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Jüdische Rundschau · 1915-11-26 · Heft 48 (26.11.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 48 (26.11.1915)
Date
1915-11-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 390 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48 lu-it zu sorgen haben, in-lK׳M>mlt11׳• gesetzlich nnfersag t. I )ie inkmnimci te Acußenmg de-St.-A.-Substitutes lial;1(1011!licht wrtclilt, bei den 111,110 111׳]) Zuhörern und di r |ü1li<che11 Bevölkerung oit Neu-Sniidez I 11willen, liunRunig und pi inhclH׳-. AnGchcn /u rmpi-ii I )it-M-i iinliebsune V’t.1 lail hat;11101׳ auch dadurch eine Vcr.-.d1än1!11g elf,1111 eil, dal! der ’v or.-ät/cmlc der Verhandlung, dci' k. k, k a n d g e r i e 11t s r a t Nowak, die erwähnten Ati-futirun״eil des St.-A.- Substitutes Mais/ahk ruhig angchort und widerspriirltslos hmgeiiuininca; hat, ohne selbe als unstattliaft zu nipeii und gebührend zuruek/iiw eisen . Ueber die Tragweite und die Folgen solclier Redcex/.esse eines St,-A.-Substitutes im öfiemliclicn (iericlitssa.1) darf man sieh keiner Täuschung hiiigebcii, sie sind seluni häutig geling \crhaiignisvoll für die Juden gewesen. Den ״a-sehildeile-u tatsächlichen Vorfall können die Herren i )r. Bertliold S*t e r 11 , Advokat urskanditlat, ferner der Verteidiger des Angeklagten, Advokat 1 Ar. Julius (; h u d a c k iN. B o r g e nicht, Bürger, und Sdunaje Schuss, alle in Neu - Sande/, von denen der let/lere, als Zuhörer der (ienehtsverhamllung, entrüstet über die Ausfülmingett des St.-A.- Substitutes Marszalik ausrie(: ״Ls ist ein Skandal!“ und den <ierichtssaal verlielk Indent diese ״rohe 1 /ngehöiigkcit /tir Kenntnis Euerer Exzellenz gebracht wird, wird gleichzeitig die ebenso ergebene als dringende Bitte gestellt, eleu geschilderten Vorfall schleunigst und unparteiisch erheben zu lassen, die genannten Jiistiztunktionare zur strengen Verantwortung zu ziehen, die mühet/euden Ausführungen des St.-A,-Substitutes Marszalik zu ahnden, den Vorsitzenden der Gerichtsverhandlung wegen der begangenen Unterlassung gebührend zurechtzuweisen und geneigtest die entsprechende Vcrfügung־ zu treffen, damit in Hinkunft derartige Aus- Schreibungen im (iericlifssaale sich nicht wiederholen. Ergebenst Dr. Karl Poliak in. p. Präsident des Exekutivkomitees der Zionisten Oesterreichs. Dr. Benno Strauche!• 111. p. Reichsrats- und Lamltagsabgeonhicler. Ingenieur Robert Stricker 111. p. Obmann des ,,Jüdischen Nationalvcrciiis in Oesterreich." Die Namen der l!,nter/.eiduicr dieser Eingabe sind genügende Gewähr für die Richtigkeit der angeführten Tatsachen. Es wäre aufs äußerste zu bedauern, wenn der Wiederholung solcher Vorfälle nicht mit altem Nachdruck vorgebeugt würde. Neue Evakuierung der Juden Die besondere ״F. v a k 11 i 1■ r 11 n g“ der Juden aus den Städten 111 der Nähe des Kriegsschauplatzes, die unter dem Minister s c 11 t s e 11 e r h ab! w;uifgehohen ' worden war, scheint jetzt wieder neu begonnen zu haben. Am (1. t iktober a. St. erließ der ( louverneiir in Pskow eine Verordnung an alle Bezirke des tioiiverncincuts, alle j u 11 1■ 11, die nach dem Ul. August im Pskower ()ouveiuemeiit eingetroiteii seien, und alle j ii d 1 s e 11 e 11 E I ti e 11 t 1 i 11 g e , die zu \ ersehietleneii Zeiten aus verschiedeneii (11'gmden in das Gouvernement gekommen sind, Irinnen b Tagen a u s cl e n < i r e n z c 11 des ( i o 11 v e r 11 e tu e 1! t s zu entfernen. Besonders grausam war die I luivlifiiliriiiig dieser