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Jüdische Rundschau · 1915-07-31 · Heft 31 (31.7.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 31 (31.7.1915)
Date
1915-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 31 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 249 Auf Orund welchen Ocsetzes will man sic gewallsam der Fremdenlegion cinvcrlcibcn, wo doch die• jenige», die im Anglist freiwillig dort cintraten, ihren hintritt heute bitter bereuen? Wenn sie überhaupt nicht Soldaten sein wollen, so gehören sie mit anderen Ausländern in die Konzentrationslager? Ach, was ist denn das für eine Art der Begründung? Seit wann steckt man die ״Aus-!ander“ in die Konzentrationslager? Ich glaubte bisher, daß man dorthin die Untertanen der feindliehen Länder schickt, d. 11. die Deutschen, die Österreicher und die Türken. Aber diese politischen Flüchtlinge, die niemals einen Fuß nach Deutschland, nach Oesterreich oder nach der Türkei gesetzt haben? Werdet ihr die Spanier, die Portugiesen, die Hol-!ander oder die Amerikaner, die doch ebenso wie jene Ausländer sind, ebenfalls in die Konzentrationslager sperren? In Wirklichkeit handelt es sich um eine niedrige antisemitische Handlung, vor der die Polizei schwach genug ist, zu zittern, anstatt ihre Pflicht zu tun, d, h. den Schutz der französischen Qesetze allen französischen Bürgern und allen politischen Flüchtlingen zu gewähren, die keine dem Oesetz widersprechende Agitation ־betreiben, und ebenso allen Ausländern von gutem Lebenswandel, die nicht feindlieber Nationalität sind. Das ist das französische Oesetz. Das ist das französische Recht. Noch einmal. Ich fordere von der Regierung, daß sie nicht vor der schwarzen Bande kapituliert, die bereits im August straflos die Häuser der Maggi- Gesellschaft plündern durfte. Wt1|׳n die Regierung nicht ihre Schuldigkeit tut, dann werden sich wohl im Parlament einige sezialistisclu• Stimmen finden oder auch einfach einige republikanische, um die Regierung an ihre Pflicht zu erinnern. O. H. », Die Bemühungen des jüdisch-russisch-polnischcn Komitees vermittelst der sozialistischen Deputierten und die mutige Preßkampagne von Herve führten endlich zu einem Resultate. Der Minister des Innern versprach einer Abordnung, | niemand zum Militärdienst zu zwingen oder auszuweisen. Dieses Versprechen wurde ן durch eine offizielle Anfrage und Antwort im ,1 ״Journal officiell“ bestätigt. Das jüdische Quartier wurde dadurch allerdings nur wenig beruhigt, man hatte hier das Zutrauen verloren. Die antisemitische Hetze wird fortgesetzt. Von Rauch ampbeau sind am 3. Juli Hunderte abgereist, mit den nächsten Schiffen wird eine große Anzahl auswandern. Das ist die Tragödie der russischen Juden in Paris. Rußlands Fluch wirkt in der Ferne. i, ■1׳ p l % p Die Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten (Fortsetzung und Schluß des Berichts über die ״Con ve n t io 11“ in Bos ton)*) Auch die letzten Tage der Beratungen waren ausgezeichnet durch die Ruhe und Harmonie, in der die Debatten geführt wurden, und die Einmütigkeit, mit der die Beschlösse gefaßt wurden. Dies hinderte nicht eine ernsthafte Diskussion der auf der Tages- Ordnung stehenden Gegenstände. Besonderes Interosse beanspruchten in der Sitzung vom 30. Juni die Verhandlungen über die jüdische Wochenschrift der Föderation ״Dos Yid 11 Ische Folk“. Die Verwaltung der Zeitung wurde neu geregelt und auf «ine Grundlage gestern, von der man sich für die Zukunft einen guten Erfolg verspricht. Einmütig war die Uebcrzeugung, daß es nötig sei, dieses wichtige pfgan mit allen