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Jüdische Rundschau · 1915-10-22 · Heft 43 (22.10.1915) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 43 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 348 J U E Dl SC H E RUNDSCHAU Nr. 43 beiterorganisatnm 1 ■ 11 1 ז»a11, u ie /, B. den Arbeiter- Ring 11ml die Jcwish National Lahor Alliance. i 1 r:a 1 lenken wir ihre׳ Aufmerksamkeit auf die Tatsaehe, dal» auch der National Gouncil oi Y. M. H. A. eine ()rganisatioii ist, die man auIIordern sollte. Yf'ir hallen es für dringend erlorderlieh, שוו die Möglichkeit eines Mißverständnisses /u vermeiden, dali ihre Einladung vollkommen klar /,um Ausdruck brin״cn muH, dal'1 dies ein bloßes Z.us imiiienkommen ist, um;Meinungen aus/utaiisciten, und dali niemand, der daran teilni 111111 ־t, gezwungen ist, die von ihm vertretene Organisation Itir irgendeine spezielle Politik /11 verpflichten, welche unterbreitet w erden oder welche als vorherrschende Meinung der Konfeien/ erscheinen mag. Mit anderen Worten, dal! diese Versammlung nur /um Meinungsaustausch hestimmt ist mit dem Bemühen, eine Uebereinstmammg der Ansichten über das /u erhalten, was man am besten tun kann. Meine l'reunde mul ich schützen die Bemühungen, die Sie im Interesse der jüdischen Einigkeit unternehmen, sehr 1101:11. Ihr sehr ergebener ge/. L o 11 i s I). B ra n d e i s. Volksschule und Judenschule Die Warschauer jidischc Tageszeitung ״H a i 111“ vom 27. September bringt folgende von der ״Warschauer Deutschen Zeitung‘' wiedergegehenefi Ausfiilmingeii ühcr die jüdische Schultrage: Eines ist schon jetzt klar. 111 unserem Er/iehungs- System werden sieh einschneidende und entscheidende Wandlungen vollziehen. Die alte Judenschtile stellt vor der Umwandlung in eine moderne Volksschule, Die alte Judenschule ist eine der ältesten Eittridituiigen des jüdischen Volkes, die (.iemeinde sorgte für den Unterricht schon in der Zeit des /weiten Tempels, als, um mit Wellhausen zu reden, die Bildung nur Eigentum der obersten Klassen war. Das Volk hingegen war von jeglicher Bildung ausgeschlossen. Diese Bonn des öffentlichen Unterrichts hat mit der Zeit die Form des (Dieders (jüdische Elementarschule) angenommen, zu dessen Unterhalt jede (icmeinde verpflichtet ist. In der Judenschule sind (kenerationen in guten (iewolinluiteu und Sitten, in Gottesfurcht und jüdischer Hoffnung erzogen worden. Durch sie wurde ihnen Kraft gegeben, das schwere Joch der Ver- Hannurig zu tragen, (1eher die Judenschule ist hei uns viel geredet und gest hrieben worden. Es gab eine Zeit, wo jeder (iebiidete es für seine Pflicht hielt, die judenschule anzugreifen, in den Schmutz zu ziehen, ihre Fehler aufzudecken und die jüdischen Lehrer zu schmähen. Unabhängig von der Stellung aber, die man zu der alten Judenschule einnimmt, muß man doch zugeben, daß die Judenschule in sich viel Idealismus enthielt, den keine moderne Volksschule ersetzen kann. Und wenn diese alte Judenschule durch die moderne Volksschule ersetzt werden sollte, müssen wir darauf bedacht sein, ihren schönsten Inhalt zu retten, den jüdischen Deist. Man vergegenwärtige sich, dali die moderne europäische Volksschule, abgesehen von der Unterrichtssprache über diesen Punkt wird man unter normalen Verhältnissen reden können eine nicht für alle Völker und Länder passende Form angenommen hat. Sie richtet sich gewöhnlich nach den Bedürfnissen und dem geistigen Stand der Bevölkerung. Es gab sogar eine Zeit in Galizien, in der die Juden der Volksschule aus dem Wege gehen kuimten. Aber das sind unter unseren Verhältnissen unmögliche Ausnahmen, die