Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1915)
- Date
- 1915-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 457 kan ist11 ׳ e Regierung und die offiziellen Vertreter des amerikanischen Volkes bewegen, zur Zeit der Abhaltung des Friedenskongresses nach dem Kriege für die jüdischen Rechte ein/utreten. Fine Reihe anderer Schritte bei der sozialistischen Internationale, bei dem Friedenskongreß und ähnlichen Institutionen mul! das weitere Programm einer jüdischen Aktion bilden. Fs ist selbstverständlich, daß die Wirkung einer derartigen Aktion nach außen hin um so größer und nachhaltiger sein wird, je größere Massen des jüdischen Volkes in ihr vereinigt sein werden, und um so größere Resultate kann man vpn ihr erwarten. Es ist darum die Meinung der Vertreter der jüdischen Arbeiter Amerikas, das eine Vereinigung mit anderen Klassen, Gnippen und Parteien des jüdischen Volkes zwecks gemeinsamen Vorgehens für die jüdischen Rechte wünschenswert und nötig ist. Die nationale Arbeiterkonvention verschließt sich nicht der Tatsache, da0 verschiedene Schichten des jüdischen Volkes verschiedener Ansichten über die Judenfrage und die Wege zu ihrer Lösung sind, und daß diese Ansichten die Ursache des Auseinandergehens der jüdischen Parteien bilden. Fis ist aber auch die Ueberzeugitng der Konvention, daß in dem gegenwärtigen Augenblick eine gemeinsame Plattform für eine allgemeine jüdische Kundgebung für jüdische Rechte möglich ist. Diese Plattform lautet: Bürgerliche, po- I i t i s c h e und 11 a t i o n a I e G 1 e i chbere c h - t i g u n g des j ü d i s c h e n Volkes in allen Ländern, w o es in seinen R e c h teil b e - schränkt ist. Diese Plattform enthält einen negativen und einen positiven Teil. Negativ bedeutet sie: Abschaffung aller Beschränkungen, die jetzt für die Juden in verschiedenem Ländern auf dem Gebiete des sozialen, ökonomischen und kulturellen Lebens bestehen. Derartige Beschränkungen sind zahlreich und verschiedenartig: z. B. das Ansiedlungsgebiet und die Schulprozentnorm in Rußland; die Einschränkungen im Gebrauch der Muttersprache in Galizien; die Nichtanerkennung der Juden als Bürger in Rumänien; die Beschränkungen für Einwanderung und Erwerbung von unbeweglichem Eigentum in Palästina usw. — die gesamte lange Reihe von entrechtenden Be- Stimmungen für Juden. Positiv bedeutet die Plattform: die Schaff u n g 11 e r a r t i g staatlich anerkannter und rechtlich international garantiert c r Institutionen, die die nationale Selbstbestimmung u n d u n g e hinderte nationale Entwicklung des jüdischen Volkes in allen L ä n d e r n e möglich e n sollen, wo es sich befindet: in Rußland, Oesterreich - Galizien, Rumänien, Palästina u. a. Diese Plattform umfaßt Forderungen, die in den Prograinmen aller jüdischen nationalen Parteien und Organisationen enthalten sind, und kann alle diese Parteien in diesem großen historischen Augenblick vereinigen. Alle weiteren Pjfrtei-Programmpunktc, die von anderen Parteien nicht anerkannt werden, sind aus der allgemeinen Plattform ausgeschaltet. Die Palästinalrage kann in die Tagesordnung■ einer allgemeinen jüdischen Veranstaltung nur im Rahmen der oben umschriebenen Plattform eingeschlossen werden. Die nationale Arbeiter-Konvention beauftragt daher ihre Verwaltung, sich an der Konferenz der nationalen jüdischen Körperschaften zu beteiligen, die einen allgemeinen jüdischen Kongreß von demokratisch erwählten Vertretern der lokalen Organisationen