Mitteln durcnzuhaltcn und auszubauen. In der Schlußsitzung am Mittwoch wurden die Wahlen vorgerrommen. Zum Vorsitzenden ״es Exekutiv-Komitees wurde Louis L1 p s k i gewählt, zum Sekretär im Ehrenamt Bernhard A. gosenblatt, zum. Schatzmeister Louis “0 b i n s 0 n, alle aus N e w Yo r k. Die Finanzfrage wurde endgültig geregelt. Uas aus den verschiedenen Jahren stammende Defizit m Höhe von 13000 Dollar wird dadurch endgültig bcseitigt werden, daß eine Kopfsteuer von 75 Pf. von Kaein Mitglied abgeführt wird. Eine besondere Ueberraschung erfuhren die Be- Sucher der Jahreskonferenz, 019 in der Schlußsitzung bekannt gegeben wurde, daß Herr Nathan Straus *eine Privatyacht dem Palästina-Hilfswerk ge- *Jhen kt hat. Die Yacht hat einen Wert von etwa 50000 Dollar. Das Schreiben, in dem Herr Straus die Ver- *Windung von seiner Absicht in Kenntnis setzt, verdient im Wortlaut angeführt zu werden: f01gt? Bne WürdiKu"8 3er Bedeutender Convention ״Sehr geehrter Herr Brandcisl In diesen Tngcn der Finsternis für nllc Menschllclikeit und für unsere Brüder Im besonderen hat die Frage der Hilfeleistung für die allgemeine Not, insbesondere im heiligen Lande, eine unverglcichliehe Bedeutung erlangt. Es ist zur zwingenden Pflicht für jeden einzelnen geworden, Opfer zu bringen oder wenigstens auf manchen Luxus zu verzichten, um dort Hilfe zu leisten, wo sic am meisten nottut. ״Die Welt ist mein Land, Gutes zu tun, ist meine Religion." Ich habe mich darum entschlossen, dem Provisorischen Komitee für allgemeine zionistischc Angelegenheiten meine Yacnt, die ״Sisilina" zum Geschenk zu machen, von der ich eine Beschreibung mitschicke. Ich habe diese Yacht Maklern zum Verkauf übergeben, so daß das erlöste Geld so schnell wie möglich zur Hilfeleistung fiir die dringende Not zur Verfügung steht. Die Verkaufsverhandlungen werden Sie selbst in der Ihnen am geeignetsten Weise zu Ende führen können, Ich habe einen tiefen Eindruck von der Art der Haltung, in der Sic immer in erster Linie für Recht und Ocrcchtigkcit gestanden haben und darum nehme ich mir die Freiheit, Sie zu bitten, diese Gelder zu verteilen, denn ich bin sicher, daß Ihre Kenntnis der Dinge Ihnen ermöglicht, den besten Gebrauch davon zu machen." In begeisterter Stimmung schloß Mittwoch abend die Konferenz, die allgemein als die bedeutsamste jüdische Versammlung betrachtet wird, die je in Amerika stattgefunden hat. Die zweite Sitzung der VII. Convention des Ordens ״Bnc Zion“ wurde um 2 Uhr nachmittags eröffnet. Nach einer kurzen Rede des Vorsitzenden, Herrn Barondcs, wurden Flcrr Louis Brand eis und Frau Fe 19, Philadelphia, vorgcstcllt. Sic wurden mit großem Beifall empfangen, der Vorschlag, sic zu Ehrenmitgliedern des Ordens zu ernennen, wurde einstimmig angenommen. Darauf wurden die Berichte der verschiedenen Komitees über, Erziehung, zionistische Tätigkeit und anderes ange•' hört, Zunt Schluß der Sitzung wurde Herr Barondes wieder zum Vorsitzenden gewählt; zum Sckretär wurde Herr Jakob Iscn-Koschcf, zum Schatzmeister Herr H. Isaaksohn gewählt. Die VII. Convention des Ordens Bne-Zion schloß mit einem Bankett, auf dem die Herren Rcvcr. Maslianski, Josef Barondcs, de Haas, Josef S a f und G o I d b c r g sprachen. Der Verband Jung-Juda hielt seine Jahres- Versammlung am Mittwoch ab. Dem Verbände sind heute 08 Vereine mit einer großen und ständig wachsenden Mitglicderzahl angcsclilosscn. Es sprachen u. a. Prof. Richard Gottheil von der Columbia- Universität, Rabbi David De Sola Pool und Josef Barondcs. In der Schlußsitzung der Ha das sah, der zionistischen Fraucnorgamsation, beschäftigte