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Jüdische Rundschau · 1915-07-16 · Heft 29 (16.7.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 29 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 J U E DI S C HER U N O S C HAU Seite 233 Polen den Russen helfen werden, den Kampf gegen Judentum und Germanismus zu führen. Die Juden und die Deutschen hatten sich mit China verbunden, um Rußland zu vernichten.“ (!) Dieser Artikel ist interessant als neuer Beweis, daß die russische Regierung alles a u f b i c t e t, u m Judenpogrome zu provozieren. Vor kurzem beschloß der Ministerrat, IS Millionen Rubel auszuwerfen, um Volkszeitungen zu gründen oder solche zu unterstützen. Die neue Subvention an den ״Svvjet“ wurde jetzt verdoppelt, zweifellos unter der Bedingung, daß der ״Swjet“ g e g e n d i c J 11 <1 e n hetzen soll. Das Almosen der russischen Regierung (JAK.) Die russische Regierung hat 500 000 Rubel für die jüdischen ״Flüchtlinge“, d. 11. eigentlich für die von der Heeresleitung vertriebenen Juden aus dem ״Kriegsgebict“ bewilligt. Diese Summe, die der angeheueren Not gegenüber als Almosen verzeichnet werden muß, wird keinen vernünftigen Menschen über die wahren Absichten der russischen Regierung hinwegtäusclieii, die fest entschlossen ist, die Juden zum Sündenhoek für alle Schicksalsschlage des zusammenbrechendeii Regimes zu machen. AUS ALLER WELT Aus Amerika. (Jüdischer Arbeiterkongreß io A m e r i k a.) (JAK.) Wir erhalten soeben aus N c w Y o r k die Nachricht, daß das Nationale Arbeiterkomitee beschlossen hat, einen Kongreß der jüdischen Arbeiterorganisationen der Vereinigten Staaten einZuberufen. Das Natio־ nale Arbeiterkomitee ist der Organisationsausschuß, an dem die jüdischen Arbeiter aller Rieht u n g e n beteiligt sind. Er setzt sich aus Vertretern folgender Organisationen zusammen: die vereinigten jüdischen Gewerkschaften; Arbeiterring; Nationaler Arbeiterverband; Jüdische sozialistische Partei ^,Poale Zion“; Jüdische sozialistische Föderation; ״Vor- \värts“-Association; Sozialistisch-territorialistische Organisation; diese Organisationen umfassen insgesamt mehr als 300 000 organisierte jüdische Arbeiter. Der Zweck des bevorstehenden Kongresses ist der Kampf der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas um die bürgerliche, politische und nationale Gleichberechtigung der Juden in allen kriegführenden Landern. Es ist für die Entwicklung des jüdischen Sozialismus in Amerika sehr bezeichnend, daß sich alle proletarischen Organisationen, gewerkschädliche und politische, auf einer Plattform der nationalen Vollberechtigung zusammenfinden konnten. Am 26. Juni fand die S i t z u n g des NationalenArbeiterk omitees statt, um die Tagesordnung des Kongresses festzustellen. Das Komitee erläßt aus diesem Anlasse ein Manifest an die jüdische Arbeiterschaft, in dem es mit berechtigtem Stolz und großem Nachdruck auf die vollzogene Einigung des ganze!! jüdischen Proletariats des Landes hinweist, liamit ist speziell die B e - s e i t i g u n g der Differenzen gemeint, die ursprünglich zwischen der ״b u n d i s t i s c h e n“ und poale - zionistischen Richtung zutage traten. * (Vom amerikanisch-jüdischen Kongreß.) (JAK.) Mitte Juni fand in New York eine Vorbesprechung von Vertretern großer jüdischer Organisationen statt, die zur Einsetzung eines Organisations - Komitees zur Einberufung eines jüdischen Kongresses führte. An der Konferenz beteiligten sich große Orden, wie Independent Order B r i t h - Abraham, Order Brith-Schalom, Order Bne-Zion, Jüdisch-nationalerArbeiterverband, die Vereinigung der orthod o x e n Organisationen, der Rabbinerverband, die Zionistische Federation Amerikas und andere jüdische Verbände. Das