einberufen soll. Die Delegierten des Nationalen Arbeiter-Komitees stimmen bei dieser Konferenz für den Kongreß mit einer Tagesordnung im Sinne dieser Resolution. Alle oben erwähnten Betrachtungen zusammenfassend, im Bewußtsein der Notwendigkeit, die jüdischen Kräfte in Aktion für jüdische Rechte zu vereinigen und nicht zu trennen, erklärt die Konvention: 1. Ein gemeinsames Vorgehen der jüdischen organisierten Arbeiterschaft mit anderen Gruppen und Schichten des jüdischen Volkes ist auf dein Boden einer Plattform möglich, die ein Maximum der jüdischen gesellschaftlichen Kräfte zu vereinigen vermag. Ein derartiger Kongreß soll aus demokratisch gewählten Vertretern jüdischer Lokalorganisationen zusammengeset'/t werden. 2. Die Plattform dieses Kongresses muß lauten: Bürgerliche, politische und nationale Selbstbestimmung für alle Juden in allen Ländern, in denen sie in ihren Rechten beschränkt sind. Die genauere Umschreibung־ der Forderung nationaler Rechte und nationaler Selbstbestimm!!!!״ wird den Juden der betreffenden Länder überlassen: Rußlands, Galiziens, Rumäniens, Palästinas usw. Falls die Konferenz der nationalen Körperschaften unsere Tagesordnung nicht akzeptiert, wird sich das Nationale Arbeiter-Komitee an dem Kongreß nicht beteiligen und von der Konferenz zurückziehen. Die einzelnen Organisationen, aus denen sich das Komitee zusammensetzt, haben dann die Freiheit, nach ihrer Einsicht und nach ihren Grundsätzen zu handeln. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, und die amerikanische Oeffentliehkeit aufziirüttelii, hat die Konveimon den bemerkenswerten Beschluß gefaßt, das Mittel des politische 11 M a s s e 11 - Streiks anzuwenden. Zum Zeichen des Protestes gegen die an den Juden verübten Grausamkeiten und als Kundgebung für die Rechte des jüdisches Volkes soll am Lage der Eröffnung der Friedensverbandlungen im ganzen Lande, wenn möglich auch in anderen Staaten, ein a 11 g e in einer Ausst a 1111 tl e r j ü d i s c h e n Arbeiterschaft proklamiert werden. Auch die amerikanischen nichtjüdischen Arbeiter sollen um die Organisation eines Sympathiestreiks gebeten werden. Die Veranstaltung des Generalstreiks wurde dem Nationalen Arbeiter-Komitee im Einvernehmen mit den Ciewerkschaften übertragen. In einer b e s o n d e r e 11 'Entschließung drückte die Konvention ״mit aller Kiaft ihre tiefe Entrüstung und ihren Protest aus gegen die schändlichen V e r f o I g 11 n g e!1 der J u d e n i 11 R u ß I a n d durch eine* Regierung, die das ganze Land versklavte und die Arbeiterdeputierten der Reichsduma nach Sibirien verhärmte. Die Konvention ist überzeugt, daß durch den revolutionären Kampf der russischen Juden, gemeinsam mit allen progressiven Kräften des Landes, der Sieg über die dunklen Mächte der russischen Despotie und eine freie Zukunft errungen werden müssen.“ Es wurden schließlich einige Anträge über die Forderung der Hilfsfonds für die Kriegsopfer angenommen und die Einberufung einer besonderen K o!1 f 0 r e n z Y1 b e r d i e R e g e I u!1 g d e r j ii - dischen Ein w a nderun g beschlossen. (J. A. K.) Die Türkei and die Juden Wir erhalten mit der Bitte um Abdruck von dem Jüdischen Hilfskomitee ״R o t c r Halb in o n d“ die nachstehende Notiz. Wir begrüßen es, daß die rührige Tätigkeit des Jüdischen Hilfskomitees ״Roter Halbmond“ zu solchen ansehnlichen Resultaten geführt hat!und daß der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses, Herr Dr. Alfred N o s s i g , bei diesem