Verordnung in den Städtchen in der Nähe \on Pin - k und 1, u 11 t n e z. Die Ansgevvieseneü erhielten eine Frist von zwei Stunden, ihre Geschälte zu liquidieren und sich reisefertig zu machen. Die städtische tun! die Dortpoli/.ei versagte. Unter ihrem Schutz, wurde das Eigentum der Atisgevv ieseiien von dem ,Mob geplündert. In «len klein!!1 Nesteln־!) Ost rnw i t seil und 1.1׳ nirwln■» itsrli sind sämtliche jüdischen Wim 1er verhaftet und \erschleppl worden, ohne da ff ihr künftiger Aufenthalt bekannt gegeben wurde. Wie die ״Jcwresknja Nedjelna“ vom I. November a St. mitteilt, ist der Erlab des' Pskower Gonvertieurs in den Städten W e I i k i j e L 11 k u , Ostrow, U 11 o! m und anderen bereits <1111־ ehg e f ii!1 r t worden. Das Bodenerwerbsrecht der jüdischen Aktiengesellschaften in Rußland Der Ministe trat vom IS, September;1. St. heschloß, mit Rücksicht auf die Kriegsv erhaltnisse den lüdische» Aktiengesellschaften und Genossenschaften, die aus den in der Kriegszone liegenden Orten evakuiert und!11 die inneren üou\ernemeiits Ruß-!andverlegt worden sind, zeitweilig ausn a!1 in s w e 1 s e den Erw erb von Grundstücken, die sh: für ihren Betrieb wirklich brauchen, zu gestatten. Die Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge aus dem Kaukasus Der vielversprechende ,Miliistererlali vom I 5. Au«., der von manchen Seiten als völlige Aufhebung des \t1si<dlnngsravoiis aut'gefallt worden war, erfährt tagbei!, trotzdem ei' sogar vom Senat als Reichsg e s e t / \ eniffetitliclit worden ist, immer neue E i 11 - > e h r ä 11 k 11 11 g e n. Eine neue Erklärung des G 1־ o 11 - 11 rste 11 1 א k o 1 a ן N i k o I a j e w 1 t s e 11 , der bckaiiiitlicli jetzt Statthalter des Kaukasus ist, hat einen großen Teil des russischeii Reiches den Juden vv ieder 1111 zugänglich gemacht mul neues Unglück über 1111- /.;ililige j ft cl i s c 11 e 1־ I ii c 11 t 1 i 11 g e gehraelil. Auf die .Anfrage verschiedener Gouverneure iin Kaukasusgebiet gab der Gehilfe des Statthalters die öffentliehe Erklärung ab, da II der Statthalter Nikolai N i k o I a j e w 1 t < e 11 es jetzt für 11 ״ m ö g lieh erklärt habe, den genannten Erlaß auf den Kaukasus zur Anwendung zu bringen. Gleichzeitig׳ damit vcrordnet der Statthalter die Ausweisung׳ aller jüdischen Flüchtlinge, die bereits im Kaukasus eingetroften sind lind sieh liier niedergelassen haben. Die Gouverneure werden verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß i u Zukunft kein Jude, sogar solche nicht, die außerhalb des Aiisiedhnigsravoiis ein Wohnrecht hesitzen (katilleiite, Aer/'te usvv׳,), tlas Gebiet des Kaukasus ohne s p c / i e I 1 e < i e 11 e h 111! g 11 ti g bctreten. Früher und jetzt {/ 11!1 e 11 1׳ n V e r I e 11 m d u 11 g e 11 tl e r a 1) t i ״ s e 111 i t i s <- h <■ 11 po 111 i seli en Presse). Wir erhalten mit der Bitte um Vcr- (Iffentliciuiiig Aeußerungeii des Warschauer Siliriftsfellers S. Hirschhorn, dts hekannten Redakteurs vier polnisch-jüdischen Zeitung ״Opinja Zvdowska“, aus denen wir die wesentlichen Stellen vviedergeben. Di<׳ polnischen anlisemitischeii Zeitungen haben jetzt zu einer neuen Beschuldigung gegen die Juden gegriffen: Die Juden in Polen wären Russifikaforen; auf den Straßen sprächen sie russisch, die jüdische Jugend zieht; in den Warschauer Hochschulen angehiich Erkundigungen in russischer Sprache ein. Es ist interessant, daß mit solchen Beschuldigungen vorwiegend gerade die (ia/eta l’oranna (I Hva < iros/e) »11 ft ritt, die als Organ der polnischen riissophilen Partei vor der Besetzung Warschaus durch die Deutsehen die Juden unaufhörlich als Germanisatoren und deutsche Spione denunziert hat. Cs verlohnte sich nicht, diese unsinniger! Verleumdungen /t! widerlegen, wenn es nicht notwendig wäre, seihst den gruudlosesten I ifiiidiiiigen der antisemitischen Presse durch bessere Information entgegen/utreteu. Iw ist daher angebracht, darüber Aufklärung zu geben, wie die Polen früher über die I lalttm« der Juden gcschrieben haben. I lier/11 finden sieh interessante Pest- Stellungen in dem Buch des bekannten jüdischen Publizisten J, A. I\ 1 e i 11 111 a 11 11 , die unter dem Titel ,,Zuweilen Hammer und Ambos‘‘ der I rörteriiug ״der poli; iscll-jildiscllen Krise" gewidmet sind. Dieses Buch erschien im Jahre IU10, also in einem Zeitpunkt, wo von einem direkten 1 infhiß Deutschlands auf Russisch-Polen noch mehf die Rede sein konnte. Desto wertvoller sind du׳ Eeslstelhmgcn des Vcrfas.sers, die hier aiis/ngsweise vvicdergcgebcii seien: ״Der Kampf mit dem jüdischen Jargon als mit der nationalen Sprache der Juden ist deshalb noch ernsthafter lind grausamer geworden, weil die Polen die kulturelle Blüte des Jargons alseine Uchergaiig.ssprache betrachten, die die kulturelle Verdeutschung der Judvnhnt herbei führt. So lautet die allgemeine Ansicht der (1ölen. Vor einigen Jahren wurde in einer polnischen Aiifklanmg.'gesellscbaft die Frage des birgoiis als einer jüdischen Volkssprache behaudelt. Die Gesellschaft, die sieb unter der l.eituug von polnischen ProgrcsSisten befand, richtete pnpulate Vorlesungen für das Volk ein,!1.;1. auch für die Jmlen in der für sie am meisten verständlichen' Sprache. I fiese Vorlesungen riefen eine Spaltung unter den Progressisten hervor. Die bedeutendsten geistigen Vertreter <ler Polen äußerten sieh gegen den Jargon. Sie wurden auch von den jüdischen Assiniilatorcn unterstützt. Außer anderen Gründen wurde auch ins Treffen geführt, vier Jargon sei ein ,,Vorzimmer der deutschen Sprache.“ 1111!־alle Deutschland Polen besetzen sollte, würde es 2 Millionen .Menschen zur Verfügung haben, die leicht zu verdeutschen wären. So sprach man in Kreisen, in denen eine möglichst versöhnliche und die relativ׳ kleinste antisemitische Stimmung׳ den Juden gegenüber herrschte. Es genügt nti/ufiiiiren, was diesbeziiglieh der freidenkeude Radikale, ein Schriftsteller mit weitem Gesichtskreis, Herr Andreas Nimo j e w s k i, schrieb: ,,Die angeblich nationale Sprache der Juden; ist eine verlarvte (iermanisatioii. Die objektive Betrachtimg zeigt, daß in Breslau, 1110111־, Posen usvv. diese ״nationale Sprache“ den Triumph der Germanisntion des Landes gefördert hat. Sollten sieh einst die I Rutschen Warschaus bemächtigen, so würden sic einen vortrefflichen Boden für eine gerinanisatorische Politik finden, den ihnen der Zionismus wirbereitet hat.“ Nach Ausbruch des Krieges äußerte sieh die polnische Presse viel schärfer in bezug auf die ״gernianisatiiiiselH“ Rolle der Jmlen. Es genügt an/tiführe• 11, was derselbe Herr Nimojevvski schrieb, der nebenbei gesagt seinen Radikalismus um! sein Frei- Ueukeitum längst aulgegeben hat: ,,1111 Zeitpunkt der allgemeinen Fntdetuscluiüg, die bei uns amtlich angekuiuiigt wurde, als Losung der (russischen) Regierung und der Politik, bat man nichg gemerkt, daß. (die Juden) hei ihrer nebenbei gesagt abscheulichen deutschen Speiche (.Viem/.cv/nie) giblieben sind. Wir verstellen darunter den deutschen Jargon der Juden. Ls