eingesetzte Organisationskomitee soll mit anderen großen Organisationen des Landes in Verbindung treten, um die Plattform des Kongresses auszuarbeiten. Es soll auch der Versuch unternommen werden, s,ich mit dem American JewishComm i 11 e e über seine Beteiligung an dieser Aktion zu verständigen. Die Art und Weise jedoch, wie diese Verbände an die Bildung des Organisationskomitees herangetreten sind, beweist, daß sie fest entschlossen sind, gegebenenfalls über das J e - wish Committee zur Tagesordnung überzugehen und den Kongreß unbekümmert um seinen Widerstand zu organisieren. Als Plattform des jüdisch-amerikanisehen Kongresses wurde die Sicherung der bürgerlichen und nationalen Gleichberechtig ung der Juden in allen L ä n - dem sowie einer Heimstätte für die Juden in Palästina akzeptiert. (J AK.) 1 )as A m e r i c a n J e w i s h Relief C o m r!1 i 11 c c (Amerikanisch-Jüdisches Hilfskomitee) beschloß im Einvernehmen mit den! V e r b a 11 d d c r g a I i z. i s c h c n Juden in New York, eine U 111 e r - s u c 11 11 n g s k o m in i s s i ס n aus drei angesehenen Persönlichkeiten nach dem Kriegsgebiet zu entsenden, die die Lage der vom Krieg betroffenen Juden erforschen soll. An die Ausführung dieses Beschlusses wira geschritten werden, sobald die geeigneten Personen gewonnen und die erforderlichen Formalitäten erledigt sein werden. (Eine j i'1 d i s c h c E m i g r a t i 0 ns b a n k i n A m e r i k a.) (JAK.) In N e w York fand eine K o n f e r e 11 z statt, die sieh mit der Frage der jüdischen Emigration befaßte. Es wurde beschlossen, an die Gründung einer noch lange vor dem Krieg geplanten jüd i s c 11 e 11 E m i g r a t i o n s b a ti k zu schreiten. Ans der Mitte der Konferenzteilnehmer seihst wurden 30 000 D o 11 a r gezeichnet. Aus Holland- (Ein jüdisches E in igratiouskomit e e i n H o 1 I a 11 d.) (JAK.) Wie uns berichtet wird, fand neulich im Haag eine vertrauliche Käufer e nz promin enter Persönlichkeiten 11 e s h o 11 ii 11 - d i s c 11 e 11 J u d c 111 u m s verschiedener Richtungen statt, die der Frage der jüdischen E m i g r a - tion nach (lein Kriege gewidmet war. Anlaß zur Einberufung dieser Konferenz gab die auch in Holland vorherrschende Ansicht, daß die durch den Krieg jäh unterbrochene jüdische Massen a u s - w a n d e r u 11 g aus Ost e u rop a nach der Ein- Stellung der Feindseligkeiten nicht nur ebenso jäh wieder einsetzen werde, sondern daß sie einen nie geahnten, geradezu bedrohlichen Umfang annehmen muß, da die Juden Russisch-Polens und eines großen Teiles von Lithaucn ebenso wie Galiziens, die durch den Krieg und den russischen Militärantisemitismus aufs empfindlichste betroffen worden sind, zum großen Teil außerstande sein werden, in den durch die Kriegsfurie ruinierten Gebieten wieder Beschäftigung und Brot zu finden. Um• den bevorstehenden Ereignissen nicht wieder, wie so oft, ungerüstet gegenüber zu stehen, wird seitens der an der Frage interessierten Juden Hollands die rechtzeitige Einleitung einer großen Aktion zur Reg e 1 u 11 g der jüdischen Massen wänderung für dringend notwendig erachtet. Die Konferenz setzte ein Komitee ein, das beauftragt wurde, sich mit leitenden jüdischen Persönlichkeiten in verschiedenen Ländern behufs Verständigung über eine gemeinsame Aktion in Verbindung zu setzen. Der Vorsitzende des Komitees, das den nicht besonders glücklichen Namen ״Internationales Jüdisches Emigrationskomitee“ trägt und seinen Sitz im Haag hat, ist Herr Staatsrat Professor Dr. Oppenheim. (JAK.) Am 4. Juli tagte in Rotterdam die Jahresversammlung der niederländischen Abt e i I u n g der Alliance I s r a e 1 i t e. Nach der Eröffnungsrede des Rechtsanwalts B. E. Ass eh er, Präsidenten der Abteilung, referierte