Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Seile 345 JUEDISCHE RUNDSCHAU siedlungsprojekt vertreten und bearbeiten oder sieh nur auf informatorische Tätigkeit in dieser Hinsicht beschränken solle, mul ob im ersten Falle die konzentrierte oder die auf einzelne Plät/e zerstreute Ansiedlm!׳״ das Ziel der Organisation sein solle. Die I )elegierteil M e t i 1 i e \v , S o k o 1 o w s k i (Moskau), P o d 1 i s c I! e \v s k v (Warschau), AI ein- | n i k o \v (Petersburg), J. L e s c!11 s c h i n s k y und | andere waren der Meinung, dal! die Aufgabe der jiidischen Oeffentliehkeit darin bestehe, ein neues jüdise’lies Milieu zu schaffen, in dem das nationale Leisen der jüdischen!Massen seine natürliche Entwieklungsmöglichkeit findeai solle. Das Ideal der Organisation müsse sein, an Stelle der zerstörten Städte Kowno und Brest neue ebenbürtige jüdische Zentren in Zentral- Rtifilaüd zu schaffen. ״Vom r e 1 i g i ö s e 11 Standpunkte aus,“ sagte Aleinnikow, .,!mit! eine Oemeinde wenigstens aus 10 Juden bestehen. Für die Schaffung und Entwicklung eines n a 1 i o 11 :1 1 e n Milieus ist ebenfalls ein Minimum von Juden erforderlich, das aber natürlich immer größer als ein solches ,,Minjan‘‘ sein mul!.“ Dagegen meinten andere Delegierte, die Frage der l 'ebeisiedluiig־ der Flüchtlinge müsse ausschließlich nach wirtschaftlichen Gründen beurteilt und gelöst werden, Delegierter Mindliu (Petersbürg) war der Ansicht, die Konzentrierung der Juden sei keine absolut notwendige Bedingung für die nationale Existenz. Besonders schroff vertrat diese Zer- Streuungs-T heorie Herr .3 1 i o s b e r g: ״Das Ghetto,“ sagte dieser Redner, .,hat seine Existenz den Nicht- Juden zu verdanken. Heutzutage besitzen wir neue Mittel zur Erhaltung־ des Judentums, lind abgesehen davon verursacht die Zcrstremmg überhaupt keinen Abfall vom Judentum, sondern stärkt im Gegenteil die historische Idee der jüdischen Mission. Die jüdische Schule, Wissenschaft und religiöse Tradition müssen, wie einst die Feucrsüule in der Wüste, dem Zug der jüdischen Ansiedler vorausgehen. Dann ist die jüdische nationale Existenz, gesichert, selbst dann, wem! sich die Flüchtlinge, in ganz kleine Trupps zerspalten,!liederlassen.‘“ Nach der ausführlichen Antwortrede des Referenten Herrn B r u z. k 11 s wurden die Thesen des Referenten wie auch die vorgeschlagenen Resolutionen zusammen mit dem Zusatz des Herrn Sokolowskv: ״die Uebersiedelungsarbeit muß nach den wirtschaftlichen ebenso wie nach den national-kulturellen Bedürfnissen der Juden geleitet werden“ den leitenden Organen übergeben. In rührenden Worten gedachte dann der üeputierte F r i e d rn a 1111 der Feier für den verstorbenen jüdischen Abgeordneten N i s s e 1 o w i t s c 11. Hierauf schlug Grusen borg vor, das 25jährige Jubiläum der sozialen Tätigkeit des Herrn S 1 i o s b e r g zu feiern und ilun zu Ehren einen Fonds für wissenschaftliche Arbeiten über die rechtliche Lage der Juden in Rußland zu gründen, ln der Versammlung selbst wurden sofort 2600 Rbl. für diesen Zweck gezeichnet. Nachdem noch der alte Beschluß der allgemeinen Besteuerung erneuert worden war, schloß der Vorsitzende W. J. Tiomkin mit einer eindrucksvollen Rede die Konferenz der Jüdischen Hilfskomitees. Wie der Hilfsfonds verwaltet wurde Von E. W. Lewin-Epstein Der nachfolgende Tätigkeitsbericht