Anlaß Gelegenheit hatte, die wohlwollende Stellungnahme der türkischen Regierung gegenüber den Juden aufs neue bestätigt zu erhalten. Die vorgenornmenen Versuche, eine ״Osmanisch- Israelitische Union“ zu gründen, liegen in der Riehtung der Bestrebungen, die Herr Dr. Nossig seit Jahren als Geschäftsführer der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation (A. J. K. O.) verfolgt, lieber das Ausmaß der Betätigungsmöglichkeiten der Osmanisch-israelitischen Union läßt sich auf Grund der nachstehenden allgemein gehaltenen Mitteilung Genaueres nicht sagen. Für Kenner der Verhältnisse steht jedenfalls fest, daß das Gelingen aller Pläne, eine jüdische Kolonisationsarbeit gröberen Stils in der Türkei durch/uführen, auch in der Zukunft von der erfolgreichen Fortführung der zionistischen Arbeit abhängig sein wird. Die uns zur Veröffentlichung übermittelte Mitteilung läutet: Das Jüdische Hilfskomitee ״Roter Halbmond“ unter dem Vorsitz von Kommerzienrat Gerson S i m o!1 in Berlin, an dessen Sammlungen sieh bekanntlich über 300 jüdische Gemeinden Deutschlands mit größeren Zeichnungen beteiligt haben, hat den von ihm aufgebrachten Fonds, entsprechend den Wünschen der Leitung der Sanitätsabteilung der türkischen Armee, zum Ankauf von Sanitätsartikeln verwendet. Das angeschafite Material wurde mittels Sonderzuges nach Konstantinopel gebracht. Der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses des Komitees, Dr. Alfred Nossig, übergab in Konstantinopel die Spende dem Leiter der Heeres-Sanitätsabteilung, Suleiman N ti m a!1 P a s e!1 a , sowie den Vertretern des türkischen ״Roten Halbmonds“. Kommerzienrat (i. Simon war durch Erkrankung verhindert, sich an der Reise zu beteiligen. Wie die offiziellen Depeschenbüros bereits gemeldet haben, wurde Dr. Nossig vom Bult a n , dem T 11 r o n f o 1 g e r J u s s u f I z z e diu, dem Kriegsmin ister E n v e r Pascha, dem Minister des Innern, T alaat Bev, und dem Kammerpräsidenten Hulil Bev, sowie von den Vertretern des jung-türkischen Komitees, M i d 11 a t S c 11 ü k 1־ i mul I )r. N a s i 111 B e v , empfangen. Die Mitglieder des Herrscherhauses und die Vertreter der Regierung sprachen sieh in an erk e n!1 e 11 d s t e r W eise über die j ii d i s c h e B e - Völkern 11 g aus, der ihr b e s o 11 d eres W o h I - wollen gesichert sei. Dr. Nossig und Komm.- Rat G. Simon wurden durch Verleihung des Medjidje-ürdeiis ausgezeichnet. Auf Veranlassung des Deputierten von Konstantiuopel, Ca ras so, und Dr. N ossigs gründete ein Kreis namhafter türkischer Juden mit Einwilligung der Regierung eine Vereinigung unter dem Namen ״<) s 111 a 11 1 s e h - I s r,1 e I i t i s e h c Union“. Unter dem Vorsitz von Larass״ gehören dem leitenden Komitee folgende Persönlichkeiten an: der Deputierte von Smyrna, Nissirn M a / I i a 11 , der Vorsitzende des Konsistoriums der Jüdischen Gemeinde um Konstantin.ipel, 1 a r h i Bev, Proiessor A b r c v a v a , der Präsident des Sanitätsrats der Manne, Ober-u Gala midi Bev, sowie andere hervorragende osmaiiische Juden. Die Vereinigung he/weckt die Pflege f 1־ e n 11 11 s c 11 a f t - lieber Beziehungen /.wischen den Juden verschiedener Länder und den Osmancn, sowie die fest e re A!1 g I 1 e d e r 11 11 g der osmanischcn Juden an die anderen Bevölkeruiigsgruppeii der I iirkei. herncr sind tler ״( )smaniscli-lsraeiitiseheii Union“, auf Grund der ihr ton der türkischen Regierung ver- Hellenen Satzungen, in der Angelegenheit der gesetzt i e