Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1915)
- Date
- 1915-11-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 363 Berichte aus Palästina (A! I ״ e nt e i!1 e wirtschaftliche ha g c N o t s t a 11 d s;1 r beit e 11 - I. e i h k a > s e 11 Nut d e r S e t a r d i 111 - - F 1 ״ g e 11 tl er 11 1׳ u ״ s e h r e c k e 11 p 1 a g e - I) i e 5 i t 11 a t i o 11 tl c r Arbeit e r) Noch immer leidet die Postverbimlung mit Palastina unter den großen Schwierigkeiten, die die in normalen /eiten übliche und uns allen schon zur (u wohnheit gewordene schnelle und ausfülirliehe Berii Iherstaitune' behindern. Die wichtigsten Einzel- T a t s a e 11 e: 11 kommen natürlich schneller zur Kenntuis der informierten Kreise als zusn!n1m1׳ü'asscnde Beneide. I et/tere aber, die über bestimmte /eit- Perioden umfassende U eberbiieke gerben, erleiden infolge der durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse die lau״sten Verzögerungen bei der Abseudimg und bei der Beförderung. Wir ״eben im nachstehenden einige auch jet/1 noch wichtige Stellen aus Berichten aus Palästina, die die Zustände in Palästina schon vor mehreren Wochen - der erste sogar die \v i r t s c h a f 11 i c h e 11 Verhältnisse in Palästina etwa zu Anfang August — schildern. Das Datum der letzten Nachrichten zeigt, dal! die Berichterstattung jetzt eine nicht mehr allzu langwierige Verzögerung erleidet. Das P a 1;1 s t i 11 a a m t in j a f f a berichtete dem P r o v i s o r i s c heu Z i o 11 i s t i s e 11 e 11 L x e - k 111 i v k o rn i t e e in New York am 27. Juli folgcnderma lien über die a I 1 g e m e ine w i r t - s c h a f t 1 i e 11 e 1. a g e : Je länger die allgemeine Krisis anhält, desto mehr verschlechtert sieh die ökonomische Lage im Lande. Die Zahl der Leute, die־ völlig mittellos sind und aus den Mitteln des A m e r i k a n i s c 11 e!1 R e 1 i c f 1 uuds (A. R. F.) unterhalten werden müssen, wächst von Tag zu Lag. In Jerusalem wurden die Lebenxmittel des ״Vulkan“ unter 30 001) Personen verteilt, und jetzt beanspruchen in Jerusalem 15 000 bis 20 000 Seelen 1'uterstützungen aus den Mitteln lies A. R. lg In den anderen größeren Chalukka- Städten, Tiberias und Sa ft cd, ward die Lage infolge lies Ausbleibens der Subsidien, von denen der weitaus' grollte Teil der jüdischen Bevölkerung dort lebt, ebenfalls immer schwieriger, jedoch wirkt hier der Umstand mildernd, daß dort - wie in Galiläa überhaupt — die wichtigsten Lebensmittel erheblich billiger sind als in Judäa. Auch in den Städten mit einer wirtschaftlich produktiven Bevölkerung hat sich die wirtschaftliche Lage sehr verschärft. Die Bevölkerung zehrt allmählich ihre letzten Reserven auf, und da die Verdkmstmoglichkciien in allen Berufen andauernd sehr gering sind, wächst die Zahl der Unterstützt!ngsbedürftigen auch hier rapide. Dasselbe־ gilt auch ihr die Kolonien. Hier erwarten wir allerdings eine Erleichterung der Lage durch die amerikanische Anleihe für die Orangeriebesitzer. Die Kolonisten, die irn Kampfe gegen die Heuschrecke» ihre letzten Mittel aufgebraucht hatten, werden wieder etwas Bargeld und die Möglichkeit bekommen, die zur Auffrischung der geschädigten Pflanzungen nötigen Arbeiten ausznführen. Hierdurch wird auch ein groller Teil der jüdischen landwirtschaftlidten Arbeiter in den Kolonien Arbeitsgelegciiheit bekommen. .Mindestens 1 j, des Darlehens wird zur Beschäftigung von Arbeitern verwandt werden. Entgegen früheren Befürchtungen haben die Pflau- Zungen selbst nur geringen dauernden Schaden von den Heuschrecken erlitten. Die von den Heuschrecken abgefressenen Bäume haben sich schnell mit frischem Grün bedeckt. Dadurch schöpften die Kolonisten wieder frischen Mut und die Sicherheit, daß nicht mehr als die Ernte eines Jahres verloren sein dürfte. 