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Jüdische Rundschau · 1915-12-03 · Heft 49 (3.12.1915) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 49 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 401 wort kam, da erhob sie sich, legte noch Früchte zu den ersten und ging weinend von dannen. So tat sie auch am dritten Tage. Doch wie jubelte ihr Herz, als sie am vierten wiederkehrte und die Früchte verschwunden waren. Das war ihr ein Zeichen, daß ihr Sohn doch lebte und zu ihr wiederkehren würde. Und im Geiste sah sie noch immer ihren Solln Abel, wie er vor ihr herging, die Schafe weidend, und dann zu ihr kam, sich ihr zu Füllen setzte und sie nach Gott und dem Garten Eden fragte I und nach dem Baum der Erkenntnis und dem Baum des Lebens in dem Garten und nach dem .Wege, der zum Baum des Lebens führe. Und einmal hörte sie due Stimme ihres Sohnes, der zu ihr rief: ״Mutter!“ Und sie erbebte, wandte sich her und hin und rief: ״Abel, wo bist Du?“ Und sie ging und suchte auf dem Felde und in den Felsenschluehten ringsumher und kannte keine Ruh. Und als viele Tage vergangen waren und Abel nicht kam, da ward ihr Geist sehr trübe und ihre Kräfte ließen nach, und sie saß starr und wartend am Eingang des Tales, und die hungrigen Bergesraben stiegen herab und «umschwebten ihr Haupt. Und in einer Nacht, da träumte sie, wie Abel auf den Knieen lag und betete und zu Gott sang und wie sie von Ferne stand und sein Gebet hörte. Und sie erwachte, erhob sich von ihrem Lager, den Traum noch in den Augen, und ging und ging tappend und spähend mit sehnenden Augen zwischen den stummen Schatten der Zypressen, die im Mondesglanz starrten. Wie ein großer klarer Strom ergoß sich des Mondes Glanz auf Fels und Tal, überzog silbern Evas schwarzes Haar, das aufgelöst ihr über den Nacken floß und ihren sonnengebräunten nackten Körper; und ihre bloßen Füße badeten im Perlentau, der auf dem Grase lag. Und als sie aus den Zypressen heraustrat und das ganze enge, lange Tal sich vor ihr auftat, da blieb sie einen Augenblick stehen, und in die Stille der Nacht und der Felsen verlor sich ihr tiefer Klageruf: ״Abel, Abel, mein Sohn!“ Und Adam erwachte aus seinem Schlaf und siehe, Eva war nicht bei ihm, und er erhob sich und ging ihrer Stimme in der Ferne nach und fand sie ohnmächtig hingestreckt auf Abels Grab; und die Grabeserde war benetzt mit Tränen. Da nahm Adam sein Weib und trug sie auf seinen Armen, wie man einen Säugling trägt, und brachte sie auf ihr Lager. Die Tage vergingen. Und eines Morgens erwachte Eva und verspürte ein lebendiges ZiT tern und wie ein Schlagen eines kleinen Herzens unter ihrem Herzen. Da faßte sie sich und schwieg, und ihr blasses Antlitz erstrahlte in stillem Glanze. IV. Adams Dank. Und Adam ward alt und hochbetagt. Die schwere Mühsal des Lebens hatte seine Seele geläutert, rein und klar wie eine lichte Flamme, und sein Herz war voll von den Wundern Gottes und von starker, heiliger Liebe zu Gott. Und als der Tag seines Sterbens nahte,'da raffte Adam sich auf, verließ sein Lager und ging hinaus, Gott entgegen. Ueber grüne Rasen und Fruchtgefilde ging er hin