Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1915)
- Date
- 1915-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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t Nr. 37 An unsere Freunde und Leser! Am Beginn des neuen Jahres können wir rückblickend mit Genugtuung feststellen, daß sich der Kreis unserer Freunde und unsererLeser in den vergangenen Kriegsnionaten ganz erheblich vergrößert hat. Es ist uns eine Genugtuung: fühlen wir doch in dieser Tatsache die Bestätigung, daß die in der ״Jüdischen Rundschau“ vertretenen Anschauungen in immer weitere Kreise dringen ־und daß unsere Freunde auch für ihren Teil dazu beitragen, init Hilfe der ״Jüdischen Rundschau“ zu werben und zu arbeiten. Auch in O e s t e r r e i c h - IJ n g a r n und in der Türkei ist die Zahl unserer Abonnenten und Leser erfreulich gestiegen. Wir haben uns gerade in dieser Zeit bemüht, mit gesteigerter Intensität publizistisch für unser jüdisches Ideal zu wirken; wir freuen uns des Erfolges unserer Arbeit, wie er sich im Wachsen unserer Abonncntenzahl ausdrückt. Aber die Unterstützung unserer Freunde kann und soll noch kräftiger werden, damit die ״Jüdische Rundschau“, das Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, noch besser als bisher ihren Aufgaben nachkommen kann. Eine gesteigerte Werbetätigkeit unserer Freunde für die ״Jüdische Rundschau“ tut not. Wir bitten darum alle, die die Bedeutung der , J ü d i s c h e 11 R u 11 d s c 11 a u“ als unseres zionistischen Organs zu würdigen wissen, tatkräftig für ihre Verbreitung einzutreten. Daß wir infolge der erhöhten Druckpreisc den Abonnenientspreis für das Einzelabonnement auf M. 1,75 vierteljährlich haben erhöhen müssen, werden unsere Abonnenten mit Rücksicht auf die Verhältnisse, unter denen wir arbeiten, verstehen. Redaktion und Verlag der ״Jüdischen Rundschau“ Isaac Jacob Reines Eine erschütternde Nachricht: Rabbiner Isaac Jacob R e i 11 e s in L i d a ist gestorben, der Gründer der Fraktion Misrachi, der große Talmudist und Gründer der berühmten Jeschiwa in Li da. Mit ihm verliert die zionistische Bewegung wieder eine ihrer hervorragendsten Persönlichkeiten, die orthodoxe Fraktion im Zionismus den Mann, dessen hingebungsvolle Mitarbeit im zionistischen Lager das gesetzestreue Judentum des Ostens dem zionistischen Ideal zu gewinnen verstand. Die jüdische Orthodoxie Rußiands aber verliert in Isaac Jacob Reines einen ihrer bedeutendsten Führer, dessen überragende Autorität und dessen organisatorische Fälligkeiten auch von Gegnern stets anerkannt wurden. Isaac Jacob Reines war 1839 in Karlin (Gouvernement Minsk) geboren. 1111 Jahre 1869 wurde er Rabbiner in Swenziany im Gouvernement Wilna, 1885 Rabbiner in Lida (Gouv. Wilna). In weiten Kreisen bekannt wurde Rabbiner Reines, als er im Jahre 1S82 dem Kongreß der russisch-jüdischen Gemeinden in Petersburg einen ausgearbeiteten Plan über die Reorganisation des Jeschiwaweseris vorlegte, wonach die Jeschiwa den Forderungen der modernen Pädagogik angepaßt werden sollte. Dieser Reformplan drang nicht durch. Reines eröffnete dann aber selbst eine Musterjcschiwa in Swenziany, in der auch weltliches Wissen neben dem rabbinischen gelehrt wurde. An diese Gründling knüpften sich große Kämpfe, in deren Verlauf die Jeschiwa geschlossen wurde. Im Jahre 1905 aber konnte Rabbiner Reines seine Jeschiwa wieder eröffnen, und zwar in Lid a. Rabbiner Reines war schon der Chowewezionistischen Bewegung sympathisch gegenübergestanden und mit Mo hi lewer und Pinsk e r in lebhafter Korrespondenz gewesen. Auf Herzls Ruf aber schloß er sich ganz der zionistischen Bewegung an. Seine Arbeit im orthodoxeu Judentum für den zionistischen Gedanken, die zur Gründung des Misrachi führte, bedarf