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Jüdische Rundschau · 1915-07-09 · Heft 28 (9.7.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 28 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 28 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 223 Zentralfonds 1915 Ausweis der eingegangenea Betrage Amerika New York: Provisional Committee . . M. 9000, Deutschland Berlin: Dr. Sally Hirsch, z. Zt. im Felde . . 40,- Dr. Ludwig Pincus. 20,- Emil Stern. 10,— Dr. Barinbaum . 9,- Dr. Fritz Löwenstein. 5,— Breslau: ■ Ludwig Laqueur. 30, Dr. F. Nothmann. 30,- Jules Friedländer, z. Zt. Kattowitz . 25,— Ludwig Tockus. 20,- Justizrat H. 20,- R.-A. Dr. Gurt Weiß (1. Rate) . . . 15,— C. Lewin.. 10,- R. Knoch, z. Zt. Görlitz. 5,- Lucie Kober, E. Knoch, Klotz . . 6,50 Cassel: Dr. J. Prager (1. Rate) . . ' »? 10- Chemnitz: Zion. Ortsgruppe . . .!0,- Elberfeld: Dr. Grüneberg (2. Rate) . . . . 50,- Dagobert Walter. 30,- Dr. Alfred H eimann. 25,- Erfurt: Dr. Wolfheim. 20,— Hannover: Paul Odze. 5- H eidelberg: Julius Simon.250,— Gustav Salomon.20 ״,— Hohenneuendorf: Dr. med. Arthur Brünn.. 60 ״,— Mülhe im a. Ruhr: Dr. Königsberger 10 ״,— Straßburg: Edgar Dreyfuß 5,— Verschiedene Spenden: Dr. T. . . . ׳.M 492,— Dr. Latte, Aronsohn, Lambert Leopold . ״ S,04 Westösterreich Innerösterreich Wien: Dr. M. Jerusalem . . Kr. 20,— M. 15,20 Böhmen B.-Leipa: Wilhelm Pekarek . Kr. 30,— M. 22,80 Prag: Oskar Aschermann . . . . 15,20 ״ —,20 ״ Zionistische Mittelschüler . 12,16 ״ —,16 ״ Südslawische Länder M i t r o w i c a: Dr. Sigmund Baum . . . Kr. 24,— M. 18,25 Hebräisches Schulwerk Deutschland, Aue i. Erzgeb.: Karl Schwebel . . . M. 10,— Berlin: W. Raczkowski.60 ״,— Dr. J. Renzer.. . . 10,— Kurt Kaminsky., 10 ״,— Beu th en: M. Koplowitz.25 ״,— Ing. Eugen Frankel.20 ״,— Darmstadt: M. Rosenstock .10 ״,— Max Bodenheimer.10 ״,— Düsseldorf: Dietrich Krell . . . . '. 10 ״.— Frankfurt a. M.: 1 Fritz Sondheimer (1. Rate)., 200.— Bankier J. Wolff (1. Rate).50 ״- N- N.10 ״,- Gleiwitz: Josef Guttmann.10 ״, - Hamburg: B. Leibowitsch.50 ״,— Dr. Max Besser.30 ״,— Felix Benzian.20 ״ — Dr. S. Levy u. Frau.20 ״,— John H. Benzian.10 ״,— L, Boroschek.10 ״,— M. Seligmann.5 ״.— .Hannover: , Max Wolff . ..50 ״.- S. Kleiner.5 ״,— Karlsruhe: Zionistische Ortsgruppe . . 25 ״,— Köln: Hedwig Bär.5 ״,— Leipzig: Dr. M. Chamizer.20 ״,— Mainz: S. Lazarus.10 ״,— Salomon Gittler.10 ״,— J. Rozanski.10 ״,— Mannheim: Moritz Meyer.5 ״.— Martin Hirsch .5 ״,— München: J. S. Herrmann.25 ״,— Ratibor: Gebr. Liebrecht.10 ״,- Regensburg: Leo Rosenblatt.10 ״,— Stallupönen: H. Postawelsky, z. Zt. Wiesbaden . 20 ״,— H. S. Dangilajesky, z. Zt. Holzminden 5 ״,— Tarnowitz: J. Rein ....... 10 ״,— Wiesbaden:! M. Ph. Zuckermann.20 ״,— Lehrer S. Rosenberg-Bierstadt . . . 