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Jüdische Rundschau · 1915-10-22 · Heft 43 (22.10.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 43 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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cejte 346 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 43 /11 Uilen. Diese Bitti' wurde; 111!.\\ 1 c>cn. Wir «aan /״her ׳.»״/willigen, I)r. Rnppin zu bonachriehtigen, »J..i> alle HilfsgiTiler, die ihm durch unser Komitee /iiuinoeii, ohne die Mitwirkung von Herrn Kohl! /u verwalten waren, mul dal) das Jerusalemer Fokal- Komitee, soweit unsere Spenden in Betracht kamen, /u reorganisieren sei. Dies geschah. Das reorgatiisierte Komitee besteht jetzt aus 12 Personell, mit Dr. Rnppin an der Spit/e, Hiervon wurden II) Perso- 1.־en von unserem hiesigen Komitee ernannt, mit 1 inwilligiing der Zentralen Hilfskomitees in New \ 01k und des Palästina-Krirgsliilfs-Komitees in Chicago. Das Komitee besteht jetzt aus 1 orthodoxen Mit- Diedern, }liberalen mul 'S Scpliardim, von denen 2 ebenfalls orthodox sind. Die übrigen beiden Mitglieder wurden, auf unseren Vorschlag, vom Zentralkomitee Kerieseth Israel in Jerusalem ernannt. Auf diese Weise hat (.las lerusalemer l.okalkomitee jetzt 8 orthodoxe Mitglieder, bei einer < iesaml/ahl von 12. N o t s t a n d s i o 11 d s. 111 dem Auszug des Berichtes des Bucherrevisors ist ein Dosten von 02 0)2,81 Doll, enthalten, der für Rechnung des Notsiandsfonds ausgr/ahit worden ist. Von dieser Summe wurden )1 700 1)011. in ) Raten- Zahlungen an Dr. Rnppin für die Hebräischen Schulen und Farmen, die bis jetzt vom Actionseomite erhalten wurden, überwiesen, wie auch für die Erhaltung lies Palästinaamtes. Dieser Betrag war weit geringer als die normalen Subventionen, welche diese Institutionen sonst vom Actionseomite erhalten. Die (iehalter wurden reduziert, in manchen!׳allen um 5(1"״. Ebenso wurde auf anderen (iehieten anderste Sparsamkeit entwickelt. Ein weiterer Betrag von 11 (>S5,<)2 Doll, wurde für Rechnung des Actionscomites bezahlt. Der Rest von 1)1-1(1,80 Doll, besteht aus Subventionen an die zionistischen Organisationen Amerikas, w elche ihrer gewöhnlichen Finkünfte beraubt waren, weil sie alle Bemühungen auf die l'nterstüt/img unserer Notstands- und Hilfsfonds richten imißteii. 11 i 1 f s f ס n d s. Aus demselben Auszug ist zu ersehen, dal) 32 DIU,()2 1)011. für l' n t e 1׳ s t ü t / u n g verteilt wurden. Hier ist der Betrag von 12 500 Doll, cingiselil >ssen, den unser Komitee zu den 50000 Doll, beisteuerte, die vom American Jcwish Committee im September gesandt w urden. An I )r. Rnppin sandten w ir 15 000 Doll. Weitere 5000 Doll, wurden Herrn Louis H. Lev in zur Verfügung gestellt,;mserem Vertreter auf dem 'Kämpfer ״Vulkan“, zum eventl. Einkauf von fehlenden Lebensmitteln in Alexandria. Für die palästinensischen Flüchtlinge in .Alexandria sandten wir an Herrn Ciluskitt 2000 1)011. Der Rest von . Doll, bestellt aus Dnkosten, die durch den Einkauf der Nahrungsmittel, die mit dem ,,Vulkan" verladen wurden, entstanden sind. .Alliier den oben erwähnten Beträgen wurden für 27 000 Doll. Lebensmittel für (las I lilfssehiit von Zionisten im ganzen Fände gesammelt oder gekauft. Hierdurch erreicht unser Hilfsbeitrag■ für Palästina die