einer besonderen Würdigung. Den westjüdischen Zionisten war Rabbiner Reines von den zionistischen Kongressen her bekannt, wo seine JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 299 ehrwürdige Gestalt mit dem klugen, gütigen Antlitz immer wieder auf der Tribüne auffiel. Oft nahm er in wichtigen Debatten das Wort, um den Standpunkt des Misrachi zu vertreten — des öfteren zur ״Kulturfrage“ —, stets fand seine Rede, wo nicht Zustimmung, so doch vollste Achtung. Wie er dem gesetzeskundigen Ostjuden als einer der hervorragendsten Gaonim erscheint, der eine besondere Auffassung des Religionsgesetzcs vertreten und gelehrt hat, so war er für die gesanite zionistische Bewegung eint schöpferische Persönlichkeit von unschätzbarem Ansehen und nie versagender zionistischer Hingabe. Jetzt vor einem Jahr kam Rabbiner Reines mit einigen anderen russisch-jüdischen Rabbinern durch Berlin. Es war sein letztes Zusammentreffen mit der zionistischen Leitung. Drei Tage vor Rosch Haschanali fuhr er nach Schweden, 11m nach Rußland zu kommen und seine Jeschiwa in schwerer Zeit nicht zu verlassen.... An die zionistischen ״ Frauen “ Von einer hervorragenden Mitarfieiterm unserer Bewegung erhalten wir die nachstehenden Mahnworte an die zionistischen Frauen. Zionistische Mädchen und Frauen, die sich zur Arbeit zur Verfügung stellen, wenden sich am besten an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Rosch Haschanah! Zum zweiten Male der Beginn eines neuen Jahres während des furchtbaren Völkerringens! Wir blicken zurück auf die schweren Monate und gedenken der 7.ahllosen Opfer, die dahingesunken sind, und wir wissen, daß noch weitere schw ere Monate uns bevorstehen, ja daß vielleicht die kommenden uns noch die härtesten Prüfungen auferlegen können. Und je länger der Krieg dauert, um so zahlreicher und wichtiger werden die Aufgaben der Daheimgebl i ebenen. Zu ihnen gehören in erster Reihe die Frauen. Groß sind die Anforderungen, die an unsere seelische Widerstandsfähigkeit gestellt werden. Verluste, Schmerzen, Warten, Sehnsucht, Ausharren, die großen und die kleinen Opfer, sie zehren unvermeidlich an diesem Kraftkapital. Dennoch darf unsere Kraft nicht erlahmen; die soziale Fürsorge, die Hilfstätigkeit für die Unglücklichen und Verlassenen, die Witwen und Waisen liegt zum großen Teil den Frauenorganisationen ob, die der Krieg neu geschaffen oder ausgestaltet hat. ln allen öffentlichen Organen, Zeitungen und Zeitschritten wird mit Befriedigung festgestellt, wie ernst die Frauen ihre Pflicht erfüllen, wie sie bereitwillig ihre Arbeitskraft in den Dienst der Allgemeinheit gestellt und Wertvolles geleistet haben, so Wertvolles, daß die maßgebenden Stellen ihnen die neueroberten Arbeitsgebiete wohl auch nach dem 'Kriege zu fnicht- und segenbringender Ausgestaltung werden überlassen müssen. So hoffen wenigstens die Vertreterinnen der deutschen Frauenbewegung. Sie erhoffen erst die Erlangung von Rechten, die unsere zionistische Bewegung ihren weiblichen Mitgliedern bereits auf dem ersten Kongresse im Jahre 1897 eingeräumt hat. Diese uns eingeräuniten Rechte aber legen uns auch besondere Pflichten auf. Und an diese Pflichten zu erinnern ist unser Neujahrsfest gerade jetzt in dieser schweren Zeit berufen. Wir Zionistinnen tragen das allgemeine schwere Los der Frau und schulden außerdem unserer Bewegung, der wir mit unserem ganzen Denken und Fühlen gehören, unsere völlige Hingabe. Sie zu betätigen ist die jetzige Zeit besonders geeignet. Denn die Bewegung braucht die tätige Mithilfe der Frau in allen Ortsgruppen jetzt nötiger denn je. Die Vertrauensmänner stehen zum großen Teil im Felde. Die Arbeit aber darf nicht im Rückstand bleiben, die Ortsgruppen müssen