Herr Israels über das Thema ״die Judenfrage und der Krieg“. Nach einer eingehenden Debatte faßte die Jahres- Versammlung eine Resolution, die in Anbetracht der neutralen Stellung Hollands die Abteilungsleitung beauftragte, sich im Einvernehmen mit der Zentrale in Paris mit den jüdischen Organisationen aller Länder in Verbindung zu setzen, zwecks Herbeiführung einer gemeinsamen Aktion für die jüdische Emanzipation. Aus Griechenland. (Die Parlaments wählen in S a 1 o 11 i k i.) Einem v o r d c n W a h I e n zum griechischen Parlainent an uns gesandten Bericht des Korrespondenten der ״Welt“ in Saloniki entnehmen wir, daß die jüdische Bevölkerung Salonikis ein reges Interesse für die Wahl zeigte und alle Anstrengungen entfaltete, um die Wahl der jüdischen Kandidaten zu sichern. Eine jüdische Partei trat für G o n z a r o s ein, eine andere für Venizelos. Aber die überwältigende Majorität der jüdischen Bevölkerung Salonikis war auf der Seite der gegenwärtigen Regierung. Die national-jüdischen Organisationen, die indirekt Anteil an dem Wahlkampf nahmen, waren zu einem großen Wahlkollegitim unter dem Namen ״N a t i o n a I j ii d i s c h e Wahlvereinigung“ zusanimengeschlossen und entschieden sich für die Regierungspartei. Sie unterstützten die Kandidatur des Dr. M. Koffina, des bekannten Zionisten und Philanthropen aus Vo lo, und des Herrn David Matalon, des glühenden Nationaljuden, der Präsident des neuen israelitischen Klubs und der Aehduht und Sekretär der Bnei Brith- Loge ist; nach diesen setzten sie sich für zwei weitere Kandidaten ein. Abgesehen von der jüdischen Majorität der Stadtbevölkerung schlugen sich die Mohammedaner, die über 33 000 Stimmen verfügen, auf die Seite der Regierung; die jüdischen Sozialisten standen auf der gleichen Seite; übrigens auch ein Teil der griechischen Bevölkerung. Die Nationaljüdische Wahlvereinigung ließ während des ganzen Wahlkampfes eine Zeitung ״Die Stimme des Volkes“ erscheinen, um die Wahlpropaganda intensiv zu gestalten und um das Volk für die Sache der Partei von Gonzaros zu gewinnen, zu dessen Gunsten die fünf jüdischen Abgeordneten, die imstände sind, mit Eiter und Begeisterung die jüdischnationalen Interessen zu vertreten, in die griechische Kammer entsandt werden sollten. Daß die fünf jüdischen Parlamciitskandidaten tatsächlich durcligedrungen sind, haben wir schon früher berichtet. Im Zusammenhang mit diesem erfolgreichen Wahlkampf der Juden Salonikis schreibt der ,.Jewish C 11 r o 11 i c I e“ vom 2. Juli 11. a.. ״Seit der griechischen Oberherrschaft hat die jüdische Bevölkcrimg an Zahl zugeiumimen und das jüdische Leben hat sich vertieft. 1 )je zionistische Bewegung ist offen hervorgetreten, mul die zionistische Fahne weht vom Dach des Klubgebätides.“ ״Uni auf die Waiden ztirück/ukommen, so wurden die Juden von allen Parteien gebeten, als Kandidaten aufzutreten. Die Liste des Herrn Venizelos enthielt die Namen von fünf Juden: A s s a e!, Gases, C o 11 s t a n t i n i, S a p o r t a lind S a m C a r a s s o. Die Parteiliste des jetzigen Kabinetts enthält gleichfalls die Namen von fünf Juden, mul diese fünf, Havni Elia Co 11 eu, Dr. M. Co ff in as, ein eifriger Zionist, David .Matalon, Joseph Mallas und Albert C u r i e I, wurden g e w ä 11 11. Auch auf einer anderen Liste, der der sogenannten U n a b 11 ä 11 g i g e n, standen Juden.‘• Aus Oalizien Seit dem 23. Juni erscheint in L e 111 b e r g wieder das ״T a g b 1 a 11“, das in jiddischer Sprache geschriebene Organ der Zionistischen Partei in Galizien. Dieses jiddische Leniberger Tagblatt, das in Galizien einen außerordentlich großen Leserkreis besitzt, hat einen Tag vor der Eroberung Lembergs durch die Russen sein Erscheinen eingestellt. Die Redakteure und bekanntest(.