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Jüdische Rundschau · 1915-11-05 · Heft 45 (5.11.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 45 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 364 J U E DI Sp H E RUNDSCHAU Nr. 45 haben, j e g I i c 11 e 11 Sc h a <1 e 11 a u s /11 besser n und die P f I a n z u 11 g e n möglichst!1 <> c h besser wieder h e r z u s t e 11 e n. 1 in Verhältnis zu der Depression, die vor drei Monaten in den Kolonien geherrscht hat, kann die Stimmung jetzt geradezu als eine gehobene betrachtet werden. Die amerikanische Orange ח a n 1 e i 11 e hat hierzu viel beigetragen. Was für die Kolonien gesagt ist, das gilt auch für unsere Farmen Bens ch e m e 11 und H 111 d a und für den Gau Schmuck Die Bäume sind vielleicht um ein halbes Jahr oder vielleicht ,.ein ganzes Jahr in ihrer Entwicklung gehemmt worden, und der Kampf gegen die Heuschrecken hat etwa 6500 Fres. erfordert, der Heuschreckenfraß hat aber an den Bäumen kein Merkmal zurückgelassen. Dr. A. Ru pp in. * Weiteren Berichten, hauptsächlich über Arb c i t s 1 o s i g k e i t in Palästina, die sich auf die Verhältnisse um die Mitte des Monats Septem b e 1׳ beziehen, ist folgendes zu entnehmen : Die Arbeiter, vor allem in Judäa, leiden an Arbeitslosigkeit. 111 erster Linie in P e t a c 11 - T i k w a 11 gibt es eine verhältnismäßig bedeutende Zahl von jüdischen Arbeitern (nahezu 300), die zumeist arbeitslos bleiben. Die Arbeiter in Judäa leiden überall mehr als die K o I o nisten infolge der Tatsache, dal? die Orangengärten und Weinberge in diesem Jahre keine Ernten gaben, und daß die Mandeln sich sehr schwierig verkaufen lassen. Viele Arbeiter gehen barfuß, weil sie kein Geld haben, um das unbrauchbar gewordene Schuhwerk durch neues zu ersetzen. Es versteht sich von selbst, daß die Arbeiter sich noch seltener als die Kolonisten den Luxus einer Lampenbeleuchtung oder das Trinken von gezuckertem Tee erlauben können. In unseren Farmen haben diese Umstände begonnen, in einer immer härteren Weise fühlbar zu werden. * Diese Berichte werden durch die Angaben von Palästinensern ergänzt, die Palästina verlassen haben und von einem amerikanischen Kreuzer nach Canea gebracht worden sind, von wo sie auf einem griechischen Dampfer nach Alexandrien weitergereist sind. Sie erzählen, daß man sich nach dem Verschwinden der Heuschrecken in den Farmen des Jüdischen Nationalfonds und in den Kolonien der Kultur des Gemüses zugewendet hat, um es im größeren Maßstabe zu ersetzen, und um für andere Produkte Ersatz zu schaffen, die sonst nach Palästina importiert wurden. Man strengt sich jedenfalls an, mögliehst viel O e m ii s e und G e t r c i d e zu produzieren. Diese Tendenz, einmal zum Vorschein gekommen, wird von heilsamer Wirkung auf die palästinensische Landwirtschaft werden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Aeiidenuigcn im ökonomischen Leben der jüdischen Siedlung in Palästina auch die Lage der Arbeiter beeinflussen können. Es scheint, daß sich Arbeiter und Kolonisten in der Arbeit wie im Zusammenleben einander genähert haben. Jedenfalls wird sich die Beschäftigung der jüdischen Arbeiter, die in der Praxis zuerst von den National fondswirtschaften proklamiert und durchgeführt wurde, weiter cinbiirgern. Es ist jedenfalls ein Umstand, dessen 'Nachwirkungen auch eine gewisse Zeit nach dem Kriege fühlbar