Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 338 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42 Bewein 11״, die durch das .Milieu stark beemtlulit werik•. Mit Nachdruck wendet er sieh gegen das Bestreben, den Zionismus mit der (ialuth-Arbeit zu verquicken. Nach seiner Auffassung sei es nicht Aufe;ahe der Zionisten, für jüdische <ileichberechti- 141m״ und Autonomie in den (lalutltlaiiderii zu kämpfen. Von papierenen Resolutionen einer Friedenskonferen/ zugunsten der Juden verspricht sich der Referent für die Wirklichkeit nichts. Wie das Beispiel Galiziens lehre, werde durch ökonomischen Antagonismus ■die gesetzlich deklarierte politische Freiheit wieiler aufgehoben. Unsere Lösung müsse dir׳ gleiche lileihen, wie /imir nämlich: Palästina. Ich hin sicher, dai! diese jede Arbeit im (ialuth vom nationalen Standpunkt aus ablehnende Stellungnähme vielfach lebhaften Widerspruch erfahren wird. Aber es scheint mir für die (lesitmungsgenossen im Auslände von Interesse, diese Beurteilung kennen zu lernen. —- Die Versanmilungstätigkcit der niederländischen Zionisten war im .Sommer naturgemäß nicht rege. Nur die im ״I laschachar“ organisierten Freunde aus Antwerpen hielten (leidig Zusammenkünfte ab. Fs hielten dort Vorträge die Herren: I >r. Dunkelb I u m , E h r c n f e 1 d , I e n e r r i 11 g , F r o 11 - manu und Landau. Auf Initiative des ,, 1 iascliachar“ hat sich vor kurzem ein J u g e 11 d w a 11 d e r 1) u n d ״ H a - schu m 1־ i m “ gebildet. Am 21. September fand in Sclieveiiiugen ein D arid W o 1 f t s o 1111 - (j e d e 11 k a h e 1111 statt. Redner waren die Herren J. H. Kann und Jean Fische r. Die holl ä 11 d i s c 11 e T a g e spross e befaßt sich verhältnismäßig häutig mit jüdischen Angelegenheilen. So brachte sie eine Zeitlang Nachrichten über eine angeblich in den Niederlanden geplante jüdische R e f o r m - B e w e g 1111 g. Fs ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß sich die Verwaltung der jüdischen Kiiltiisgeineimlen Hollands durchweg nach ko 11s erv a t i v - j ü d i s c h e 11 Grundsätzen vollzieht, indem die religiös liberalen Kreise, sei es aus Toleranz oder aus Indifferenz, auf eine andersartige Gestaltung der Verhältnisse keinerlei Einfluß nehmen. Es verlautete nun, daß jüdisch-liberale Kreise in Amsterdam einen Gottesdienst nach ihrem Geschmack -— übrigens unter Beibehaltung des Hebräischen — beabsichtigen sollten. Doch scheint diese Nachricht sich nicht zu bestätigen. Vor einiger Zeit brachte die katholische ״ T i j d “ , die in der politischen Presse mitunter zitiert wird, ein Eingesandt, das eigentlich die größte Beachtung der öffentlichen Meinung hätte finden sollen. Der Einsender lieferte nämlich den bündigen Beweis, wer als der wirkliche Urheber des Weltkrieges anzusehen sei: die deutsche Sozialdemokratie und speziell — die Juden. Die großen jüdischen Bankiers hätten ihren unseligen Einfluß auf die deutschen Fürsten und Diplomaten zugunsten des Krieges ausgeübt, um, wenn ganz Europa daniederliege, noch mehr Macht als bisher zu erlangen. — Das Eingesandt zeigte immerhin, daß auch im aufgeklärten Holland antisemitische Tiradcn noch stets ihr Publikum finden. 