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Jüdische Rundschau · 1915-06-18 · Heft 25 (18.6.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 25 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 j U EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 201 Aus dem österreichischen Polenklub Von gut informierter Seite erfährt die Jüdische Zeitung, daß der Präsident des österreichischen Polenklubs Exzellenz Dr. von Bilinsky mit den israelitischen Mitgliedern des Polenklubs Dr. Löwen stein, Dr. Steinhaus, Dr. Gross, Dr. Kolischer und Rauch über einen von den israelitischen Herren zu zeichnenden Protest gegen die Anschuldigungen des! bekannten dänischjüdischen Schriftstellers Georg Brandes unterhandelt. Der Plan des Protestes soll von dem israelitischpolnischen Sozialisten Abg. Dr. Hermann D i a tn a n d aus Lemberg ausgegangen sein. Behufs Beschaffung des zum erwähnten Protest nötigen Tatsachenmaterials dürfte der israelitische Religionsiehrer aus Lemberg Dr. Meier B a 1 a b a 11 nach Russisch-Polen gehen. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Zionistische"" Flüchtlingsfürsorge Die zionistischen Landeszcntraleu in den kriegführenden Ländern haben sich seit Beginn des Krieges der in ihrem Lande verbliebenen^ jüdischen Augehörigen feindlicher Staaten, die vielfach in größte Not gerieten, in dankenswerter Weise angenommen. In Deutschland hat das Hilfskomitee der Zionistischen Vereinigung in Berlin seine Fürsorge vornehmlich den in Deutschland verbliebenen palastinensischen, gatizischeu und russischen Juden, nach Berlin geflüchteten Familien aus Galizien und der Bukowina und den jüdischen Gefangenen zugewandt. InOesterreich sind in Wien und Prag zionistische Hilfskomitees entstanden, die zum Teil als Arbeitskomitees der allgemeinen Komitees HunderttausenUen aus Galizien geflüchteten Juden Lebensmittel, Kleidüng, medizinische Behandlung, juristischen Rat usw. zu verschaffen bemüht sind. Auch in Rußland stehen die Zionisten überall mit an der Spitze aller Aktionen, die zur Linderung der Not der aus dem Kriegsgebiete fliehenden Juden durchgefühlt werden. In England arbeiten die Zionisten in einem allgemeinen Hilfskomitee, dessen Tätigkeit sich in erster Reihe auf die seinerzeit aus Belgien geflüchteten Juden erstreckt. In Alexandrien, wohin etwa 7000 Juden feindlicher Staatsangehörigkeit aus Palästina flüchteten, konnte einem grollen Teile die Möglichkeit zur Weiterreise und zur Begründung einer Existenz dadurch verschafft werden, daß die zio- 11 ist is che Palästinabank (Anglo-Palestine- Company) einen Betrag von 250 000 Frcs. bereitstellte, der in kleinen Beträgen an Depositeure der Bank, die aller sonstigen Mittel bar waren, zur Verteilung gelangte. Besonders wichtig ist, daß das Provisor!־ sehe Zionistische Executiv-Comite in New York, wie war schon in der letzten;Woche berichteten, die Vermittlung privater Geldsendungen aus Amerika nach Alexandrien, Palästina und Oesterreich übernommen hat. Den gleichen Vermittlungsdienst wie nach Oesterreich und Palästina hat das Executiv-Comite jetzt auch nach Rußland organisiert, was für die aus dem Kriegsgebiete geflüchteten und in Not befindlichen jüdischen Untertanen dieser Länder, die vielfach Angehörige in Amerika haben, von größter Bedeutung ist. Hand in Hand mit dem genannten Komitee arbeiten die Hilfskomitees, die sich in verschiedenen russischen Zentren und in Wien gebildet haben. — Die Adresse des Provisorischen Zionistischen Execuhv- Comitcs lautet: Provisional Executive Committee for General Zionist Affairs, New York, Suite US. Mcrcantile Bldg-, -14 East 23rd Street. Amerika. Petroleum für die Orangen plan tagen in Palästina. Wie schon berichtet worden ist, wurden die nötigen Schritte eingeleitet, um den für die Bewässerungsmotoren der palästinensischen Orangenplantagen notwendigen Petroleumtransport von Amerika nach Palästina zu bringen und