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Jüdische Rundschau · 1915-12-03 · Heft 49 (3.12.1915) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 49 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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JU EI) iS(; HE RUNDSCHAU Nr 49 Seite 402 Von den mi 1 cki t aclu11׳d111׳ .Mitgliedern der jitd.mk.1d. Verbindung 1 m 11 11 a 11 in B 1 e I i t z sind ausgezeichnet h/u. lx״1׳rd<׳n worden : V H. Hernun!ח R ס s e n h e r;; wurde!111! dem Militär-Verdieustkreuz lli. Kl. 1ml der Kriegsdekoration aus-!jezeichnet, A. II, In״. Ludwig Kramer mit dem Sieiium laudis, außcidem zum Oberleutnant betördert, Bbr. Berthold R u s e 11 b e r g mit der kleinen Silbernen TapterkeiKiimladle und /um Kadetten er- 11:1 mit, Uhr. In״. Sn in ml I! 1 e i e 11 e1 r mit der Bronzeneu Tapferkeitsinedadle. 7.11 Oberleutnant'■ wurden lernet' befördert : A. H. Josef T!lieber g e r, A. 11. I iernumn S tr ne r. A. II. Siegfried S e 11 e!11 h a e 11 , zu Leutnants: Adolf R j e 11- I r r, Leopold R e 1 e 11 , \. II. Leo I 111k; A. H. Simon S t e 11 e r wurde g 1' 1' .1 n 1.; e 11;'iiiwninen. Die Polen und die Juden f in Galizien ) 1111 ״J e w i s I! (, 11 r (111 i e I e“ in London Timk'11 wir folgende interessante Bemerkung: Man wird sich entsinnen, daß während der Be- Setzung Galiziens durch die russischen Truppen die P alert immer wieder die Juden als ö s t e r r e i c h - f r e u n d 1 i c h und U eg' n e r der Besetzung׳ demtuzierten. Jetzt scheint es, dali die polnischen Antisemiten in Galizien sehr geschäftig: sind, die Juden hei den Ocsterrc icluon als russeuf r e u n d I i c 11 zu verdächtigen. Infolge ihrer Anklagen sind bereits verschiedene Juden unter der Beschuldigung, den Truppen des Zars Beistand geleistet zu haben, verhaftet worden. Diese Nachrichten haben einen tiefen Eindruck auf die Antisemiten in Rußland gemacht, die den polnischen Denunziationen blind (.Hauben geschenkt hatten. Zionistische Pflichten Der Sehekel ist die jährlich e B e i t r a g s I e i s 11111 g d er Z i o - nisten an die (j es a in t o 1־ ga n i - sation zur Deckung der laufenden \usgabcn für die Bewegung. Der Sehekel beträgt M. 1,- und muß von jeden! Zionisten entrichtet werden. Der Kriegsbeitrag ist ein e U m - 1 a g e auf all e d e 111 s e 11 011 Z i o - nisten zur Aufbringung der Propagaudaunkosten während der Kriegs zeit. Dieser Sonderbeitrag ist auf nt j n ־ d estens OM. festgesetzt. (ieklsendungen sind zu richten an: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 10, Sächsische. Sfr. S: ITistsclveck-Konto: Berlin 8091. Eine Million amerikanischer Juden für einen jüdischamerikanischen Kongreß Es ist für die p o 1 i t i s eit c Bedeutung der aim 1!kanisehen Juden bezeichnend, daß unter ihnen wahrend des Krieges eine mächtig ans c 11 w e llen d e B e w e g tt 11 g eingesetzt hat, die auf tlie Abhaltung eines Ko» g r e s s e s d e r a m e r i k a n i s c h 111 ׳ J u d e 11 liin/ielt, welcher die Bestrebungen zu g ti ת s t e n der hedruckten Jude» in Osteuropa zusammenfassen und zur praktischen Wirkung bringen soll. Die o rganisierten Willenskundgebungen so einfhtßreieher Bevölkerungsteile werden natürlich von den a m e r 1 k a 11 i s c 11 e 11 P o 1 i t i k e 1׳ n , nicht zum wenigsten im Hinblick auf