Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1915)
- Date
- 1915-09-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 300 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 37 U n g a r n Koloszvar; Dr. Faul Blau.-# 40,- Szatmar: I)r. V. Jordan (2. 11. 3. Rate) Kr. 10, JL 7,40 Südslawische Länder A g r a m: Dr. Alexander Licht, Leutnant der Res.Kr. 10,— Jl 7,40 Sammlung durch Herrn N. Landau: Mor. Montilja, Hugo Grünfeld Barmizwa, L. Papo, Jakob Kabiljo 7,50 ,, 5,36 Es sek: Erwin Kraus . . . Kostajniza: מ 18,50 ״ - -,25 Hinke 11. Im re Lederer ,, 14,80 ״ ,20 Sarajewo: Albert Ozmo . , זי 10,96 ״ 14,80 Holland T w e 111 e: Ortsgruppe . . . . fi. 10,80 Utrecht: ״ . . . זי -־-,5 N. B r a b a 11 t ״ . . . 22,50 Rotterdam ״ . . . זי 103,20 Rumänien Bukarest: fl. 141,50 .#.279,60 J. M. ürünberg . . . . Lei 40,- JL 31,60 Verschiedene Spenden: Vera London, Alfred Manneberg, Robert üuttmann, J. Brüll, Dr. Th. Weißeiberger, Paul Herrtnann, Kadett Paul Knöpfmacher, Aspirant Franz Neumann, Samuel Adler, Zugsführer J. Mann, aus dem Felde, Jakob Eckstein.Jl 37,26 Hebräisches Schulwerk De u t s chIa n d Berlin: Kartell Jüdischer Verbindungen für d. B. J. C. Dr. Hans Mühsam.־. R. -A. Dr. A. Cassirer. 'Ernst Wollstein, z. 2t. im Felde . . Breslau: Max Kober. Kriegsgerichtsrat Dr. H. .Badt, z. Zt. Kielee . F r e i b e r g i, Sa.: Dipl.-Ing. M. Mayersohn (2. Rate) Hamburg-Wandsbek: G. Bleiweiß . Hannover: Sallv Wolff. D. Bravmann. Henry Seligmann. S. Kleiner. H. Londner, A. B. Londner, J. Blodi, H. Faust, Ellen Meyer, M. Behnter, Dr. Becher... Homburg i. Hessen: Feldunterarzt Albert Weihl . . . . Illkirch: Achille Baumann. Königsberg: Landsturmmann Georg Berg (empfangener Sold) . Max Komi. Neu-Breisach: Frau Paul Greilsammcr. Stuttgart: Dr. A. Schlesinger . . . W c s t ö s t c r r e i c h: JL 680,70 -20 ״ “5 ״ —,5 ״ 50, 10, 16,- » D -,כ ,100 » 25,- 10,- יי 10- 15,— Innerösterreich Lau/en dor f: Jacob Freiwillig .... Kr. 20, JL 14,80 e n: Erster Zion. Frauenvereiu . ,100 ״ —.74 ״ Nathan Deutsch . . . . ,20 ״ 14,80 ״ Regine Maler . --.13 ״ 0,62 ״ M. Böhm. ,10 ״ 7,40 ״ Anton Loew. —,10 ״ .. 7,40 Rud. Pick. -,6 ״ 4.14 ״ Paula Arnold, 1. Zt. Klamm ,6 ״ 4,4-1 ״ Böhmen Tct sehen: Otto Schwarz . . Kr. 15, ־ JL. 11,10 Mähren-Schlesien: B i e 1 i t z: Frau Regine Huppert . Kr. 20, JL 14,80 Bruno Pollak. ״ .20 .. 14,80 O d e r h e r g: Ferdinand Komlos . . . . ״ 8,60 ״ 6,36 T e s c h e 11: Heinrich Altmami . . . . ״ -20 11,80 Wilhelm Förster. ״ •"י " 7,40 G a 1 i 1 i e!1: Biala: Jacob Elsiter . . . Kr. 10, - Jt, 7,40 U n g a r 11 Baja: San in Zwillinger . . . B u d a p e s t: Kr. 30, JL 22,20 Leopold ■Schlesinger . . . Kr. 20,- jt. 14,80 Fabian Armin. ״ -10 ״ 7,40 N y i r b ä tor: Armin Goldtnann . . . . ״ ,10 ״ 7,40 S z a t nt a r: Wilhelm Klein. ״ —,20 ״ 14 80 Dr. Alexander Jordan . . ״ .v׳1 ״ 7,40 Szombathely: Signt. Bauer. .. -.30 ״ 22 20 1 'e m e s v ä r: Wilhelm Neubauer , . . ,, 24,— ,, 17,76 S ü d s 1 a w i s e h e L ä 11 d 1■ r: S a r a j e \v 0: ßernardo L. Pinto . . . . Kr. 27, JL 20 — Albert Omzo. Rafael J. Löwy. Vincovci: Albert Braun . Holland: N, B r a b a n t: Ortsgruppe . O roningen: ״ . . T w e 111 <t: ״ . . 25,~ ,, 18,50 15,— 12,50 7,40 ״ ,10 il. L- 93,50 ״!» t fl. 95,50 JL 188,59 R u m iinien: Braila: ״Verein Israel“ . .Lei 400,- Je. 320,- Ploesti: Gabriel M. Papp .....50 ״,-- Verschiedene Spenden: Elisabeth Schlesinger, Alice Nothmann, Rente Brand, Etella Drimmer, Robert Guttmann, Samuel Wildmann, Josef Deutsch zum Geburtstag seiner Mutter, Ing. Theodor Deutsch, Dr, M. Salz, Salomo» Taskier, Rudolf Groß, Dr. Blühweiß, Viktor Gondar, Dr. Ign. Engel, Dr. L, Sipos, J. H. Montilja, Ludwig Fischl, Erwin Kohn, Bernet Tillemann JL. 58,25 Gesamtausweis dieser Nummer: Zentralfonds 1915 (einschl. Hebräisches Sdiulwerk) .IL 4 084,55 Bisheriger Gesamteingang für Zentralfonds 1915 (einschl. Hebräisches Schulwerk).706,57 62״ Berichtigung. Der in Nr. 28 der ״Jüdischen Rundschau“ mit 58 872,72 M. angegebene Gesamteingang vermindert sich auf Grund nachträglicher anderweitiger Bestimmungeii verschiedener Beiträge um 250,70 M. Wie es den Juden in Polen erging . . Kurz vor dem Abzug der Russen aus Warschau wurden von den russischen Behörden die jüdischen Tageblätter M 0 - ment, Ha int, Hazefira verboten. Alle drei begannen kurz nach der Besetzung Warschaus durch die deutsche Armee wieder zu erscheinen. Den Nummern der Hazefira vom 8. August ab ist unter anderen außerordentlich interessanten Tatsachen aus der letzten Zeit der russischen Herrschaft und aus der darauffolgenden ersten Uebergangszeit folgendes zu entnehmen: Die Kommission zur Linderung der Kriegsnot unter denJtjden Polens, die von der Warschauer jüdischen Gemeindeverwaltung eingesetzt worden ist, entsandte nach den von den Juden ״evakuierten“ Orten des Kriegsgebietes als Vertrauensmänner die Herren Rabbiner Dr. Poznanski, Farbstein, Dr. Klummel und Dr. R o s e n bl a 11, in jüdischen Kreisen und darüber hinaus wohlbekannte und angesehene Personlichkeiten. Sie besuchten mehrere Städte in der näheren und ferneren Umgebung von Warschau und stellten dort Ermittelungen über die Vorgänge in der letzten Zeit vor dem Rückzug der Russen und über die augenblickliche Lage der jüdischen Bevölkerung an. Ein authentischer Bericht über ihre Nachforschungen liegt vor. Ihre Erfahrungen waren in allen Orten die gleichen. Ein Beispiel sei wiedergegeben: Aus dem Städtchen P r u s c h k ow (Gouv. Warschau) wurden die Juden zwei Mal ausgewiesen. Das letzte Mal im März d. J. Ihre Abschiebung ging so schnell vor sich, daß die Vertriebenen nichts von ihrem Eigentum retten konnten und alles zurücklassen mußten. Noch vor dem Abzug der Russen begann eine schrankenlose Plünderung der jüdischen Häuser und Geschäfte, an der sich Russen und Polen mit gleichem Eifer beteiligten. Einige jüdische Geschäftsinhaber, deren Warenlager von der Plünderung verschont blieben, übergaben diese vielfach ihren Christliehen Nachbarn zur Aufbewahrung, oder sie schlossen kurzer Hand ihre Läden und flüchteten. Wertgegenstände wurden häufig in den Kellern vergrabe«. In gleicher Weise überließen die vertriebenen jüdischen Hausbesitzer ihre Häuser ihren polnischen Nachbarn und Bekannten, damit sie von den Letzteren bis zu ihrer Rückkehr instand gehalten und verwaltet würden. Die ganz unbewacht zurückgelassenen Läden wurden von der polnischen Bevölkerung völlig a u s - geraubt. Diejenigen Geschäfte aber, deren Bewachung den polnischen .Nachbarn" anvertraut wurde, sind von diesen ״Vertrauensmännern“ ohne weiteres mitsamt dem ganzen Warenbestand in Besitz genomtnen, eröffnet und weitergeführt worden. Die neuen ״Inhaber* haben inzwischen den ursprünglichen Warenbestand vielfach erneuert und sind bis heute im Besitz der Geschäfte geblieben. Auch von den Häusern der vertriebenen Juden haben die polnischen ״Nachbarn“ Besitz genommen und sich in ihnen ״häuslich־ niedergelassen Viele Häuser würden auch zerstört und ausgeplündert. Einige ehrenhafte polnische Bürger, Anhänger radikaler und sozialistischer Parteien, machten darüber selbst verbürgte Angaben. Sie berichteten auch, daß die polnischen Einwohner nach Abzug der Russen die Synagogen stürmten, das gesamte Mobiliar plünderten, und auch den ganzen Boden nach etwa verborgenen Schätzen durchwühlten. Besonders der jüdische Friedhof der Stadt ist zum Gegenstand unerhörter Orgien gemacht worden. Die Mauern wurden niedergerissen, die Grabmäier aus dem Boden gehoben und heillos zerschlagen, und die Trümmer nach allen Richtungen zerstreut. Auch die Gräber selbst wurden in unerhörter Weise geschändet. Eine in der Stadt verbliebene jüdische Frau, Lea Kamerfuß, war Augenzeugin dieser Zerstörungswut. Auf die von ihr an die Plünderer und Wüteriche, behäbige polnische Bürger, gerichtete Frage, ob sie angesichts der Ausräubung und Vernichtung des mühevoll erworbenen Eigentums ihrer Bekannten und Freunde gar keine Gewissensskrupel hätten, bekam sie zur Antwort: Die Juden werden ja so wie so nicht mehr zurückkehren, sie werden wohl nach Sibirien abgeschoben werden und dort bleiben.