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Jüdische Rundschau · 1915-11-26 · Heft 48 (26.11.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 48 (26.11.1915)
Date
1915-11-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 389 Der amerikanische Konsul in Warschau!.׳ab seiner Absicht Ausdruck, dieses Komitee als Mitlelstcllc zuascheu dein amerikanischen Konsulat tnui;dien Privatpersonell, die dessen Hilfe brauchen (I rauen, thv Held von ihren Männern. in Amerika erwarte״ tisvc.), aii/uerkeiincii. Der Konsul versprach, mit diesem Komitee in näheren Beziehungen zu bleiben, seine llilfsanstalten /u besuchen und ihm möglichste llilte zu leisten. Professor Salomon Schechter In New York ist Professor I)1. Salomon S c 11 e c 111 c 1׳, Präsident ries JtUlisch-Thcologisehen Seminars, gestorben. Professor l)r. Saloinon Sc beeilt er hat der zionistischen Bevveg׳ung selir nahe gestanden, tim wertvolle Arheiten das moderne jüdische Schrifttum bcreichert lind auch in der zionistischen < ) r - g;111 i s a t i o 11 aktiv niitgearbeitet. Wir werden in unserer nächsten Nummer seine Persönlichkeit und seine wissenschaftliche Bedeutung ausführlicher würdigen. Pinchas Paul Loewenstein In einem Feldlazarett des Ostens ist Pinchas Paul Loewenstein als Zweiunddreißigjähnger seinen Verletzungen erlegen. Liner der Fähigsten, innerlich Vornehmsten und lieberzeugtesten unserer jungen Generation ist mit ihm dahino-egangen. Ihn, der aus einer kernjüdischen Lehrerfamilie Hannovers stammte, führten schon sehr früh seine historisch gerichtete Denkweise, scharfe selbständige Beobnchtung und die treffend mit ״Jiidischkeit“ bezeichnete pietätvolle Innigkeit des Gemütes zum Zionismus, dem er bis zu seinem allzu frühen Ende mit zuversichtlicher und hoffnungsfrolier Hingabe anhing, wenn auch die nach außen hin sichtbare aktive Betätigung nicht in seiner Natur lag. Aber da, wo er sich organisatorisch betätigte, zuerst in der von ihm seinerzeit mit ins Leben gerufenen Marbur'ger Zionistischen Ortsgruppe und später im Berliner Herzl-fHub, sowie in der Zeit heftiger Parteikämpfe im Lager der Jugend im Berliner Jüdischen Jugendbund, wußte man seine Mitarbeit zu schätzen. In dem durch die Kämpfe zwischen Zionisten mul Liberalen erschütterten Jugendblind wurde er im Vorstände gerade von den Gegnern seiner bei aller leidenschaftlichen Innigkeit der Gesinnung stets vornehm-geistvollen Art der Polemik und seiner unermüdlichen, über die seiner Gesundheit zuträglichen Grenzen angespannten Arbeitskraft wegen geschätzt und geachtet. Eine feine, wenn auch mehr gemiitvolle als beißende Satire stand ihm zur Vorfügung; seine schriftstellerische Begabung hat crf vielleicht aus Scheu vor dem Aussichherausgehen, nicht voll aus<>enützt. Er besaß ein umfassendes Wissen; seiner ganzen Anlage nach war er zum stillen Gelehrten eher als zum «aufmann geeignet. Nun ist auch er ,,am Wege“' gestorben, der mir Verwandter und Freund zugleich war. Dort, wo er niitgearbeitet und mitgehoffv hat, wird mau den guten, feinen und klugen Mensehen, den treuen Juden und Zionisten nicht vergessen. H a n s G o s l a r. Mitglied des Engeren Acümis-( :miiites, Herr Dr. Victor Jacobson, teil. Fr hielt ein zweiständiges ausführliches Referat über den Stand der zionistischen Arbeit und die Lage der Grganisation. Das Referat wurde mit großem Beifall aufgeiiommeit und daraufhin den! Engeren Actious-Gomite e i 11 s t! tu m i g das vollste V c rtrauen des 1 )elegieiteutages ausgesprochen. Aus dein vom Vorsitzenden erstatteten Tät i g k e i t s b e r i c h t ging hervor, dal! die Arbeiten des rumänischen Landesverbandes sich in erfreulicher Weise entwickelt haben. Es