und über Weideplätze für die Schafe. Und er sah seine Kinder, Enkel und Urenkel, acht Geschlechter, wie sie den Boden bearbeiteten und Wohnstätten bauten und ihre Herrschaft erstreckten, über Gehölz und Gestein und alles Lebende rings umher. Da freute er sich im Herzen, und er segnete sie und das Werk ihrer Hände bis in Ewigkeit. Und Adam ging , weiter, und sein Pfad stieg immer höher hinan, I und er kam zwischen die hohen Bergesgipfel, die wild in die Sonne ragten, schneeweiße Wolken, schwere und leichte, auf ihren Schultern. Und wieder ging er weiter, und das Licht um ihn her wurde klarer und zarter, und der Himmel kam ihm näher und näher. Und plötzlich ward I der Pfad so kurz, daß er sein Ende vor sich 1 sah, und ein weißes Nebeimeer dehnte sich zu I seinen Füßen weit, weit hin. I Und ein lebendiger Odem kam ihm entgegen und ein gar großer wunderbarer Glanz erstrahlte vor ihm. Da schloß Adam seine Augen vor der Fülle des Lichts, atmete aus tiefer Brust, kniete nieder und sprach: ״Hier bin ich, Gott, denn Du hast mich gerufen.“ Und er stand so eine Weile da, ganz still, und danach erhob er seine Hände und sprach: ״Danken will ich Dir, Gott, daß Du mich schufst und die Seele in mich tatst, daß ich lebe und fühle die Werke Deiner Macht. Und auch darum will ich dich preisen, daß du mich wähltest zum Herrscher über alle Gebilde und midi weihtest in deinen heiligen Plan, daß ich vor dir stehe und dir diene, ich und mein Same bis in Ewigkeit. Doch über alles will ich dir danken, Gott, dafür, daß du den Wunsch und die Macht mir gabst, dein Wort zu übertreten. Denn ich aß vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bosen, von dem zu essen du mir verboten hast. Da tat ich auf meine Augen, zu sehen wie Gott, und lernte die Scham und lernte die Freiheit und die Demut und das Verlangen nach dir. Und ich wählte das Gute.“ Und Adam erhob sich von seinen Knieen und schaute geradeaus: da standen die Tore Gan-Edens geöffnet, und die Cherubim zu beiden Seiten neigten ihr Haupf'vor ihm in feierlicher Ehrfurcht. Du wirst den Kindern heut’ die Lichter zünden ... Von Hugo Zuckermann. *) Du wirst den Rindern heut’ die Lichter zünden Und dich am stillen 61anz des?estes freu'n. Durchs?enster fällt ein milder Abendschein Heut’ sollst du ihnen unsre Wunder künden; Reut’ ist die Dacht, da all die zauberbunten, Die Träume unsrer Rind heit auferstehn, CDit leisen Schritten durch das Zimmer gehn Heut’ alle CDärchen unsrer Dämmerstunden . . . Lehr’ deine Rinder unsre fDärchen lieben, Sag ihnen: dakob diente zweimal sieben frohnjahre schwer alsein geringer Rnecht. Und immer wenn der Lenz ins Land gegangen, 'Trieb er die Schafe singend durch das Tal Und trug der Rneehtesarbeit harten?rohn Und trug der Sehnsucht glühendes Verlangen mit krummem Rücken und in stiller Qual — Und Rachel war des Harrens hoher Cohn. Sag’s ihnen nicht, sie werden’s nicht uerstehn, Sowie du’s selber nicht verstanden hast . . . Doch siehst du draußen einen bleichen 6ast mit heißem Glich durch deine Scheiben spähn, So ruf ihn in dein lichterhelites Haus Und laß ihn deines Glückes Zeuge sein, Und breitest du die Arme segnend aus, Das fest der Lichter gläubig einzuweihn Dann zünd’ an der (Tlenorah letztem Ast fern von den Rerzen, die das fest geboten, Ein kleines Licht .