h e 11 R e g e I 11 n g (1 e r F i 11 w a 11 d e - r 11 11 g v o 11 I 11 d c n n a c 11 d e r T ü r k e 1 w ichtige Befugnisse übertragen worden. Es ist besonders 11ervor/uheben, daß das j 1t 11 ״ türkis c 11 c K a - tu i t e e ״Einheit und F'ortsehritt“, dessen Verhältnis zur türkischen Regierung bekannt ist, einen s t ä 11 digen Vertreter in den Vorstand der ״Osmamsell-israelitischen Union“ entsendet. Die Vereinigung gedenkt auch nüt den die ostjüdischc Bevölkerung betreffenden Fragen gelegentlich der inte r 11 a t i o n a 1 e 11 V e r 11 a 11 tl 1 u!1 g e n nach Beendigung des Weltkrieges sich zu befassen. ln dieser Angelegenheit fand auch bereits zwisehen der türkischen Regierung und der deutschen Botschaft in Konstantinopel ein Meinungsaustausch statt, der ergab, daß die türkische Regierung, ebenso wie die deutsche und österreichisch - ungarische, den Bestrebungen zur B e s s e r u n g tl e s L o s es der J u d e n d e s Ostens ti u r 111 a u s w « h 1 w olle 11 d gegenüberstehen. Nähere Mitteilungen über die Dr. Nossig in Konstantinopel erteilten Erklärungen, sowie über die Aktion tler ,,()srnaniseh-lsraelitisehen Union“ werden gelegentlich einer Konferenz erfolgen, die demnächst nach Berlin einherufen werden wird. Schekel Propaganda Das Kopenhagencr Bureau der Zionistischen Organisation führt in einem Rundschreiben an die zionistischen Landes - und Son• der verbände folgenden wichtigen Gesichtspunkt für die zionistische Propagandaarbeit unter den gegenwärtigen Verhältnissen aus; Wir haben schon darauf hingewiesen, daß es das A c t i 11 ט s - Co in i t e beute als seine wichtigste Aufgabe ansieht, sich sorg f ii 11 i g auf alle die Möglichkeiten vorzubereit e n , die sic h a us den g e g e n w ii r t i g e n V e r w i c k 111 n g e 11 i ti r d i e Z n k u n f 111 nserer B e w e g u 11 g u n d d e s j ü d i s c 11 e 11 V 0 1 - kes ergeben können. Wie die Dinge sich aber auch immer gestalten mögen, eines ist sicher: die Stimme tler Zionistischen Organisation wird nur dann gehört werden und von Bedeutung sein, wenn das Actions-Conüte darauf Hinweisen kann, daß die Zionistische Organisation wirklich Massen des jüdischen Volkes vertritt. Mehr als je ist es daher notwendig, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß die Zahl der organisierten Zionisten in diesem Jahre eine imponierende Höhe erreicht. Wir er w a r t e n v o 11 d e m p o 1 i - tische n V erst ä n d 11 i s u n s e r e r zion i s t i s c 11 e n L a n d e s k o 111 i t e e s , d a ß sie alles tun w e r d e 11, u m in i t;in ß erster Intensität 1111 d E n e r g i e den S c h e k c 1 - v e 1־ k a u f 7. u b e t r e i b e 11. Auf Verfügung des Actions-(,'timites müssen die Sammlungen für das Jahr 5(175 demnächst abgeschlossen werden. Wir bitten die Zionistisehen Landeskoniitees dringend, die nächsten Wochen zu intensiverer Schekelarbeit aus/unutzen und weisen darauf hin, daß die bevorstellenden C 11 a 11 ti k a 111 a g e und Makkah ä e r f e i e r 11 hierfür besonders günstig verweildet werden können. Spätestens 'am 15. Dezember müssen die eingesamnieltcn Sdiekclgelder an die zionistisehen Zentralen abgeliefert werden. An diesem Tage werden die neuen Schekelblocks für das Jahr 5(17(1 zur Verteilung gebracht werden. Wir bitten, uns freuiidlichst rnitzuteilen, wie hoch die bisherigen Schckeleingänge sind und welche Maßnahmen getroffen werden, um die Arbeit in den nächsten Wochen zu fördern und zu einem guten Abschluß zu bringen.