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Jüdische Rundschau · 1915-10-22 · Heft 43 (22.10.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 43 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 347 Kongreß — Konferenz Schon im vergangenen Frühjahr und Sommer I1:1t in den Vereinigten Staaten, wie wir damals des öftere 11 unseren Lesern berichtet haben, der Plan eines a m e r i k a n i s ch - j ü d i s e h e 11 K o n g ressts die steigende Anteilnahme der gesamten jüdischen Oelfentlielikeit gefunden. Soweit das amerikanische Judentum an den (jeschicken der jüdischen Gemein■ schaft bewußt teilnimmt, ließ es sich von dem Plan, das amerikanische Judentum zwecks der Vertretung jüdischer (iesamtinteressen bei den Auseinander- Setzungen nach dem Kriege zusammen/ufassen, ergreifen und zur Stellungnahme bewegen. Die stärkste Propaganda für diesen Plan entfalteten die demokratischen nationaljiidischen Organisationen Amerikas, vor allem die Zionistische Föderation mit allen ihr aufgeschlossenen oder nahestehenden Verbänden, die verschiedenen groben Vereinigungen galizischer, russischer, polnischer und rumänischer Juden, die grollen jüdischen Orden, die vor kurzem auch das zionistische Programm angenommen haben, und schließlich die großen jüdischen Arbeiterparteien, die sich zum ersten Male auf eine gemeinsame Plattform einigen konnten. All diesen Organisationen, die die Abhaltung eines das amerikanische Judentum wirklich repräsentierenden Kongresses propagierten, trat in immer deutlicherer Form eine Strömung entgegen, die vom American J e w i s h Go in m i 11 e e ausging und statt eines demokratischen K o n g r e s s e s eine K 0׳ n - ferenz. durchsetzen wollte. Dieses Projekt des Amerikanisch-jüdischen Komitees verriet nur allzu deutlich den im öffentlichen jüdischen l eben leider so bekannten ganz undemokratischen Charakter. Wieder sollten einmal einige Notablen und die von ihnen herangezogenen Persönlichkeiten und Kreise zu einer Beratung zusammentreten, in der über die Lebensfragen des jüdischen Volkes gesprochen wird, ohne daß sich das jüdische Volk in einer wirklich maßgebenden Vertretung hierzu aussprechen kann. Zwischen den Vertretern des Kongreßplaiics und denen des Kon ferenz Vorschlages kam es zu einer öffentlichen Auseinandersetzung, an der sich schließlich fast das ganze amerikanische Judentum beteiligte. Und je länger diese Auseinander- Setzung dauerte, um so deutlicher wurde es, daß das amerikanische Judentum in seiner weitaus überwiegenden Mehrheit und mit seinen tatkräftigsten, größten und maßgebenden Organisationen durchaus den Kongreß wünscht, die demokratische Form der Stellungnahme des amerikanischen Judentums zu den brennenden jüdischen Schicksalsfragen. An der Spitze der Kongreß Propaganda standen und stehen Männer wie Louis Braudeis, Nathan Straus, Dr. Schmarjah L e v i n , Richter Leon Sand e rs u. a. Ein Bureau wurde gegründet, um die Arbeit für den Kongreß systematisch zu leiten. Große Ver- Sammlungen in allen Teilen des Landes sorgten für die Information der öffentlichen Meinung und für die Propaganda. Das American J e w i s h Committee seinerseits lud schon eine Anzahl von Organisatkmen ein, für die im Herbst geplante Konf e r e!1 z Vertreter zu nominieren. Je näher der Termin dieser K o 11 f c r e 11 z. heranrückte, um so klarer wurde es, daß das amerikanische Jud ent um sie nicht als seine Repräsentanz, anerkennen wird. In diesem Zeitpunkt ist nun von Seite der B’nai Britli Logen in den Vereinigten Staaten, deren Großmeister Herr Adolph Kraus ist, der Vorschlag gemacht worden, eine unverbindliche Beratuiig abzuhalten, an der sich sowohl die Vertreter des Kongreß plan es als die des Konferenzgedankens beteiligen sollen. Diese Beratung sollte einen