- für einen Toten . . . *) Aus den soeben im Verlag Cöwit in Wien erscheinenden gesammelten Bedichten Hugo Zuckermanns. Zionisten im k. u. k. Heere Gefallen sind die Gesinnungsgenossen: Oberarzt Dr. Eugen E rd e ly i - Gyor (Raab), Mitglied des Zionistischen Landeskomitecs f in־ Ungarn, Leutnant Moritz Bieber (Emunah-Czernowitz), Einj.-Freiw. P. J a r rn a n (Emufiah-Czernowitz), Fähnrich L. Sc hör r (Judäa- Lemberg), Kadett Moses Grün (Emunah-Lemberg), Julius Ncumann- Proßnitz (früher in Kattowitz), Ernst O raetz - Hronow (starb in russischer Gefangenschaft), Leutnant Friedrich G e w i t s c 11 -Wien (Kadimah-Wicn), Bruno Steckelmacher - Probnitz, Einj.-Freiw, Hans Jokl (starb in russischer Gefangenschaft), Einj.-Freiw. Chaim Distenfcld- Lemberg, Major David S c h a p i r a. Ferner wurden ausgezeichnet: Von den Mitgliedern der jikl.-akad. Verbindung ״H a s e!1 a s e 11 a r P r / e d s w i t“ in Krakau: A. H, i>r. Chaim 11 i l f s t e i 11 ((ioldenes Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmeilaille und das Ehrenzeichen d. li. Klasse des Roten Kreuzes), signum taudis: A.!1. Ur, T u r 11!1 e i m , A. H. Dr Leo Landau (/. Z\. m russischer Gefangenschaft), Osias H'luvar/ (signum iaudis). Mit der S i 1 b. 1' a p f e r k e i t s 111 v 11 a i! I e; Leutnant Bruno S t e 1 n - Tcplitz, Fähnrich Juda Ruh i 11 s t e i 11 , Wolf S c 11 rn <> r ,1 k (Judäa-Lemberg), Heinrich W a 11 r s a g e r, Adolf Kalis trt a 1111 (Maccabäa-Lemberg), Zolläti Dickst ein (Turnlehrer des zionistischen Sportklubs V. A. <1. in Budapest), Ing. Dragutiu 1־ riedländer (Bar Kochba-Budapest), Ludwig Soffer (״Oomaluti“-(ioding), Julius Soff e r, Banicli h e i ״ e 11 b :1 u in , Israel Kat/. Leiser B r e 11 d e r. Mit dein S i g 11 u in Iaudis: Koel W r b a - Prag- Laiitseliin, Hugo Steiner, Ur. Markus T o in a - s c 11 o f f (Maccabaea-Budapest), Dr. Isidor R o s 11 e r (Maccabaca-Budapest), L. B a r b a g (״Techijah“״ Brody), Franz G'u 1111 a 11 11 ־ Wien, Max R u j k o . Otto A 11 in a 11 11 (״Ivria“-Wien), Moritz O c h s. Mit dem G o I d e 11 e n Verdi e n s t k r e u z m i t der K r o n e a m B a 11 d e der T a p f e r k e i t s ־ rn e d a i 11 e: l)r. Josef K o h n - Prag (Verein jüd. Hochschüler Bar Kochba-Prag), Dr. Abraham G I o m 2, Dr. Rudolf M e 11 z e 1 - Tcplitz (Verein zionistischer Studenten Theodor Herzl-Wicn). Mit dem M i 1 i t ä r v e r d i e n s t k r e u z Hl. Kl. mit der K r i e g s d e k o r a t i o 11: Leutnant Ferdinand Black-Prag (Verein jüdischer Hochschiiler Bar Kochba-Prag), Rudolf P o 11 a c k - Gablonz, Dr. Ernst Kore t z - Eger, Oberleutnant Theodor Hain, nach seinem Heldentode, Hans M a r g u 1 i e s - Wien wurde zum T ä 11 n r i c 11 befördert und mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Kl. ausgezeichnet. Die Bronzene kleine und die große Silber ne Tapferkeitsmcdaille erhielten: Wo]t Hersch Dick m a 11 n , gleichzeitig zum Stabsfeldwebel befördert, und Moritz Wachtel. Die Silberne Tapfe■ rkeitsmedaille L Kl. erhielten: Julius Lu ft (״Agudath Herzl“, Przemysl), Otto Fischer (״Massada“-Brünn), Ernst Wolf (״Massada“-Wien). Die Silberne Tapferkeitsmedaille II. Kl.: Dr. Maurycy Alcxandrowiz (״Agudath Herzl“-Prz(!mysi), M. Hermelin, Chaje Neuberge!