111 einer Amsterdamer I landelszeitschrift finden wir einen Aufsatz über ,, P a 1 ä s t 1 11 a v o m w i r t - s c h a f 11 i c h e 11 St a 11 d p unkt e “ , der über tinser Palästinawerk Aufklärung und zum Schlüsse die Anregung gibt, Palästina als einem Arbeitsfelde für den holländisch-jüdischen Kaufmaniisgeist Beachtung zu schenken. Fnter verschiedenen, teils wissenschaftlichen, literarischen Neil-Erscheinungen in holländischer Sprache, die auf Judentum und Juden Bezug haben, sei liier nur die Schritt ״De eult’.ireele Noodtoestand van het jomlsche Volk“ unseres Gesinnungsgenossen Victor E. van Vriesland herausgegriffen, die Betrachtungen über jüdische Kunst im Anschluß an die ,,Kunstwart“-Debatten enthält. Polnisches Bürgerkomitee und jüdische Arme Die Warschauer jiddische Tageszeitung ״Moment“ wendet sich in Nr. löß vom 2b. September in längeren Ausführungen gegen einen auch von der Deutschen Warschauer Zeitung am 2(1. September gebrachten Bericht über die Tätigkeit der Abteilung des polnischen Bürgerkomitees für obdachlose Juden. Die Deutsche Warschauer Zeitung hatte den Bericht im Wortlaut gebracht und daran die Bemerkung geknüpft, daß die Behauptung der Juden, sie erhielten keinen Anteil aus den öffentlichen Mitteln, nach diesen Ziffern nicht voll berechtigt erscheine. Der ״Moment “ schreibt hierzu : 1) Von der Summe von 382 600 Rbl. gehen 51 29S Rbl. rein jüdischer Gaben ab, die durch Privatpersonell und die jüdische Presse gesammelt wurden und gar nicht durch die Hände des Bürgerkomitees gingen. Fs bleiben noch 331 302 Rbl. 2) Von dieser Summe gehen 170 700 Rbl. ab, wclehe das Tatjana-Komitee der jüdischen Gemeinde in Warschau herausgab. letzteres Komitee pflegte dem Bürger-Komitee Mittel für alle durch den Krieg Gescha■ fügten ohne Unterschied von Religion und Nation in ganz Polen zur Verfügung zu stellen. So erhielt das Bürgcrkomitce zuerst monatlich 100000, dann 200 0(10 Rbl. und außerdem speziell für die Warschauer Juden anfänglich monatlich 10 000, später 20 000 Rbl. Diese Summe erhält die jüdische Gemeinde gewöhnlich durch das Bürgerkomitee. Fs bleiben demnach noch 151 702 Rbl. 3) Zu den 52 050 Rbl. des W. B. K. gehören 7000 Rbl., die der Semstwo-Verband speziell für die Juden gegeben hat, der Rest besteht auch aus Geldern, die das Tatjana-Komitee für alle Einwohner Polens gegeben hat. Mithin ergibt sich noch ein Rest von '102 052 Rbl. I) Die 30175 Rbl. des Sanitäts-Komitees kamen von Geldern, welche \011 der russischen Militärkasse durch General Danilow gezeichnet wurden, ferner von der Warschauer Kasse zur Bekämpfung anstekkender Krankheiten. Somit hat das Bürgerkomitee von den 13 Millionen Rubel, die es zugunsten aller durch den Krieg Geschädigten ohne ('literschied der Nation und des Glaubens gesammelt hat, 12 877 Rubel den Juden gegeben. Diese machen 10 Prozent der gesamten Bevölkerung Polens aus. Sie mußten demnach über 2 Millionen Rubel erhalten. 111 Wirklichkeit bekamen sie außer den erwähnten 24 877 Rbl. nur noch etwa 50 00t) Rbl., die den jüdischen Hilfskomitees der Provinz zugiugen, im ganzen also etwa 2 Prozent der ganzen Summe. Den Beweis hierfür bildet der offizielle Bericht des Warschauer Bürger-Komitees. Zionistischer Brief aus Argentinien Einem an das Kopenhagcner Büro der Zionistischen Organisation gerichteten Berieht der Zionistischen Föderation von Argentinien entnehmen wir folgendes: Buenos Aires, 8. August 1015, Endlich sind wir in der Lage, Ihnen einen Bericht über unsere bisherige Tätigkeit, insbesondere in Angelegenheit des von uns ins Leben gerufenen Komitees zur Hilfe für die durch den Krieg leid e n 11 e n Br ii der in R u ß 1 a n d u 11 d ü a 1 i - z i e!1, zu geben. Wir informierten kurz nach