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Jüdische Rundschau · 1915-10-15 · Heft 42 (15.10.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 42 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 337 ra 1 e 1! (i e i s t} welcher di e M ä c h t e beseelte, zu nähern, u n d v o 11 d e n f o r m e 11 g e 4 e b e ח c 11 V e r s i c 11 e 1׳ u n g e 11 Kenntnis 11 e h m e 11 d , haben -- - - beschlossen, das Fürstentum Rumänien ohne weiteres Zögern als unabhängigen Staat aiiztierkeimen, um damit der rtimanischen Nation den Beweis des Freundschaftsgcfülils zu liefern“. — Diese ,,Freundschaftsgefühle“ haben in der Folgezeit nicht im geringsten dadurch gelitten, daß Rtiniiiriien nach wie vor nicht den leisesten Versuch machte, jene so unentwirrbar verklausulierten ״Verpflichtungeii“ liachzukoimueii und sich ,,dem liberalen Geist, welcher die Mächte beseelt“, zu nähern. Das einzig praktische Ergebnis der Intervention war, daß die rumänische Regierung in einer Kollcktivliste 900 (neunhundert) Juden, die den Unabhängigkeitskrieg mitgemacht hatten, großherzig das Bürgerrecht verlieh. Von diesen 900 ruht aber bereits ein großer Teil in den Gräbern der bulgarischen Schlachtfelder. Auf Grund der ,,formalen Versicherungen“ wurden alsdann alljährlich etwa ein Dutzend Juden naturalisiert. Darin erschöpfte sich aber auch die ״Gleichberechtigung“. Die bereits von früher bestehenden Ausnahmegesetze wurden nicht aufgehoben, sondern sogar beträchtlich vermehrt. Von den eben erwähnten 5י Ausnahmegesetzen gehören mehr als die Hälfte den auf dem Berliner Kongreß folgenden zwei Jahrzehnten an. Ein wahrer Platzregen von Ausnahmegesetzen und Verordnungen erging unmittelbar in den dein Berliner Kongreß toigenden achtziger Jahren über das Haupt der rtimänischen Judenheit. Alles Mögliche und Unmögliche wurde den Juden verboten, und wenn man diese lange Phalanx dieser Verbote überblickt, dann fragt man sich erstaunt, was eigentlich den Juden Rumäniens noch erlaubt geblieben ist. An nachträglichen Versprechungen und Vorspiegelungen hat es Rurnänien auch in all diesen Jahren nicht fehlen lassen. Und vernehmlich in den letzten Balkankriegen, als Rumänien auf das Wohlwollen Europas angewiesen war und sich auch die patriotische Begeisterung des jüdischen Teiles der Bevölkerung, von dem etwa 16000 junge Juden zu den Fahnen geeilt waren, zu erhalten suchte, gaben die Regierutigstn,inner Run1;iniens das feierliche Versprechen, zumindest diesen 10000 Juden das Bürgerrecht zu gewähren. Auch diesmal sind die Juden leer ausgegangen. Die ehrlosesten Machenschaften und schnö- «testen Ausflüchte mußten dazu herhalten, diesen Wortbruch zu rechtfertigen. Fleute, 35 Jahre nach dem Berliner Kongreß, sollen von etwa 300000 Juden Rumäniens ungefähr 20000 ״naturalisiert“ sein, während 280000 ohne Bürgerrecht geblieben sind und in ihrer und ihrer Vorfahren Heimat als Fremde gelten. Sie sind die letzten Sklaven in Europa. Der russische,progressive Block“ und die jüdische Frage Das Programm des russischen progressiven Blocks, der aus allen Zentrums- und Oppositions- Parteien — ausschließlich der schwarzen und extremlinken — besteht, enthält bekanntlich auch einen Punkt über die Judeufrage, in dem in einer inideutliehen Form der Gedanke zum Ausdruck kommt, daß die Regierung die Abschaffung der Judenbe- Schränkungen in die Wege leiten solle. Die rechtsstehenden Nationalisten, die sich immer durch ihre antisemitische Politik ausgezeichnet haben, erklären, daß die jetzige Kriegsläge eine neue Wendung in der Judenfrage notwendig mache. ״Wir müssen“, meint der Abgeordnete -Schulgin, ״viele Opfer bringen, damit der Sieg erreicht werde. Ein solches Opfer ist auch die Erleichterung der Rechtslage der Juden.