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Jüdische Rundschau · 1915-07-02 · Heft 27 (2.7.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 27 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 216 J U E 1) ISCHE RUNDSCHAU Nr. 27 weit, nainentlich mit den feindlichen Landern, j unterbrochen war, kamen viele Schüler in eine Notlage. Manche von ihnen muhten geradezu hungern, viele mußten sich Monate hindurch das Notwendigste versagen. Als der erste Schreck vorüber war, übernahmen die Schulen die Sorge für diese Schüler, ja sie teilten ihnen sogar von ihren beschränkten Mitteln Geld- Unterstützungen zu. Das hebräische G y m n a s i u m besuchen augenblicklich 124 Schüler. Vor dem Kriege betrug ihre Anzahl 170. Der Abgang erklärt sich folgendermaßen; 25 bis 30 Schüler haben zur Zeit der Ausweisung Palästina verlassen, einige haben sich abgemeldet, weil sie kein Schulgeld bezahlen konnten und Unter- Stützungen nicht annehmen wollten, einige waren in den Ferien in Rußland und konnten bei Ausbruch des Krieges nicht nach Palästina zurückkehren. Von den Angehörigen feindlicher Staaten, die im Lande geblieben waren, ließen sich mehrere ottomanisieren; ebenso wurden sämtliche Lehrer türkische Staatsangehörige. In der von der Schule für ihre notleidenden Schüler eingerichteten Küche speisen 10 Schüler; außerdem unterstützt das Gymnasium die übrigen notleidenden Zöglinge. Vor kurzem haben einige Eltern einen privaten Kindergarten gegründet, an dem äugenblicklich 20 Kinder teilnehmen; dieser Kindergarten ist unter die Aufsicht der Leitung des Gymnasiums gestellt. ImhebräischenLehrerseminar gibt es jetzt 00 Schüler (gegenüber 103 vor dem Kriege). Bei Beginn des Schuljahres war schon der Krieg ausgebrochen; es waren damals 7 Schüler mehr im Seminar, die während der Aus- Weisungsperiode Palästina verlasssen haben, ln der vom Seminar eingerichteten Küche speisen regelmäßig 25 Schüler, 25 Schüler erhalten eine monatliche Unterstützung von 25 Francs. Ein großer Teil der Angehörigen feindlicher Staaten hat sich ottomanisieren lassen. An den dem Lehrerseminar angegliederten Kindergärtnerinnenkurse nehmen etwa 30 Schülerinnen teil. Im Frühjahr haben() Schülerinnen das Examen bestanden und sind entlassen worden; Stellungen haben sie jetzt natürlich nicht finden können. Einige Schülerinnen erhalten von der Schule Unterstützung. Die hebräische Knabenschule hat jetzt 218 Schüler. Am Ende des vorigen Schuljahres betrug, die Schülerzahl 143, von denen sich 120 bei Beginn dieses Schuljahres wieder einfanden, während die übrigen aus verschiedenen Gründen nicht zurückkommen konnten. Im Spätherbst wurden 76 neue Schüler aufgenommen, davon 15, die bisher noch keine Schule besucht haben, 12 von der Thalmud-Thora der sephardischen Gemeinde, 10 von der der grusischen, 7 von der T'almud-1 hora ,,Dorsche- Zion“, 6 von der Lämelschule, 5 von der Talmud-Thora der aschkenasischen Gemeinde, 5 vom Chedcr, 5 von den Allianceschulen, --1 von Kindergärten, 3 vom Gymnasium, 2 von der Rabbinerschule des ,.Esra“ und 2 von der Taimud-Thora der bucharischen Gemeinde. Nach den Gemeinden getrennt gibt die Schiileranzalil folgendes Bild: 91 Angehörige der aschkenasischen Gemeinde, 62 Angehörige der sephardischen Gemeinde, 24 Angehörige der grusischen, 9 der bucharisciien, 5 der babylonischen, 3 der vemenitisehen, 3 der marokkanischeu, 3 der persischen, 3 der kurdischen und 2 der arabischer). Der Stand des Vaters ist folgender: bei 33 Schülern Kaufmann, bei 42 Arbeiter und Handwerker, hei 23 Gelehrte, Kultusbeamte ttsw׳., bei 28 Schülern hat der Vater keinen Beruf. Im Spätherbst war die Zahl der Schüler 205. Von diesen verließen 27 während der Aus- Weisungen Schule und Land, 7 Schüler meldeten sich aus verschiedenen Gründen ab, so daß 171 Schüler blieben. Zu Beginn des neuen Schuljahres im Frühling wurden 47 neue Schüler aufgenommen; viele Aufnahrnesuchende mußten infolge Platzmangels in den niederen Klassen zurückgewiesen werden. Die