der Uebernahme der Arbeit unsere Vereine, verteilten diesbezügliche Propagandnblätter, Aufrufe usw., und die Sammlung kam nun in guten Fluß. Nun war es damals rein unmöglich, Geld nach Rußland zu schicken; auch wußten wir nicht recht an wen, hörten zwar vom Amerikan i s c h e 11 R e 1 i e f k o ni i t e e und .seiner allgemeineu Hilfsaktion, mußten aber Bestimmtes wissen. Wir mußten eben in der Lage sein, eine genaue Antwort auf eine diesbezügliche Frage geben zu können. Jedermann wollte wissen, in wessen Hände wir das Geld übergeben winden. Wir wandten uns daher an Dr. Schmarjah L e v i 11, Ncw-York, von dem wir die Drahtantwort bekamen, uns;111 das Provisorische Zionistische Actbns-Gomite, New York, zu wenden. Diesem Komitee also schickten wir bald darauf -- am 11. Juni d. J.' die Summe von 21 400, Mk. gleich 4500 Dollar 11. a. mit folgendem Schreiben: ״Unsere Zionistische Federation hat hier ein Hilfskomitee geschaffen für unsere vom Krieg hetrotfenen Brüder in Rußland und Galizien, letztere, so weit sie sich in russischen Händen befinden. Die Sammlung, die noch nicht abgeschlossen ist, hat bis beute die Summe von 4500 Dollar erreicht, welche Ihnen der ״Garanty Trust-Company of New-York“ aushändigen wird. Die Verwendung dieser Summe wollen wir nicht an feste Bestimmungen binden. Wir haben d;1s Geld gesammelt, wie gesagt, uni unseren Brüllern in Russisch-Polen und Galizien zu helfen, die so schwer durch den Krieg zu leiden haben, begreifen aber auch, daß unsere Brüder in Palästina nicht minder der Hilfe benötigt sind. Wir überlassen darum die Verteilung desselben Ihrer besseren Einsicht in der Hoffnung, daß Sie das richtige treffen und keinen von den dreien ohne Grund zurücksetzen werden.“ Auch an Dr. Levin schrieben wir und erklärten ihm, daß wir vorläufig keine intensive zionistische Arbeit machen können. ״Es herrscht hier eine furchtbare Krisis. Kein Geschäft und keine Arbeit. Wir sind deshalb jetzt nicht imstande, für den Palästina- Fonds zu sorgen. Die Aufforderung hierzu haben wir tagszuvor aus Kopenhagen erhalten. Die allgemeine Sammlung für die Kriegsleidenden ist ja noch im Gange, und cs ist unmöglich mit einer neuen zu beginnen, so sehr wir es auch wünschten. Zudem dürfen wir nicht den herannahenden Herzltag aus den Augen lassen, an welchem wir wiederum an dasselbe Publikum lierantreten müssen und diesmal mit mehr Nachdruck als je zuvor. Dieser Tag darf ja in keinem f all vernachlässigt werden. Audi ist die richtige Ausnutzung desselben jetzt mehr als je ein dringendes Gebot der Notwendigkeit für die Aufrechterlialtuug der zionistischen Arbeit in Argentinien. Das Publikum, an das wir lierantreten, bestellt größtenteils aus Leuten, die ökonomisch schwer gelitten haben und sich nur mit Mühe über Wasser halten. Nur die täglichen Schreckensnachrichten aus Russisch-Polen sind es, welche diese Leute bewegen, von ihrem L.etzten für die Unglücklichen zu spenden. Die reichen und wohlhabenden Jalirzcit-Judeii t'ranzösischer, englischer und deutsche,r Herkunft, haben bis heute keinen Cent gegeben. Sie behaupten, den Komitees ihrer respektive!! Geburtsländer geben zu müssen, die hier tätig sind. Vielleicht gelingt es uns späterhin von ihnen etwas für den Palästinafonds zu bekommen. Wir werden also veranlassen, daß am kommenden Hcr/ltag die alljährliche Oelbaumspcmle diesmal ausfalle und an ihre Stelle die Propaganda für den Palästinafonds gesetzt wird. In unseren