sein werden. Diese Erwartungen sind natürlich erfreulich. Die Wirtschaftliehe Situation in Palästina in der Gegenwart ist demgegenüber leider sein wenig zufriedenstellend und gibt zu großen B e f ii r c h t u 11 g e 11 Anlaß. Sie haben ihren •-Grund hauptsächlich darin, daß in den-.Kolonien und in den Städten das Geld immer seltener wird. Um so notwendiger ist es, daß das Hilfswerk f ii r Palästina energisch und unermüdlieh fortgeführt wird. Geldsendungen aus Oesterreich ־ U ngarn Unsere Gesinnungsgenossen in Oesterreich- Ungarn machen wir darauf aufmerksam, dass sie Geldbeträge für die Zwecke des Zionistischen Aktions-Komitees, wie auch für die Jüdische Rundschau sowie das Hilfswerk in Palästina am einfachsten und unter Vermeidung aller Kosten auf folgenden Postscheck-Konten einzahlen können: Postsparkassenkonto Professor Warburg für Zionistisches Zentral-Büro Nr. 145.340 Wien Postsparkassenkonto der ״Welt“ Nr. 39913 Wien Postsparkassenkonto der ״Welt“ Nr. 61555 Budapest. Von den hebräischen Schulen in Palästina (Budgets - Unterricht der deutschen S p r;1 che - S c 111 i e fi u n g d e s h e b r a i s c 11 e 11 G y m nasi u m s in J e r u s a 1 e m) Jaffa, den 15. September 1615. fm Anfang September fanden in Jaffa Sitzungen des ״W a a d H a c 11 i n u c h“ (bestehend aus den Herren Dr. C 11 i s s i 11, H ס o f i e n , Ja f f e , J c 11 i n, Dr. Lurie, l)r. Furo ff, Scheiukin, Thon und Dr. Kupp in) statt, in denen die einzelnen B u d g cts der hehr ii i s c h e 11 S c 11111 e ״ eingehend beraten wurden. Ursprünglich waren für das L'tatsjahr 5(176 (1. Oktober 1915 bis 30. September 101(1) 300 000 Frcs. gefordert. Nach eingehender Besprechung wurden aber für die eigenen Schulen des Actions-Comites nur 170 000 Frcs. und für die von ihm subventionierten Schulen 60000 Frcs., insgesamt also 330 000 Frcs. bewilligt. In diesen 230 000 Frcs. sind die Spenden des Henri Rosen wald für das J a f l'atr (3 v m nasi u in 12 000 Frcs., für den ״B e - za 1 e 1“ 12 060 Frcs., insgesamt 24 000 Frcs. enthalten. Wenn den Lehrern nur 75 0״ ihres Gehaltes ausgezahlt werden, so ergibt sich eine Verkürzung des Etats um ca. 31000 Frcs. lieber den Unterricht der deutschen S p r a e h e a n 11 n s e r e!1 heb r ii i s c h e 11 Sc 11 u - len ist folgendes mitzuteilen: 111 den Sitzungen des S c 1111 1 k o m i t e e s der hebräischen Anstalten wurde von den Fremdsprachen D e u t s c 11 als o 1) 1 i g a t o r i s c 11 c s und F r a 11 / ö s i s c h als f a k 1111 a t i v e s F a c 11 festgesetzt, und zwar sollen der französischen Sprache in keinem Falle mehr Stunden eingeräumt werden als der deutschen Sprache. Nach dem neuen Stundenplan für das kummendc nach den Feiertagen beginnende Schuljahr wird unterrichtet: im hebräischen Lehrerseminar in Jerusalem.30 Deutsch — Franz.*) im hebräischen Lehrerseminar fiirScliiilerderKomrnerzkurse — ״ 6 ״ inderKnabenschulei Jerusalem tä , 10 ,, i. d. Mädchenschule i Jerusalem 12 ,!2 ״ in der Realschule in Haifa . 