die herannahenden W a 11 len, mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Von kleinen jüdischen Kreisen wurde zwar der Platt propagiert, eine Ko n ferenz. einzelner a erikanisch-jüdischer Notahein ab/ulia'ten. Diesei־ Plan scheint aber gescheitert zu sein, •weil die große Majorität der amerikanischen!Juden für einen demokratischen Kong rot. ist, der eine w i r k 1 i c 11 e R e p r :1 - sc n tanz des ganzen amerikanischen Judentums bedeuten soll. E> ist bereits ein Komitee zur Vorbereit 11 n g des jüdischen Kongresses gegrilltdet worden. Dieses vertritt vierzehn nationaljüdische Körperschaften mit einer Mitgliederzalil von ()30 001) Personen, darunter die Unabhängigen Orden Britli Ahraham und Brith Selta- Ion!, den Verband der amerikanischen Zionisten, die Vereinigung der orthodoxen Kongregationen, den Verband der russisch-polnischen Juden, den Verband der hessarubisclien Juden, die Vereiniguitg orthodoxer Rabbiner usw. Kerner wurde von der!1 a t i o 11 a 1 e n j ü d i s c h e n A r b e i t e rschalt mit 350000 Mitgliedern ein Komitee zur Förderung der K o n g r e ß Organisation g־cwählt. Das Komitee des jüdisch-ainerikanisehen Kongresses vertritt also schon jetzt mindestciis e i n e M i 1 1 i o n J u d e!1 d e r V' e 1־ - einigten Staaten. Das Komitee zur V o 1־ b e reit u n g des amerikanisch - jüdischen Kongresses beabsichtigt, seinerzeit ein s t ii 11 - d i g e s Komitee zur () r g a n i s a t i o n des Kongresses ein/iiberufen. Wie aus New York berichtet wird, erklärt es das Vorbereitungs- Komitee in New York für wünschenswert, daß sich die jüdischen Organisationen, die sieh mit der Losung der durch den Krieg entstandenen Fragen befassen?mit ihm in Verbindung setzen. ׳ Eine zionistische Resolution י zur Schulfrage in Warschau Das ״V a r s c 11 a u e r I a g e b! a f t“ vom 28. 11. zitiert die Resolution, die die Warschauer / 1 . - nisten in der Sc 1111!frage :uigenoinmeii haben und die ״II;1 z e f i r a“ in Nr. 210 v eröffentlicht hat. Die Resolution lautet: Ausgehend von den folgenden Prinzipien: a) Hebräisch ist die einzige nationale Sprache des jüdischen Volkes; b) die Umgangssprache der jüdischen Massen im Lande ist die jidisclie; c) die Kenntnis der polnischen Sprache ist für die Juden als Bürger des Landes sehr wichtig; beschloß die (Warschauer) Zionistische Organisation, folgende Forderungen in bezug auf die Schulfrage aufzustellen 1. Alle jüdischen Schulen, deren Unterrichtsspräche die hebräische ist, haben dieselben Rechte, wie die entsprechenden Schulen, in denen in einer anderen Sprache unterrichtet wird. 2. Hebräische I.ehrgegenstände (Religion, Bibel, Hebräisch, jüdische Geschichte usw.) sind, da sie den Grundstein der jüdischen Erziehung bilden, für alle jüdischen Kinder 111 allen Schulen obligatorisch. 3. ftiese (hebräischen) Gegenstände werden in der hebräischen Sprache unterrichtet. I. In den jüdischen Volksschulen soll Jidisch die Unter r 1 c h t s s p r a c 11 e sein, wo nicht die hebräische die Sprache des Unterrichts ist. 5. Die polnische Sprache bildet in allen für Juden bestimmter Schulen einen 11nterrichtsgegenstaml. Neuwahlen zur Warschauer jüdischen Gemeindeverwaltung Uebcr •die bevorstehenden Neuwahlen in der W a r s c 11 a 11 e r j ii d i s c 11 c ״ ü e!11 e ittdeverw a 11 11 11 g linden wir in der Warschauer jüdischen Tageszeitung ״M o tu e!1r‘ vom ln. Nov ember fol- ״ende Auslassungen; ,,Es ist bereits mehr als ein Jahr seit dem Ablauf der Wahlperiode verstrichen, daß die jetzigen Mitglieder der Warschauer jüdischen Gemeindeverwaltung das Amt versehen. Offiziell laufen freilich ihre Mandate erst im nächsten Dezember ab, weil ihre Bctätigut!