unbedingt unverbindlichen Charakter tragen. Ihre Aureerwarteten von ihr im Interesse der wünschenswerten Einigkeit im amerikanischen Judentum eine Verständig ung der beiden Richtungen. Wir sind über das Resultat dieser Verständigungskonferenz, die am 3. Oktober tagen sollte, noch nicht informiert. Unseren Lesern wollen wir aber zu ihrer Information vorläufig die Wesentlichen Stellen aus dem Briefwechsel wiedergehen, den Herr Adolph Kraus als GroBmeister der B’nai Brith Logen mit den leitenden Persönlichkeiten der beiden Richtungen geführt hat. * Executiv-Bu renn des J ü d i s c h e n K 11 ״ g r e ß - O r g a!1 i s a t i <>!1 s - Ko m i t e e s. New York, 18. August 1913. . Herrn Adolph Kraus, Großmeister der Unabhängigen Loge B’nai Brith, Chicago. Sehr geehrter Herr! Wir besitzen Ihr Geehrtes vom 10, August, das Sie an das American Jevvisli Committee und an das Jewish Congress Organisation Committee adressierten. Wir zweifeln nicht, daß Sie inzwischen von der Tatsuche Kenntnis!genommen haben, daß die Konespondenz zwischen Dr. Cyrus Adler und Louis I). Braudeis betreffs der Einberufung eines Jüdischen Kongresses in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Wir nehmen daher an daß Ihnen bekannt ist, wie der Stand der Verhandlungen ist, die bedauerlicherweise noch nicht so /tifriedenslclleml sind, wie wir gehofft hatten. Der Brief des Herrn Braudeis zeigt deutlich, (lall es uns sehr erwünscht gewesen wäre, daß das American Jewish Gonmiitn-c der Veranstaltung einer vorbereitenden Konferenz /(!stimmen würde, auf der die uatioiudjüdisclien Organisationen Amerikas vertreten sind und auf weicher die Grundlage einer Organisationsforin für einen Kongreß festgesetzt werden soll. Herrn Braudeis' erneutes Ersuchen an das American Jewish Committee, seihst nachdem Dr. Adler seinen Teil der Korrespondenz \eröffentlicht hatte, mußte es Ihnen klar machen, daß wir unser Acußcrstcs getan habe״ und noch aufrichtig wünschen, die Versvirrung zu verhindern, die entstehen muß, wenn jüdische Organisationen in dieser Zeit für entgegengesetzte Zwecke arbeiten. Wenn Sie eine solche Versammlung noch zu- Wege bi iiigen können, hei der die Vorsitzenden oder Delegierten nationaler Organisationen zusammenkommen, um den Plan des Kongresses zu bestimmen und entwerfen, so werden wir mehr wie gern bereit sein, unseren Vertreter zu entsenden. Es muß jedoch in Erinnerung gebracht werden, daß die nationalen Organisationen, welche In unserem Komitee vertreten sind, f ii r den Kongreß und gegen eine Konferenz sind, die die Angelegenheiten des jüdischen Volkes beratschlagen soll. Ein Kongreß bedeutet Verantwortlichkeit auf seiten der Delegierten. Die Probleme, welchen das jüdische Volk jetzt gegenüberstellt, sind so wichtig, daß eine Durchführung unmöglich wäre, wenn nicht die Beratungen die vollste l hnerstüt/mig einer Demokratie hallen, welche bereit ist, die Lasten zu übernehmen, welche die Austühmiig der Beschlüsse des Kongresses zur Folge haben müssen. Ferner plädieren wir für einen öffentlichen und freien Kongreß, denn unserer Meinung nach können wir nur auf diese Weise die Große der Bereitwillig- Reit des jüdischen Volkes ermitteln, die Verantwortlichkcit auf sich zu nehmen. Der Kongreß muß öffentlich sein, weil wir allen Grund haben zu glauheu, daß (ieheimhaltung in der gegenwärtigen Zeit nur Mißtrauen, Mißverständnisse und gefährlichen Argwohn erwecken kann, sowohl in bezug auf das, was die Juden zu erreichen wünschen als auch in bezug auf die Mittel, die sie z.ur Erreichung ihrer Ziele an/tiwenden beabsichtigen. Wir versichern Urnen, daß wir mit großem Interesse jeder Bemühung entgegensehen, die Ihrerseits geschieht, um zu einer besseren Verständigung betreffs der Erfordernisse dieser Versammlung und der Art und