Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1915)
- Date
- 1915-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 J U E DI S C H E R U N I) S C H A ü Seite 281 Blechwände zwischen zwei Orangerien. Die Wände sind ca. 80 cm hoch, so da$ die jungen Heuschrecken über diese nicht hinweg können. i;,.. .. f/r've fglftg Palästina-Brief von solchen Leuten beeinflussen lassen, die das amt• rikanische Judentum nicht repräsentieren. Nicht eine einzelne Körperschaft, nicht eine einzelne ()r<4anisati01t kann jetzt im Namen der ganzen amerikanischen Judenheit sprechen. Es werden jetzt Versuche gemacht, um eine die ganze amerikanische Judenheit repriisentierende Gemeinschaft /usammen/ubniigen. Wenn irgend ein amerikanischer Jude nach Luropa geht, tun dort die Gefühle der Juden seines Landes zum Ausdruck zu bringen, so erkennen wir einem solchen Manne nicht die Vollmacht zu, in unserem Namen zu sprechen. Er vertritt nur eine kleine Minderheit der amerikanischen Juden, diese aber vertritt niemand als sich selbst. Die Bemühungen, einen amerikanisch-jüdischen KongrelS ein/uberufen - und die jüdischen Zeitungen Europas sind sehr schlecht über den Unterschied zwisehen der geplanten Konferenz, des undemokratischen amerikanisch-jüdischen Komitees und dem vorgcschlageiien Kongreif informiert sind darauf gerichtet, eine Organisation zu schaffen, die ans allen Elemeiiten des amerikanischen Judentums zusammengesetzt sein und auf diese Weise den Wünschen und Meiiiungen der (iesaintjudenheit dieses Landes Ausdruck geben soll. So ist die Situation, und wir müssen die curopaisehen Juden ernstlich warnen, irgend jemandem Aufmerksamkeit zu schenken, der behauptet, im Namen amerikanischer Juden zu kommen. Niemand vertritt uns bis jetzt; diese Vertretung wird erst geschaffen. Es gibt viele jüdische Zentralorganisationen in diesem Lande, von denen jede das Sprachrohr eines besonderen Teiles der amerikanischen Juden ist. Alle diese zusammen und andere, die zur Mitarbeit aufgefordert werden, können erst die zentrale Körperschaft bilden, mit der die Führer des europäischen Judentums verhandeln dürfen. Es muß ferner daran erinnert werden, dali die Führer der Minderheit, die sich die Führerschaft jetzt anmalfen, nicht nur nicht für das sprechen, was die ungeheure Mehrheit der hiesigen Juden wünscht und hofft, sondern, was noch von größerer Bedeutung ist, daß sie überhaupt nicht einmal das Problem verstehen; sie betrachten cs nur von ihrem Parteistandpuukt aus. Die Zukunft des jüdischen Volkes ist zu kostbar, um irgend welches Hineinpfuschen, weder in die Diskussion noch in die Lösung der Judenfrage, zu gestatten. Es ist nicht unsere Sache, die Bemühungen irgend einer jüdischen Körperschaft ausdrücklich zu mißbilligen, aber andererseits können wir nicht einer Gruppe erlauben, für alle zu sprechen, wenn nicht jene Körperschaft ein besonderes Mandat für diesen Zweck hat, und, was von besonderer Bedeutung ist, völlig vertraut mit den Bedürfnissen und Forderungen derjenigen ist, denen geholfen werden soll. Wir raten daher unseren europäischen Brüdern ernstlich, zu warten, bis die vertretungsberechtigte zentrale amerikanisch-jüdische Organisation ins Leben gerufen ist. Das wird nicht mehr lange dauern. Erst diese Organisation wird imstande sein, 1ms zu sagen, was erforderlich ist, und ihr werden wir die Dienste leisten können, die man von uns