ist in der Augustnummer der Monatsschrift der amerikanischen Zionisten ״The Maccabean“ veröffentlicht. .Aus dem Auszug des Berichtes des Rechnungsrevisors geht hervor, daß bis zum 31. Mai 1015 das Provisorische Zionistische Exeku* t i v - K o in i t e e für seine verschiedenen Fonds insgesamt 308 106,13 Doll, erhalten hat. Diese Fonds sind der Zionistische Notstandsfonds, der Allgemeine Pakisuiieusisäte Hilfsfonds und Ueberwcisungsfonds für Institute und Private in Palästina, die unserem Komitee zur Uebermittlmig anvertraut wurden. Von diesem Betrag sind 206 120,37 1)011. während der Zeitdauer dieses Berichtes nach Palästina übermittelt worden. Ich mochte hier richtigstelleii, daß der eigentliehe Geldbetrag, den ich seit Kriegsausbruch nach Palästina gebracht habe, 346 834,62 1)011. beträgt. Dies wird durch die Tatsache erklärt, daß wir zusamnien mit den Fonds, die unser Komitee verwaltet, beträchtliche Summen im Aufträge anderer Komitees, wie des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees und Jl!lllillill!l!lill!l!!l!il!lflll!lill!l!lllllll!ililll!liiü | Berliner Zioniftitche Vereinigung § ן mifgliederoerfamnilung ן 5 mittrooch, den 27.0ktoberd.J., abds.812׳Uhr 1 jj in den Prachtfdlcn desUMtens, Spichernftr. 5 j | Dr. Arthur Hanfke: | | Die Hage und die Arbeit der j 1 Zioniftifchen Organitation | H Zutrift haben nur fflitglicder der Organisation f§ ^lllll!llllllllllllllllil!lll!llll!lllll!lll!llll!lllillll₪ des Zentralhilfskomitees, mit überwiesen haben. Der obige Betrag enthält auch 12 282,76 Doll״ die wir nach Kriegsausbruch und früher von der Carmel W i!1 e Co. für die Annahme von Ueberweisungsgeldern durch unser Komitee, zur Uebermittlung an Institutionen, Private und allgemeine Hilfszwecke in Palästina, erhielten. Der ״Paß-Punkt“ im neuen Handelsvertrag zwischen Rußland und Amerika Dein ״Tag“ in New York geht unter dem 24. September der folgende telegraphische Bericht aus Washington über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen betreffs eines neuen Handelsverträges zwischen Rußland und Amerika zu: ״Die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland betreffs eines neuen Handels- Vertrages werden noch geheim gehalten. Der amerikanische Gesandte in Petersburg, Mary, hat an den Staatssekretär Lansing berieh tet, daß die russische Regierung nunmehr gewillt sei, die amerikanisehen Pässe jüdisch-amerikanischer Bürger anzuerkennen,“ Dieser Bericht hat in den Washingtoner offizielten Kreisen lebhafte Genugtuung hervorgerufen. Man hofft nunmehr auf eine befriedigende Lösung der Frage und ein positives Ergebnis der seit lange gepflogenen Unterhandlungen. Ein hoher Beamter des Departements äußerte sich einem Mitarbeiter der erwähnten Zeitung gegenüber folgendermaßen: ״Das vom Gesandten Mary in Aussicht gestellte Entgegenkommen Rußlands wird uns der größten Sorgen um die Vertragsfrage entheben. Möge es so sein! Die durch die Aufhebung des alten Handels- Vertrages entstandenen Mißstände werden dadurch endgültig beseitigt werden. Das ganze Land ist auf den neuen Handelsvertrag־ gespannt. Das Nachgeben Rußlands wird überall mit großer Freude aufgenommen.