Hohe voll ca. 02 000 Doll. So wichtig auch diese Beiträge sein mögen, als grollte Hilfe für die oalästinensiselicn |11den midi in diesen schrecklichen Zeiten unsere Handhabung der l ׳eberweismigsgeider fiir Institutionen und Private, die sich auf über ■2011(1 (!100),׳. beliefen, angesehen werden. .Man muH 1 n Betracht ziehen, dal) infolge der I‘rokTainierimg des .Moratoriums in der Türkei selbst die reichen!Anwohner ohne .Mittel waren. Verwandte Und Freunde im Ausland hatten absolut keine .Möglichkeit, ihnen zu Hilfe zu kommen. Die Post gab keine < iciilan Weisungen mehr aus. Die Banken und Fixpreis- _■(Seilschaften hörten auf, Schecks aus/ugeben, Selbst wenn l ieldanWeisungen ״der Schecks ausgegeben worden wären, so würden sie in Palästina nutzlos gewesen sein, da Mangel an Metallgeld herrschte. Selbst die Postverhindtingen waren aulSeronlentlieh erschwert. Enter vliesen Umständen war jeder Dollar, den unser Komitee für die Institutionen und Privatleute nach Palästina hinüberhrachte, eine Hilfe in des Wortes gester Bedeutung. Die Debermitthuig von 2t)0 000 Doll, nach Palästina durch unser Komitee hat die Institutionen und tausende von Personen gerettet, denen das Held ausge/ahlt wurde, ohne da!) sie sich soweit demütigen )nullten, um läiterstützimg zu bitten, und unsere Vertreter in den Stand setzten, :uisere Hilfsgelder für wirkliche Notfälle zu reser- \ icren. Ich benutze die (ielegenheit, den herzlichsten Dank tmscres Komitees und, ich kann wohl sagen, der Juden dieses Landes unseren Freunden in Pavistina und Alexandria aus/nsprechen, welche die Lasten des Hilfswerks so lange Zeit auf sich genom- :neu haben. Dr. Arthur Rnppin, Herr Wolf Oltiskin, Herr Harn־ Kaplan, der jetzt bei uns ist, und alle ihre .Mitarbeiter haben Dienste geleistet, durch eile sie sich die Dankbarkeit des jüdischen Volkes erv. orrwn )iahen. New-Yorker Brief eines russischen Flüchtlings Filier unserer Gesinnungsgenossen, der in Köln das (lymnasium besucht hatte, weilte nach Ablauf seines ersten Universitätssemesters zufällig zum Besuche seiner Eltern 111 RuHlaud, als der Krieg ausbrach. Anfangs schien er sein Universitätssttidium 111 Petersburg fortsetzen zu wollen, dann gestalteten sich aber seine Verhältnisse doch so, dal) er seine Absicht aufgab und über Sibirien, China tisw. nach Amerika fuhr. Einer seiner Briefe aus New York an einen Kölner Zionisten wird uns zur Verfügung gestellt. New York, den <). September ll)15. Lieh er 1 len11.1 ־ Ihr Brief mit meinem Abitnneiitcnzcugnis wurde I mir bereits nach der .M a 11 d s e h 11 r e i naehgeschiekt, wo ich mich gerade einige Tage an (hielt, leb danke Ihnen sehr, dal) Sie sich die Mühe gegeben haben, das Zeugnis, das ich in dieser bewegten Zeit kaum noch /u bekommen hoffte, für mich zu erlangen. Nun staunen sie wahrscheinlich, dal) ich mit einem Male P e lc rs b 11 1־ g mit N e w York vertauscht habe, mul zwar nicht auf dem kür/ercn Wege durch S c 11 w c d e n mul E 11 g 1 a 11 d , sondern auf dem etwas längeren durch Asien und Amerika. Ganz Sibirien habe ich durchkreuzt, die hei He 11 Felder Chinas duiTlupiert, im Lande der aufgehetiden Sonne mich aiifgebaltcn, um dam! der. Stillen Ozean z.u durchfahren und an der Westküste Amerikas, in Seattle, zu landen. Von dort aus bin ich durch ganz Amerika