5 ״,— Verschiedene Spenden: J. F. Kraus.M. 2,- Gesamtausweis dieser Nummer: Zentralfonds 1915 (einschl. Hebräisches Schulwerk) .JL11 156,15 Bisheriger Gesamteingang für Zentralfonds 1915 (einschl. Hebräisches Schulwerk) .872,72 58 ״ % Berichtigung. Die in Nr. 23 der ״Jüdischen Rundschau“ ausgewiesene Spende des Herrn Dr. A. Jacobsohn-Lünebürg betrug M. 60,— und nicht M. 100,—. Von Amerika fiber Aegypten nach Palästina Reiseberichte vom amerikanischen Lebensmittelschiff Herr Louis L e v i n , der das amerikanische Lebensmittelschiff als Bevollmächtigter des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees und des Provisorischen Zionistischen Exekutivkomitees nach Palästina begleitete, schrieb, wie die amerikanischen Zeitungen mitteilen, an Herrn Dr. Magnes aus Alexandrien folgenden Brief vom 15. April: Alexandria, den 15. April 1915. Lieber Herr Dr. Magnes! ich kam hier am Freitag, den 9. April an, und unser Schiff sollte am 14. weiterfahren, aber wir besorgten uns die Erlaubnis zu längerem Aufenthalt, um unsere Vorräte ergänzen zu können. Ich erfuhr, daß man wahrscheinlich Zucker, Reis und vielleicht Kartoffeln erhalten könne, auch Streichhölzer waren sehr notwendig. Es war eine Erlaubnis erforderlich, diese Artikel nach Palästina einzuführen, und ich verbrachte mehrere Tage in Cairo, um dies zu!erreichen. 1 Ich fand, daß die Leute hier s^ir gewissenhaft arbeiten und alles tun, was ihnen überfragen wird, aber sie fühlen, daß es ihnen an Autorität mangelt, um irgend etwas außer der ihnen zugewiesenen Aufgäbe auszuführen. Ich schlug daher vor, ein Komitee zu bilden, welches das Amerikanisch-jüdisehe Hilfskomitee und das Provisorische Zionistische Komitee in Aegypten vertreten soll. Dieses Komitee sollte sich selbst organisieren und volle Autorität besitzen, die Angelegenheiten der beiden Komitees in Aegypten zu vertreten, und alle Dinge, die dieses Land betreffen, sollen durch dasselbe erledigt werden. Die Herren hier waren mit diesem Vorschlag sehr einverstanden, ich habe das Komitee autorisiert, sich zu bilden und mit der Arbeit zu beginnen, und habe Sie telegraphisch etrsücht, dies den Mitgliedern per Kabel zu bestätigen. Das Komitee besteht aus G 1 u s k i n , Levontin, idelowitsch, Kaplan, öettinger, Bentwich und M o s s e r i. Der amerikanische Konsul von Alexandria ist ein uter amerikanischer Schlag der bereit ist, uns zu elfen wo er nur kann, und Kapitän Decker und die amerikanischen Offiziere im allgemeinen können nicht hoch genug gepriesen werden. Durch den Beistand der Mitglieder des Komitees waren wir in der Lage, die Erlaubnis zu bekommen, 10 Tons Reis, 10 Tons Zucker, 50 Tons Kartoffeln und Zwiebeln und ein Quantum Zündhölzer mitzunehmen. Die Behörden waren sehr rücksichtsvoll und bemühten sich, uns auf den Weg zu bringen. Die von hier mitgenommenen Lebensmittel haben unsere Ladung sehr vervollständigt, auch waren wir imstande, mehrere 100 Pfund Tee von dem Ueberfluß zu verkaufen, den Kapitän Decker an Bord hat. Durch die Verkäufe, die wir hier machten, werden wir das Gleichgewicht des Schiffes verbessern können. Bis jetzt ist die Arbeit hier ebenso eifrig ,wie zu Hause gewesen, aber wir hoffen, daß wir ,wirklich etwas fertig gebracht haben. Sonnabend fahren wir nach Beirut ab, und dann weiter nach Jaffa, wo die eigentliche Arbeit beginnen wird. Ich hoffe, es wird uns dort ebenso gelingen wie hier. Ihr sehr ergebener Louis H. Lev in.