“ Ueberwcisungsmetlioden der Gelder. Seit Bildung unseres Komitees war es unsere größte Sorge, eine sichere Methode für die Uebermittlung der Gelder nach Palästina herausztifinden, da die Postämter, die Expreßgesellschaften und Banken die Ausgabe von Geldanweisungen und Wechseln nach Palästina eingestellt haben. Zu einer Zeit war es tatsächlich unmöglich, ca. 6 Wochen lang Geld nach Palästina zu schicken. Unsere ersten Ueber- Weisungen erfolgten durch die Liebenswürdigkeit der Standard Oil Co. an den amerikanischen Botschafter Al o rg e n t h a 11 in Konstantinopel. Er sandte seinerseits die Gelder an Bord unserer Kriegsschiffe nach Jaffa. Bald danach begann aber die Belagerung der Dardanellen, und wir mußten uns nach einer anderen Beförderungsmethode für unsere Gelder Umsehen. Zu jener Zeit drahtete uns Herr Wolf Gluskin aus Rischon-lc-Zion, der damals in London war, daß die Carmel-Gesellschaften in London und Alexandrien in der Lage wären, Gelder für Palästina in Empfang zu nehmen und zu befördern. 111 Anbetracht dieser Tatsache und da die internationalen Bedingungen sich damals schnell änderten, und das, was heute möglich war, am nächsten Tage schon unmöglich sein konnte, beschränkte ich meine erste Ueberweisung auf diesem Wege auf 10 000 Doll. Glücklicherweise gelang es Herrn Gluskin, von der ägyptischen Regierung eine Erlaubnis zur Einfuhr von Gold nach Palästina für allgemeine jüdische Hilfszwecke zu erhalten, trotz der Tatsache, daß die Türkei damals schon mit England i!n Kriege lag. Gleichzeitig gelang es unserem Komitee hier, die Hilfe der Regierung der Vereinigten Staaten zu bekommen. Dank der Liebenswürdigkeit unseres State Department und des Gesandten Morgen thau wurden unsere Vertreter in Alexandrien in den Stand gesetzt, unsere Gelder von Zeit zu Zeit durch besondere Boten an Bord irgend eines unserer Kriegsschiffe, die auf dem Mittelmeer kreuzten, zu befördern. Unsere Beauftragten nahmen unsere Gelder in Kisten an Bord, die vom amerikanischen Konsul in Alexandria versiegelt und an den amerikanischen Konsul in Jaffa für Dr. Ruppin, den Vorsitzenden des Arnerican Jewisl! Relief Committee, konsigniert waren. Im Laufe der Zeit wurde in Alexandria ein reguläres Komitee gebildet zurn Zweck, diese Gelder 7.11 verwalten, mit Norman Beut wich als Vorsitzenden lind Herrn Gluskin als Schatzmeister. So wurde ein ständiges Verbindungsmittel mit Palästina hergestellt und wir waren i!1 der Lage, unsere Gelder mit befriedigender Regelmäßigkeit während einer Zeit von <) Monaten hinüberztibringen. Für diese Erleichterungen haben wir der englischen und der französischen Regierung zu danken für ihre Erlaubnis, Geld von Aegvpten auszuführen, und ebenso der türkischen und der deutschen Regierung, die für die Unantastbarkeit unserer Gelder Garantie übernahm. Auch dem Herrn Gesandten Morgen thau, den amerikanischen Konsuln in Palästma und Aegvpten und den tapferen Kapitänen unserer Kriegsschiffe im Mittelmeer sind wir zu großter Dankbarkeit verpflichtet für das freundliche Interesse, das sie an unserer Sache nahmen, und für die Bereitwilligkeit, mit der sie uns auf jede mögliche Weise geholfen haben. V e r t e i 111 n g d e r S p e n d e!1 in P a 1 ä s t i n a. Die ersten Hilfsgelder für Palästina betrugen 50 000 1)011. und wurden im September vom A in e - rican J e w i s 11 Committee telegraphisch an den Gesandten Mergenthau überwiesen. Unser Komitee wurde durch die Großherzigkeit von Herrn Nathan Straus in den Stand gesetzt, 12500 Doll, dazu