das Wiener Komitee für palästinensische I luchtlingc ungarischer Nationalität, die jetzt in Wien sind, überwiesen. Außerdem wurde beschlossen, zugunsten der Aktion einen Palastnia-.Mmnnaeh lu raiis/ugebeii. Aus Russisch-Polen■ (S t a t i s t i s e 11 e s a u s R 11 s s i s c 11 -Pol e ti.) In Lodz ist neulich eine eintägige allg e 111 e i 11 e V o I k s z ä ii 1 u n g wirgeuommeu wareleu, die folgende Resultate ergehen hat. Die Bevoikcrimg der Stadt (mit Ausnahme des Vorortes 13.11111) bestellt aus 4 2 4(14 5 Personen, darunter 1 8 5 S 1 0 Männer und 2 4 7 2 19 Frauen. Der Religion mich wiiirkn unter den Einwohnern gezählt: Katholik e 11 211) $15, Protest a 111 e 11 52 241, Juden 155 092, andere Religionen 3 994. Der Nationalität nach zählte man: Polen 217:485, Deutsche ■18 772, Juden 154 817, andere Nationalitäten 4141. Diese Angaben /eigen also, daß bloß 2175 Juden nicht einmal 11.4 ״״ der jüdischen Bevölkerung sieh als Angehörige fremder Nationale tiileu, eventuell der polnischen, hezeichium. Die jüdiseke Bevölkerung, die sieh nicht bloß als Augehörige der mosaischen Konfession, sondern auch als söhne der jüdischen Nationalität betrachtet, bildet also mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung von Lodz.. Demnächst soll eine solche eintägige Zählung auch für Warschau vorgenominell werden. in der W a r s e h a 11 c r jidisclieu Tageszeitung ״M0 111e11t“ vom 2(1. November wird berichtet: ,,Seine Exzellenz Herr Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten von J a g ״ w stattete bei seiner letzten Anwesenheit in Warschau mehreren jüdischen Anstalten Besuche ab, darunter dem ״Zentralheim für Greise und I foimatlose“ in Lcschna 103, wo er die Einrichtungen besichtigte und sieh mit den Insassen unterhielt; dem von Frau Konsul Eiger gcleiteten ״Institut für amte Kinder“, Ogrodowa 27, den ״Werkstätten“ der Gemeindeverwaltung und der Talmud-Thora, (irzybowska Ti, in der 259 arme Kinder in verschiedenen Klassen, in denen ein Unterriclitskursiis von den Ania iigsgründen bis zum Talmudunterrielit absolviert wird, Unterricht erhalten. Der Gast ließ sieh in sämtliche 6 Abteilungen füllreu und erkundigte sieh nach den Unterrichtsfächern und dem allgemeinen Zustand der Anstalt. Beim Verlassen der Anstalt trug er seinen Namen in das Bcsuchsbuch ein.“ * Eine Gruppe orthodoxer Persönlichkeiten mit den Rabbinern von Prasznisz und Neustadt und eleu Herren Naphtali Sil herbe rg, Joel Weg- 111 e i s t e r lind W e i!1 g o 11 an der Spitze wandte sieh an die deutsche Verwaltungsbehörde mit dem Gesuch um die Bestätigung einer geplanten Rahbi n e r-O r g a 11 i s a t i o 11. Diese Organisation soll von der Gemeindeverwaltung unabhängig sein lind *■las Recht besitzen, Rabbiiiatsmignisse auszustellen, auf Grund deren die Austeilung von Rabbinern jeder Synagogen-Verwaltung frei« teilen soll. * In Warschau wurde eine zentrale Jugendo r g a!1 i s a t i o 11 unter eiern Namen ״M e r k a s - h a - Zeirim“ begründet. Die neue Organisation stellt sich die Aufgabe, die gesamte iiatioiialjüdische Jugend zu hebräisch-nationaler Kulturarbeit /iisamnieiizusehließen. Für die Aufnahme in die Organisation ist die Anerkennung des ״Baseler Programms‘‘ Bedingallig. Sämtliche: jüdischen Zeitungen Warschaus weiseil aut die hohe Bedeutung dieser Jugendorganisation hin. In I. odz bestehen gegenwärtig 15 städtische jüdische Elementarschulen mit 67 Abteilungen und der gleichen Anzahl von Lehrkräften. In den Vororten bestehen 6 jüdische Schulen mit insgesamt 18 Aliteilnngeii und Lehrkräften. £ j Die deutsche Verwaltungsbehörde 111 War- « e h a 11 bestätigte dieser Tage die Statuten eines neuen j ü d i s e 11 e 11 St 11 d 111 ׳ t e n v e r e i n s unter dem Namen ״S e 1 b s t h i 1 f e“. Der neue Verein hat die Aufgabe der materiellen Unterstützung jüdischer Studierender an eien Warschauer und auch an aus- 1:1 iidisclien Hochschulen. * Die zionistische Ortsgruppe in L od z wurde durch die deutsche Verwaltungsbehörde legalisiert. Als Mitgiieder des zionistischen Oilskoniitees wurden die I f erren Dr. B r a 11 de, 1 )r. R o s c n bla i t, S. L e w , N. M i 1 e i k o w s k i und M. M ereil aw bestätigt, * Entsprechend einem Vorschlag des Herrn 1). F arbstein wurde in einer Kommissions-Sitzung״ der Warschauer jüdischen Gemeindeverwaltung he’- schlossen, eine billige Wäscherei für dir׳ arme jüdische Bevölkerung־ Warschaus zu schaffen. * Der jüdische Kaufmann Salomon F r 1 e d b e 1־ g wurde vom Kommandanten der Stadt Pctrikau i» Polen, General Schneider, zum Bürgermeister dieser Stadt ernannt.