geniigt, ihre durch das hebräische Alphabet maskierten Zeitungen in die Hand zu nehmen, es genügt die Straßen zu passieren, um fortwährend tliese Frankfuri-Stiittgartische Maiiseheki zu hören. Die Juden fühlen sieh unter den Deutschen wie zuhause. Das deutsche geistige Klima gefällt ihnen am besten, obwohl ihnen die Deutschen ihre Judeitlockert und Röcke abschneiden, ihnen befehlen, sich zu waschen, und das jüdische Proletariat aus seinen alten Heimstatten verdrängen. Die Juden verzeihen ihnen alles, da es etwas Einheimisches ist. Wenn sie ״irgendwohin“ fahren, so heißt das für sie: nach Berlin fahren. Wenn sie in die Welt gehen - so heißt das für sie, mit Berlin Verbindungen an/iikmipfeu. Wenn sie sprechet! so heißt das für sie 'Deutsch sprechen. YC11 die jüdische Preske keimt, vu1׳l1, «laß der lite-!׳arisch-journalistische Etuwickcliingsweg von dem mit polnischen und russischen Wörtern überfüllten Jargon zur hochdeutschen Sprache führt, wobei die Liebniisineii beseitigt werden. Die zivilisierten Juden sprachen und sprechen untereinander zu Hause reines Deutsch. Schon ihre Aussprache ist dergestalt, daß sie sich richtiger deutsch als [Klinisch «der russisch atisdrüeken. Jahrhunderte laug hat sich ihre Intelligenz in der deutschen Sprache gebildet. Ihre ganze talnmilistische Literatur, sofern sie in einer modernen Sprache geschrieben ist, wird in der deutschen S p r a ch e h e r a u sg ege h e 11.“ Man sieht also, daß die führenden Vertreter der polnischen Antisemiten durchaus nicht in Verlegenheit kommen, wenn an sie die Notwendigkeit herantritt, ihre Methode zu wechseln. Sie werden nicht verlegen, denn sie rechnen darauf, daß ihre Tausehiingsversudre gelingen. Darum ist es notwendig, gegen sie ihre eigenen Stimmen anziiführen. Die hebräische Sprache in Persien Die 11 e b rätsche S p r a c 11 b e w e g u 11 g gewinnt in der letzten Zeit angeblich auch in Persien trotz der Ungunst der Unistände immer mehr Boden. Die in Teheran in p c r s i s c 11 e r Sprache erscheinende j ii - dis che Zeitschrift ״Sc ha 10 in“ hat. eine Serie von Artikeln veröffentlicht, in denen zur (i r ti n d u n ׳״ v ״ n 11 e b r ä i s c 11 e 11 S p r a e 11 - k tirsen auf gefordert wird. Die Anregung hatte einen bemerkenswerten Erfolg. Es sind bereits verschiedene Klubs gegründet worden, die es sich zur Aufgabe machen, ihre Mitglieder zum Gebrauche des U e b r ä i s c Ii e n als Umg a n gs s p r a c h e /ti erzielten. Es fehlt in Persich allerdings sehr a.n klassischer hebräischer L iteratur. Die französische Zensur und die russischen Judenverfolgungen Aus einer Notiz des in Paris erscheinenden .,D 11 i v e rs I s ra c I i t e“ vom 2h. ()ktober g'dit hervor, daß die f r a n z ö s i s c h e Zeus u r jede A'erbreitung der Nachrichten über die entsetz- I i c h e n L e i d e n der r ti s s i s c h e n Juden anläßlich ihrer Zwangsaustreibung־ aus den politisehen Gouvernements unterdrückt hat. Nicht weniger als vier Seiten der genannten Wochenschrift sind aus diesem Grunde der Zensiir zum Opfer gefallen. AUS ALLER WELT Aus Rußland. (F i ti a n z m i n i s t e r Bark tt 1t tl cl i e r c a k t i o - n ä r c russis c h e P 1־ e s s e.) Die liberalen Ansichten, die der russische Finanzminister Bark bei seinem Aufenthalt in London über die J u d e!1 f r a g e zum Ausdruck brachte, gehen der r e a k t i t> n ä 1־ e n 1־ u s s i s e h e n P 1־ e s s e An laß zu heftigen Angriffen. ״Go los R 11 s k i“

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