beizutragen, mit der Weisung, daß das Geld einem Komitee anvertraut werden solle, dem Herr Dr. Arthur Ruppin, der Leiter des Palästinaamtes des Zionistischen Actionscomitcs, verstand. Dies stimmte auch mit der Empfehlung von Ilern! Mory e 111 h a u überein. Ohne sich mit unserem Komitee vorher zu verständigen, übermittelte das Amcrica 11 J e w i s 11 Co ni nt i 11 e e telegraphisch seinen Wunsch nach Konstantinopel, dal! Herr Ephraim Cohn, Jerusalem, und Herr Aaron Aaronson, Haifa, dem Komitee beitreten sollten. Diese Instrukhonen wurden in Palästina so ausgelegt, daß das Hilfskomitee aus diesen drei Herren, Ruppin, Cohn und Aaronson, bestehen sollte. Mit Hilfe von Herrn Maurice Wcrtheira, der die 50 000 Doll, nach Palästina brachte, wurde das Komitee entsprechend organisiert, indem jedem Mitglied für sein Gebiet die Oberaufsicht mit Einspruchsrecht verliehen wurde. So wurden Jaffa und die judäischen Kolonien der Kontrolle von Dr. Ruppin unterstellt, Jerusalem und Hebron Herrn Cohn, während Herr Aaronson den dritten Distrikt übernahm, der Haifa, Saffed, Tiberias und Galiläa umfaßt. Das eigentliche. Hilfswerk wurde Lokalkomitees übertragen, die von dem Generalkoniitee eingesetzt wurden und die in jedem Distrikt von dem betreffenden Mitglied des Generalkomitees geleitet wurden. Die Methoden der Hilfsleistung waren in Uebereinstimmung mit den lokalen Bedürfnissen in jeder Stadt oder Kolonie verschieden. 111 den Städten, und besonders in Jerusalem, wurden Suppenk ii eh e n eröffnet, und auch auf andere Weise wurde an die Bedürftigen Nahrung verteilt, während in den meisten Kolonien die geleistete Hilfe meist in Form von Darlehen bestand, uin die Empfänger in den Stand zu setzen, weiterzuarbeiten und ihre jüdischen Arbeiter weiter zu beschäftigen. Ein wichtiges Moment der Hilfsleistung war die Eröffnung von L e b e n s 111 i 11 e 1 1 ä d e n durch das Komitee in verschiedenen Zentren, um die Armen mit den notwendigsten ■Nahrungsmitteln zum Selbstkostenpreise zu versehen und dadurch die Steigerung der Preise durch Händler zu verhindern. Die Verteilung der Hilfsmittel auf die verschiedenen Distrikte wurde vom Generalkomitee wie folgt festgesetzt: ■17״״ für Jerusalem, 26 ״״ für Jaffa und 27 ״<> für Haifa. Die lokalen Hilfskomitees bestanden fast in jeder Stadt und Kolonie aus den Waads oder Gemeinderaten, welche von den betreffenden Gemeinden regelmäßig gewählt werden, ln Jerusalem jedoch, wo eine Anzahl unabhängiger jüdischer Vereinigungen bestehen, mußte ein besonderes Komitee gebildet werden. Die Wahl der Mitglieder für dieses Komitee wurde natürlich stark durch die Wünsche des Herrn Cohn beeinflußt, und das Ergebnis war, daß das auf diese Weise gebildete Komitee nicht die wirkliche Vertretung der verschiedenen jüdischen Elemente Jerusalems darstellte. Eine Unzufriedenheit mit dem Jerusalemer Komitee machte sich sogleich fühlbar. Das orthodoxe Element war nicht im Lokalkomitee vertreten, wozu es nach seiner Größe und Wichtigkeit berechtigt gewesen wäre. Die Zionisten des Landes hatten gutes Recht, mit Herrn Cohn als Vorsitzenden des Jerusalemer Hilfskomitees mit Einspruchsvoll macht unzufrieden zu sein. Wir ersuchten das American Jev.ish Committee, einem Vertreter der Zionisten und einem Vertreter der Orthodoxie zu gestatten, die Kontrollbefugnis mit Herrn Cohn