gefahren und vor einigen Tagen liier in New York augekoinmeii. Endlich habe ich den W’anderstab, der jetzt, wo die ganze Welt in Flammen eingehüllt ist, doppelt schwer ist, fortgelegt, und wie ein ferner gespcnsterhafter Traum steigt jetzt die ganze Heimat vor mir auf. Dieser Traum verfolgt mich jetzt 1111ablässig. Denn in ihn hineingcflochteii sind all meine Lieben, über deren Schicksal ich vollständig in D11wissen!»cit bin. Vielleicht irren sie mitten im Strome Aufruf. Wir haben, da sich das dringende Bedürfnis hierfür herausgestellt hat, ein Kleiderdepot bei Frau Dr. Zlocisti, Berlin, Weißenburger Straße 6, eingerichtet, und bitten alle Freunde, uns gut erhaltene Bekleidungsgegenstände fiir Männer, Frauen und Kinder zur Verfügung zu stellen. Die Sendungen sind nicht mehr an das Zionistische Zentralbureau, Sächsische Str. 8, sondern an Frau Dr. Zlocisti, Berlin, Weißenbürg er Straße 6, zu richten. Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin W. 15 Sächsische Str. 8. der .Millionen Hcimloseii umher, deren!.eitlen ich selber beobachtet habe. Sie haben ja sicher in den Zeitungen, vielleicht noch etwas übertrieben, über das gelesen, was jetzt in Rußland vorgeht. Ich könnte Ihnen auch Tausende kleiner Episoden erzählen, von denen jede einzelne schrecklich ist. Aber das Schreckliebste liegt in der verzweifelten (iriindstiiiitiiiuig, die ein ganzes armes und vielgeplagtes Volk erfaßt hat. Die besten .Söhne vergießen auf den Schlachtfeldern ihr Blut fii>s sogenannte Vaterland und müssen selbst im verzweifelten Todeskanipf den schmähenden Zuruf ״Zyd״ oder gar Spion über sich ergehe« lassen. Die Haupttragödie liegt in dieser stummen, aber ernsten Gefahr, die über tms allen in Rußland schwebt und täglich brennender wird. Und das ist keine Phrase. Meine Mutter, mein Vater, all die Tausende unserer Brüder, sie sind jeden Tag in Lebensgefahr, von Erniedrigungen und Schmähungen abgesehen. Ich glaube, wen diese Zeit nicht für unsere Bewegung gewinnt, dem kann schon niemand helfen. Jetzt brauchen wir keine Versammlungen, keine brennenden Reden. Hie stumme, grausame Sprache der Tatsachen, der Anblick eines Volkes, das sich gegenseitig in stumnter Verzweiflung zerfleischt, muß stärker als jede Agitationsrede wirken. Dabei sind wir in der Finsternis unseres Daseins so sehr von der Sehnsucht nach großen befreienden Schritten erfüllt, daß wir neugierig nach jedem Worte hiniiberiaitschen, das aus dem Auslände zu uns dringt und mündlich (jüdische j Zeitungen existieren fast überhaupt nicht mehr) weiter- ׳ \ erbreitet w ird. Ich bin jetzt noch zu aufgeregt, um Ihnen viel zu schreiben. Ich werde Ihnen noch ausführlichcrc Briefe schreiben. Ich denke, ich werde jet/t hier an der Universität studieren, obwohl ich nicht weil), was ich eigentlich studieren soll. Glauben Sie, ich würde noch einmal mein Studium in Deutschlaml fortsetzeii können, und wird mir dann meine Studienzeit in Amerika angerechnet werden? Jedenfalls hier Rechte zu studieren, hat für mich keinen Zweck. Ich habe mich noch nicht hier über das zionistische Leben orientieren können. Schreiben Sie mir bitte ausführlich über alles, was in unserer zionistischen Welt augenblicklich vorgeht, und über das l eben in Deutschland, das mich sehr interessiert. Sind viele aus dem V e