erwartet. Jaffa, den 17. Juni 1015. Obwohl die H c u s c 11 r e c k e 11 sich noch immer in Palästina aufhaltcu und möglicherweise noch weitere Schäden an l ichten können, fühle ich mich doch veranlaßt, Ihnen einen ungefähren Uebcrhlick über die bisherigen Schilden, die die Heuschrecken in den jüdischen Kolonien im Lande angerichtet haben, zu geben. Das Getreide hat durch die Heuschrecken nur wenig gelitten. Nur in wenigen Fällen, wo es spät gesät war und es die geflügelten Heuschrecken bei ihrer ersten Invasion im März d. J. noch grün vorfanden, haben die Heuschrecken einigen Schaden anrichten können. Der Oesamtverlust durch Vcrnichtung oder Beschädigung■ der G etreideernte seitens der Heuschrecken dürfte für alle jüdischen Kolonien höchstens 50 000 Fres, betragen. Sehr stark hat das V i e 11 f u t t e r (Klee, Luzerue, Futterrüben und Futterkürhisse) und das Geni ii s c (Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Kartoffeln usw.) durch die Heuschrecken gelitten. In vielen Kolonien ist vom Gemüse überhaupt nichts übrig geblieben. Der Gesamtsdiaden dürfte auf ca. 150 000 Frcs. zu veranschlagen sein. In den Orangerien sind überall die Blätter lind die Rinde der jungen Zweige vollständig abgefressen, so daß die Ernte des laufenden Jahres ga 11z vernichtet ist, und auch die Ernte des nächsten Jahres voraussichtlich nur sehr klein sein wird. Vcrschont geblieben sind bis zum heutigen Tage nur: 1700 Dunani Orangerien (von den gesamten (1000 Dtmam) in P e t a c h - T i k \v a h sowie einige Gärten bei Jaffa (die Montefiorebojare bei Sarona, die Orangerie Mikvveh Israel usw.), wie überhaupt bisher der ganze arabische Orangengürtel in einer Ausdehiumg von mehreren Kilometern rings um Jaffa gänzlich verschont geblieben ist. Angeblich deshalb, weil die Heuschrecken die Nähe des Meeres nicht vertragen. Da der Ertrag der Orangerien, die in jüdischen Händen sind, ohne den Heuschreckenschaden im Jahre 1015 ca. 700 000 Kisten betragen hätte, infolge der Heusehreckenplage der Ertrag der verschont gebliebenen Gärten sich auf höchstens 150 000 Kisten belaufen wird, so beläuft sich der diesjährige Schaden bei einem Preise von 3 Frcs. pro Kiste auf ca. 1Ö50 000 Frcs. Die W e i!1 s t b c k e sind in sämtlichen Kolonien gänzlich abgefressen worden und werden in diesem Jahre gar keine Früchte gehen. Die Weinkellereien in Siehron Jacob und R i s c 11 o 11 I e -Z i o n haben bereits beschlossen, in diesem Jahre nicht zu arneiten. Der Schaden beläuft sich nach den Erträgnissen des vorigen Jahres auf ca. 25 000 Kantar (1 Kantar 2S8 kg). Rechnet man für jeden Kantar 25 Frcs., so ergibt sich ein Gesamtschadeii von ca. 528000 Eres. Von den \V a n d e I b ä 1! in e n sind ebenfalls die Blätter vollständig abgefressen worden, dagegen sind die Früchte /um größten Teile an den Bäumen geblieben, nur ein geringer Prozentsatz derselben ist von den Heuschrecken der äußeren grünen Schale beraubt worden und damit verhindert worden, auszureifen. Immerhin hofft man. daß die Hälfte der Mandelerutc. die siel) insgesamt (ohne die .Heuschreekenschaden) auf ca 1500 Kantar;1 300 Frcs. 150 000 Eres, gestellt lut te, zu retten ist, so daß der Schaden ca. 225 000 ITes. betragen wird. Zu diesen Verlusten an den Ertragen kommt noch hinzu, daß der Kampf, den die Kolonien 3 Monate lang gegen die Heuschrecken geführt haben, an Arbeitslöhnen und Material