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Jüdische Rundschau · 1915-12-10 · Heft 50 (10.12.1915) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 50 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 40S JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50 p(llll!!l!!lllllllil!!!l!lil!i!il!ifl!lllllllillll^ | Die ״Jüdische Rundschau" j | in Russisch-Polen ff f§ Die in Russisch-Polen bestehenden j§ jg deutschen Postanstalten in Bendzin, j§ §§ Czenstochau, Kalisch, Kolo, Konin, g fj Lodz,Pabianice, Sieradz, Sosnowice, §§ g Warschau, Wielun und Wloclawek g ji nehmen Bestellungen auf die ״Jiij §§ dische Rundschau“ zum Abonne- §j mentspreis von ₪ 1 H. 1,75 vierteljährlich | Ü entgegen. Ebenso werden Bej g Stellungen aus diesen Städten auch g g bei der Unterzeichneten Administra- §§ H tion entgegengenommen. g 1 üdministration der Jüdischen Rundschau“ ( g Berlin W. 15 Sächsische Str. 8. || Slllllllllllllllllllllillllllllllllllllllillllilllllllllllllll^ Frankreich und die russischen Juden Gustave H ervc veröffentlicht in seiner Zeitung ״L a guerrc sociale“ vom 26. November 1915 einen neuen Artikel über ״Die russischen Juden in Paris“. Wir haben schon seinerzeit Herves mutige Aufsätze wiedergegeben, mit denen er den auch in Paris verfolgten russischen Juden zur Seite trat; auch diesmal geben wir seine Anklagen wieder. ״In der vorigen Woche hat der Pariser Stadtrat auf die Anfrage des Herrn P o i r i e r d e N a r ן a y , der von Herrn Galli und Herrn Dausset unterstützt wurde, den Wunsch ausgesprochen, daß die Angehörigen der verbündeten Staaten aus Frankreich ausgewiesen werden sollten, wenn sie sich trotz militärpflichtigen Alters nicht ins Heer *einreihen liehen. Und sofort begann sich, ähnlich wie vor einigen Monaten, als auch eine derartige Drohung' über ihnen schwebte, an den Tiiren des Polizeipräsidiums eine große Anzahl armer russischer Juden aufzustellen, Leute jeden Alters und Geschlechts, die ihre Pässe zur Abreise nach Amerika haben wollten. Ich will gegen die Herren Galli, Dasset und Poiries de Narcay keine üblen Vorwürfe erheben in der Erinnerung an Deroulede, der ihr Freund war Und dessen Name in diesen tragischen Tagen allen Franzosen teuer ist, auch denen, die ihn am meisten bekämpft haben, und in der Erinnerung an alle sögenannten Nationalisten, die sich seit 15 Monaten für Frankreich ohne Phrasen schlagen: ihnen allen will ich nichts Unangenehmes sagen. Ich will auch all meine schlechte Stimmung und all meinen Zorn gegenüber den Torheiten des Senats in diesem Augenblick unterdrücken, der uns die Aufgabe von Saloniki predigt. Ich erkenne auch den Kern von Berechtigung in der Verzweiflung der armen Frauen unserer Eingezogenen an, die im 4. Arrondissement von Paris gesunde Leute vergnügt ihrer Beschäftigung nachgehen sehen, während ihre Söhne und Gatten, gebrachen durch den Krieg, seit 15 Monaten in den Schützengräben liegen. Noch mehr: ich gebe ehrlich zu, daß auch ich über die Haltung gewisser russischer Juden in Paris gereizt hin, die sich für Revolutionäre halten und die die Mehrzahl (wenn man dies Wort gebrauchen darf, da es sich doch nur um ungefähr 25 handelt) des Auditoriums bilden, in dem arme Teufel von Sozialisten uns einen verfrühten Frieden predigen, von dem auch nur der Gedanke der fast vorhandenen Einigkeit in unserer Partei Ekel verursacht; wenn gewisse russische Juden nicht den Takt haben, in Frankreich mit einer Propaganda aufzuhören, die uns allen deutschfreundlich erscheint, so sehe ich nichts Ungehöriges darin, wenn man sie bittet, ihre Propasganda in der Schweiz oder in Deutschland zu machen. Herr Galli würde selbst nicht eine Minute ernsthaff daran denken, diese russischen Juden in Massen deshalb auszuweisen, weil sic sich nicht für verpflichtet halten, für Frankreich zu kämpfen, sie