die verschiedenen Regierungen zu veranlassen, den Transport nicht z.u konfiszieren. Es ist aber nunmehr fraglich, ob diese Schritte Erfolg haben werden. Die zum Ankauf des Petroleums notwendigen Summen sollen der Anleihe zur Erlialtung der palästinensischen Orangenpflanzungen von 600 000 Frcs. entnommen werden, deren Zustandekommen gesichert erscheint. Wir haben schon darüber berichtet, aus welchen Einzelsummen sich diese Anleihe zusammensetzt. Herr Schiff hat 100 000 Frcs.;gezeichnet und sich bereit erklärt, außerdem 200 000!Francs unter Garantie der zionistischen Finanzinstitute, Jewish Colonial Trust und Jüdischer Nationalfonds, vorzustrecken. Der Zionistische Bund ״Zion Commonvealth“ ist der Name des Kolomsations-Untemehmens, wie es Bernard A.Rosenblatt angeregt hat. Es ist eine Kombination einer A c 11 u s a h, welche den Besitz von Anteilscheinen ohne Niederlassung gestattet, mit einer mitarbeitenden Kolonie in Art Merchavias. Die Anteilscheine der Gesellschaft betragen 250 Doll., zahlbar in 10 Jahren. Nachdem die Organisation des ״Z i o n i s t i - sehen Bundes“ (Zion Commonwealth) fertig geworden ist, macht dieses Landkolonisation s- Unternehmen gute Fortschritte. Wahrend der Anwesenheit des Herrn Pevvsner ans Haifa wurde für den Landerwerb in Palästina viel Propaganda gemacht. Herr Pevvsner wurde hierbei von Herrn S. Frankel unterstützt. Ein Zweigverein dieser Organisation wurde Mitte April in Hartford von den Herren Pevvsner und. Rosenblatt gegründet. In Baltimore wurde ein Zvveigverein am 1. Mai von den Herren Rosenblatt und S. Rohisohn gegründet. Heu Vorsitz t'ührt Herr Israel ßrodie. Ferner wurde Anfang Mai in Washington ein Zvveigverein ins Leben gerufen. Die Mitgliederzahl der Organisation hat sieh in den vergangenen drei Wochen, verdoppelt. In Emek Israel ist durch Herrn Pevvsner und das Palästinaamt Land gekauft worden. Der Zion Commonwealth hat das Vorkaufsrecht für weitere 3000 Morgen Land nahe der dritten Station von Haifa auf der Straße nach Damaskus, I1/.׳ Stunden Weges von Haifa. Die Föderation der amerikanischen Zionisten hat eine Sammlung von Aufsätzen im Druck, die Dr. Schmarja Lev in geschrieben hat und die unter dem Titel ״ln K r i e g s ze i t e ti“ in Buchform erscheinen werden. Das Buch wird zum Preise von 1 Doll, verkauft und der Reinertrag soll dem H e b r ii i s c h e 11 Schulfonds zufließen. Es umfaßt ca. 300 Seiten. England. Herr Josef C o vv e 11, der Präsident der English Zionist Federation, war der Hauptredner in einer großen Versammlung, die kürzlich in Belfast stattfand und von den lokalen zionistischen Organisationen unter Vorsitz von Professor J. A. Lindsav veranstaltet wurde. Herr Covvcn führte aus, daß der jetzige schreckliche Krieg schärfer als je die Tragödie der Lage des jüdischen Volkes hervortreten lasse. Um so notwendiger sei es, daß der Zioriismus seine Kraft und Aktionsfähigkeit st eigene. Der Jüdische Nationalfonds im Mai 1915 Die Eingänge für den Jüdischer! Nationalfonds betrugen in der Zeit vom 1. januar bis 30. April 1915 145 000 Francs. Im vergangenen Monat Mai haben die Spendencinnahmcn des jüdischen Nationalfonds die Totalsumme von 42 201,63 M.. ergeben. Hiervon entfallen auf: Nordamerika 14 762 M., Canada 7275 M., Deutschland 5369 M., Oesterreich 4977 AL, Holland 4489 M., Rumänien 2385 M., Rußland 1727 M., Italien 466 M., Südslavische Länder 335 M., Schweiz 267 M., England 128 M. und der Rest auf Australien, Frankreich und Ostasien. AUS ALLER WELT Aus Amerika. Die jiddischen Zeitungen Amerikas, die einen außerordentlich großen Einfluß besitzen, sind bekanntlich entschieden deutschfreundl ich und bekunden ihre Gesinnung, die den Wünschen ihrer nach hunderttausenden zählenden Leserkreise entspricht, in jeder ihrer Nummer. Die in englischer Sprache erscheinenden jüdischen Wochenblätter verfechten dagegen mehr die ״absolute Neutralität“. So heißt es im Amerikan