“ Vorläufig aber wird das Opfer nicht seitens der rechtsstehenden, sondern nur seitens der Oppositionsparteien gebracht. Dieses ״Block-Programm“ enthält keine konk r e t e n F o rder 11!1 g e n in bezug auf die Juden. Die Kadetten dagegen, in deren Programm die Forderung der vollständigen Gleichberechtigung der Juden enthalten ist, mußten jetzt ihre Forderungen e i n s c h r ä n k e n, da sie sich dem Block angeschlossen haben. Inzwischen arbeiteten die Arbeitspartei und die Sozialdemokraten ein Gesetz aus. das die völlige Aufhebung der nationalen und religiösen Beschränklingen zum Inhalt hatte. Vor kurzem noch waren, wie gesagt, die Kadetten mul Progressisten selbst bereit, ein solches Gesetz der Reichsduma vorzulegen. Jetzt aber, als sie die Urheber dieses Gesetzes um ihre Zustimmung und Unterschrift ersuchten, verweigerten sie diese, da sie sich durch die Beschlüsse des Blocks gebunden betrachteten. Hieraus erklärt sich die Erbitterung, die in manchen jüdischen Kreisei! gegen die Kadetten herrscht, und die auch in ■Jen Beratungen der jüdischen Hilfskomitees in Petersburg zum Ausdruck kam. Aufruf Wir sind in ein neues Jahr eingetreten, das die Forderungen des alten Jahres wiederholt, vielleicht noch eindringlicher als das verflossene. Denn Not wird mit längerer Dauer immer bitterer! Vor mehr als einem Jahr sind wir zusammengetreten, um sie zu lindern. Was wir tun konnten, dank dem freudigen Opferwillen aller unserer Freunde, war leider wenig. Unsere Mittel reichten nicht, um auch nur in allen den Fällen gründlich zu helfen, die an uns herantraten. Doch konnten wir mancher Familie über die schlimmste Zeit hinweglielfen. Unsere Brüder, die die Feinde aus ihrer gaiizischen Heimat vertrieben hatten, sind inzwischen zum Teil dorthin zurückgekehrt; zum anderen Teile ist es gelungen, ihnen Arbeit und somit eine bescheidene Existenz fern von ihrer Heimat zu begründen. Schlimmer steht es um unsere zumeist seit Jahren in Deutschland ansässigen Brüder russischer Staatsangehörigkeit. Aus ihren früheren Wohnorten vertrieben, wurden sie in beträchtlicher Zahl hierher verschlagen. Die hier Ansässigen verloren ihre Existenz, die jungen Leute, meist Studierende, wurden vom Verkehr mit ihren Angehörigen abgeschnitten und blieben ohne Subsistenzmittel. Ihre Lage ist auch heute noch eine sehr trostlose. Hilfe von irgend welcher Seite wird ihnen nicht mehr gewährt. Wohl hat eine Anzahl von ihnen mechanische Arbeitsleistung übernommen. Iii vielen Fällen aber genügt leider ihre Körperkraft zur Ausübung der ihnen zugänglichen schweren Arbeit nicht, obwohl es an ihrer Bereitwilligkeit nie fehlt. Hier ist nach wie vor Unterstützung dring e n d notwendig. Wir dürfen uns dieser heiligen Pflicht nicht entziehen. Darum wenden wir uns aufs neue an die Gebefreudigkeit und Opferwilligkeit aller unserer Freunde. Wir sind überzeugt, daß sie uns hören werden. Die Mittel unserer Hilfskomitees sind erschöpft, wir