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Jüdische Rundschau · 1915-08-13 · Heft 33 (13.8.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 33 (13.8.1915)
Date
1915-08-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 266 , Inder.Zeremönienhalle des Friedhofes hielt zuerst Rabbiner Dt. Grun.wald eine Ansprache, in der er die Persönlichkeit Karpel Li pp es kurz skizzierte. Nach ihm sprach als Vertreter des Zionistischen A.c t i o.n s - Co m it e s Adolf Stand und hielt dem Verstorbenen^ einen tief empfundenen Nachruf, in welchem er die Verdienste des Verstorbenen elin- ,gehend würdigte. Der Petroleummangel in Palästina (Von unserem Berichterstatter) . Jaffa, 30. Juni. itJeber den Einfluß des Petroleummangels auf das Schicksal der Orangerien gehen hier noch die Meinungen auseinander. Manchen Orangeriebesitzern ist es gelungen, ihre Petroleummotore durch Sauggasmotore und Lokomobilen (die mit Anthrazit oder Holzkohle geheizt werden) zu ersetzen, oder sich Goepelwerke zu verschaffen, die mit tierischer Kraft getrieben werden. In Petach-Tikwah werden. •120ü־l)unam von der Bewässerungsgesellschaft ״Patäs'fi na“ bewässert. Bei manchen Orangeriebesitzerri findet sich noch etwas Petroleum aus früheren Vorräten, andere haben trotz der exorbitanten Preise (eine Kiste Petroleum kostet jetzt 45 Frcs. und mehr) sich in der letzten Zeit noch etwas Petroleum gekauft, und manche andere werden sicherlich die amerikanische Anleihe noch zum Ankauf von Petroleum benutzen, sogar wann der Preis noch weiter hinaufgeht, da sie eben keine andere Wahl haben. Def!Heuschreckenfraß hat den einzigen Nutzen gehabt, daß die abgefressenen Bäume eine;Zeitlang nicht bewässert werden dürfen, wodurch der Petroleumverbrauch jedenfalls vermindert werden dürfte. Vielleicht wird es gelingen, auch ohne neue ' PetroJeumvofräte die Orangengärten schlecht und recht über den Sommer hinwegzubringen. Das jüdische Elend Von Mykola Hankewytsch Die ״Ukrainischen Nachrichten", Mitteilungen des Bundes zur Befreiung der )Ükrainä, die in Wien erscheinen, veröffent- ”liehen •einen Aufsatz von Mykola Hankewytsch, dem wir die wesentlichsten Stellen entnehmen. Der Aufsatz ist als eine Stimme aus dem Lager der ruthenisehen Politiker beachtenswert. - ,; Aus dem ostgalizischen Städtchen S n i a ty n kam vor kurzem, als. die, Russen den Rückzug aus unserem Lande antraten, die kurze, lakonische Nachricht: ״Der ,12. Juni bleibt für immer im: Gedächtnis derjenigen haften; die in Sniatyn verbleibend, die ganze Zeit ddr׳ Herrschaft der Knute und der Nagajka hindurch bis, zum Ende aushafrten. An diesem Tage verließen die Russen Sniatyn. Vor dem Verlassen der Stadt versammelten, sie auf dem׳ Ringplatz 4352 Juden, von denen sie 10, wie man in der Stadt erzählt, unterwegs aufgehängt haben sollen. Die ganze j ü -;d|Sclie Bevölkerung wurde hierauf aus der ׳.Stadt. h j n a u s g e führ t und über die Grenze in >;üer Ricmühg nach Beßatabien getrieben. Die Szenen, die Sich damals auf dem Ringplatz abspielten, . spotten jeder Beschreibung, es wäre schwer, das . Weinen-der Greise, das Jammern der Frauen und das , Geschrei der Kinder in entsprechender Form zu׳ schildern. Die jüdische Bevölkerung wurde gänzlieh ausgeplündert, die christliche ein wenig geschont.