Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1915)
- Date
- 1915-11-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 45 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 365 keit, die sich auf denselben Prinzipien in der Judenfrage wie zu Friedenszeiten aufbaut. Seit Monat Mai ist sogar ein gewisser Aufschwung zu bemerken, man könnte diesen Zeitpunkt beinahe von dem Frscheinen der halbmonatlichen Zeitschrift ״Hatikvah“ an datieren. Es finden Versammlungen und Vorträge in den Ortsgruppen statt. Bei den Todesfeiern für Dr. Lippe wurde überall ausführlich die Entstehung der Chowewe-Zionbewegung in Rumänien behandelt, deren Begründer der Verstorbene zusammen mit Herrn P i n e 1 e s gewesen ist. Anläßlich des Todestages von David Wolifsohn gab die ״Hatikvah“ eine Gedenknumirter mit gediegenen Aufsätzen namhafter Autoren heraus. Dr. Adolf F r i e d e m a ת n - Berlin schreibt über Wolffsoh״ als Führer, Dr. j. Nacht und M. Heinrich Schein bringen persönliche Erinnerungen an den grollen Toten, ein kurzer Brief von Max Nord au aus Madrid und andere Artikel schildern Wolffsohns Bedeutung als Finanzmann usw. In der Rubrik ״Zionistisches Leben“ bringt die ״Hatikwah" ausführliche Berichte über die zionistische Bewegung in der ganzen Welt, und die ״Presserevuc“ rezensiert die großen jüdischen Zeitungen. - Die gewöhnliehen Nummern der ״Hatikwah“ enthalten regelmäßig Originalbeiträge und Debersetzuugett aus der he- \ hräisdteii, jüdischen und deutschen Sprache, z. B. theoretische und belletristische Artikel aus Perez, Achad Haam, Nordau, Klatz.kin u. v. a. Anläßlich der jüdischen Feiertage richtete der zionistische Studentcnverein ,,Hasmonaea“ an alle Juden Rumäniens einen Aufruf, der in 10000 Exemplaren im ganzen Lande verbreitet wurde. Der Aufruf spricht von der ungewöhnlichen Zeit, in der wir leben, von den Leidl‘11 der Juden in allen Ländern der Welt und protestiert energisch gegen die Verleumdung, daß die Juden nur eine religiöse Sekte seien. Die organisierten Jüdischen Studenten Rumäniens geloben, wie alle Juden, ihrem Adaptivvaterlande unverbrüchliche Treue, sehen aber mit den Juden der anderen Länder als grundlegende Lösung der Judcnfrage nur die Schaffung eines Heimes in Palästina an. Für diese Sache müßten alle Juden mit Energie und Mut eintreten, und es sei ihre Pflicht, sich vorzubereiten, indem sic unserer Organisatioti beiträten und alle zionistischen Fonds, besonders auch die Notstandsarbeit in Palästina unterstützten. Seit langer Zeit hat man in Rumänien nicht mehr ein so würdiges Auftreten der jüdischen Studentenschalt erlebt. Manche Tageszeitungen druckten diesen Aufruf wörtlich ab, manche jüdischen Zeitungen haben ihn freilich aus uns wohl bekannten Gründen totgeschwiegen. Der Verein Hasmonaea veranstaltete in Bukarest anläßlich der Feiertage mehrere gutbe suchte Ve rsa m i n 111 nge n. Gelegentlich des Erscheinens der jidischen Zeitschrift ״Licht“ in Jassy und der Uebersetzungen aus Perez und Reisen wurden wohlwollende Besprechungen in nicht jüdischen Publikationen über die jidische Literatur veröffentlicht, darunter auch zwei Artikel in den! offiziösen Regierungsorgan ״Viitorul“, deren Verfasser dieser Bewegung sympathisch gegenüberstellt. Darüber gerieten einige jüdische Publizisten in große Entrüstung, und Dr. Steuer m a 11 n hielt es sogar für richtig, in der ״Infratirea“ die Artikel des ״Viitorul“ ziemlich schroff abzulehnen. Bei dieser