“ Ein zweiter Briet, an Bord des ״Vulkan“ auf der Fahrt von Alexandria nach Beirut am 18. April geschrieben, berichtet des weiteren: Nach einer arbeitsreichen Woche in Al ex andria und Cairo bin ich jetzt auf dem Wege nach Beirut, und zwar auf dem ״Vulkan“. Ich glaubte zuerst, vor dem ״Vulkan“ mit einem italienischen Dampfer nach Jaffa fahren zu können und erhielt vom Botschafter Morgenthau die Ermächtigung, die Reise zu machen, da die Erlaubnis gesichert sei; aber meine Geschäfte in Alexandria hielten mich bis nach der Abfahrt des Dampfers auf, und da es außerdem eine Art Risiko war, so bin ich eben wieder an Bord des ״Vulkan“. Bevor wir nach Jaffa gehen, haben wir der ״N o r t h - Ca ro 1 i n a“ Kohlen zu liefern, und es kann 4 bis 5 Tage später werden, ehe!wir Jaffa erreichen. Das heißt also wir kommen nicht in 14 Tagen, sondern in 5 Wochen nach Jaffa. In Cairo, denke ich, ist mir Verschiedenes gelangen. Außer der Bildung einer verantwortlichen Vertretung des Amerikanisch-Jüdischen Komitees gelang es mir zum erstenmal, die Erlaubnis der Militärbehörden in Cairo zur Ausführung von Lebensmitteln nach Palästina zu erhalten. Ich wurde hierbei sehr von Herrn Jaques M o s s e r i, dem Freund Dr. Schee hters, unterstützt der Dr. Schechters Schi!- derung noch übertraf. Ich bin Dr. Schechter für die Vermittlung der Bekanntschaft mit diesem hervorragenden Manne sehr dankbar. In Alexandria hatte ich für nichts außer geschäftlichen L>ingen Zeit, ln der Tat, wenn ich Zeit gehabt hätte, würde ich nicht viel von der Stadt gehabt haben, da ineine ganze Seele bei meiner Mission ist und ich mich mit nichts anderem befassen kann. Ich hoffe, daß es mir möglich sein wird, nicht nur diese Sendung gut unter die Leute zu verteilen, sondern auch einen Plan auszuarbeiten, um, wenn es nötig ist, weitere Lebensmittel zu senden ... , Wir sind jetzt auf dem sanften Mittelmeer und sehen noch kein Land, aber heute Nacht werden wir an Land gehen und morgen früh in Beirut sein. Wie lange wir dort bleiben, weiß ich nicht. Es klingt sehr merkwürdig, mit solcher Vertrautheit über diese Orte zu sprechen, aber wenn Sie auf dem Schiffe wären, käme es Ihnen vor, als ob Sie den Delaware herabführen. Ich hoffe, daß das Land ruhig sein wird, wenn wir ankommen. Soweit ich es beurteilen kann, geht alles wieder seinen normalen Gang und die Leute gehen ihren Beschäftigungen nach, soweit sie dies unter den jetzigen Verhältnissen tun können, die viele aus ihrer Bahn geworfen haben. Vielleicht erfahre ich in Beirut mehr, was uns in (Jaffa erwartet, wenn das ״barmherzige Schiff“ ankommt. Louis H. Levin. Am 20. April schrieb Herr Louis H. Levin an das Provisorische Zionistische Komitee in New York: ״Ich brachte die letzten Tage in Beirut zu. Wir werden heute Abend oder morgen früh nach Jaffa abfahren. Ich war kurze Zeit mit dem hiesigen amerikanischen Konsul zusammen, um etwas über die Lage zu hören ... Aus vielen unzw׳eifelhaften Berichten hörte ich, daß die bemittelten jüdischen Bewohner meist ausgewiesen worden sind, daß die besonderen Arbeitszweige, in denen Juden vornehmlich beschäftigt sind, jetzt stilliegen umd daß die Gemeinde in großer Not ist. Ich erlaubte mir, aus den Mitteln, die mir zur Verfügung standen, dem Komitee L. 100,— zu ,übergeben, die in Beirut sicherlich gut gebraucht werden. Auch bin ich der ■Meinung, daß man später Hilfe nach Beirut senden muß. Das Geld kann an den amerikanisehen Konsul für das Jüdische