man sich eingehend mit der Frage der zionistischen Erziehung. Es wurde beschlossen, eine zionistische Schule zu errichten und mit der amerikanischen Zionistenföderation und dem Verbände ״Jung-Juda" in Verbindung zu treten, um die Errichtung weiterer derartiger Schulen in die Wege zu leiten. Diese Schulen haben die Aufgabe der Erziehung Junger Männer und Mädchen, damit sie später als Leiter und Lehrer der Vereine junger zionistischer Männer und Mädchen tätig sein können. Zur Vorsitzenden der Hadassah wurde Miss Henriette Szold wicdcrgcwählt. * Wir haben schon in der vorigen Nummer über den glänzenden Beweis von Oebcfrcudigkcit berichtet, der sich in dem Erfolg kundgab, den die Aufforderung zur Schaffung eines Fonds von 50 000 Dollar fiir zionistische Zwecke fand. Die Zeicliniingcn ergaben bekanntlich die Summe von über 100 ÜüO Dollar. Herr und Frau Julius Roscnwald verpflichteten sich zur Zahlung eines monatlichen Beitrages von 1100 Dollar für die Dauer des Krieges und ein Jahr hindurch länger. Von den anderen Zeichnungen verdienen folgende hcrvorgchobcn zu werden: Anonymus 6000 Dollar, Eugen Meyer jr. 3000, Samuel untermeyer 3000. Boston Zion Association 3000, Knights of Zion, Chicago, 5000, Josef Fels 5000, Zion Council of New York 5000, New England Zianists 3000, Order Unei 3000, Clcvcland 2000, St. Louis 2000, Detroit 2000, Stnmford 2500 Buffalo 2000, Los Angeles und S. Francisco 2400, Philadelphia 2000, Pitsbourg 1000. I. Zcff 1000, Chclsca 1000, Worccster 1000, Aaath Jischurun 1000, Herr Eiser 1000, Hartford 1000, Washington 1000, New Haven 1000. Manchester 1000, Toronto (Canada) 1000, Richemona 1000, Jung-Juda 1000, Hadassah 1000, Provldence, Newport, 1000, Verbindungen Lilicnblum und Pinsker 1000, Ncwark 1000, Jugenclverein Massachussets 1000, S. Bloom, Philadelphia, 1000, und viele Zeichnungen von 600, 500, 300 usw. Dollars. Mehrere Zionisten haben sich verpflichtet, ln ihrem Krei9e wenigsten■ 2000 Dollar für dieses Jahr aufzubringen. Die Sammlung ist noch nicht geschlossen, da• Ergebnis dürfte sich noch beträchtlich steigern, Pressestimmen zur Bostoner ״Convention“ ״Der Tag'1 (New Yorker jiddische Tageszeitung). Der Herausgeber und Chefredakteur Hermann Bernstein sandte von der Convention folgendes Telegramm: Eine gewaltige Begeisterung herrscht auf der Convention der Zionistischen Föderation, wie sie bisher noch auf keiner jüdischen Konferenz in Amerika ckannt worden ist. Die glänzendsten Reden haben ic Herren Dr. Schmarja L c v i n , Rabbiner Meier Berlin und Dr. S y r k i n gehalten. Die Popularität Brand eis’ und sein Eintluß auf die Convention zeigt sich auf Schritt und Tritt. Mitgcrisscn von der allgemeinen Begeisterung, gleicht er zeitweise den roßen Propheten der Vorzeit in seiner Einfachheit, ufrichtigkeit und Kraft. Zeitweise ist er aber auch ein tiefer Diplomat . . . Mit großer Pracht und außergewöhnlicher Begeistcrung wurde unter dem Klange der Hatikwah in der reichgcschmückten Ford-Hal> die historische Convention der Zionisten Amerikas eröffnet. In der Ocschichte der zionistischen Organisation ist dies das erstemal, daß die amerikanischen Zionisten solche Aufgaben vor sich sehen und sich so sehr verantwortlieh fühlen. Der Zionismus stellt jetzt vor großen Ereignissen und unbegrenzten Möglichkeiten und infolge des Krieges, der in den meisten Ländern die zionistische Arbeit so sehr erschwert hat, sind es die amerikanischen Zionisten, welche die durch die gegebenen Bedingungen und Möglichkeiten notwendig gewordene verantwortungsreiche Arbeit übernehmen müssen. In der Tat, die große