Gelegenheit sprach er sich abfällig über die jidische Literatur überhaupt aus. Die ״Hatikwah“ beschäftigt sich in ihrer letzten Nummer ausführlich mit diesen ablehnenden Aeußeriingen. Sehr zu bedauern ist, daß das Organ des Verbandes der r u m ä 11 i s c h e n einheimischen J u 11 e n sich die Politik des Verbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu eigen machen will. El. Seh. Vom Jüdischen Verlag T rotz der Verkehrsschwierigkeiten haben wir uns während, der ganzen Kriegsdauer bemüht, die Verbiudung mit unserer Kundschaft aufreehtzucrhalten und den so wichtigen Informationsdienst weiter zu pflegen. Diesem Bestreben will auch eine U m frag e dienen, die wir vor kurzem an einige hundert aiisgewählte Adressen verschickt haben. Lin großer Teil der Befragten steht im Felde, und auch sonst ist das Adressenmaterial infolge der Kriegsvcrhältnisse etwas unsicher geworden. Man muß damit rechnen, daß ein großer Teil der Adressaten die Anfrage gar nicht erhalten hat. Aus diesem Grunde bringen wir sie hier nochmals zur a i I g e 111 e i 11 c n Kenntais und bitten alle Freunde, die darauf Wert legen, aber Neuerscheinungen informiert zu werden, uns lies direkt mitzuteilcn. Für die Mitteilung wolle man ungefähr den Text der dem Schreiben beigelegten Anwortkarte benutzen, die wir hier gleichfalls mit abdrucken. Die im Rundschreiben erwähnten ״Literarischen ( Neuigkeiten“ sind fine literarische Zeitschrift, die von einer großen Leipziger Verlagsbuchhandlung 11erausgegeben wird und die wichtigsten Erscheinungen des Büchermarktes in systematischer Weise registriert. Neben der reinen Bibliographie enthält die viermal jährlich erscheinende Zeitschrift auch selbständige Besprechungeii. Die Bücher des Jüdischen Verlags sind, nebenbei bemerkt, von der Redaktion der Zeitschrift öfter in verständnisvoller Weise gewürdigt worden. Das R 1111 d s e h r e i b e 11 des J ü <1 i s c 11 e n Verlags lautet: Berlin, im Oktober 1913. Sehr geehrter Herr! Trotz des Krieges macht sich überall eine gesteigerte Leselust bemerkbar. Täglich bekommen wir Bestellungen aus dem Heere, und zwar nicht nur aus Garnisonen, sondern auch aus Schützengräben. Diese Tatsachen veranlassen uns, einen alten Plan zu verwirklichen. Ls handelt sich nämlich um rege!- mä lüge ״M i 11 e i 1 u u g e 11 ü b e r u e u e r s c hei- 11 e 11 d e Bücher“, die wir an eine Anzahl unserer Kunden verschicken wollen. Wenn Sie auf den Empfang dieser ״Mitteilungen“ Wert legen, so bitten wir um Angabe derjenigen Gebiete, für die Sie besonderes Interesse haben. Dabei können Sie sowohl allgemeine Angaben machen wie etwa Jud a i k a , Philosoph! e , M e d i z i 1! , R e c 111 s - Wissenschaften, S e 11 ö n e L. i teratur, Biologie usw. oder auch engere Zweige anssondern; z. B. J ü d i s c h e Ges c 11 i c 111 e , N e 11 e r e d c 111 s c!1 e Phil o s o p 11 i e , A 11 g e 1111 eilk u 11 d e , H a n d e I s r e c 111 , L y r i k , Luxusa u s g a b e n , P f 1 a 11 z e n p h v s i o I o g i e u. dergl. . Natürlich können auch mehrere Gebiete angegeben werden. Eine besondere Stellung nimmt die K r i e g s - literatur ein, die so ziemlich alle Fragen der Gegenwart umfaßt, ln unseren Kreisen finden die Fragen des nahen Orients mit besonderer Beriieksichtigung Palästinas und der Türkei ein spezielles Interesse. Ebenso die Fragen, die sich aus der Besetzung weiter russischer Gebiete mit ihrer gemischten Bevölkerung ergeben, und die wir mit