auszuweisen, nur zum Vergnügen einiger Restaurateure, die seine Wähler sind. Aber dazu muß man den ganzen Komplex der Frage verstehen. Warum wollen diese russischen Juden — denn mir um diese handelt es sich in Wirklichkeil — nicht Soldaten werden: das ist die Frage, die sich Herr Galli vorlegt. Ich will Ihnen antworten, wenn Sie es gestatten. Zunächst wollen sie sich nicht für Rußland schlagen, weil Rußland bis heute das Land des A n t i s e m i t i s m 11 s war, wo die Juden auch nicht ein Bürgerrecht besaßen, weil es das Land ist, wo man die Juden in gewissen Bezirken einsperrt, wie in einem großen Ghetto; weil es d a s L a n d der P o g r o m c ist, wo vor 25 Jahren eine von der Beamtenschaft fanatisierte Menge sich zu Massenmorden hinreißen ließ, von denen die Pariser Juden vielfach die traurigen Ueberlebcndeii sind. Bedenken Sie, Herr Galli, wenn Sie die Ihren vor Ihren eigenen Augen in Kischinew hätten hinschlachten sehen, wenn Sie wüßten, daß Ihre Glaubeilsgenossen in Rußland kein ei n z i g e s ö f f e 111 - lieh es Recht besitzen, wenn. Sie vor Verfolgungen und Pogromen hätten fliehen müssen, würden Sie dann freiwillig hingehen, um für R u ß 1 a 11 d 7. u k ä in p f e n? Sie meinen, dann sollten sie wenigstens für Frankreich kämpfen, für das Frankreich der Menschenrechte, das die Gleichheit aller Mensehen proklamiert hat und seine Untertanen jüdischer Rasse zu vollberechtigten Franzosen gemacht hat? Gewiß, aber zehntausend von ihnen haben sich ja auch gestellt, damals im August 1914, als die Deutschen auf Paris marschierten, da traten sie freiwillig ins Heer, aus Liebe für Frankreich, das Land Her Revolution und der Republik. Aber w i e 11 a b e n w i r d i e s e z e h 11 t :111 - send Freiwilligen behandelt, von denen schon so viele Tausende ruhmbedeckt auf den Schlachtfeldern der Champagne lind der Argon ne n gefallen sind? Haben wir nicht die Torheit begangen, sie in eine Fremdenlegion zu stecken, unter Korporale und Unteroffiziere unserer Fremdenlegion, d. h. unter ganz brave, etwas grausame, häufig antisemitische Vorgesetzte, die an widerspenstige Gesellen gewöhnt waren, wie sie im Frieden in unserer Fremdenlegion waren, lind die nun eine Disziplin einführten, ähnlich der in den afrikanischen Bataillonen? Welche Leiden müssen diese unglücklichen Freiwilligen ausgehalten haben? Und da w und ern Sie sich, daß einige russische Juden sich w e i g e r n , freiwillig Soldaten zu werden, auch wenn sie m einein Linieiiregiment kämen? Viele von ihnen sind eben erst aus Rußland gekommen, sie sprechen unsere Sprache noch nicht, sie hatten noch keine Zeit, Frankreich lieben zu lernen, und da wollt Ihr sie mißhandeln, weil sie nach Kenntnis der Leiden der ersten Kriegsfreiwilligen das nicht auch ihrerseits durchmachen wollen? Um im besten Falle einige hundert Freiwillige — schöne ״Freiwillige“ — zu bekommen, wollt ihr Tausende von armen Leuten, Greisen, Frauen und Kindern nach Amerika schicken, damit sie dort erzählen, daß sie aus dem freien, r e p u b 1 i - k a n i s c h e n Frankreich ausgc wiese 11 sind? Es gibt in der großen amerikanischen Republik drei Millionen russischer Juden, davon eine Million in New York, die dort einen ungeheuren Einfluß ausüben. Diese drei Millionen amerikanischer Juden verabscheuen Rußland; nur eins hält sie zurück, die Liebe zu Frankreich. Und nun wollt Ihr, um einigen Ladenbesitzern im vierten Arrondissement eine Freude zu machen, Euch die drei Millionen amerikanisclier Juden e n t f re m d e n? Ihr wollt unsere Ehre aufs Spiel setzen, wollt, daß wir Gemeinschaft mit A n t i s e in i t eil machen, die die armen Verbannten, die Unglückliehen Opfer der russischen Pogrome, verfolgen? Aber selbst die größten Antisemiten aus dem vierten Bezirk würden Euch desavouieren, wenn sie wüßten, was uns eine derartige Maßnahme kosten kann! ln dem Augenblick, als ich diesen Artikel schrieb, telephonierte mich eine junge Pariser Jüdin an: ״Sie glauben also nicht, daß inan uns ausweisen wird?