Weise seiner Organisierung zu kommen und zeichnen Hochachtungsvoll gez. G. B u b 1 i e k , M. O i r d a n s k y, Vorsitzender. Generalsekretär. * P r o v i s i o 1! a 1 Executive G o in m 111 e e for General Zionist A f f a i r s. New York, 25. August 1915. Herrn Adolph Kraus, Vorsitzender der . Unabhängigen Loge B’nai Brith, Chicago. Mein lieber Herr Kraus! Unterm 20. August bestätigte ich den Fmpiang Ihrer Irüheren Briefe und fügte hinzu, daß ich sie beantworten werde, sobald ich mit meinen Freunden Rücksprache genommen habe, mit denen jedoch eine Konferenz iniolge der Ferien schwer zustande kam. Nun haben wir die Konferenz endlich gehabt und Ihren Vorschlag besprochen, und ich beeile mich, Ihnen das Ergebnis mitzuteilen. Erstens: Meine Freunde stimmen mit mir überein, Ihre Einladung an/.imehmen, auf der Konferenz vertreten zu sein, welche Sie ciubcrul'cn wollen. Wir setzen voraus, daß das, was Sic Vorschlägen, wirklieh eine Konferenz ist, und daß niemand, der an ihr teilninimt; im voraus für die Organisation, die er vertritt, au irgendeine bestimmte Politik gebunden ist, welcher man sich zu unterwerfen habe, oder die die vorherrschende Meinung• der Konferenz zu sein scheint. Mit anderen Worten, daß die Ver- Sammlung tatsächlich eine Konferenz, ist, in welcher wir unsere Ansichten austauschen und uns bemühen, einen Einklang der Meinung zu erreichen in bezug darauf, w as׳ am besten zu tun wäre,, mul die weitere Aktion einer späteren Bestimmung überlassen. Zweitens: Es wäre augenscheinlich wünschcnswert, daß eine solche Konferenz sobald wie möglich stattfimle, und daß die Vertreter derjenigen anderen Organisationen, welche zur Teilnahme eingeladen werden sollen, wirklich daran teilnehmen können. Ich glaube, es wird Ihnen kaum möglich sein, eine solche Konferenz vor den jüdischen Feiertagen einzuberufeu. Drittens: Es freut uns, in Ihrem Vorschlag wesentliche Uebereiiistiinmung mit jenem Teil meines Vorschlages zu finden, den ich Dr. Adler am 12. Juli machte und auf den ich später in meinem Briefe vom 28. Juli hez.ug nahm: Jene geplante Aktion seitens der Juden dieses Landes kann nur durch eine Verständigung zustande kommen, die durch eine Beratiiug der Repräsentanten derjenigen nationalen Organisatkmen erreicht werden kann, welche äugenblicklich die Juden vertreten. Ihre Aktion zu dieser Zeit sollte eine bessere Verständigung zwischen allen Beteiligten dadurch zustande bringen, daß sie die amerikanische demokratische Methode bei jüdischen Angelegenheiten anitehmeu, und ich glaube, es wird Ihnen gelingen, auch die Zustimmung des American Jew ish Gom mittee zu einem so vernünftigen Vorschlag zu erhalten. Wenn es Ihnen gelingt, so werden Sie und!lue Organisation der jüdischen Sache einen großen Dienst erwiesen haben. Wollen Siemich l'reuuillichst über die Resultate Huer Verhandlungen auf dem Lautenden halten. I lerzliehst gez. Louis I >. B r a n d e i s. * T h e A nt e r i c a n jewish Go ni m i t t e e. New York, 2d, August 191 ä. Lieber Herr Kraus! Ich habe dem Executive Gommittee Ihren Brief vom 10. August im Namen des Executive Gonunittees der Unabhängigen löge B’nai Brith übergehen, in welchem Sie verschlagen, daß statt der von diesem Komitee geplanten Konferenz eine Versammlung stattfinden solle, die von den!.eitern so vieler jüdischer Organisationen beschickt wird, als Herr Marshall und Herr Brandeis bestimmen (jeder hat die gleiche Anzahl ans/uwühlen), außerdem Präsidenten Ihrer eigeneu Organisation. ich bin beauftragt, Ihnen zu sagen, daß ein solcher Plan dem American Jevvisli Gommittee durchaus annehmbar erscheint, wenn er der Zionistischen Organisation ziisagt Ich mochte jedoch auseinandersetzen, daß bereits seit dem September 1914, als eine Konferenz zwischen einem Komitee des