״ für die Zeit von 3 Jahren seinerzeit im Dezember durch die russische Behörde erfolgt ist. Wie uns von einer zuverlässigen Quelle berichtet wird,!iahen die gegenwärtigen 1)0 z o re n (RcpräseutantenF beschlossen, neue Wahlen vorzimeiinieti. Es werden bereits im (iemcindehau.se die nötigen Vor- K e r e i t u 11 g e 11 g e 110׳ f f e n. Der Grund, weshalb die gegenwärtigen Dozoren durchaus neue Wahlen veranstalten wollen, ist ihre Zuversicht, daß sie unter den augenblicklich obwaltenden Verhältnissen als Sieger hervorgehen werden, daß also die Gcraeiiideleitung auch fernerhin in ihren Händen verbleiben werde. Ihre Siegeszuversicht stützt sieb aut den hohen Zensus, der der Wahlberechtigung zugrunde liegt. Die assimilatorischen Dozoren wissen sehr wohl, daß in dem Augenblick, in dem der gegenwärtig bestehende Zensus abgeschafft wird und jeder Steuerzahler das Wahlrecht erhält, ihre Herrschaft über die größte jüdische Gemeinde in Europa ein jähes Ende nehmen würde. In den gegenwärtigen Verhältnissen aber ist die Beseitigung dos hohen Zensus nicht möglich, und da zahlreiche wohlhabende, nationalgesinnte Geineindeniitglicder, die eine Gemeindesteuer in der Höhe von 15 Rubeln aulbringen, obendrein nach Rußland verreist sind, glauben die Assimilatorcn sich der llnflimng hingehen zu dürfen, daß neue Gemeimlewahlen gerade in diesem Moment sie׳ zum Sieg( führen werden . . . In der Ausgabe vom lü. November berichtet der .,Moment*•' über die S teil 11 n g n a 11 in e 11 c r W ,1׳ rs c h a 11 e r o r t h o 11 <> x e 11 Kreis e zu der von der assimilatorischen Gemeinde Verwaltung beabsichtigten Vornahme der Neuwahlen folgendes: 111 den letzten Tagen hielten die leitenden P e r s ö 11 1 i c 1t k e i t e 11 d e r W a r s c 11 a 11 e r orthodoxen Kreise zwei Beratungen ah, in denen sie zu den bevorstehenden Neuwahlen Stellung nahmen. In der e r s t e 11 S 1 t / u 11 g wurde die T a t s;11׳ h e festgestellt, daß die Gemeindeverwaltung tatsächlich! bes c 11 lassen hat, N e 11 w a 111 e!1 v ״ r z u ח e h - men, mul daß bereits die nötigen Vorbereitungen getroffen werden. Einer der Teilnehmer an der Beratung machte aus zuverlässiger Quelle tlie Mitteilung, daß die Ansicht, dali die Abschaffung des Walii/ensus von 15 Rubeln gegenwärtig undurchführbar wäre, d 11 r e 11 ־ i aus irrig sei; int Gegenteil: die m :1 Ii g e b e n - d e 11 K leise, die hier zuständig sind, b ei r a c h t e 11 diesen Z. e n s u s 11 i c h t a I s G e s e t z , s o!1 d c r 11 a 1 s w i 11 k ü r I i c h e V e 1׳ o 1־ d n u 11 g , die v o 11 v o 1׳ n 11 e r e i!1 d a 7. u b e s t i ni 1111 w a r , sd e 11 breiten V o 1 k s m a s s e 11 das W a h Ire c h t z 11 nehmen. Es besteht deshalb gar kein Zweifel, d a Ii d i e B e s t j in m 11 11 g b c z ii g 1 i c h des Z e 11 - s 11 s in d e!1 k o rn 111 c 11 d e!1 W a it 1 e 11 n ich t z 11 r A n w e n d u n g g e I a 11 g e 11 w i r d , voraiisgesetzt natürlich, das eine