auch für uns unerwünscht sind. Aller auch bei der allgemeinen Schulpflicht gibt cs Schulen, die nach der Religion der Schiller getrennt smd. Solche nach Konfession getrennte Schulen werden nach der offizielhai Verordnung auch hei uns eingerichtet werden. I iie V o I k s s c 11 11 I e w ird also eine speziell j ii - di sc he sein und das bedeutet für uns einen großen (i e w i 11 11. In einer solchen rein jüdischen Volksschule wird inan den alten jüdischen (Seist pflegen, aus der großen Er/ieliimgsliterattir unserer westeuropäischen Brüder die passendsten Lehrbücher allswählen und auch unseren Bedürfnissen angepaßte Lehrbücher schaffen können. Aber das wichtigste für uns ist doch, daß 111an in der künftigen Volksschule das Wesen des jüdischen (icistes spürt. Das kann sieh aber mir durch ein umfassendes hebräisches Prog r a m!11 verwirklichen lassen, dessen Einführung erforderlich ist. Wir setzen voraus, dali auch die eitrigsten An-!länger des Jidi-chen, die grundsätzlich eine jüdische Erziehung ohne Hebräisch für möglich halten, zu der Erkenntnis kommen werden, dal! unter den neuen Verhältnissen eine jüdische Erziehung ohne H e b r ä i s e 11 1111 in ö g lieh ist. Heute muß das Hebräische, und das in ausgiebigster Form, der erste Punkt unseres Programms werden, unabhängig von unseren;Meinungen über die Zukunft des Hebräischen als Nationalsprache. 1 in Hebräischen liegen die Wur- /ein unserer Kultur, in ihm rauscht der Duell unserer nationalen Eigenart, unserer Moral und unserer Wissenschaft. Darum muß jeder nationale Jude, ja auch nur jeder Jude, der siel! /uni jüdischen Volk rechnet und sein Fortbestehen wünscht, die Fordcruiig möglichst vieler hebräischer Stunden in der jüdischen Volksschule erheben. Die jüdische Volksschule kann und soll keine Judenseluile sein, aber wir müssen danach trachten, die guten Eigenschaften der alten Judenseluile in die Volksschule in mögliehst weitem Maße lieriiber/tiiiehmen. Die Hauptsaelie ist,!laß die Schule nach Inhalt und (ieist jüdisch bleibt; das können wir tun und danach sollen wir mit allen Kräften streben. Erklärung der Alliance Israelite Universelle Unter der Spitzmarke ״Die Alliance Israelite für den Sieg des Vicrverbandes“ haben verschiedene Plätter in letzter Zeit eine Meldung aus Rotterdam wiedorgegebeu, in der es heißt; ״Rotterdam, 2. Oktober ldlä. Einer Meldung aus Paris zufolge erklärte die ״Alliance Israelite" von Frankreich in einem Aufruf an die Judeiischatt in den neutralen Ländern u. a. folgendes; Die Revolution brachte den Juden des Westens die Befreiung aus der Knechtschaft, und nur ein Sieg des Vierverbandes vermag das Judentum in dem übrigen Europa /u erlösen. Wir warten daher mit Vertrauen auf einen Sieg des Vicrverbaiides!“ Wir erhalten hierzu vom deutschen Büro der Alliance Israelite die 1!״ende Mitteilung; Wie aus einem An. ׳ >s ״Tettips־‘ vom 2d. Septendier ersichtlich, ist jener Aufruf von Paris aus wohl verbreitet worden, aber nicht die Alliance Israelit e U 11 i v e r s e 11 e , sondern das Z e 11 - t r a 1 - K o 11 s i s t o r i 11 in d e r f r a 11 / ö s i s e 11 e 11 Israeliten hat für diesen Aufruf gezeichnet. Mit der Alliance Israelite Universelle, die sich, getreu ihrer •Tradition, jeder politischen Betätigung fernhält, stellt das Zeutral-Konsistoi iiim der französischen Israeliten in kein e 111 irgendwie gearteten Zusammenliang. Angesichts anderer Zeitungsmeldungeil, die von einer Versendung des Aufrufs durch das Allianceburcaii zu berichten wissen, wollen wir bei dieser (ielegeiiheit darauf liinwciseii, daß besonders durch folgende Tatsache die Legende