Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1915)
- Date
- 1915-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 283 &***%£$ Blechwände, die in den meisten Bojaren aufgerichtet wurden, um die kleinen flügellosen Heuschrecken abzuhalten. •|g . schinski, vom 18. Schiitzenregiment der 8. Kornpagnie.“ ״Letzterer hat sich, wie die Gefangenen bericliten, ganz besonders frech betragen und hat offen erklärt: ״Ich verkaufe ganz Rußland für eine Kopeke!“ Derartige ״Berichte“ werden unter der russischen Bevölkerung verbreitet. Man denke daran, daß die nahezu zwei Millionen betragende Zahl der russischen Gefangenen in Deutschland und Oesterreich-Ungarn Millionen von Verwandten und Angehörigen in ihrer Heimat hat, die für solche gehässigen Ausstreuungen ganz besonders empfänglich sind. Die vielen trüben Quellen, aus denen der russische Judenhaß bisher seine Nahrung schöpfte, sind um eine vermehrt worden, die unversiegbar ist. Die giftige Aussaat wird reiche Frucht tragen. Vom Jüdischen Nationalfonds Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfondsim Haag teilt mit: Die Spendeneingänge des Nationalfonds im Juli d. J. erreichten die Höhe von 41 070 M. Diese Summe verteilt sich auf verschiedene Länder wie folgt: Südafrika 11 923 M., Nordamerika 10111 M., Oesterreich 10062 M., Deutschland 4340 M., Rumänien 1709 M., Bulgarien 719 M., Alt-Griechenland 643 M., Holland 497 M., Rußland 481 M., Portugal 224 M., Dänemark 196 M., Frankreich inkl. Tunis 135 M. Aus Palästina eingetroffene Nachrichten geben erfreulicherweise davon Kenntnis, daß die G e - t r e i d e e r n t e in den Natio nalfondsbetrieben, vor allem in den Genossenschaften Merch a w j a h und D a g a n i a h , sehr befriedigend war, und was die Hauptsache ist, noch rechtzeitig genug geborgen werden konnte, bevor die Heuschreckenplage Galiläa erreichte und Schaden anzurichten vermochte. Bekanntlich sind Pflanzungsbetriebe und Gemüsegärten von den Heuschrecken schwer heimgesucht. Da die N. F.-Farmen und jüdischen Kolonien auch in diesem Jahre wieder über genügend Getreidevorräte verfügen, so darf man annehmen, daß in absehbarer Zeit kein Brotmangel in Palästina herrschen wird. Das Hauptbureau des J. N. F. hat seit Ausbruch des Krieges eine Informations-Abteilung errichtet, deren Tätigkeit schon viel Gutes bewirkt hat; etwa 400 russisch-jüdische Studenten, die sich bei Kriegsbeginn in Lüttich befanden und znm großen Teil interniert wurden, wurden durch die Bemühungen dieser Informationsstelle mit ihren Angehörigen in Kommunikation gebracht und erhielten Mittel für einen auskömmlichen Lebensunterhalt. Aehnlich wurde die Korrespondenz zwischen zahlreichen jüdischen Familien jn Rußland und ihren Verwandten in Deutschland bzw. in dem besetzten Russisch-Polen, oder beispielsweise zwischen in England ansässigen Juden und ihren Angehörigen am Kontinent vermittelt. Als der größte Teil Galiziens von den russischen Truppen besetzt war, hat das Hauptbureau die Verbindung zwischen den Juden in dem okkupierten Galizien und ihren Verwandten in Oesterreich hergestellt. So gingen im letzten Halbjahre allein beim Hauptbureau über 1500 Anfragen ein und etwa 2000 Informationen wurden erteilt oder vermittelt. Glückwunsch-Ablösungen Der Aufruf, den tvir vor einiger Zeit an unsere Gesinnungsgenossen richteten, die diesjährige Rosch-Haschanah-Glüekwunsch-Ablösung der Notstands - Aktion für Palästina zuzuführen, hat bereits verschiedentlich eine erfreuliche Beachtung gefunden. Die bisher bei uns eingegangenen Spenden setzen sich im Gegensatz zu früheren Jahren überwiegend aus 1 ziemlich ansehnlichen Einzelbeträgen zusammen, ein Beweis, wie sehr die Spender von der Bedentung unserer Aktion für Palästina durchdrungen sind. Wir hoffen zuversichtlich, daß die bisherigen erfreulichen Resultate allen unseren Gesinnungsgenossen, die noch nicht der Ablösung gedacht haben, ein neuer Ansporn sein werden, unser schwer bedrohtes Kolonisationswerk nach Kräften zu unterstützen. Wir machen ferner nochmals darauf aufmerksam, daß uns sehr daran gelegen ist, recht viele Adressen zu erhalten, an die w׳ir uns wegen der Neujahrs-Ablösung wenden können, und bitten unsere Freunde, uns hierbei nach Kräften zu unterstützen. Wir wiederholen, daß der erste Ausweis der Ablösungs-Spenden in Nr. 37 der Jüdischen Rundschau erfolgt. Falls unsere Freunde die Zusendung an bestimmte Adressen wünschen, sind wir gern bereit, gegen Einsendung von 10 Pfg. die Zustellung zu übernehmen. Die Spenden müssen, um in die Neujahrs-Nummer noch aufgenommen zu werden, bis spätestens Donnerstag, den 2. September bei unserem Schatzmeister, Herrn Max Wollsteiner, Charlottenburg, Roscherstr. 