diesbe/üglidien Aufrufen betonen wir, daß man jetzt viel mehr an die Erhaltung wie an neue Anpflanzungen zu denken habe. Wir sind uns bewußt, daß wir nicht ganz ordnungsgemäß vorgehen, aber die lokalen Verhältnisse und insbesondere die vielen verworrenen mul ungdmein beunruhigenden Nachrichten, die hier wegen einer sogenannten dritten Zerstörung Jerusalems zirkulierten, veraitlaßten den ersten Vorsitzenden ״Maßnahmen zu treffen, damit der Herzltag speziell dazu benutzt werde, uni dem Publikum, dein hiesigen sowohl als dein auswärtigen, zweckentsprechende Darstellung über die Lage unserer Brüder in Palästina und ganz besonders über das Verhalten der türkischen Regierung zu unserer Organisation resp. den Kulturwerken in Palästina zu geben. Jedenfalls bitten wir Sie, Herr Doktor, dafür zu sorgen, daß ein Teil der Ihnen von uns zugesandten 21 000 Mk. für unsere in Palästina leidenden Brüder Ihrem Gutdünken nach verwendet werde. Mit diesem unserem Vorgehen erfüllen wir auch den aitsdriickliehen Wunsch vieler nicht unbedeutender wohltätiger Geber.“ Soweit der fast wörtliche Inhalt unseres Schreibens vom 16. Juni an Herrn Dr. Levin. Der Herzltag ist nun zu unserer vollen Zufriedenheit ausgefallen. Dank unserer zielbewußten Propaganda und den uns von Ihnen zugegangenen beruhigenderen Mitteilungen über die wahren Zustände in Palästina ist es uns gelungen, das besser gesonnene jüdische Publikum Argentiniens dermaßen zu beruhigen, daß es sich bereit fand, auch etwas für den Palästina-Fonds zu geben. Offen gestanden hatten wir hier wenig Hoffnung. Denn allzu traurig lauteten die Drahtnachrichten aus London, Paris, Petersburg und Alexandrien über die Zustände resp. die Judenverfolguiigeii in Palästina. Infolge dieser Hiobsnachrichten lebten hier viele von unseren Gesinniingsgenossen eine Zeitlang in schrecklicher Ungewißheit. Die alte Chaluka und Meer-Baal-Neß-Garde will noch heute nicht ihre M. B. N.-Büchsen leeren 111111 den Inhalt nach Jerusalem schicken, aus Furcht, das Geld komme nicht in autorisierte Hände. Wie gesagt also, wir dürfen vorläufig mit dem Erfolg zufrieden sein. Die fast verzweifelte Stimmung ist geschwunden and wir können wieder an unsere regelmäßige Arbeit denken. Bis heute haben wir für den Palästina-Fonds 2000 Mk. gesammelt und dieselben den 5. d. M. an die Danske Landmannsbank, Filiale Vesterbro Kopenhagcn, für Ihre Rechnung überschickt. Wie unbedeutend diese Summe auch ist, die Sammlung ist selbstverständlich nicht abgeschlossen, - gibt sie uns doch die Gewißheit, daß unsere Mühe nicht fruchtlos war. Das Publikum glaubt nicht mehr an all die Lügendepeschen, die, wie es scheint, mit Absicht verbreitet werden; cs sammelt bei jeder Gelegenheit, bei Hochzeiten, Bris-Mila und sonstigen Familienfesten jetzt auch für den speziellen Pa- 1 h s t i na - F o n d s. Die Eingänge für den allgemeinen Hilfsfonds sind, trotzdem sie seit einiger Zeit stark abgenommen haben, doch noch weit bedeutender als unser Palästina-Fonds, und so konnten wir den!9. Juli eine zweite Sendung mit 134Ü0 Mk. an das Provisorische Zionistcn-Komitee in New-York abgehen lassen. Auch bei dieser Gelegenheit erinnerten wir an unsere bei der ersten Sendung geäußerte Ansicht betreffend die Verwendung und baten dieselbe bestmöglich zu berücksichtigen. Salomo 11 Liebesschütz. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland bittet die deutschen Zionisten, ihre Beiträge für den Propagandafonds abzuführen.