׳!! Mitarbeiter der Zeitung flüchteten nach Wien. Sofort nach der Wiederbesetzung Lembergs durch die österreichischen Truppen ist auch die erste Nummer des ״Tagblatts“ wieder herausgekommen. Aus Frankreich. In Paris ist Dr. Elias S c 11 w a r z s c 11 i 1 d gestorben der Generalsekretär der Je wish Colonisation Association. Er war in Jassy, Rumänien, im Jahre 1S55 geboren, und nachdem er seine Studien auf der Schule und Universität in Bukarest beendet hatte, widmete er sich der jüdischen Publizistik. Iin Jahre 1874 gründete er die Re vista I s r a e 1 i t i c a in Jassy. Später gab er andere jüdische Zeitungen heraus und durch seine Beziehungen zur Fraternitea Loge bahnte er den Weg für die Bnai Brith. Seine politische Tätigkeit zugunsten seiner Volksgenossen führte im Jahre 1885 zu seiner Ausweisung aus Rum ii n i e n. Er ging nun nach P a r i s und wurde im nächsten Jahre der Almosenier des Baron Hirsch. Bei Begründung der ICA wurde er ihr Generalsekretär. Dr. Schwarzschild setzte in Paris seine publizistische Tätigkeit zugunsten der rumänischen Juden fort. Unter seinen Schriften wären zu nennen: ״Die Juden der Moldau zu Beginn des achtzehnten J ah rhundert s“, in der ״Jewish Quarterly Review“. Unter dem Pseudonym Edmond Sincerus schrieb er das im Jahre U)ül in London erschiencne bedeutende Werk ״L> i e r u m ii nisclien Juden seit dem Berliner Vertrage“. Aus England. (JAK.) Infolge der Agitation, die unter den jüdi sch en Arbeitern Englands für die jüdische Gleichberechtigung eingesetzt hat, wird sich der englische Trade-Uniön-Kongreli, der am 6. Sepfernher in Bristol beginnt, mit der Judenfrage belassen. Die parlamentarische Tagesordnung des Kongresses enthält eine Resolution, die die bürgerliche und politische Gleichberechtigung ״d er J u d e n j e n e r Länder, wo sie entrechtet sind“, fordert lind tjen Parlamentsausschuß des Kongresses heauftragt, die Regierung zu veranlassen,' ihren Einfluß zugunsten der jüdischen Emanzipation ״bei jeder sich bietenden Gelegenheit“ geltend zu machen. Diese Resolution wurde von einem der englischen Gewerkschaftszentrale angeschlossenen jüdische 11 Schneider verband eingebracht und von der üewerkschaftszentrale gutgeheißen. Die dieser Tage in Derby abgehaltene Konferenz des englischen Gewerkschaftsverbandes wurde telegraphisch vom Arbeiterverbande für die jüdische Emanzipation begrüßt. Aus Rußland. (Der russische G e n e r a 1 s t a b als 1 11 f o r - m a t i o n s q 11 e 11 e f ü r den A n t i s e 111 i t i s m 11 s.) (JAK.) Die Hauptverwaltung des russisehen G e n e r a I s t a b e s hat in einem Befehl vom 27. April (a. St.) K>15 N. 11 <13, an die Chefs der ververschiedenen Heeresabteilungen den Befejil erlassen, in eingehendster Weise Informationen über das Betragen der jüdischen Soldaten zu sammeln und zu gruppieren. Die ״E n q u e t e“ enthält nur solche Frage-Stellungen, daß deren Beantwortung ein tendenziöses antisemitisches Bild geben muß. So soll festgestellt werden, wie gern die Juden sich gefangen nehmen lassen, wie sie sich schlagen, welchen Einfluß sie auf ihre nichtjüdischen Kameraden ausüben usw,, die Fragen sind jedoch so gefaßt, daß aus ihrer verdächtigenden Form die gegen die Juden sich riehtenden Antworten sich von selbst ergeben. Um nun die Tendenz, der Sammlung noch mehr zu verschleiern, heißt es am Schluß dieses Zirkularbefehls also: ״Da die Opposition in späterer Zeit sicherlich bemüht sein wird, dieses Material durch Hinweise auf seine Einseitigkeit und seine Parteilichkeit zu entwerten, so sollen auch einige Fälle eines würdigen Betragens jüdischer Soldaten registriert werden.“ ■

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