“ , Solche Nachrichten kommen aber von allen Seiten. Dies ist, kein vereinzelter Ausnahmefall — in dieser Barbarei ist eine Methode zu merken. Die moskowitischen Barbaren bedienten sich in ihrem Raubzug gegen unser Land verschiedener Methoden, verschiedener Wege. Indem er die revolutionäre Tradition Polens und die öffentliche Meinung Westeuropas fürchtete, richtete Nikolaj Nikolajewitsch an däs polnische Volk das bekannte ,Manifest: ״Wir werden Polen vereinigen und unter der zarischen Knute - pardon 1 — unter dem zarischen Szepter;wieder ins Leben rufen!“ Auf die Erfüllung dieser Versprechungen kann Polen lange warten! Zugleich beschlossen die moskowitischen ״Befreier“, die Ukraina. das ukrainische Volk, gänzlich zu vernichten, mit der Wurzel auszurotten. Sie verkündeten .' offen, daß die U k r a i n e r als Nation zugrunde gehen . müssen! Es gibt doch, keine ukrainische Nation. Aber am schwersten, am empfindlichsten wurde ,von der russischen Invasion die jüdische Be- : völkerung unseres Landes getroffen. Die russischen Eroberer beschlossen einfach, die Juden als Menschen zu vernichten, sie aus der Welt gänzlich zu schaffen. Den Juden gegenüber benahmen sich die mosko- ,;witisdien, .״Befreier“ wie die Kriegerscharen des Antiken Assyrien — die massenweise ganze Ansiedlungen in ferne Länder übersiedelten, ganze Dörfer mit Feuer und Schwert rücksichtslos zerstörten. Aber nicht nur auf diese Weise trachteten die russischen Barbaren, die jüdische Bevölkerung zu erdrücken. In Befolgung ihrer traditionellen, teuflischen, demagogischen Methode nützten sie alle zwischen der jüdischen und der ursprünglichen Ortsbevölkerung bestehenden Gegensätze sozialen Charakters, Sitten- und Religionsvorurteile, die infolge der patriarchalisch, mittelalterlichen Rückständigkeit bis jetzt im Osten Europas vorherrschen, zu ihren Zwecken aus. Und wie die zarische Regierung künstlich und gewaltsam, rücksichtslos und in der Gänze das alte mittelalterliche Ghetto erhält, so trachtet sie auch, diese mittelalterliche Barbarei überall in unser Land zu verpflanzen, ebenso in Westwie auch in Ostgalizien. Die moskowitischen ״Befreier“, die als Verbündete der westeuropäischen Demokratie in den- ״Befreiungskrieg“ ziehen, waren in unserem Lande Vorkämpfer der osteuropäischen, mittelalterlichen Barbarei. Und eben hier wird das jüdische Problem zu einem Problem unseres Landes, unseres ukrainisehen Volkes; und das Elend des vom barbarischen Zarismus unterdrückten, gewürgten, mißhandelten Judentums wird zu unserem Elend, dem Elend der vom Zarismus unterjochten Völker. Dies ist keineswegs eine Phrase, sondern eine schreckliche Wirklichkeit! Dies ist eine tragische Frage, die vom Weltkrieg von neuem aufgerollt wurde. Denn schauen wir uns weiter das Unglückliehe, von der moskowitischen Invasion heimgesuchte Sniatyn an: ״Der vorstädtische Mob, der sicherlich mit Kenntnis def russischen Behörden die Wohnungen der abwesenden Besitzer plünderte, bringt nun unter dem Drucke unserer Behörden die gestohlenen Kleider, Geräte und Wertgegenstände zurück. Im Feuer, das von der unseligen Hand eines russischen Soldaten gelegt wurde, brannte ein Teil der zum Ringplatz führenden Gasse, die Apotheke und das Haus des Bürgermeisters nieder. Ein Teil der Armenischen Gasse ist ebenfalls abgebrannt.