h ebräische M ä d c h e 11 s c h ti 1 e besuchen jetzt 278 Schülerinnen, die sieh folgendermaßen nach den Gemeinden verteilen: 153 von der aschkenasischen Gemeinde, 96 von der sephardischen, 8 von der vemenitisehen, 7 von der grusischen, 6 von der persischen, je 4 von der arabischen und marokkanischen. Obwohl das Schuljahr im Winter beginnt, werden auch jetzt Schülerinnen aufgenoimnen. Mehrere Schülerinnen haben zur Zeit der Aus- Weisungen das Land verlassen. Der hebräische Kindergarten hat jetzt 150 Zöglinge. Sehr vielen Kindern mußte wegen Platzmangels die Aufnahme verweigert werden und so hat man die Absicht, einen zweiten hebräischen Kindergarten zu eröffnen. Die Talniud-Thora der sephard i s c h e n Ge m e i n d e besuchen jetzt über 300 Schüler, deren Eltern meist ständig in Jerusalem wohnen, zum kleineren Teile zu den Balkan- Wanderern gehören, die sehr arm sind und in großer Not leben. Die Ausgaben der Schule betragen jährlich 13 000 Francs, die von der sephardischen Gemeinde, die 650 Francs monatlieh beträgt, und von den Unterstützungskassen, die 250 Francs monatlich gewähren, bestritten werden. Es bleibt eine Unterbilanz von mehreren tausend Francs. Zurzeit sind auch die genannten Einnahmen nicht sicher; die Gemeinde hat schon seit fünf Monaten keine Subvention gegeben, auch vom Odessaer Komitee konnte seit Kriegsausbrucli kein Beitrag herüberkommen, so daß sich die Talmud-Thora in großer Geldsdiwierigkeit befindet. Ebenso schwierig ist die Lage der Talmud-Thora der grusischen Gemein d e. Die Schüleranzahl beträgt über 100. in die deutschen Zionisten! Der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ist als der Organisation der deutschen Zionisten in dieser Zeit eine ganz besondere Aufgabe zugeteilt. Auf den Schultern unserer deutschen Organisation ruht eine große Verantwortung. Nur wenn wir unsere Organisation aufrechterhalten und stärken und ihre volle Arbeitsfähigkeit sichern, kann sie ihren Platz in der zionistischen Gesamt- Organisation ausfüllen. Kein Zionist aber kann über die entscheidende Bedeutung der zionistischen Arbeit gerade in diesenTagen politischer Umwälzungen im Zweifel sein. Darum fordern wir von allen unseren Gruppen, von jedem einzelnen Zionisten die Einsetzung aller organisato• rischen Energie für die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland! Zahlet den Landesbeitrag, zahlet den Beitrag zum Propagandafonds der Z. V. f. D. Ausweis der Zionislischen Vereinigung für Deutschland Schekel: Berlin 2, , Herzl-Club-Berlin 20, —, Chemnitz 20, , Insterburg 1, , im Felde 2, . Landesbeiträge: Berliner Zionistische Vereinigütig (für 1914) IS, , Herzl-Club-Berlin 30,״, Chem- :1 itz 75, , Hohensalza 19, . Propagandafonds: Berlin: Gideon Jochanaan HeymannS, , Joseph Raphael Heymann 5,; Insterbürg: J011. Meiidelsohn 5,; im Felde: Leo Gottlieb 5, . Eingang vom 22. bis 29. Juni 1915: S c 11 e k e i: 51, M.; La ti d e s b e i t r ä g e: 142,- M.; Prop a g a 11 d a f o n d s: 20, M. Gesamteingang: Schekel: K;SS, M.; Landesbeiträge: 2328.50 M.; P r o p a g a n d a - fonds: 0618,50 M. Brief aus Holland (Von unserem Berichterstatter.) Juni 1915. Es war im Monat Januar, auf dem Delegierten tage der niederländischen Zionisten in Amsterdam, als sich mir zum ersten Male Gelegenheit bot, den holländischen Zionismus näher kennen zu lernen. Wenn man die damalige Tagung in bezug auf Anzahl der Teilnehmer, Niveau der Referate und Debatten, schließlich hinsichtlich der Gründlichkeit und Tiefe der zionistischen Auf- Fassung den Verhandlungen irgend einer größeren zionistischen Landesorganisation gegenüberstellen wollte, so konnte dieser Vergleich keineswegs zu Ungunsten der hiesigen Gesinnungsgenossen ausfallen. Die Organisation des Niederländischen Zionistenbundes verfügt erfreulicherweise über eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten, die für die Verwirküchiing unserer Ideale unermüdlich tätig׳ sind, obwohl sie auch im beruflichen und gesellschaftlichen