1 nimerliin muß man den Schaden, den die Heuschrecken an der diesjährigen Wein-, Orangen- und Mandelernte, sowie au Getreide, Futter und Gemüse angerichtet haben, auf mindestens 3 000 000 Francs schätzen. Ueber die N o t s t a n d s a r b e i t e n heißt es in dem gleichen Bericht: Was den Stand der Notstands arbeiten anbetrifft, so beschäftigen wir jetzt in Haifa täglieh 70 Arbeiter, und zwar bei der Anlage und dem Weiterbau von Straßen auf Terrains am Abhange des Carmel. Wir haben für diese Arbeiten einen Betrag von 3000 Frcs monatlich ausgesetzt, wovon die Hälfte der A. R. F., die andere Hälfte die Immobilicngescllschaft ״Palästina“ aufbringt. ln Jaffa haben wir weiter verschiedenen privaten Hausbesitzern Darlehen gewährt. Hauptsächlich beschäftigen wir jetzt Arbeiter an dem Bau Eres. aK Darlehen an Beschäftigung von Arbeitern des indischen Kraiikuihauscs in Tel-Awiw. Damit 000, 1 )ruckereien 12 alle Arbeitslosen die Möglichkeit haben, das Not- 1530. ( )(iveuhnlzarbeilet (1 iausimlustriv) 23 wendigste für ihren Lebensunterhalt zu verdienen, 1000, Kollcl 1 lasfaiadiin, Vollendung des arbeiten die Handwerker und sonstigen Facharbeiter (iemeimleliaii'(־ s 12 15 in Gruppen abwechselnd jede zweite Woche, so 2050, I »litweher (Hau üodiistrie) 4 daß jeder von ihnen 2 Wochen im Monat Arbeit DO, Weher 2 hat. Die gewöhnlichen ungelernten Arbeiter wecli- 100, 1 ischler 2 sein jede Woche. Wir beschäftigen auf diese Weise 200, - Niilisdiiik׳ 17 40 bis 45 Arbeiter wöchentlich mul haben für die 1000, Vereinigung der Tora und Mesum- Notstaiidsarbeitcii in |affa ein monatliches Billiget Schreiber (110 Arbcitemiitgliedcr). von 3100 Frcs. bestimmt. 1 lausuidustric 45 Die 100 Arbeiter, die höher bei den Eisenbahn- 300, Be/a lelselmle 20 bauten der Regierung beschäftigt waren, haben -- 100, Photographen 2 da diese Arbeiten vollendet sind ׳ ebenfalls keine Im gaii/rii kann 111 an amiehiiien, daß mit Beschädig!nein־. Auch sonst wird die Zahl der Liebesgabensendung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zum Chanukahfest Wie im Vorjahre wollen wir auch diesmal unseren Freunden, die an allen Fronten kämpfen, allen, die in Lazaretten liegen, und allen, die noch ausgebildet werden, eine C 11 a n u k a 11 f re u d e bereiten. Hie Zahl der Freunde, die wir zu bedenken haben, ist seit dem vorigen Jahre wesentlich gestiegen, mul auch das uns zur Verfügung stehende A d r e s s e n 111 a t e r i a 1 bedürftiger j ü - d i s c 11 e r S o 1 d a t e n hat sich ständig vermehrt. Trotzdem hoffen wir durch die eifrige Werbearbeit unserer Gesinnungsgenossen, alle zu bedenken. Unsere Pakete sollen Genußniittel aller Art enthalten. Auf Wollsachen und Gebrauchsgegenstände wird dieses Jahr weniger Wert gelegt. Da unsere Freunde in allen Briefen den Wunsch danach aussprechen, werden wir ihnen auch diesmal eine C h a 11 u k a h - F e s t n 11 m 111 er der ״J ü d i s c h e n R u 11 d s c h a u“ zuschicken, für die uns namhafte jüdische Schriftsteiler Beiträge zur Verfügung gestellt haben. Das Chanukahfest beginnt bereits am 2. Dezeinbet׳, daher ist große Eile geboten, um die Sendungen rechtzeitig verschicken zu können. Wir bitten daher alle unsere Freunde, uns B a r in i 11 e 1, G e n u ß in i 11 e 1 aller Art und postfertig e D a k e t e einzuschicken. Jedem Paket soll auch in diesem Jahre eine Karte des Spenders beigeftigt werden. Zuschriften und Geldsendungen sind an die Adresse unseres Herrn Max W o 11 s t e i n e r, Charlottcnhurg, Roschcrstr. 5, Postscheckkonto Berlin .3847, zu richten. Pakete ausschließlich an die Adresse unseres Bureaus, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Eumilionnngehörigcii der Arbeiter 170 ׳ Seelen durch die׳«־ N'otstaiidsnrbeiten ihr Brot verdienen. Diese im beschränkten Umfange nusgetülirten Niilstamlsarbeiteii können natürlich nur 111 sehr beseheideneni Maße das große Jerusalemer Elend lindein, haben aber einen hohen moralische» Wert, indem sie wenigstens den arbeitsfähigen, bedürftigen Leuten den Empfang v< >11 Almosen ersparen. Wir haben die .Allsicht, in Zukunft diesen Zweig der Hilfstätigkeit vorausgesetzt, daß es 1ms unsere Mittel erlauben - weiter atiszubaueii. Fs werden zu diesem Zwecke Angaben über (iewerbe- und Hausindustrien, die unter den Juden Jerusalems ver-!!reitet sind, gesammelt, um auf Grund dieser Fest- Stellungen die Arbeite» weiter auszubauen. 