können die Unter- Stützungsgelder nicht weiter zahi e n, wenn sie uns nicht helfen. Und der Winter steht vor der Tür, der des Darbenden Leid noch verschärft. Wie groß und mannigfach die Anforderungen der schweren Zeit auch an jeden einzelnen herantreten, seinen Brüdern z u 11 e 1 - f e n, wird und muß jeder eine Spende dar bringen. Helft uns, unsere Kassen wieder zu füllen, macht es uns möglich, die schwere drückende Not zu lindern, die Hungern den zu sättigen, den Hei rri a t - losen ein Obdach zu sichern! Das Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland I. A.: Hulda Zlo ci sti. Russische Hetze gegen die jüdisch-russischen Kriegsgefangenen in Deutschland Wir haben vor einiger Zeit über die in offiziösen russischen A r m e e - Z e i t u 11 g e n betriebene Hetze gegen die i!1 deutsche Gefangenschaft geratenen russisch-jüdischen Soldaten berichtet. Diese Hetze wird rum von der antisemitischen Presse Rußlands fortgesetzt. In einer der letzten Nummern der ״No wo je W rem ja“ finden wir einen langen Artikel aus der Feder des bekannten russischen antisemitischen Journalisten N. [> 111 i n ve-öffentlicht, in dem der Verfasser ein angebliches Gespräch mit einem aus der deutschen Gefangenschaft zttrückgekehrten russischen Schwerverwundeten wiedergibt. Der Zurückgekehrtc soll dem Journalisten in einer Schilderung der allgemeinen Lage der russischen Kriegs•.:!■ fangenen im Brandenburger G e f a n - g e n e 111 a g e r von den großen Leiden erzählt haben, die die gefangenen Russen von ihren 15 jüdischen Mitgefangenen auszustehen haben. Die ״Russen“ seien ganz dein ״despotischen“ Regime der jüdischen Gefangenen ausgeliefert gewesen, die sie verhöhnt, geschlagen und ihrer letzten Groschen beraubt hätten. Weiter klagte der angebliche Gewährsmann über eine bessere Behandlung der Juden seitens der Lagerbehörde. ihre besondere Verpflegung und überhaupt darüber, daß die jüdischen Gefangenen jede mögliche Bevorzugung und Begünstigung erfahren. Die jiidischeu Gefangenen hätten sich, da sie das Deutsche beherrschten, glänzend mit den Deutschen verständigen können und sich bei den letzteren sehr beliebt gemacht, ״vielleicht gerade deshalb, weil sie ihre russischen Kameraden bis aufs Blut gepeinigt haben.“ Als aber die russischen Soldaten diese Schrecken nicht mehr ertragen konnten und einen Fluchtversuch vorbereiteten, - da habe sie ■ laut dem Zeugnis eines mitgefangenen Polen ״־ ein jüdischer Soldat bei den Wächtern verraten und sämtliche vier ,,Deserteure“ (so heißt es wörtlich im Bericht) seien erschossen worden. Auf die Frage des Journalisten, ob der Jude nicht seine ״verdiente“ Strafe erhalten habe, erwiderte 11er Invalide mit größtem Gleichmut, die Kameraden hätten ihn ermordet. Auf eine zweite Frage, ob alle jüdischen Kriegsgefangenen ihre christlichen Kollegen in gleicher Weise behandeln, gab der Gewährsmann die Antwort; ״Gewiß! Alle ohne Ausnähme.