“ ״Ntjin, gnädige Frau, der Minister des Innern hat es schon vor mehreren Monaten gesagt, daß er es nicht zulassen wird, daß man den Verbannten etwas zuleide tut.“ ״So kann man also ruhig auf die Kriegsanleihe zeichnen?“ ״Aber ja, mit beiden Händen.“ ״Und wenn man uns doch ausweist?“ ״Niemals! Nie wird die französische Republik eine solche Schandtat begehen.“ ״Ist das sicher?“ . ״Nicht nur das ist sicher, sondern ich verspreche Ihnen sogar, wenn die Milliarden der Anleihe nicht für den Krieg ausgegeben werden, dann wird die Republik vom Ueberschuft einen Strick kaufen, um...“ Da wurde leider die telephonische Verbin düng unterbrochen, so daß diese junge russische Jüdin niemals erfahren wird, zu welchem Zweck ich diesen Strick von dem Ueberschuß der Siegesanleihe kaufen wollte. Gustave Herv e.“ Zentralfonds 1915 Ausweis der im Oktober und November eingegangenen Beiträge. Dr. Deutschland Löwenstein . . . Aachen Berlin: 11. Lipsdrütz. S. Stein, /. Zt. Magdeburg, I . Stern ....... Dr. J. Strauß, z. Zt. New Leo Herrmann, 2. Rate . . Breslau: Dr. Landsberger. Sammlung. Danzig: ‘ Dr. 14. Levy. O. Retwitzer. D u i s b u r g: S. Cohn .... Esch w e i 1 e r: M. Meyer, z. Zt. Hannover: P. Odze. Karl Sclileisner. Straßburg: B. Feiwel, z. Zt. 2. Rate ׳ York' Ji. 20,- -,10 ״ -,5 ״ -,20 ״ -,14 ״ -,סו " -,סי " -,SO ״ im Felde Schweiz Westösterreich: 20,— 10,— ״,10 -,10 -,5 —,50 —,100 Innerösterreich ' W i e 11 : Verb, ״ivria“. Kr. 50,-- Jk 37 — K. Fäpler, im Felde . . . 10,. 7,40 ״Moriah“ . — ־,20 14,80 Dr. Weiner . 20,— 14,80 Dr. M. Sprecher .... 50,— 37,— Dr. Weleminsky. 22,- Dr. 11. Fast. 10,- 7,40־ Josef Frank . 10,- 7,40 1.0 e be n: L. Röhr. 91 20,- 1t 14,SO Böhmen Aussig: M. Grzyb, im Felde . Kr. 20,80 Jk 15,39 Prag: Kadett Dr. R. Weltsch, im Felde .. 30.— 22,20 F. Mautner . 10 — 7,40 Teplitz-Schönaii: Jüd. Volksverein Zion . . 91 125.80 Mähren-Schlesien B i e I i t z: Dr. G. Aschermann Kr. 20- Ji. 14,SO lg lau: Dr. H. Pollak . . . 25 — 18,50 U 11 g. Hradisch: A. u. R. Striiußler . 29,60 U n g. O strau: Ad. Hahn 11 17.04 Ungarn Budapest: K. u. S. Schlesinger Jk 6.99 Nagys zebben: Oberlt. Winkelberg 1t 10,- ozatmar-Nemet: Dr. V. Yordan. Kr. 13.48 it 10- Südslawische Länder Bj.elovär: F. Singer .... Kr. 10.- Sarajevo: Alb. J, Alcalay .... Holland A m s t e r d a m: Ortsgruppe Rumänien Jassy: Th. Levy .. P a 1 ä s t i n n Jaffa: Sammlung. Verschiedene Spenden Roh. Gutniam! (f. Ang. Sept., Okt.)_, Kadett 7,40 17.50 fl. 25.40 Jk 51,87 . . . Jk 30,- . . . dt 196.12 Klinghofer, H. Koretz, 111g. Aschermann, K. Meiscls S. Picker, Jk 19,68 Berlin: Hebräisches Schulwerk Deutschland C. Moses. Jfo. 30, sind. jur. H. Lew. v. 10, E. Pataky, iin Felde. i * 40, - Gefreiter Berliner, im Felde . . 10,- Dr. F. Neumaiin, 1. Rate . . . 5.- In״. M. Freund.. . 20,- E. Masehschefes.. . 10,- Dr. Pinczower. 10, - Dr. Friedländer. 10, L. Cu ten.. - ■ ־־■,10 Dr. H. G. Hermann . . ... . 100,- Reuthen: S. Guttmann . . . . 100,- D ü s s e 1 d o r f: Dr. O. Jonas . . 10,- Eschwei 1er: M. Mever, im Felde 10, - Hannover: Karl Schleisner . . . 50, - Kiel: San.-Rat Dr. Jacob . . . . 20,- Frankfurt a. M.: Dr. Schwarzschild . . ty 30, - L e i p z i g: S. Katz. 10, - Dr. Koerber. 10, - M ü 11111 a 11 s e n: Zion. Ortsgruppe 30, - M a n n 11 e i m: Dr. O. Blum . . . 10,- M ü n c 11 e n: H. Lewinger. >1 20, - Posen: S. Scherek. 20,- Tuchler.. . . . . 10,- Schlüchtern: S. Sichel . . . . *t 20,- Westösterreich Innerösterreich Kapfenberg: M. Marmorek , Kr. 20,- Jk 14 SO Laibach: Dr. V. Kleinzeller . ״ 20,- 14,30 Wien: Verb. Zephirall“ . . . , ״ 50t) 42,- 7,40 Dr. A. N.״ 10- V

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