wahrscheinlich nicht weniger als 200 000 Eres, gekostet hat. Euter Außerachtlassung dos Schadens, der durch die Heuschreckcninv asion!möglicherweise noch im nächsten und teilweise ,auch übernächsten Jahre entstehen wird, setzt sieh der heurige Verlust tolgendermnlien zusammen : a) Verlust all Getreide ca. ¬ו() (MIO b> ״ Gemüse und Lutter ,, סי 150 0t c> ״ \)itaiigcricn ״ 1 051) 000 d) ״ ״ Weingarten 528 000 e) Mandvlpiantat 1;men ״ 225 000 i) ״ Arbeitslöhnen ikw. 200 (KKI zusa inineti ca. 2 80 i (HK) F rcs. Wie aus dieser Berechnung zu ersehen ist, haben unter der 1 lenschrcckeiiplage hauptsächlich die Pflanzungen gelitten, das heißt die Kolon i e 11 i n J 11 11 ä a u n d i 11 S a 111 a r i a. Diese Kolonie» hatten schon im vorigem Jahre infolge der Enmöglichkeit, die Orangen in regulärer Weise 7.11 exportieren, schweren Schaden erlitten, sic-‘hatten im letzten Jahre höchstens ein Viertel der normalen Einnahmen aus der Orangenernte. .Auch der Absatz der Mandeln und des Weines hatte infolge der kritischen Lage im Auslände und der Erschwerung■ der Bedingungen viel schlechtere Resultate ergeben, als in normalen Jahren. Infolge der Heuschreckenplage, durch die nun auch in diesem Jahre fast die ganze Ernte vernichtet worden ist, ist die Lag« der P f I a n z u 11 g s k o 1 0 וו i e 11 i n J u d ä a und S a in a r i a eine äußerst kritische geworden. Wenn es •durch die hoffentlich bald eintreffende D a r I e h e n s s u 111 in e aus A m e r i k a möglich sein wird, die O r a n g e n g arte n zu erhalten, so bleibt es noch eine schwierige Frage, was •die Besitzer* von Wein g ä r t e 11 machen werden, wenn sie in diesem Jahre keinerlei Einnahmen aus den Weingärten haben werden. Die M a 11 d e I b e s i t z e r, die ja wenigstens die Hälfte der Ernte realisieren werden, werden hoffentlieh mit dem Erlös ihre Pflanzungen erhalten können. Allerdings ist hier auch noch die schwierige Frage die, daß der Erlös der ׳Mandeln im besten Falle nach 0 Monaten cinlaufcn wird, während die Bearbeitung der Pflanzungen jetzt sofort schon gewisse Mittel erfordert, die den Mandelpflanzern jetzt nicht zur Verfügung stehen. Dadurch, daß die Kolonisten keine Einnahmen haben, ist der standa r d o f 1 i f e in den Kolonien sehr herabgesetzt. Hierdurch sind sehr viele Handwerker und Krämer in den Kolonien gänzlich ohne Erwerb. Ebenso gibt es eine ganze .Menge von Leuten, die in den Kolonien wohnen und in normalen Zeiten von ihren Verwandten im Auslände Geld bekommen, die aber jetzt infolge des Ausbleibens der Gelder in großer Not sind. * ln den Kolonien fehlt es auch an den Mitteln, tun die k o m 111 11 n a 1 e n E i n r i c h t u n g e 11 (Arzt, Apotheke, Wachtdienst) zu unterhalten. Es wurden von Dr. R u p p i!1 und Herrn H o o f i e 11 verschiedene Maßnahmen beschlossen, um an diesen Fällen bessernd einzugreifen (Gründung von Darlehenskassen in den judäischen Kolonien, kleine Monatskredite für die Kolonie v e rwa 1111 nge n). Es ist klar, daß, solange der Krieg dauert, und die Kolonien dadurch keinen Verkehr mit dem Auslande haben, die Lage der Kolonien und speziell der P f 1 a 11 z u 11 g s k o I o n i e!1 in J u d ä a (die Getreidekolonien in Galiläa haben weder von dem Kriege noch von der Heuschreckenplage in erheblichem Bäume (dreijährig) einer jungen Orangerie, die man mit Papier umhüllt hatte, um sie vor Heuschreckenfraf» zu schützen.