richtige Verwendung in dieser Richtung erfolge. Dazu ist es durchaus notwendig, daß sieii die breiten Volks 111 a s s c 11 deutlich und energisch g e g e 11 d e 11 best e h e!1 d e n W a 11 I - zensus erklären sollen und nicht erst aut derartige ,,Verwendungen‘׳ verschiedener histan/eii warten, weil die jüdische Bevölkerung nun einmal b i s 11 e 111 e k e ine I e g iti m c R e p r ä s e 11 t a 11 z besitze. Es wurde hierauf ein Wahlkomitee geschalten, das mit den V o r b e reit u n g s a r b e i t e 11 zu den bevorstehenden Wahlen beauftragt wurde und dem in dieser Richtung wichtige Direktiven erteilt wurden, um die bei den vorigen Wahlen tx׳- gängelten Fehler zu vermeiden und die Arbeit mit Erfolg du reit zu fü h ren. ln der zweiten Sitzung wurden folgende Besch I ü s s e gefaßt: 1. Ungeachtet der großen Schäden, die infolge der gegenwärtig bestehenden Unordnung in der Gemeindeverw,altung für. die gesamte jüdische Bevölkcrung Warschaus entstehen, - erachtet es die Beratung nicht als er vv ii 11 s c h t, im gegenwärtigen , Moment die E i n t r u c h t und das Z u s a 111 ni e n - vv i r k c 11 zwischen den verschiedenen Richtungen innerhalb der jüdischen Bevölkerung durch die V e 1׳ n 11 s t a I t 11 n g v <> 11 N e 11 w a ii len, die eine Verschärfung der Gegensätze lind einen gesteigerten Parteikampf herbeiführen müssen, zu gefährden. Man müsse deshalb mit aller Kraft dahin wirken, daß die Wahlen tür eine ruhigere Zeit a ufgeschobei! würden. 2. Man dürfe nicht eher an die Wahlarbeit herantreten, bevor die g e e i g n e teil K a 11 d i d a t e n zur Gemeindereprüseruan/ (״Dozoren“) ausfindig gemacht und gesichelt sind. Bei der Bestimmung der Kandidaten müsse die Parole maßgebend sein: ״Nieder mit den Stummen und Krummen!“ Es dürfen in keinem Falle Wirrköpfe und ,,Schweiger“ zu Repräseiitanten gewählt werden, die für jedes Ansinnen der Rädelsführer der Gemeindeverwaltung zu haben und unfähig sind, die wahren Interessen der jüdischen Bevölkerung vvaIוrziuiehn 1 en. 3. F a 11 s ei n B lock m i t de 11 N a t i o 11 a - listen zustande kommt, müsse die Kandidatur des Herrn F a rbst e i!1 unterstützt werden. Eis gelangen daraut noch mehrere andere wähltechnische und persönliche Angelegenheiten zur Besprc^ljuug־, worauf die Beratung geschlossen wurde. Jiddisches Theater •| im Gefangenenlager Immer wieder erleben wir es : nichts ist so wunderbar, daß es in der wunderbaren (ieschichte lies jüdisdien Volkes nicht vorkäme. Während auf der blutigen Bühne des Welt-Theaters die Tragödie der polnischen und russischen Juden von Akt zu Akt fortschreitet, spielen auf einer kleinen, aus rohem Holz gezimmerten Bühne innerhalb der ürahtzäuiie eines d e u t S c h e 11 (i e f a!1 g c 11 e n 1 a g e r s jüdische Schauspieler und Dilettanten ihren gefangenen Brüdern Theater vor, singen ihnen von alten jüdischen Helden und neuen Duldern und erheitern mit Scherz und Spott über das jüdische Leben ihre Herzen. Die 1100 Juden unseres Gefangenenlagers haben keine leichte Zeit hinter sich, ln den ersten Monaten der Gefangenschaft suchte eine schwere Seuche das Lager heim und hat auch unter den Juden zahlreiche Opfer gefordert. Erst nachdem die Krankheit endgültig überwunden war, und Zeit und Kräfte der

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