“ Die moskowitischen Barbaren — manche sentimentalen Leser mögen mir den unzarten Namen verzeihen! — luden stets einfache Leute, und vor allem die Bauern, ein, die jüdischen Geschäfte, jüdisches Vermögen und jüdische Häuser zu» plündern. Sie beschränkten sich nicht auf die Einladungen. Sie zwangen manchmal die Bauern mit Terror, die jüdische Habe zu plündern■. Der pensionierte Oberlandesgerichtsrat J. war ein Augenzeuge dieser Demagogie der zaristischen ״Demokraten“. Dies war in der Bukowina. Die Russen kamen, plünderten die jüdischen Geschäfte und Häuser und begannen die jüdische Habe unter die Bauern zu verteilen. Wer von ihnen das Geraubte nicht mitnehmen wollte, fiel in Ungnade. ״Du hältst also“ — sagten die zarischen Demokraten — ״zu den Juden, du bist ein Freund der Oesterreicher!“ ״Was soll man da tun?“ Und die terrorisierten Bauern kamen zum Herrn J. und fragten ihn, als einen langjährigen Richter, wie sie sich zu verhalten haben. ״Wenn wir das Geraubte nicht mitnehmen“ — klagten sie — ״werden uns die Russen aufhängen. Wenn wir es wiederum nehmen, sagt man, daß wir die Juden plünderten.“ Und dieser teuflischen, demagogischen Taktik bedienten sich die moskowitischen Eroberer sehr ausgiebig. Daß dies eine planmäßige, großangelegte Aktion war, beweisen die Proklamationen, die im Lande verbreitet wurden. Sehr bezeichnend ist in dieser Beziehung die Proklamation der berüchtigten Brüder Gerowskyj aus Tschernowitz; sie atmet einen ״echtrussischen“'Geist, wie ihn das ״Schwarze Hundert“ aufweist und pocht an die niedrigsten, gröbsten Instinkte der unwissenden Menge, um sie gegen die Juden zu hetzen. Die reaktionären Instinkte der Massen wurden zu den räuberischen Zwecken der zarischen Politik ausgenützt. Und diese Politik ist nicht heutigen Datums. Dieser ״Schwarze Hu11dert“-P01itik der jüdischen Pogroms bediente sich die russische Regierung auch früher öfters. Anfangs der achtziger Jahre sollten die Judenpogrome ein Gegenmittel gegen die russische Revolution sein. Zu Beginn unseres Jahrhunderts nahm die zarische Regierung wiederum zu dieser Pogrompolitik Zuflucht, um die immer höher schlagenden Wellen des Volkszornes gegen das Ghetto abzulenken. Der berüchtigte Plehwe gab völlig zielbewußf den Anstoß zu dem schrecklichen Judenpogrom in Kischyniew im Jahre 1902'"). *) Ein charakteristisches Moment. Von dem Schreiben Plehwes an den Generalgouverneur von Beßarabien betreffend den Judenpogrom brachte Nachrieht der Petersburger Mitarbeiter der ״Times“. Wegen "dieser Indiskretion wurde er aus Petersburg ausgewiesen. Heute preist die ״Times“ die ״zivilisatorische“ Mission des zarischen Rußlands, des Bundesgenossen der westeuropäischen ״Demokratie“. Tempora mutantur. Nr. 33 Und nun wandeln in den Fußstapfen derselbfeh^ ״echtrussischen“ Staatsmänner die mosko witischen'•; Eroberer. Sie verfolgen dabei ein zweifaches Ziel. Vom wilden Haß der urwüchsigen Barbaren geleitet,| fallen sie über die arme jüdische Bevölkerung her,! die vom Schicksal unter die ihr in ־bezug auf deiij Glauben, die Sprache und die Sitten fremden Völkeip -geworfen wurde. Und gleichzeitig wollen sie det1| Zorn und den Haß der unterjochten . Völker gegera dieses unglückliche Volk richten. ■'.