r ein] ii d i s c h e r S t u d e n - teil und dem Her/1- Klub einberufen worden? Was ist aus dem ,,II u s e h a c 11 a r“ geworden? Mit einem Worte, ich hoffe, wir werden von jetzt ab in regem Briefverkehr miteinander stehen. Vorläufig wünsche ich Ihnen ein glückliches neues Jahr, (iriißen Sie, bitte, herzlich Ihre 1. Mutter mul auch die Herren L. und E. von mir. Ich werde auch ihnen demnächst schreiben. Ihr j. E. Appell an die südafrikanischen Zionisten Von Norman Bentwich Im südafrikanischen Zionist Record vom 0. September K)13 veröffentlicht unser bekannter Gesinnungsgenosse Norman B e!1 t w! e Ir, der Führer der Zionistischen Organisation in Aegypten, den nachstehenden Appell, der von allen Zionisten beherzigt zu werden verdient. Tischo B׳ Ab, 5575. Unsere Arbeit in Palästina, der Ernst unseres Strebens für ein nettes Leben hat dem Sturme widerstanden, und wenn w ir Zionisten nur mannliaft unsere Pflicht erfüllen, werden wir bis ans Ende clurdthalteii können. Eine gütige Vorsehung hat dafür gesorgt, daß bei dieser höchsten Krisis in der Entwichhing unseres Jischubs in dem Gesandten einer großen neutralen!Macht in der Türkei uns ein Kämpfer erstehen sollte, der, durch seine Treue und die klare Ehrenhaftigkeit seiner .Absichten, gleich einem zweiten Mordechai, geeignet ist, die Ränke aller Hainaus, die gegen unsere Pioniere in Palästina geschmiedet sind, zu vereiteln. Int Nachbarlande Palästinas lebend, wie ich es getan habe, war ich in immerwährender Berührung mit den Ereignissen und den dortigen Veränderungen, und ich kann es frei den Zionisteil von Süd-Afrika sagen: unser Fehler wäre es, wenn nicht die Kolonien und Schulen und der Rest unseres neuen Lebens in dem Lande so bewahrt blieben, dal) sie den Kern unserer größeren Zukunft, welche uns erwartet, bilden könnten. Die Türken haben ihn nicht /erstort, die verbündeten Mächte haben ihn anerkannt: den Nutzen, der für die .Menschheit im Jischuh aufgespeichert liegt und es ist an dein jüdisehen Volke, die Hilfe zu geben, die der eine kriegführende Staat zu senden, der andere zn verteilen erlaubt, und auf diese Weise die unerhörten Verwüstungen, die der Krieg verursacht hat, gutzumacben. Es ist deutliches Elend in Palästina; in den kommenden Monaten wird es noch schwerer werden; aber wenn wir, die Zion lieben, unsere Pflicht tun, so wird dieser Prüfstein unsere zarte Pflanze gestählt und nicht zerstört haben. Wir haben zwei klare und dringende Pflichten in diesem Augenblick: auf der einen Seite, was wir nur immer zu geben imstande sind, für die Erhaltung unseres Volkes im Lande zu gewähren, auf der anderen Seite, unsere Kräfte für den Tag des Friedens und der Erfüllung zu sammeln. Es wird zu spät sein, sich vorzubereiten, wenn der Krieg schon vorbei ist: die Stunde fiir ernsthaftes Arbeiten und für Opfer ist jetzt, und wir mögen es der Vorsehung überlassen, die die Dinge so wunderbar vor unseren Augen gestaltet, das Werk unserer Hände zu befestigen. Beide sind im Irrtum: diejenigen, die alles mit menschlichem Können zu ordnen denken ebenso wie diejenigen, die alles einer Vorsehung überlassen. Wir müssen arbeiten und geben, und wir müssen auch Glauben haben. Unser Tag wird sicher kommen. Laßt uns dann fertig sein!

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