20 ., 20 in der Knabenschule in Jaffa 12 _-- 80 Deutsch 48 Franz. Im Lehrerseminar sind im Programm 30 Stunden für die deutsche Sprache festgesetzt, außerdem sind von der Direktion der Anstalt noch 10 Stirnden Deutsch als Naehhilfestimdeu für schwache Schüler vorgeschlageii worden. Da es notwendig■ war, die Ausgaben auf das äußerste zu beschränken und zu diesem Zwecke die Stundenzahl in vielen Fällen zu verkürzen, wurde es abgelelnit, noch 10 Stunden für Deutsch mit Bezahlung in den ■Jaliresetat einziisetzeu, man beschloß jedoch, daß ältere Seminaristen und jüngere Lehrer, die das Semiliar absolviert haben, diese Nachhilfestunden ohne eine besondere Bezahlung erteilen sollen. Auf diese Weise wird in der L e 111־ e reiz i e 111111 g sa 11 s! a 11 Deutsch in weites! e m U m f;111 g e gepflegt. (1111 Seminar des 1 lilfsverems wird Deutsch 21 Stunden unterrichtet, Französisch und Englisch je 0 Stunden.) Es kann erwartet werden, daß die Schüler dadurch,!laß sie nur eine Fremdspräche lernen, diese auch gründlicher beherrschen werden. Jaffa, den 10. September 1915. Vor einer Woche ist das hebräische ü y 111 - nasi um in Jerusalem von der Regierung gcschlossen worden. Das Gymnasium hatte vor mehreren Monaten bei der Unterrichtsverwaltung (Mudir-Mtiaref) in Jerusalem ein Gesuch wegen der Legalisierung des Gymnasiums als Mittelschule eiligereicht. Es wurde den Herren mitgcteilt, daß die Anstalt als Mittelschule nicht legalisiert werden könne, da bereits genügend Mittelschulen in Jerusalem vorhanden seien, daß sie aber die Erlaubnis für eine ״Ruchdie“ {Volksschule) hekommen dürfte. Die Unterhandlungen wegen dieser Erlaubnis sind noch nicht zum Abschluß gekommen, deshalb kam die plötzliche Schließung der Schule ganz unerwartet. Sie ist folgendermaßen zu erklären: Bekanntlich hat die Zentralregierung nach Eintritt der Türkei in den Krieg angeordnet, daß alle französischen Anstalten geschlossen werden und das Vermögen beschlagnahmt werden sollte, das Gymnasitim, das ohne legale Form und ohne fremden Schutz bestanden hatte, ist von diesem Erlaß verschont geblieben. Ls haben zwar vor einigen Jahren zwei Mitglieder des Vorstandes der Anstalt mit dem französischen Konsul in Jerusalem die Anerkennung der Anstalt als eine französische Schule privatim *) Die Lehrer/.öglinge erhalten gar keinen französischcn Unterricht, nur die Handelsschüler haben außer 31) Stunden Deutsch noch 6 Stunden Französisch. erörtert, 'die Verhandlungen darüber sind aber infolge des W i d e r s t a 11 d e s der Mehrheit des Vorstandes nicht veitergefülirt worden. Trotzdem war gelegentlich des Abschlusses der großen französischen Anleihe vor etwa zwei Jahren das Gymnasium ganz unerwarteterweise in! Pariser ״Temps“ unter denjenigen Anstalten aufgeführt, für die seitens der französischen Regierung gewisse Privilegien als Aequivalent für die Anleihe bei der Zentralregienmg gefordert wurden. Das Gymnasium, welches keine offizielle Abheilung von irgendeiner französischen Beliörde besitzt, betrachtete dies als allgemeinen Vorschlag ohne konkrete Folgen. Es leitete Schritte wegen seiner Legalisier u 11 g ein, da es keinem Schutze unterworfen war. Die türkische Regierung hat jedoch anscheinend auf Grund dieser Mitteilung der französischen Presse das Gymnasium als eine französische Anstalt betrachtet und deshalb jetzt seine Schließung angeordnet. Natürlich werden Schritte unternommen, die Legalisierung des Gymnasiums als Primärschule bei den Lokalbehörden durchzusetzen. Brief aus Rumänien Rumänien kommt in immer nähere Berührung mit dem Kriegsgebiet, und es wird nicht mehr lange dauern, bis es rings vom Kriegsbrand umgeben ist. Durch die Einziehung und Einbehaltung von tmgefälir zehn Jahrgängen Militärpflichtiger erfährt das Wirtschaftsleben