(§ Und den moskowitischen Eroberern gelang es.) hie und da, manche Kreise der vom Zarismus unter-' jochten Völker irrezufüihren. ,!ן Hat sich doch der berüchtigte Führer der a 11 -j•' polnischen Partei in der Reichsdumä,f Dmowski, nicht geschämt, zynisch zu erklären,! daß anstatt eines Aufstandes gegen den! Zarismus in Warschau — ein Aufstan<| uegen die Juden, der ״Judenboykott“ ausge-1 brachen sei . . . Dasselbe Argument erhoben auch die galizischen Russopbilen der strengeren und laxeren Observanz, indem sie die Judenpogroms als eine würdige Introduktion der• ״Befreiungsaktion";; des Zarismus predigten. . | Aber das ukrainische Volk folgte nicht dem Rufe; dieses barbarischen Kannibalentums. Die russische; Presse selbst hebt es mit Enttäuschung hervor,. w.ie: falsch Rußland "über die Stimmung unseres Volkes von allerlei Renegaten, ä la Bendasjuk und Gerowski, informiert wurde. Die Pogromseuche konnte in unserem Lande keinen Nährboden finden. Der gegenwärtige Krieg hat uns anschaulich gezeigt, was für ein ungeheueres Unglück in; jeder Hinsicht für unser Land der Sieg des!Zarismus wäre und wie sehr für die Lösung der Judenfrage und des Problems des friedlichen Zusammenlebens der Völker unseres Landes die Zerschmetterung Rußlands notwendig ist. Glückwunsch-Ablösungen Solange der Jüdische Nationalfonds besteht,! haben unsere Freunde zum Rosch Haschanah-i: Fest Gelegenheit genommen, ihn durch Glückwunsch-Ablösungen ' F zu unterstützen. ln diesem Jahre des Weltkrieges erwächst! der Gebefreudigkeit unserer Gesinnungsgenossen4 eine besonders dringliche Aufgabe. Die Lage-| unserer palästinensischen Brüder ist, trotzdem ■;: sie durch tatkräftiges Eingreifen vor dem Aeußer- ' sten bewahrt blieben, nach wie vor sehr traurig,:• und es bedarf weiterer erheblicher Mittel, uin; unserem Koloinisationswerk über die furchtbaren! Erschütterungen des Krieges hinwegzuhelfen. /'< Wir bitten daher alle unsere Gesinnungs- '• genossen, bei den diesjährigen Neujahrsablösun-'• gen der vom Nationalfonds geschaffenen Notstands-Aktion für Palästina,' besonders zu gedenken und auch fernerstehende jüdische Kreise zu derartigen Spenden zu yeran-ig lassen. Wir haben bereits an alle uns erreidh-A; baren Adressen einen Aufruf in diesem Sinne ׳ verschickt und fordern unsere Freunde hierdurch dringend auf, (uns möglichst viele weitere Adressen zu diesem Zweck aufzugeben. Der erste Ausweis der Ablösungs-Spenden erfolgt in Nr. 37 der ״Jüdischen Rundschau׳‘.: Falls unsere Freunde die Zusendung dieser Num-; mer an bestimmte Adressen wünschen, sind wir gern bereit, gegen Einsendung von 10 Pf. für das Exemplar die Zustellung zu übernehmen. Die. Spenden müssen, um noch in die Neujahrsnummer aufgenommen zu werden, bis spätestens Mittwoch, den 1. September, bei unserem Schatz- ' meister, Fferrn Max Wöllstein hr, Charlotten- ' bürg, Roscherstr. 5, Postscheck-Konto Berlin 3847, eingehen. Wir bitten nochmals, unsere Aktion durch ' größere Spenden und durch Propaganda in weitesten Kreisen zu unterstützen. Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland,; Die Zionistische Vereinigung für Deutschland bittet die deutschen Zionisten, ihre Beiträge für den Propagandafonds abzuiühren.

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