dein Sammelnamen Probleme der Grenzm a r k e n bezeichnen. Iri der Anlage erhalten Sie ein Exemplar der Zeitschrift ״L i t e r a r i s c 11 e N e 11 i g k e i t e n“, die wir den Empfängern der ״Mitteilungen“ .gratis zustellen wollen. Wir brauchen wohl nicht zu bemerken, daß der Empfang der ״Mitteilungen“ und selbst der ״Literanschen Neuigkeiten“ Sie zu nichts verpflichtet. Anzeigen von Neuerscheinungen pflegen wir auch jetzt schon von Zeit zu Zeit an unsere Kundschaft zu verschicken, mir soll unsere Anfrage ein gewisses System in diesen Betrieb bringen. Wir bitten Sie, evtl, die beiliegende Karte verwenden zu wollen und verbleiben hochachtungsvoll J ii d i s c 11 e r V e r 1 a g G. m. b. H. A n t w o r t k a r t c: ich mtt»res8ieTT> mich für Neuerscheinungen auf folgenden Gebieten: für die aktuelle Literatur: der Fragen des nahen Orients — Problem•־ der Grtnznjarkcn und bitte am Zusendung der ״Literarischen XcuiKkeitona. (Das Gewünschte ist zu unterstreichen.ו Name: Stand oder Beruf: Adresse: AUS HAMBURG-ALTONA Die F r a u e n v e r e i 11 i g u n g der Z i o n i s t i - schcnOrtsgruppeHam bürg-Alto na blickt auf ein Jahr emsiger, erfolgreicher Kriegsliilfsarbeit zurück. Von den erheblichen Mitteln, die dem Verein aus seinem Fonds für die Tatgsierieiikolunien geblieben waren, wurde eine gröÄe Summe der ״H a m b u 1־ g er K r i c g s 11 i 1 f e“ ^erwiesen : der übrige Teil wurde zur Einrichtung und Unterhaltung einer Abendküche verwendet, in der innerhalb von 9 Monaten ca. 8000 Porti,meu warmes Essen für ein Entgelt von 5 Pfennigen für die Portion verabreicht wurden. An alle im Felde stellenden Mitglieder der Ortsgruppe wurden ferner des öfteren Liebesgaben geschickt. Bei der in großem Stile durchgefühneii Tagesf c r i e n k o 1 o n i e, in der i!1 diesem Sommer alle hiesigen größeren jüdischen Vereine zusammenarbeiteten, beteiligte sich die Zionistische Frauen- Vereinigung in hervorragender Weise. Sie stiftete nicht mir eine entsprechende Geldsumme, sondern übernahm auch die Oberleitung, die von unserer zweiten Vorsitzenden vortrefflich und zielbewußt geführt wurde. Um zur Linderung der schrecklichen Not unserer kriegsbeschädig teil Stamniesgciiosseii bei zu tragen, wurde im Frühjahr eine Klei d e r s ,1׳ m m e 1 - stelle und N ä 11 s t 11 b e eingerichtet. Dank der Unterstützung unserer Mitbürger konnten den Aernisteil große Mengen neuer und getragener Kleid.ingsstücke übermittelt werden. 1111 vorigen Monat sind 20 Kisten mit Mäinienm/ügcn, Frnuenkleiderii, Wäsche, K'inderkleidern, Stiefeln, Strümpfen 11. a. m. an den Fddrabbincr Herrn l)r. l.tvy nach Lodz, gesandt worden. Damit wir bald wieder den Fluchtliiigen diese so notwendigem Sachen schicken können, wird in der Nahstube fleißig gearbeitet. Es fehlt aber an Stoffen und Geld. Darum bitten wir dringend, uns neue oder alte Gareierohe, Stoffe oder Geldbeitrüge zukoinmeti zu lassen. Geldsenilungcn erbitten wir an das Bankhaus E. Calmaim, Hamburg, Neuer Wal! 101, unter ״Bekleidungszeiitrale“; Kleide! usw, ,11! die Sammelstellc Hochallee 2\ parier ־c. Wir hoffen, daß unsere Bittebei linsen! Freunden reiche Unter- Stützung finden wird. AUS ALLER WELT Aus Amerika. (K o 11 g r e IS - V nr 11 e reit u!1 g e-11.) Das Organisations-Komitee des Kongresses veranstaltete am 12. Oktober in New York eine sehr gut besuchte Versammlung, in der u. a. beschlossen wurde, am 21. November 111 New York eine Vor- Konferenz einzuberufeit, um