eine noch beständig im Wachsen begriffeile Krisis. Darunter hat natürlich besonders die jüdische Bevölkerung, die zum grollen Teil aus Kaufleuten bestellt, zu leiden. Der Handel ist fast gelähmt, da die Einfuhr sehr klein ist und Kredit überhaupt so gut wie gar nicht gewährt wird. I>ie Aus- Weisungen der Juden aus den < irenzgebieten sind seltener geworden, trotzdem verlangt man von den rumänischen militärpflichtigen Juden des öfteren ihre Legitimation betreffend die Aufenthaltserlaubnis im Lande. Von dem ziemlich systematischen Vertrieb von Konterbande an der österreichisch-ungarischen Grenze, der den Juden in die Schuhe geschoben wurde, hört man jetzt weniger, da selbst die antisemitischen Tageszeitungen große Listen von R 11111 ii n e n gebracht haben, die an dem Konterbandevertrieb regen Anteil nahmen, — ein Beweis, dal» das Schmuggeln keim! Rasseneigentünilielikeit ist. Die Polemik in all diesen Fragen wurde von allen jüdischen Zeitungen geführt, besonders von dem durch den Verband der einheimischen Juden herausgegebenen Organ 111״ f r a t i r e a“. Auf Veranlassung des genannten Verbandes wird reiches statistisches .Material über die rumänische Judenfrage gesammelt und bearbeitet. Fs wird eine Zählung der Juden vorgenommen und bei dieser Gelegenheit die Zahl der Militärpflichtigen und derjenigen, die den Feldzug von 19!3 initgemacht haben, festgestellt. Auch eine Liste 11er eingebürgerten Juden wird au!'gestellt. Dies Material ist natürlich für die Polemik mit den antisemitischen Zeitungen doppelt notwendig, und man hofft, hieraus großen Nutzen zu ziehen. Trotz dieser günstigen statistischen Ergebnisse, die zum Teil schon veröffentlicht sind, und trotzdem jeder Augenblick eine Mobilmachung Rumäniens bringen kann, wodurch 25 000—30 000 Juden unter die Waffen treten würden, ist der Ton der rumäni- 4 sclien Presse antisemitisch, 111111 die Regierung findet immer von neuem Gelegenheiten, Maßregeln gegen die Juden in Fragen des Wohnrechts, des Schulbesuchs, der Synagogeiieinriditimgen tisw. zu ergreifen. Der Krieg hat neue Verleumdungen entstehen lassen, von denen wir nur einige nennen wollen. Man wirft den Jaden vor, daß sie Spionage treiben und die ganze russische Niederlage verschuldet haben. Inimerliiii haben sich doch noch einige Zeitu,iigen gefunden, die so anständig waren, auch die Hiurichlimg des t )bersten Al i a s o j e d o f f mit zuteilen. Die e n t e n t e f r c 11 1111 1 i cb e 11 Zeitungen beschuldigen die Juden, sie seien deutschfreundlich und würden irn Kriegsfälle Spionage für die Zentralmachte treiben, da sie durch den Sieg der letzteren eine günstige Lösung der Judenfrage im allgemeinen und besonders in Rußland und Rumänien erhofften. Andererseits wird denselben Juden von der d e 111 § c 11 - freundlichen Presse der Vorwurf gemacht, daß sie mit Frankreich, England und Italien sympathisierten, weil dies die ersten Länder seien, die den Juden die Bürgerrechte zugebilligt hätten, Länder der Demokratie und der Freiheit. Hinzugefügt wird noch, daß manche rumänischen Juden, die sich währerid des Krieges in Frankreich befanden, dort freiwillig in die Armee eingetreten sind. Die Juden dienen in jedem Fall allen Richtungen als Sündenbock. Diese Polemik in der Tagespresse stört die zionistisch gesinnten Juden nicht in ihrer Tätig-

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