Bedeutung der Convention und der tiefe Ernst, mit dem man an die schwere Arbeit ging, war vom ersten Augenblick an zu spüren. Man merkte, daß cs sich hier um das Schicksal des jüdischen Volkes handelte, um desscnwillen Mensehen zusaminengckommcn waren, die die Bedeutung des Augenblickes erfassen und auch genügend Willen, Energie und Begeisterung haben, die gegebene Lage für die Interessen des jüdischen Volkes auszunützen, ungeachtet aller Opfer und aller Schwierigkeiten. Die Stimmung unter den Delegierten wie auclt unter den Tausenden von Oästcn, die die Oalcricn füllten, war sehr gehoben. Nicht nur im Saale herrschte diese Stimmung, sondern auch in der ganzen Stadt. Feiertag war im ganzen jüdischen Viertel. ״Der Führer“ (New Yorker jiddische Tag c 91 c i 111 n g). Boston, das stille, aristokratisch strenge und ernste Boston ist nicht wicdcrzticrkcnncn. Man spürt die Zionisten-Convcntion nicht nur in den jüdischen Straüen, in denen cs kocht und brodelt, wo jedes Gesicht strahlt, jedes Auge glänzt und in jedem Winkel der Straße über Zionismus gesprochen wird. Man fühlt das Bcvorsteilen einer zionistischen Konferenz, auch wenn man sich in den christlichen Teil von Boston verirrt, in die stillen, aristokratischen Straßen mit ihren zwei, drei von großen Gärten umgebenen Privathäusern der Reichen und Wohlhabenden . . . denn auch in diesen Teil der Stadt ist der Zionismus cingebrochcn zusammen mit den Juden, die sielt dort angesiedelt haben. Wo sich nur Juden befinden, mögen sic noch so weit vom Judcnviertel entfernt wohnen, mögen sic auch nur einmal im Jahr den Tempel der Rciornigeiitcindc aufsuchen, — ucr Zionismus dringt in ihre Kreise ein, oftmals gegen ihren eigenen Willen; und wie cs in Berlin, Warschau, London oder New York geschieht, so auch in Boston. Aber viele der jüdischen Aristokraten in Boston sind auch auf ihre zionistische Gesinnung stolz. Sie haben ihre Häuser mit zionistischen Fahnen geschmückt und aus ihren Fenstern flattern Fahnen mit der Aufschrift: ״Wellcome Delcgatcs“ . . . aber nicht allein die Juden haben ihre Hauser der Convention zu Ehren geschmückt, cs haben dies auch nicht wenige Christen getan. Die Christen, namentlich die intclligcntcrcn, nehmen an der Convention regen Anteil und die englisch sprechenden Bostoner Zionisten müssen ihren christlichen Freunden das Wesen des Zionismus darlegcn. Die örtliche Presse zeigt auch für die Zusammenkunft Interesse und die bedeutendsten Blätter bringen Längere Artikel über zionistische Arbeit im allgemeinen und die der Convention im besonderen. Der Mittelpunkt der Zusammenkunft ist Louis Brand eis. Dieser berühmte Führer, der eigentlich erst seit kurzer Zeit der zionistischen Partei angehört, hat es vermocht, die Liebe und das Vertrauen aller Zionisten zu gewinnen. Es ist sonderbar, mit welcher Achtung und Begeisterung die f?elegierten von Brandci9 sprechen. Dies ist sonderbar, weil am wenigsten von allen gerade die Zionisten ״Götzendiener“ sind. Bei den Zionisten einer von den Oroßen zu werden, ist sehr schwer und wie wenig sie selbst die bedeutendsten schonen, hat Ihr — mitunter unverzeihliches — Verhalten 'gegen Theodor Herz! gezeigt. Alle sind der Meinung, daß die Zionisten an Brandeis viel gewonnen haben, vielleicht den Führer des ges samten Zionismus. Die Convention hat eigentlich schon Freitag abend begonnen, in allen Synagogen haben die Rabbiner am Freitag abend oder Sonnabend früh begeisterte zionistische Predigten gehalten. Gesprochen haben außer den Bostoner Rabbinern auch Oiste.

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