von der Beteiligung der Alliance Israelite Universelle au politischen Be- Strebungen gefördert zu sein scheint; Es ist uns seit langer Zeit bekannt, daß das neutrale Ausland mit Propagaiidnschriften für die Sache des Vierverbandes durch eine Pariser Vereiiiigung überschwemmt wird, die sich ״L ’ A I I i a 11 ee Francaise“ nennt. Diese ״Alliance“ ist ein französischer Sprachverein, der für die Interessen Frankreiehs im Orient tätig ist. Jetzt, sei Ausbruch des Krieges, versendet er alle 14 Tage seine mit Hetzartikclu gegen die Zentralruächte ausgefüllten Broschüren in Zehntausenden von Exemplaren und in allen europäischen Sprachen in das neutrale Ausland. Die Folge davon war, daß uns zahlreiche Beschwerden zugiiigen. Erst nachdem man die betreffende Broschüre aus der Selnveiz beschaffte, klärte sich das Mißverständnis auf. Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß es sieh auch im vorliegenden Fall um jenen Sprachverein handelt, der sieh mit leicht durchsichtiger Absicht ״Alliance Francaise“ nennt. Wie wenig mau übrigens in bezug auf die den Aufruf des fiauzösistlieti Zeiitral-Konsistoriums kolportierenden Institutionen und Personen orientiert ist, zeigt eine Auslassung der ״Schlesischen Zeitung“ vom 7. Oktober, wonach ״der Figaro-Redakteur Joseph ReinacSi, der unter dem Deckmantel ״Polvbc“ schreibende widerliche Deutsche■iihet/cr, der Präsident der über die ganze Welt verbreiteten ״Alliance Israelite“ ist, Demgegenüber sei darauf hirigewieseti, dali die Alliance /ur/eit einen Präsidenten nicht hat, denn Herr Nareisse 1. e v e n ist im Januar d. J. gestorben. Vizepräsident ist Herr Professor l>r. Netter, /weiter Vizepräsident Herr Fugen S c c. Herr J o s e ph R e i - nach ist also nicht im Vorstand der Alliance, er ist auch nicht einmal im Zentral-Komitee der Alliance, denn Mitglied des Zentral-Koniitees der Alliance Israelite Universelle ist Herr S a I o m o 11 R e i 11 a e 11. Freie Organisation der Alliance Israelite Universelle. Die Vorsitzenden: Dr. J. (i i 11 sh c r g. Prof. Dr. S. K a I i s c 11 e r. Von der Redaktion ln der letzten Nummer der All״ e in e i n e n Zeitung des Judentums wird ein Leitartikel, unterzeichnet von M i s r;1 c 11 i, unter dein Titel ״R a 11 d s p a tt 111111 g s g e f ii 111 e“ veröffentlicht, der sich gegen den Artikel A n t i s e m i t i s in u s von M a a r a b i in der J ii d i s c 11 e 11 R u 11 d s c 11 a u vom 2'5. Juli wendet. Wir wollen unseren Mitarbeiter M a a 1־ a b i (Kurt B 1 u 111 e n f e I d) nicht 11111 das Vergniigen der Antwort bringen und haben ihn gebeten, sich möglichst schnell in einem Artikel der Jüdischen Rundschau zu äußern. Da Herr B I u!11 e n f e I d zurzeit seiner niiütärischen Dienstpflicht iiachkouimt, können wir den Zeitpunkt des Erscheinens seines Aufsatzes vorläufig noch nicht bestimmen. Sic wird aber keinesfalls so lange auf sieh warten lassen, wie die Erwiderung des I len n M i s r a e 11 i. Die hohen Feiertage im A. H. Qu. 1915 Dem Festbericht des Herrn Feklrahhincrs Dr. Emil I. evv über die hollen jüdischen Feiertage im Armee-Hauptquartier entnehmen wir die folgenden unsere Leser sicher interessierenden Schilderungen Schon geraume Zeit vor den Feiertagen legte ich bei den (ierieralkoimuandos und Divisionen der Armee die Fcldgcbetbiichcr und Festschriften, welche mir der rührige ,,Verband der deutschen Juden“ in großer Zahl zusandte, zur Verteilung au die Mannschalten nieder und sorgte dafür, dali die Bciirlaubungeil /u den Gottesdiensten, mul, wo es sich cnnögljdien ließ, auch Heiniaturlauh in weitgehendem Maße gewährt wurden. Die Zentralgottesdienste