sind neue Vereine, so der Studentenverein ,,!lasin on an‘‘ in Galat/, entstunden, neue Zeitungen wie die ,,II a t i k \v a 11" erscheinen. Als wolliger erfreulich wurde die finanzielle 1. agc des 1 andes- Verbundes bezeichnet. Ls wird im Lande* lebhaft für die Lmnuzipalion der rumänischen Juden gearbeitet, eine Tätigkeit, an der sich auch vielfach Zionisten beteiligen. Die Neuwahlen ergaben die Wiederwahl des bewährten Führers vier rumänischen Föderation, des Herrn M. Heinrich Schein, dem es im übrigen überlassen wurde, das I audeskomitee durch Kooptation zti ergänzen. Die/zAssimilation und die Zukunft der Juden u Makkabäerfeier Berliner Zionistische Vereinigung Meistersaal, Cöthener Str. 38 Montag, 6. Dezember, 8 Uhr Festrede: Dr. Alfred Klee Rezitationen: Ethel Scharon (vom Theater in der Königgrätzer Straffe) Violine: Elisabeth Lesser am Klavier: Paul Frankel Gesang: Leo Gollanin Karten zu 2 und 1 Mk. bei Tietz, Bote St Bock und im Bureau der Zionistischen Vereinigung .־. für Deutschland. .־.;Zionistischer Delegiertentag in Rumänien Am 6. und 7. November wurde in Galatz der diesjährige I) e 1 e g i e r t e 111 a g der zionistischen Föderation Rumäniens abgehalten. Ls waren 80 Delegierte anwesend; den Verbandlungen, die öffentlich stattfanden, wohnten 1111gefähr 150 Gäste bei. An der Sitzung nahm das Der bekannte m-sixch-jüdische Führer dt?i'alisiiscln ii ״B nuli s•׳, Wl;1d dem War.-ciiailci' < 1e!;mgnis 1 (orl nach der Bc-ct/im:-, V so- :r .M c 11 e 1:1 , der aus 111־ die Dun sehen sn- .elian.- befreit worden war. Inell im kurzem in Warschau einen Vortrag über tlas T 111111,1 ״Die ־k-xmiiUiioii und die Zukunft der Juden״. Die f ied.iukcngäiige M e 11 e in s!missen vor allein deshalb HeaelUinir; linden, weil sie einen völligen I'011 eit mit der alten kosniopuTisehen Assitnilalioiisideologie olfeii huren. die M e d e '11 und seine Richtung früher \rr'othten. Das unlieiit besondere Beaeiitimg nanieiitlieli in;'Hier Zeit, wo die Assinnbtioit der polm-rlnn Judm \ o!1 polnischer und auch von mandier jiidivlien Seite ab die erstrebeuxwerte [..östtug der jmh nfr;e.;e in Kongreß-Polen hm - gestellt wird. Der Redner Iuinte tu a. aus׳ ״Was du- (jt׳gen\W1;t beträft, so stellt es ,mliei Zweifel, dali eine Ma-xc um /ein 1 .Wiliioiien, die in einem ahgcschlus-eücu Mdieu lebt, eine eigne Sprache und ein Leben von au--.;rp1.1gtcr Eigenart anfztiweiseu hat, eine Nation 1la;-teHt, Line Lra.ee entsteht erst dann, wenn man uusueht, den diehten Schleier dev Zukunft zu lultvn. t ,eher die Zukunft herrschen zwei extreme, einander diametral entgegengesetzte Ansiehfen: die einen meinen, die Juden müliteii ein Volk bleiben. Die mit I"ratu n und Blut durrhtränkte jmh-ihe Uc-chiehU׳ ha! den Beweis für die Konstanz der jüdischen Art erbrachi. Das ist aber nicht mehr als eine Redensart. Absurd ist aueli die \1״! entgegengesetzter Seite vertretene Anschauung : das jiidiselie Volkstum sei ein Erbe mittelalterlicher Zeiten, und wenn nach der Aiilhebiiit״ der Beschränkungen in denjenigen Liindem, wo die Mehrheit de!׳ Juden lebt, die luden die •Möglichkeit einer ungehemmten gern׳raphisclien Verbnitmig mul Zerstreuung über die ganze Irirde erlaugen werden, werde im jüdischen Leben die Assiin i I a t i n 1: zur 11 e r r s c 11 a f t gelangen, dann werde sie ihre scharfen Krallen tief in den jüdischen Yolksorgaiiismus eingraben und ihn so lange zerfleischen, bis sein Ende infolge völliger Verblutung ciiigetretcn sein wird. .Man glaubt führte der Redner weiter aus dali es ausschließlich die PalSvi rhiiltiiisse wären, die die Zerstreuung der Juden über die ganze Welt hindem und hintan halten. Das ist fatsch. Mögen die Tatsachen