־ (Hatcchijah-Wien). Die Bronzene Tapferkeitsmedaille wurde Lajos Stern- Budapest verliehen. Die Bronzene Ehrenmedaille des Roten Kreuzes mit der Kriegsdekora-. tion bekam Dr. L. Fall (Judäa-Lemberg). Das Eiserne Kreuz II. Kl. wurde verliehen: Br. Frucht er, der gleichzeitig zum Leutnant befördert wurde, und Hans Perutz (״Neiire Jehudah“״ Wien). Von der jüd.-akad. Verbindung Unitas-Wien erhielt das Goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmcdaille in Allerkeiuuuig vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde: Militäruntertierarzt Friedrich Löw; die Allerhöchste lobende Anerkennung für tapferes Verhalten vor dem Feinde: Leutnant Leo Schick. Die Silberne •Eli r e n m e d a i 11 e v o m R o - ten Kreuz mit der Krieg sdekoration erhielten die freiwilligen Krankenschwestern: Fr!. Erna Feig und Helene Heller vom ״Klub jüdischer Mädchen und Frauen‘- in Prag, sowie Rudolfine Ziegler- Wien. ln G e f a n g e 11 s c h a f t gerieten : O. Ha u s - in a n 11 (Haor-Lemberg), Adolf D e u t s c 11 (״Ncürc Jel1udal1“-Wien), Ludwig Po Hak, Edi Fischgrund, Richard Born. Von 105 Mitgliedern der jüdischnationalen Verbindung lvria in Wien sind 86 eingerückt (weitere 11 sind aus Staatsrucksidnen enthoben). Davon sind 53 A. H. A. H., 10 i. a. B. (von 10), 15 a. B. (von 15), S Füchse (von 9). Drei wurden superarbitriert, so da.15 noch S'3 unter Waffen stehen, von denen sich 5h an der Front befinden (oder waren). Davon sind 24 Offiziere, 20 Oft'.-Aspiranteu (Fähnr., Kad., Kad.-Asp.), 11 Aerzte, 2 VerpfL-Akzess., 2 Auditore, 1 Ingenieur- Off.), 23 Mannschaftspcrsoneii (darunter 19 Einj.- Freiwillige). K r i e g saus/.eich« u n g e 11 wurden bisher 20 an Ivrianer verliehen: Ritterkreuz d, Franz Josef-' Ordens: A. H. Staatshaltung 111g. Singer; Signum Iaudis: an die Leutnants A, H. A. H, K ö n i ״ s t e i n, Dr. S c h ö n h o f, Ing. K ii u f I c r, Prof. Spitzer, die!. a. B. L i n d e ri b e r g e r, K o c h , Bursch Altmann; das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone: A. H. Oberarzt Dr. Körn er; das Goldene Verdienstkreuz: A. H. Verpfl.-Akz. Dr. Fried mann: Galdene Tapferkeitsmcdaille: A. H. Dr. Ing. Eisler; Silberne Tapferkeitsmcdaille I. KL: Ä, H. Rieh. Tränk cl; Silberne Tapferkeitsmedaille II. KL: die A. H. A. 14. Dr. Schönhof, Ing. Vogel, Prof. Spitzer, die i. a. B. und Fähnriche Roth, S c 11 o r n s t e i tt, die Burschen und Fähnriche M ä r z, Orünwald; die Bronzene Tapferkeitsmedaille: i. a. B. Fähnrich Schornstein. Zwei Bimdesbrüder starben den Heldentod für ihr Vaterland und ihr Volk: A. H. Dr. M armorstein und Fuchs Hutterer. Verwundet wurden 16, krank waren 18 Bbr. Bbr. In Kriegsgefangenschaft befinden sich 3, davon 2 (Fähnriche Dr. Singer und Q r o 15) verwundet, der dritte (A. H. Z vv e i g e 111 h a 1) bei der Uebergabe Przcniysls.

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