American jewish Gommittee und Vertretern der Zionistischen Organisation statttand, der Plan eines großen und sogenannten demokratischen Kongresses vorlag und beständig eifrig betrieben worden ist. Eine Konferenz, die sich auf 159 Personen beschränkt, die alle natio- naleii Organisationen Amerikas vertreten, wurde vom American jevvisli Committee vorgeschlagen, weil man hoffte, daß dies dem Standpunkt der Organisationen gleich der Ihrigen ebenso wie dem der Zionisten und ähnlicher Organisationen entsprechen würde, und daß auf diese Weise eine einmütige Aktion unter den gegenwärtigen ernsten Umständen zustande kommen könnte. Die Konferenz, die wir beschränkt genannt haben, weil auf ihr die jüdische Frage, soweit sie unsere Brüder in den kriegführenden Ländern betrifft, erörtert werden soll, die jedoch sieb nicht mit der Autonomie oder eigenen Bestrebungen irgendeiner jüdischen Organisation der Vereinigten Staaten befassen und doch groß genug sein soll, um die Vertretmig von Juden aller Richtungen und jedes Staates der Union zu ermöglichen, schien unserem Komitee, «ach sorgfältiger Ucbcrlegung sowohl seiner Exeluitive wie seiner ganzen Mitgliederschaft, eine verniinftige Lösung zu sein. Ich möchte jedoch sagen, daß ich Ihren Wunsch, in dieser Zeit ein gegenseitiges Zusammenarbeiten zustande zu bringen, der Zweck, für den das American Jewish Committee in der Tat gegründet wurde — so voll anerkenne, daß, obgleich unsere Vorbereihingen bereits sehr weit vorgeschritten sjnd und wir Einladungen au 10 Organisationen verschickt haben, von denen einige bereits ihre Delegierten bestimmt und andere ihre Bereitwilligkeit hierzu zum Ausdruck gebracht haben, ich trotzdem geneigt bin, ihren Vorschlag an/imehmen und ihn den Mitgliedern des American Jewish Committee zu unterbreiten, wenn Sie sich die Anhängerschaft der Zionistischen Organisation oder irgendeines anderen Komitees gesichert haben, welches Propaganda für den Kongreß macht mul welches berechtigt ist, die Ansichten seiner Wählerschaft zu vertreten. Lassen Sie mich Ihnen sagen, daß die vorgescblagene Konferenz, für vvelehe das American Jewish Committee Einladungen ergehen ließ, von Ihrem Vorschlag nur in bezug auf die Größe abweicht,• und ich spreche daher die Hoffnung aus, daß wir auf die aufrichtige und herzliche Mitarbeit der Unabhängigen Loge B’nai Britli zählen können. Hochachtungsvoll gez. Cyrus A d I e r. * Der nachstehende Brief des Herrn Braudeis an Herrn Kratis ergänzt die weitere Korrespondenz zwischen Herrn Kraus, Herrn Braudeis und Herrn Dr. Adler, welche bereits veröffentlicht worden ist: I lernt Adolplf K r a u s , Präsident der Unabhängigen Loge ll'mii Britli, Chicago. Mein lieber Herr Kraus! Ich habe mit meinen Freunden Ihren kiirzlichen Brief an mich mul Ihren Brief vom 2(1. August an das Kongreß-Komitee besprochen. Wir sind der Meinung: . 1. daß elie Einladung zur Versammlung am 3. Oktober nur in Ihrem Namen ergehen solle, 2. daß Sie selbst entscheiden sollen, ob die Zahl der zur Versammlung ein zuladenden Organisationen au! 15 beschränkt sein solle, einschließlich Sie selbst, oder ob sie auf 21 vergrößert werden soll, wie vorgeschlagen worden ist; auch sollen Sie selbst bestimmen, welche Organisationen einzuladen sind. Da unsere Versammlung nur eine Beratung ist, so erscheint es uns nicht wichtig, daß man den Versuch machen solle, die eingelatlenen Organisationen ■im Gleichgewicht zu halten hinsichtlich der von ihnen vertretenen Ansichten resp. in bezug auf irgendeine der Fragen, die erörtert werden sollen. Aber da ,Sie um Vorschläge ersuchen, möchten wir Ihre Auf merksamkeit auf die Tatsache lenken, daß die Liste der Organisationen, die Sie aufstellten, keine jüdische Ar-

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