5, Postscheekkonto Berlin 3847, eingeheri. Wir bitten nochmals, unsere Aktion durch größere Spenden und Propaganda in weitesten Kreisen zu unterstützen. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Oesterreich. Der Prager Zionismus verliert in Ignatz Karpe les, der bis zu seinem Ableben im Ausschuß des Jüdischen Volksvereins ״Zion“ als Mitglied wirkte, einen eifrigen Anhänger. Herr Karpeles ist der zionistischen Sache von den Anfängen der zionistischen Bewegung in Prag an bis zu seinem Tode treu geblieben. Auf den Distriktstagen der Zionisten Böhmens ist er wiederholt zum Revisor des Distriktskomitees gewählt worden. Amerika. Der Verein der österreichisch-ungarischen Zionisten in New York feierte dieser Tage sein zehnjähriges Jubiläum. Es sprachen viele bekannte zionistische Persönlichkeiten Amerikas und auch Gäste aus Galizien. AUS ALLER WELT Aus Deutschland. Wie־ die ״J ii d i s e 111• P ros e“ niitteilt, ist es bei der Unterbringung jüdischer Arbeiter aus den besetzten Teilen Russisch - Polens nach Uebcrwindimg vieler Schwierigkeiten gelungen, ju T a n g e r m ii 11 d e 220 Arbeiten! in der Zuckerintlustrie Beschäftigung zu verschaffen. Die Arbeiter sind nach getrödener kontraktlicher Vereinbarung am Sabbat und den jüdischen Feiertagen von der Arbeit dispe nsiert. Aus Palästina. Wie das französische Marincmiiüsteriiim mitteilt, hat ein tran/ösiseher Kreuzer am 12. August nach vorheriger Anzeige an de 11 Kainiakain und einer genügend langen Frist zur Räumung der benachbarten Häuser das Hauptgebäude der Werkstätten der delitsehen Firma Wagner in Jaffa durch einige Schüsse zerstört. Die Nachbarhäuser haben nicht gelitten. Aus Oesterreich. Bekanntlich besteht seit Januar d. J. für die in Prag weilenden gaii/.iseheu Kriegsfliichtlinge eine vom (.’iyninasialprot'essor (ig. Herrn Ilr. Alfred E n g e 1 begründete Nots e h u 1 e, bestehend aus Damen- und Herrcii-Fortbildiingskiirseii und einigen Volksschul- Massen für die schulpflichtige jüdische Jugend. Aus Anlaß der baldigen Heimkehr eines beträchtlichen Teiles der Schüler und Schülerinnen und des nahen Schuijahrschlusses versammelten sich Sonnabend, den 7. August sämtliche Scliulabteilungen i!1 den eigenen Lehrräumcn am Bergstein, lim sowohl Herrn Prof. Dr. E 11 g e 1 für seine rastlose Mühe und den von ihm persönlich erteilten inhaltsreichen Unterricht, als auch dem gesamten Lehrkörper, welcher den jungen Mannern und Mädchen während der fast »! jährigen Schulzeit bereitwillig und uneigennützig ihre geistige Fürsorge angedeihen ließen, ihre Dankbarkeit auszudrücken. Namens der Herren-Fortbildungsabteilung sprach ein Schüler, der außerdem auch aller Herren, die sich durch ihre jeder! Samstag abgehaltenen wissenschaftlichen Vorträge an dem großen und edlen Werke beteiligten, dankend gedachte. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit, die alle Schüler und Schülerinnen besonders ihrem allseitsverehrten Leiter üer Notschule, Herrn Prof. Dt. Engel, schulden, haben sie seinen Namen in das Goldene Buch des J. N. F. eintragen lassen und damit auch ihre nationalen Gefühle bekundet. Eine Schülerin der Mädchen-Fortbildungsklasse überreichte hierauf Herrn Prof. Dr. Engel mit einer kurzen Ansprache das Gedcnkblatt. Namens der Volksschule übergaben ein kleines Mädchen und ein Knabe einen Blumenstrauß. Herr Prof. Dr. E n g e 1 dankte für diese Ehrung, die auch allen beteiligten Lehrkräften gelte, und erklärte, daß ihm die Leitung der Schule, der er gerne viel Zeit und Mühe geopfert habe, nur Freude und innere Zufriedenheit bereite, denn er sei sich dessen bewußt, nationale Erziehungsarbeit geleistet zu haben, und ersuchte die Schüler, auch nach ihrer Heimkehr in nationalem Sinne nach den Anregungen dieser Schule an sich weiter zu arbeiten. Mit der Absingung der ״Hatikwah“ schloß die schlichte Abschiedsfeier. Die Schüler und Schülerinnen derselben Flüchtlingsschule haben am 4. Juli anläßlich des Todestages Herzls eine Herzlieier aus eigener Initiative im Hotel Central veranstaltet, welche Herr Lehrer Hirschberg mit einer hebräischen Ansprache einleitete. Die Festrede hielt Herr Dr. Max Brod. Es folgten dann von Schülerinnen vorgetragene hebraische Gedichte und Lieder, mit der ״Hatikwali“ fand die würdige Feier ihren Abschluß. Abgefres«ene Mandelplaniaiion. (Die Früchte sind an den ßäumen geblieben.) Mästest*