sprechen: Die riesige jüdische Immigration in Ameiika richtet sieh ausschließlich nach den überfüllten jüdischen Zentren. Sogar in den einzelnen Städten ist die jüdische Bevölkerung in besonderen Stadtteilen kon/eiitnert, obgleich kein Zwang dazu bestellt. Iin berühmten Londoner Whitechapel leiten 58 ״,״ der gesamten jüdischen Bevölkerung dieser Weltstadt.11׳ Audi Medern scheint also gelernt zu haben. Adolf Damaschke Die eben erschienene Neuauflage von Adolf Dainaschkes ״Bodenreform" (31. bix 33. Tausend), dieses Standardwerkes, rias zugleich als Programmhuch" de- .,Bundes deutscher Bodciirefonuer' von nicht geringer politischer Bedeutung ixt, nimmt zum erstenmal Bcz.ug auf den Zionismus, der in durchaus richtiger Weise als Anknüpfung au die älteste mosaische Ueset/gebung und zugleich au die modernsten bodeurcfonnerischcn Ideen dargestdlt wird, besonders erfreulich ist der Zusammenhang, in dem die neue Einfügung (Seite 211) gestellt ist. Bekanntlich hat Damaschke seit jeher die große Figur des Moses als des besten radikalsten Bodenlet'orm-Geset/gebers voll gewürdigt. Dax hierauf be- /üglielie Kapitel seines Werkes scheint mir in seiner knappen Sachlichkeit das Schönste und läiisiditsiollste zu sein, was je ein Nichtjude über den Kern unserer Religion geschrieben hat. Und in dieses Kapitel mm hat der Autor die zionistische B e u c g 11 11g als* eine aussichtsreiche Erneuerung ries altjüdischen Gedankens mit aufgenommen. So erringt gerade heuer unsere Bewegung die Teilnahme bedeutender deutscher Geistesführer. Zu Rohrbaeh, Seheier, Parpiet, (Jucssel 11. a. tritt nun auch Damaschke mit seiner svmpatliisdicii Wertung des neiterwacliten jüdischeu Willens. Wir freuen uns, diese Anzeige gerade zu einer Zeit bringen zu können, da man Damaschkes fünfzigsteu Geburtstag feiert. M a \ B 1׳ o d. ״Galizische Justiz“? An Seine Exzellenz den Herrn k. k. J u s G z - minister in Wien wurde folgende Eingabe gerieht et; 111 ׳ e r e E \ z eile 11 z 1 Die mganisirrte, /iouistixchc und nationale Juden- >cl!aft Oesterreichs unterbreitet I ucrer Exzellenz im Nachstehenden folgenden krassen Vorfall auf dein < iebietc des g a I i z 1 s c h e!1 J u x t 1 / w estns, mit der ergebenen Bitte, huchgeneigtest entsprechende .Maßnahmen zwecks Y c 1־ I! 1 n d c 1 n 11 g v o 11 A u s - - c 11 r e i t n 11 g e 11 , die zur V c r hetz n 11 g g e g e n die Juden bei/idruent geeignet sind, treffen za wollen Am 7. Oktober 1 f 11 ר hat vor dem Krcisgericlite in N e u - S a 11 d c / die 1 l;mpt\ei hantlliing gegen den Juden üank'b Stöger wegen Verbrechens der Verh mmluiig stattgefniKleu. In seiiH'in Schliiüantnige \erstieg sieh der Vertrete!־ der Anklage, Staata 1! w;1 11 s u b s t 1 t u t M a 1־ - / u I 1 k , wir einem zahlreichen Auditorium zu folgender Expcktoiaum; ״Du• Ethik der Gemein- -clialT, zu welcher der Angeklagte Stöger gehört, ist nicht die Ethik de- ( linstentuuis, welche auf dem Gnmdsai/c ״Eieln■ deinen Nächsten wie dich seihst" beruht. Im Gegenteil, lehrt doch der laltuud. daß <111׳ Rache an dem < ioj eine gerechte Sache ist. (Fr gebrauchte den poiniwTu u Ausdruck ״godziwa"). Von der w'dligett Unrichtigkeit de- Staatsanwaltschaftlichcit Zitateabgesehen, 1-1 diese deplazierte Behauptung• des S1.-A.■Substitute- Alarszalik geeignet, Haß und Verneinung gegen die judenschaft, als eine gesetzlich anerkannte Rcligion-gc-ellschaft in nichtjüdischen Be\()lkertmgskreisen zu erzeugen und gegen die Juden aufzuhctzeii. Fine solche agitatorische und verhetzende Tätigkeit ist Staatsbeamten überhaupt und den Mitgliedern der Staatsanwaltschaft, die für die öffentliche Sicher-

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