111 den ״ a I i I ä i s e b e 11 Kolonien beschäftilgen die Lmtearbeiten, in den j u d ä i s c 11 e n Kolo- 11 i 111 ׳ die ()rangenarbeiteii einen großen Teil der Arbeiter. Leider fallen in diesem Jahre die Arbeiten beim Pflücken der Trauben und in den Kel-!erden in Riselion le Zion, Sicliron Jacob — wobei gewöhnlich etwa 200 Arbeiter beschäftigt wurden — fast ganz fort, weil die Traubenernte von den Heuschrecken fast ganz vernichtet worden ist. Ueber die neu eingerichteten 1.1■ i 11 k a s s e 11 wird berichtet: Wie in Jaffa, sind jetzt auch in allen Städten und in den Kolonien Leihkassen organisiert. In Haifa, Tiberias, Saffed sind ו!" 10־ aller Gelder des A. R. F. für diesen Zweck bisher reserviert worden. In Jerusalem sind nur 7000 Frcs. bisher für diesen Zweck ausgegeben worden. In J a 1 f a beträgt das Geschäftskapital der Leihkasse zurzeit 58 000 Frcs. Hierzu hat die A. P. C. bis jetzt einen Betrag von 25 000 Frcs. und der A. R. F. eine Summe von 10 000 Frcs. beigesteuert. Die Leihkassen in den j u d u i s c 11 e n Kolon i e 11 haben vor etwa 2 Wochen mit einem Kapital von 10 000 Frcs. (5000 Frcs. hat der A. R. E., 5000 Francs die A.P.G. gegeben) ihre Tätigkeit aufgenommen. * Etwa einen Monat später, am 31. August 1915, wurde hauptsächlich über die unter den Sefardim herrschende Not geschrieben : Ftwa 400- -500 Juden sind teils bei Arbeiterb a t a i 11 o n e n , beim Bau von Wegen und Bahnen beschäftigt, teils stehen sie im Feldheere. Der größte Teil dieser Leute setzt sich aus armen Sefardim zusammen, deren Not in vielen Fällen eine recht große ist. Aus den Hilfsfonds wurden jedesmal bestimmte Betrüge für diese Uiiterstützungsbedürftigen und für deren ztirückgelassene Familien reserviert, und auch größere Duanten von Lebensmitteln aus den ״Vulkan“-Waren wurden für sie bestimmt. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Arbeitslosen in Jaffa in der nächsten Zeit weiter steigen, und wir werden gezwungen sein, die Notstandsarbeiten zu erweitern. Wir haben mich in Jerusalem den Versuch gemacht, Notstandsarbeiten zu organisieren. Dies ist dort erheblich schwieriger als in Jaffa und in Haifa, da nur ein verhältnismäßig geringer Teil der Bevölkertmg arbeitsfähig ist und keine Arbeiter- und Handwerkervereine vorhanden sind, die die Organisienmg von öffentlichen Arbeiten in Jaffa und Haifa erheblich erleichtern. Vorläufig — bis Rosch Haschanah — haben wir 5000 Frcs. für diesen Zweck ausgesetzt, die wir in Form von Darlehen an Arbeitsunteriiehmer (nach denselben Prinzipien wie in Jaffa) gewährten. Vor allem lag uns auch daran, die Hausindustrie zu unterstützen. Die 5000 Frcs. sind in folgender Weise verteilt worden: 1 allein erfreulichen Bericht des Herrn Dr. Ruppin aus Jaffa vom <>. September 1915 entnehmen wir über die Fol g e 11 d er lituschr e c k e n p I a g e nachstehende Angaben: Ich war vor wenigen Lagen in der Kolonie P e t a e 11 - T i k w a h und kann zti meiner Genugtuung mitteilen, daß in dieser Kolonie, wie überhaupt in den aiuleren j u d ä i s c 11 e 11 S i e 11 I u 11 g t: n , die Pflanzungen selbst von den Heus c 11 r e c k e 11 k e i - neu ilaiicriiilcn Sclia den erlitten haben. Die Ernte der Fruehtbäume (*)rangen, Teil der Maildein und Oliven, sowie Weinstöcke) ist zwar zu einem großen Teil vernichtet und dieser Schaden kann nicht wieder gut gemacht werden, aber entgegen den Befürchtungen mancher Kolonisten haben die B ä 11 in e selbst keinen S c 11 a d e n erlitten und jetzt wieder ihr altes Aussehen erhalten. Fs ist geradezu erstaunlich, wie sich die Bäume in der relativ kurzen Zeit wieder belaubt haben und von der Verwüstung der Heuschrecken ist jetzt nichts mehr zu erkennen. Es muß hierbei gesagt werden, daß die Kolonisten mit einer EH a s t i/. i t ä t und einem Eifer, die in dieser kritischen Zeit besonders bewundernswert sind, darauf hiugearbeitet