Leben bevorzugte und arbeitsreiche Positionen ausfüllen. Es verdient Hervorhebung, daß jene Gesinnungsgcnossen neben einer ausgezeichneten Verwaltungs- und Propagandaarbeit zum Teil noch die Zeit finden, sich in die ökonomischen und kulturellen Probleme des Zionismus zu vertiefen und die damit zusammenhängenden volkswirtschaftlichen und anderen Studien zu pflegen. Unmittelbar vor Ausbruch des Krieges war die Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschritt des Z i o 11 i s m u s in holländischer Sprache bereits so gut wie beschlossen. Vielleicht das Tiefgründigste, das gegen Kantskvs Broschüre über Rasse und Judentum geschrieben wurde, ist eine Artikelserie über dies Thema im ״J ood scheu Wächter“. Nacli wie vor wird die Nationalitätenfrage, auch vorn Standpunkte des Internationalismus, im Buiitiesorgaii eingehend behandelt. Aus demselben Blatte sei noch ein ״W i s s e n s c h a f 11 i c h e r A n t i s e m i t i s - mus“ betitelter Aufsatz des bekannten Publizisten Jacob Israel de Haan erwähnt, der mit einem antisemitischen Gelehrten scharfe Abrechnung hielt. Besondere Beachtung verdient eine Flugschritt ,,Das wandernde Volk“ (herausgcgeben von der Zionistischen Buchutid Broschürenhandlung zu Arnheim), welche die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentliehkeit auf das durch die Kriegsereigiiisse leider so aktuell gewordene jüdische Wandcrungsprobl e m lenkt. Vor mehreren Wochen hörte ich in k o 11 e r d a in ein Referat des Bundesvorsitzenden, Herrn Nehemia d e L i e in e über ״S o z i a I i s m u s und Z i o n i s - m 11 s“, das trotz der populären Darstellung in bezug auf wissenschaftliche Gründlichkeit und Objektivität auf seltener Höhe stand; dies mußte in der anschließenden Debatte auch von antizionistischer, sozialdeinokratische!׳ Seite eingeräuint werden. Bei dieser Auseinandersetzung berührte es wohltuend, daß sich die Diskussion mit den Gegnern in überaus konzilianter Form bewegte mul einen rein sachlichen, niemals einen demagogischen Grundton aufwies. 111 einer Amsterdamer Veranstaltung der zi.mistisehen S t u d e n t e 11 o r g a 11 i s a t i a 11 behandelte Fräulein Ella Lev e 11 b a ch die Broschüre der Herren Landau-Weil: ,,die zionistische Utopie“. Unlängst sprach in einer Versammlung zu Hilversum Frau t) r n s t e i » - H 0 o f i e 1t über ,.g e i s t i g e S t r o ni ti n g c 11 i in J u d e n t u in“. Die Rednerin erörterte■ vornehmlich die Kapitel: Reformjudentum, Chassidismus und Richtung Buber. 1 )ie Vers a m m I 11!1 g s t ä t i g k e i t der Landes- Organisation ist sehr, rege, die Vorträge sind meist von gediegenem Charakter. Die oben angedeutete Neigung der holländischen Gesinnungsgenossen, sich mehr durch theoretische Erkenntnis der zionistischen Probleme als durch zufällige Einflüsse des Milieus oder sonstige äußere Umstände bestimmen zu lassen, hat dahin geführt, daß sich in der hiesigen Organisation eine streng-zionistische Tendenz hcrauskristallisicrtc, die z.ur Bekämpfung der sogenannten ״Qcgeiiwartsarbeit“ führte. Letzteres bedeutet, daß die niederländisehen Zionisten als solche in der Mehrheit jegliche öffentliche zionistische Betätigung verwerfen, die sich nicht direkt auf unser palästinensisches Ziel erstreckt. Eine jüdische Landespolitik erscheint demnach ausgeschlossen. Man kennt hier auch keine nationaljüdische Wirksamkeit in Gemeinden, keine nationaljüdischen Turn- und Sportvereine und dergleichen. Allerdings vertreten selbst die radikalen Gegner der ״Gegenwartsarbeit“ in Holland diese Anschauung nur für ihr Land, enthalten sich jedoch eines Urteils über die Berechtigung der Forderung nach zäonistischer Gcgcuwartsarbeit in anderen Landesverbänden. Wenn wir nun auf die praktischen Leist u ngen der niederländischen Organisation während der letzten Monate einen Rückblick werfen, so darf ich, ohne die Verdienste der einheimischen Zionisten irgendwie schmälern zu wollen, nicht un- 4

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