die technischen Fragen der Organisierung des Kongresses zu besprechen. Die Vorkonferenz, an der die Vorsteher sämtlicher zentralen jüdischen Körperschatten in Amerika und Kanada tcihuTuncn werden, wird darüber zu beschließen haben, wann um! wo der KongicBstattfinden soll, und außerdem das V a 1! I s v s t 0 m und die T a g e s o r d 11 11 11 g festlcgen. Aus dem Bericht des Sekretärs des Organisationskomitecs geht hervor, daß sich der Kongreß- Bewegung bereits 2‘i größere jüdische Organisationen aiigeschlosseu und in ca. 100 amerikanischen Städten Komitees zur Unterstützung der Kongreßorganisation gebildet haben Der Bericht stellt auch fest, daß trotz dem Beschluß des Großmeisters des Ordens ״Britii-Abraha 111", gegen den Kougreßpkui zu stilltmen, sieh doch bi י jetzt IS Logen desselben Ordens für den Kongreß ausgesprochen haben. Es besteht auch noch die Hott'iume, auch die (iriilll.er ,!׳/ne- Brith“ zur Teilnahme au dein Koiiureß zu bewegen. (D i e a 111 e r i k a 11 i s e 11 e s o / i a I 1 s t i s c 11 e P a 1׳ t v i u 11 d die j 11 d e » f 1 a g e.) (J. A. K.) I )ie nationale‘ Exekutive der s o / i a - i i s t i s e 11 e 11 Part e i A in 0 r i k a s (S. P.) hat i!1 ihrer Sitzung Ende September zu der Bewegung für jüdische Rechte Stellung genommen. Das nationale Arbeiter-Komitee hat zu dieser Sitzung einen besonderen Vertreter entsendet, um die Beschlüsse der Arbeiter-Kom eution zu begründen. Die nationale Exekutive hat in einer besonderen Entschließung die Ziele der Konvention herzlich begrüßt, ״indossiert" und sieh verpflichtet, ״die jüdischen Arbeiter in ihrer gerechten Sache voll und ganz zu unterstützen“. Der sozialistische A b g e u r d n c t e d e r Stadt N e w Y o r k , Meier L o 11 d o!1 , wurde aufgefordert, in der Dezember-Session des Kongresseeine Reihe von Resolutionen für die jüdische bürgerliche lind nationale Gleichberechtigung im Sinne der Beschlüsse der Arbeiter-Konvention eiii/iibringen. Die Vertreter der sozialistischen Parteien der Vereinigten Staaten int Internationalen Sozialistischen Bureau und ihre Delegierten zu dem künftigen internationalen Kongroß werden die Beschlüsse der Arbeiter-Konvention diesen Körperschaften befürwortet verlegen, ,,damit die sozialistischen Parteien aller Länder gcniein.-chait-!ich eine internationale Aktion unternehmen, um dem jüdischen Volke in seinem Kampfe tun volle und gleiche Rechte mit den anderen Völkern in den l audem, wo die Jude!) siedeln und dieser Rechte heraubt sind, zu liehen״. Es ist außen.rtlemliclt erfreulieh, daß sich die sozialistische Partei Amerikaheeilt hat, sieh mit der Villcn-kuudgebnng des jüdischen Proletariats dieses Landes zu solidarisieren und eine internationale .sozialistische Aktion an/u!egc11. Die national-hebräische Schule in der 18/ Ak'disou Street in N e w \ o r k , eine der hervorragendsten Anstalten dieser Art in Amerika, feierte am ,.’.Oktober mich sechsjährigem Bestehen du׳ Entlnssuue ihrer ersten Abituiiemen. Die Fear, an der imbezil 2000 Personen teilnahnien, gestaltete sich zu einer unpo- Stinten Kundgebung für die hebräische Spratiie mal die!nodern-liehraisetie Pädagogik, In der FY.stversnmmhn!g sprachen 11.;1. Reverend M a - I i ,1 - k i. ßers Avi aus Palästina, Dr. Sehniarjah 1. e v i :1 und Dr. M e. 1 a 111 e d. Die glänzenden Resuliate der Prtifu»gen erregten die lebhafteste Bewunderung. .Mit dein Absingen der ״Hatikwa״ wurde die erhebende Feier geschlossen.