im A. II. Q. nahmen einen Verlauf, der alle Erwartungen übertraf. Zirka 800 100(1 jüdische Soldaten strömten an den Neujahrstagen ziisammen, sie wohnten nicht nur den Gottesdiensten bei, sondern wurden auch während ihrer Anwesenheit im A. II. <v>. rituell und festtäglich bewirtet. Zu den (iottesdiensteii reichte die kleine Synagoge der hiesigen Stadt natürlich nicht aus, so daß ich mir von der Ltappen-Jnspektion noch einen großen Festsaal ztivveiseti ließ, der bald in ein großes Betlokal mit Al-Mernor und ()raun llakaudeseli liingewandelt war. Da aber auch dieser Saal dem Massenandrang nicht genügte, vcraiilalite ich in den Räumen des zurzeit leer stehenden Lazaretts Rue Alfred Clin die Abhaltung eines Paralleigottesdienstes, dessen Leitung Herr Rabbüiatskandidat Füsilier Albert Wolf in freundlicher Weise übernahm. In den Räumen dieses Lazaretts fanden auch, unterstützt durch treffliche Küdicnanlagen, die großen Festmahlzeiten statt. Außer dem durch den hiesigen Kultiisbeaiiitcn geschlachteten Fleisch wurden mir von der Ftappeuinteudaiitur in liebenswürdiger Weise große Mengen von Lebensmitteln für die Mannschufteil kostenlos überwiesen; auch Kuchen hatte ich in reichlichem Aialie hacken lassen. Besonders weihevoll verlief nach dem ersten Ahenclgottesdienst die erste gemeinsame Festmahl/eit. Blumen auf den langen weiß gedeckten Tischen begrüßten die eintretenden Kameraden, eine besondere Offizierstafel war errichtet. Bei dem gewaltigen Andrang mußte in zwei Abteilungen gegessen werden, für jede Abteihing wurde feierlich Kiddusch gemacht. Auch auf dem Hof speiste mau an improvisierten Tischen. Das Kaiserhoch 11m Schluß meiner Begrüßungsrede wurde von der stattlichen Versammlung brausend erwidert, und nach der "Mahlzeit gab der Gesang des üblichen Psalmes und das Intonieren des Tischgebets den! Abend einen weihevollen Ausklang. Alle Teilnehmer waren von der erhebenden Feier aufs tiefste ergriffen. Am Schluß des Versöhruingstages, an dem der Gottesdienst ebenfalls feierlich in den beiden Sälen des Lazaretts getrennt abgehalten wurde, wurden die Kameraden unmittelbar nach Beendigung des Gottesdienstes in der gleichen Weise wie am Neujahrsfeste bewirtet. Alle Teilnehmer sind hochbefriedigt und mit frischem Mut zu ihrer schweren Pflichterfiillung zurückgekchrt, ihre Dankbarkeit war uns ein reicher Lohn für alle angewandte AViilie und Arbeit. Der große Erfolg wäre nicht erreicht worden, wenn ich nicht treue Mitarbeiterschaft gefunden hätte, vor allem durch die ״freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“ zu Frankfurt a. AL, die nicht nur eine rituelle Speisung der jüdischen Mannschaften anregle, sondern uns auch durch Geld und Ueberlnssung von Gebetbüchern in dankenswertester Weise unterstützte. Daneben sind noch viele andere wackere Helfer zu nennen, doch ist es 11 tun (►glich, jedem Einzelnen gerecht zu werden, und ich danke ihnen allen an dieser Stelle nochmals hcrzlichst. Dank aber gebührt noch besonders dem Entgegenkommen aller militärischen Instanzen, an die ich herantrat, vor allem den höheren Kommandostellen. Ich habe in meiner Begrüßungsrede am ersten Ncujahrsabend dies Entgegenkommen als ein Svmptom dafür bezeichnet, daß man höheren Orts die Pflichttreue der jüdischen Soldaten zu würdigen weiß. Die gemeinsam verlebten hohen Feiertage im A.ll.Q. im Jahre 1015 werden allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. * Die Zionistische Vereinigung für Deutschland bittet die deutschen Zionisten, ihre Beiträge für den Propagandafonds abzuführen.

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