“ Ein Kommentar zu diesem ״wohlgemeinten“ Machwerk ist wohl überflüssig. Die einzelnen Angabeii, auch wenn sic jemals überhaupt gemacht worden sind, tragen deutlich den Stempel freier Erfindung an sich. Dieselbe Feststellung haben wir■ auch bei anderen seinerzeit an dieser Stelle zur Veröffentlichung gelangten ähnlichen ״Berichten“ offiziöser russischer Organe machen können. Immerhin müssen wir auf dieses fortgesetzte Bemühen der russischen Judenfeinde und ihrer ״hohen“ Gönner, neue, unversiegbare Quellen des Hasses und der Verleumdung aufzufinden, aufmerksam machen. Brief aus Holland ( V o n unserem Korrespondenten.) Ende September 1915. Die Herbstfeiertage liegen nun schon fast hinter uns, und bevor ein hoffentlich arbeitsreicher Winter naht, erscheint es angebracht, auf die zionistisehe Sommertätigkeit hierzulande einen kurzen Rückblick zu werfen. Allzuviel gibt es da allerdings nicht z.u berichten. Immerhin darf inan sagen, daß auch während der Sommermonate, trotz natürlieber Einschränkung des Vereinslebens und trotz des Weltkriegs, das Interesse für unsere Bewegung hier kaum nachgelassen hat. Ein deutscher Gesinnungsgenosse, der einen Tag zuvor nach Holland gekommen war, konnte sich nicht genug darüber wundern, daß er am Scheveninger Strande beinahe auf jeder Bank eine Gnippe junger Jüdinnen in eifriger Diskussion über zionistische und andere jüdische Fragen angetroffen hatte. Nun, die einst so vielversprechende jüdische Kolonie in Antwerpen hat bei Kriegsausbruch eine beträchtliche Zahl ihrer Mitglieder nach Holland, insbesondere nach Scheveningen, abgegeben. Unter diesen ist der Sinn für jüdische Angelegenheiten recht lebendig, der Verein ״Haschnchar“ hat das Seinige dazu getan, auch unter dem weiblichen Geschlecht erfolgreich agitiert, und es war ein schöner Sabbathtag — konnte es mithin für Israels Töchter, die, sabbathlich geschmückt, am sonnigen Meere das überstandene Leid der Flüchtlinge rasch vergessen hatten, etwas Interessanteres geben, als zu «len Referaten und — Referenten der letzten Wochen Stellung z.u nehmen? Die zionistische .Studentenschaft der Niederlande hat während des Sommers einen gut besuchten und alles in allem recht befriedigend verlaufenen F e r i e n k 11 r s 11 s zu verzeichnen, dessen Programm hier schon wiedergegeben wurde. Eine Tagung, die aus fast allen Ortsgruppen des Landes beschickt wurde, war der ,,Landtag“ der holländischen Zionisten, der am 22. August abgehalten wurde. Eine solche, jährlich wiederkehrende Veranstaltung, empfiehlt sich auch für Gruppen verbände anderer Länder. Im vorigen Jahre fand der Landtag kurz vor Kriegsbeginn im Seebade Zandvoort statt; damals war Herr I>r. Alfred Klee aus Berlin der Hauptredner. Diesmal war eine Dampferfahrt auf der Maall von Rotterdam nach läordrecht arrangiert worden. Iri Dordrecht erstatteten die Mitglieder des Bundesvorstandes, die Herren N'eheinia de Eiern e und Professor Oriistein Referate. Erstcrer wies auf die beklagenswerte l'nbekanntheit in unseren eigenen Reihen mit den Problemen der P a 1 ä s t i 11 a a r b e i t hin und skizzierte vier Perioden Pakistinaarbeit, nämlich: 1) die philanthropische, 2) die philanthropisch-kolonisatorische, 3) die ökonomisch-kolonisatorische und 4) die nationalkolonisatorische. Redner untersuchte dann die charaktcristischcn Erscheinungen der genannten Epochen und lenkte vor allem an Hand praktischer Beispiele die Aufmerksamkeit auf eine Reihe grundlegender Fragen unserer kolonisatorisch e 11 T ä 1 i g - k e i t., über die noch weite Kreise unserer Organisation bisher nicht genügend informiert seien. Der zweite Referent beschäftigte sich mit den W irkung e 11 des K r i e g e s auf die z i o!1 i s t i s c h e

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