zusammengehalten, die Schekel gesammelt und abgeführt werden. Die Nationalfonds- Sammlungen müssen eifriger denn je betrieben werden, hoffen wir doch auch für Palästina einen neuen Aufschwung nach diesem Kriege, der dem Lande so tiefe Wunden geschlagen hat. Darum müssen die zionistischen Frauen in die Bresche treten! Wahren wir unsere heiligen Rechte! Wir müssen den Beweis erbringen, daß sie nicht nur auf dem Papier stehen und in Kongreß- Protokollen und Statuten vermodern, sondern wir wollen sie üben und brauchen. Wir wollen, da wir die Gleichberechtigung besitzen, unsere Gleich- Wertigkeit erweisen. Wir wollen nicht lau und stumpf werden, wir wollen jede von uns an ihrem Teile mitarbeiten, so gut wir irgend können. Und ist unser Anteil auch bescheiden, so sei er doch freudig dargebracht und in Treue zu unserm Volke. H. ZI, Zentralfonds 1915 Ausweis der im Juli und August ein gegangenen Beiträge, Deutschland Berl 1 n: Isaak Boschwitz u. Frau . . . . . Ji -״,50 Offizierstellvertrcter Emamiel Roer 10,- B e 111!1 e n: N. N. 20,- Breslau: AL Koppenheim. 50,— Leo Grünthal. 30,- Feklarzt Dr. Bluiriciithal . . . 30,- Max Kober . 30,- Dr. Vf(. Steinitz. 20,— Kriegsgerichtsrat Dr. H. Badt , . 20,- Apotheker Jakubowski .... 20,— Dr. Josef Schlesinger. 20,— Emil Bartenstein. 10,- Halberstadt: Jacob Hoffmann, New York . . 20,- Isidor Neuberger . 6- Hermann Rosentlial . 5,- Martin Zitnmt . . . '•. 3,— Alice Joseph. 4,— Hamburg: Misrachi. 52,95 Lübeck: R.-A. Dr. Martin Meyer .... 50,- Dr. Julius Joel. 20,- Dr. L, Landau. 10,- Merzhausen: Lehrer Schiratzki 5,— München: Jacob Reich .... 150,- Posen: Moritz Krause : . . . . 60,- Schönlanke: Lydia Jacobsohn ) 5,— Straß bürg: Abraham Löw, im Felde . T a r n t> \v i ז /: Dr. Stahl, z. Zt. im Felde Im Felde ohne nähere Heimatadr ess e: U.-ü, Pinczower. Wes tösterreich Innerösterreiclx Laa a. d. Th.: Ing. Heinr. Baumgartcn . . Kr. 10.80 A 8,- Wien: Arthur Dubsky. ״ -,30 22,20 Ludwig Bato. ״ -20 14,80 J. Oewitsch (1. Rate) . . ״ -15 11,10 Alexander Marmorstein . . ״ “,10 7,40 Dr. L.eo Blum. ״ -,10 7,40 Benno Maier. ״ ״,10 7,40 Ing. M. Bachrach, im Felde ״ 7,80 5,77 Emst Hitschmann . . . . ״ -,6 4,44 Böhmen T e p 1 i t z - S c 11 ö n a u: Dr, Arthur Scheuer . . . Kr. 100,— Ji 74, Ludwig Steiner (Selbstbe- Steuerung für die Monate März-August). ״ --60 44,40 Ernst Bechert (Selbstbesteuerung für die »Monate Jannar-Juni) . ״ - 60 44,40 Frau E. Perutz.״ Mähren-Schlesien: ״ -,50 37- B i e 1 i t z: Dr. Aschcrmann, Chefarzt . Kr. 20 — A 14,80 Gaya: »Max Sieheiiscliein . . ״ -20 14,80 Prera u: Dr. O. C/ec/.owiczka . ״ -30 22/20 P r o ß n i t z: k. 11. k. Leutnant Leo Beer ״ — ,40 29,59 M. Hammel ״ 20.40 15,10 U n g. H r a d i sch: Karl Schindler. ״ -,25 18,50 Dr. M. Jellinek. ״ -,20 14,80 Dr. lgn. Schwarzkopf . . n ״ ״ ,20 14,80 Bukowina: Czernowitz: Maier Fisch . Kr. 20,— M 14,80 R a d a u t z: A. W.. )3 ״ -,10 7,40 Galizien: Chrzanow: Dr. S. Cyfer. Kr. 100- Ji 74,.- Fanny Cyfer. ״ -,6 4.44 K r a k a u: Dr. S. Feldblum .... ״ -,10 7,40 C11. F. Lcistner. ״ -,10 7,40 Dr. L Zimmermann . . . ״ -,10 7,40 Dr. S. Wahrhaftig ... ״ -,10 7.40 Lazar Margulies. 10.- .. 7.40 Oberarzt Dr. H. Hilfstein, im Felde . ״ -״,10 7,40 P. u. A. Nußbatun . . . ״ -,10 7,40 Max fntrater. ״ -,10 7,40 Dr. J. Krengel. ״ —,8 5,92 |. Monderer. 6.- 4.44 Jacob Bodek, Dr. S. Lichtig, Walkowski Sehe wach . . 14- 10.36 Neu-Sandez: Dr. Leon Silbermaim . . . ״ -150 -־־, ui Gerson Weinberger . . ״ -,60 44,40 Alter Neumatin. ״ -20 14.80 Moses Nußbaum . . . . ״ -,'10 7 40 Sender Nattcl. ״ -10 7 •10 O s w i e c 1 in: Dr. Moritz Goldberg . . . ״ -,50 37- S. Josef Koschitzki, ״seibslauferlegte Buße“ . . . W a d 0 w i e e: מ ״ —,20 14,80 Dr. A. Felix־, Leutnant . . ״ -,100 74, -