Komitee geschickt werden. Der Konsul kennt die Namen der Mitglieder. Ein kleiner Betrag von 500 oder 100 Dollars kann liier schon gute Dienste tun. Von der Heuschreckenplage, von der ich zuerst in Aegypten hörte, bekam ich hier erst den richtigen Begrift. Ich habe niemals etwas Derartiges gesehen. Die Luft war schwarz von ihnen und der Boden war mit ihren Exkrementen bedeckt. Man erzählte mir, daß die ganze Weizenernte und viele andere Ernten vollständig vernichtet sind. Ein Unglück kommt selten allein!“ Ein vierter Brief des Herrn Louis H. Levin ist hierauf vom 26. April 1915 aus Jaffa selbst datiert. ... Ich bin jetzt seit Mittwoch in Jaffa, aber unsere Ladung ist noch nicht gelöscht. Wir warten noch auf gewisse Präliminarien, die hoffentlich heute Abend beendet sein werden. Ich stieg in Beirut ab; sprach den amerikanischen Konsul und warf einen Blick auf die alte Stadt. Im amerikanischen College verbrachte ich einige angenehme Stunden und fand in Dr. Bliß einen sehr netten Herrn. Auch hier sah ich die Heuschrecken, die buchstäblich den Himmel verdunkelten, und ich konnte verstehen, was der Fluch in der Bibel meint. Ich glaube aber, ich habe Ihnen darüber schon geschrieben und komme daher wieder auf meinen Aufenthalt in Jaffa zurück. . . . Es gibt zwei jüdisch sprechende Teile in Jaffa — die alte Stadt und die obere, als T e 1 - A vv i w bekannt. Dieser Stadtteil ist ganz modern, mit gutgepflasterten Straßen und einigen wirklich schönen Häusern und mit einer Bevölkerung, die sieh von anderen wesentlich unterscheidet. Hebräisch ist die allgemeine Umgangssprache und die kleinen Kinder auf der Straße plappern es allerliebst. Es herrscht dorl eine freundliche Stimmung, und alles scheint sich dort in einer Weise zu verbrüdern, die bei uns im Westen unbekannt ist. während gleichzeitig diese Verbriiderung nichts von jener jüdischen Familiarität fortnimmt, die wir zu kritisieren gewohnt sind. Abends, gegen 6 Uhr, pflegt die ganze Bevölkerung spazieren zu gehen und Luft zu schöpfen, denn hier wird es abends kühl, und dies gibt ein sehr anzieliendes Bild — es ist eine Art Idylle, und es heißt, daß dies Bild vor Kriegsausbruch noch malerischer war, ehe ca. 500 von den 2000 Einwohnern fehlten. Vor dem Kriege gab es viele jüdische Touristen, und der Zustrom der reichen Leute wuchs von Jahr zu Jahr. Viele Verbesserungen waren beabsichtigt, ein großes Kinematographen-Theatcr war gerade fertiggestellt, ein Boulevard, der ans Meer führte, wo Badeanstalten errichtet werden sollten, war geplant, ein modernes Hotel, eine neue Synagoge — alles dies und noch mehr sollte gebaut werden,'aber jetzt ist alles stillgelegt. Ich besuchte heute die Schulen. Die Mädchenschule ist wirklich schön eingerichtet. Vor dem Krieg zählte sie 500 Schülerinnen, jetzt nur noch 300. Die Kinder sehen in jeder Beziehung gut aus. Viele von ihnen sind Kinder reicher Leute aus Rußland, die sie hierher gesandt haben, um ihnen eine Erziehung zuteil werden zu lassen, die sie dort nicht bekommen können. Das gleiche gilt für das Gymnasium, dessen Schülerzahl von 800 auf 500 zurückgegangen ist. Auch dies ist eine schöne Schule und die Gymnasi-

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