“ Diese Polen wohnen noch heute in den jüdischen Häusern und verfügen unbeschränkt über alles zurückgebliebene jüdische Eigentum. Die Portiers und Wächter jüdischer Häuser, denen viele Wertgegenstände zur Aufbewahrung anvertraut wurden, machten alles zu Geld und ließen sich selbst mit ihren Familien in den Häusern nieder. S!e sind reiche Leute geworden. Als die Deutschen in Warschau einzogen, bemächtigte sich dieses Raubgesindels eine große Angst, da Gerüchte umliefen, daß die Juden nunmehr zurückkehren und mit Hilfe der Deutschen ihre Häuser und Geschäfte wieder in Besitz nehmen würden. Es entstand eine große Verwirrung und Bestürzung unter der polnischen Einwohnerschaft, und man begann, alles ן zu verstecken und beiseite zu schaffen. Aber da kamen i nach P. Abgesandte gewisser Warschauer polnischer Kreise, Leute, die in der jüngsten Geschichte Polens eine sehr traurige Rolle gespielt haben, und gaben den Räubern neuen Mut, indem sie versicherten, daß die Russen sich nur scheinbar und absichtlich vorübergehend zurückgezogen hätten, um die Deutschen zu umgehen und sie völlig zu vernichten. Dann werde auch niemand von den Juden am Leben bleiben Aus Warschau zurückkehrende jüdische Flächtlinge wurden von den polnischen Einwohnern mit den Worten empfangen: ״Ihr kommt zu früh, es wird bald keine Spur von Euch mehr übrig bleiben!“ Der Pöbel schenkt natürlich diesen Ausstreuungen vollen Glauben und glaubt bestimmt, daß die Russen bald zurückkehren und sämtliche Juden aufknüpfen werden. Man verhöhnt die zurückkehrenden Juden, die ihr zurückgelassenes Eigentum und ihre Häuser zurückverlangen. Ernst (Elia) Goitein Groß ist die Zahl der Tüchtigen, die der Tod in diesem Jahre von uns nimmt. Und das Schicksal des Einzelnen scheint klein und unwichtig in einer Zeit, die über das Schicksal von Völkern zu Gericht sitzt. Aber dennoch muß ich eines der Tüchtigsten hier gedenken, der im Kampf fiel, unseres Ernst (Elia) Goitein. Ich kannte ihn persönlich fast gar nicht, als er im Januar 1014 nach Palästina kam, um mit mir zusammen für unsere Sache zu arbeiten. Erst in den sechs Monaten seines Hierseins wurde er mir ein lieber Freund. Sein gerades, offenes Wesen, seine ernste und hohe Auffassung von unserer Arbeit, seine Herzensgute und Hilfsbereit- Schaft und sein klarer Blick mußten jeden für ihn gewinnen. Allen, die ihn kannten, wird er fehlen, am meisten aber unserer Sache. Wir haben wenig Männer, von denen wir soviel erwarten konnten, wie von ihm. Ich erinnere mich unseres Abschiedes. Es war an einem Juliabend auf dem Dache meines Hauses. Eine Reihe von Bekannten hatte sich versammelt, um mit Goitein vor seiner Abreise noch einmal zusammen zu sein. Der klare Sternenbimmel über uns und die laue Luft hielten uns bis spät in die Nacht in angeregtem Geplauder zusammen. Wir ahnten damals noch nichts vom Kriege. Es schien ein fröhliches Abschiednehmen vor einer kurzen Reise. Niemand dachte daran, daß Goitein bei seiner Ankunft in Deutschland gerade in den Kriegsbeginn hineinkommen, und daß wir ihn niemals Wiedersehen würden. Das Schicksal hat es anders gewollt. Mir wird dieser prächtige, aufrechte und wahre Mensch immer unvergeßlich bleiben. Jaffa, den 10. Juli 1915. Dr. Arthur R u pp i n.