H c b r c vv vom 11. Mai: ״Der europäische Krieg hat Amerika eine schwere Aufgabe zuerteilt, welche immer schwieriger wird, je mehr die Zeit fortschreitet und der Kampf jenseits des Meeres mit immer größerer Erbitterung geführt wird. Die Amerikaner sind von ihrem Präsidenten aufgefordert worden, strengste Neutralität zu wahren, was in diesem Lande äußerst schwierig ist, da viele seiner Bewohner erst vor kurzem aus dem einen oder anderen der in den Krieg verwickelten Länder gekommen sind. .Es wird daher für diese fast unmöglich, neutral zu fühlen, was sich in vielen AeuBerungcn der öffentlichen Presse bemerkbar macht. Man kann sie daher nur auffordern, neutral zu handeln und in ihrer Eigenschaft als Personlichkeit oder Korporation nichts zu unternehmen, was die eine oder andere Partei begünstigen könnte.“ Diese Grundsätze werden dann auf die amerikanischen Juden angevvendet, und zum Schluß der Betrachtungen heißt es: ״Unter diesen Umständen würde eine )Parteinahme der amerikanischen Juden als Ganzes eine groBe Gefahr bedeuten, die am leichtesten durch Beobachtung einer strikten Neutralität vermieden werden kann.“ Aus England. Mit Rücksicht auf das Ersuchen der Regierung sieht die Londoner Wochenschrift ״Jewish Chro: n i c I e“, wie wir ihrer letzten Nummer entnehmen, davon ab, ״irgendwelche Berichte über jüdische Personen zu erstatten, die dem Zeppelinangriff am Montag Abend zum Opfer gefallen sind.“ Die ״Jewish Times“, eine Londoner Jargon- Zeitung, mußte ihr Erscheinen e i n s t e I len, weil sie, entgegen der Warnung des Pressebureaus, Berichte aus der Umgegend von London, wo der Z e p p e I i n a n g r i f f erfolgt war, gebracht hatte. Aus Rußland. D i e jüdischen Flüchtlinge in R u ß I a n d. JAK. I>ie Zahl der j ii 11 i s c 11 c 11 Flüchtlinge a u s d e 111 p o 111 i s c 11 e 11 O!1 e r a t i o 11 s g e b i e t dürfte 250 000 betragen. Ein Teil von ihnen hat freiwillig Haus und Herd verlassen, um der Todesgefahr zu entgehen, ein anderer Teil ist vorn russischen Heer wegen erdichteter Verräterei auf die grausamste Weise aus seinen Wohnorten ve r - trieben worden. Die Flüchtlinge konzentrieren sich mit Vorliebe in W a r s c 11 a 11, das gegenwärtig SO 000 von ihnen beherbergen soll. Unter den Flüchtlingen herrscht unsägliches Elend. Die z a r i s t i s c 11 e R e gier u 11 g, die sieh auch wahrend dieses Krieges in jeder Hinsicht treu geblieben ist, erachtet cs als überflüssig, sieh um das Los der jüdischen Kriegsopfer im mindesten zu kiininieni. Die russische G e s e 11 s e 11 a f t allerdings denkt auch in dieser Hinsicht anders und hat manches für die jüdischen Flüchtlinge getan. So hat beispielsweise׳ der russische׳ k'ow m 11 lulverbar d eine Hilfsaktion zugunsten der jüdischen Kriegsopfer beschlossen mul mit der Eröffnung׳ einer Reihe von Volksküchen für jüdische Flüchtlinge in Warschau begonnen. Seitens der russischen und smerikultischen Juden wurden große Anstrengungen gemacht, um die UiigUickiiHien über Wasser zu halten. 47 000 jüdische Flüchtlinge in Warschau werden von der j ü d i s e 11 e 1! G e in e i 11 d e aus Mitteln, die ihr zu diesem Zwecke hauptsächlich vom j ii d i s e 11111 ׳ Z e 11 t r a 1 h i 1 f s k 0 in i t e e in Peters b 11 r g zugeführt werden, unterstützt, allerdings mit minimalen Beträgen von 7 -10 Kopeken täglich. Insgesamt unterstützt das erwähnte Komitee 153 000 Personen, die sich auf 140 Ortschaften verteilen. Eine Reihe von jüd i s c 11 e 11 (i e m e imlen im A 11 s i e d 1 u 11 g s - ravon hat sich aus freien Stücken erbötig 'gemacht, eine gewisse Anzahl von Flüchtlingen aufzimehinen und für deren Unterkunft Sorge zu tragen. Das sogenannte Zentralbürgerkomitee ia Warschau, eine von Pole n geleitete Körperschaft für Kriegsfürsorge, hat auch 3000 jüdische Familien unterstützt. Es liegen aber ernste Beschwerden vor, daß die notleidenden Juden von diesem Komitee, das sich die Befugnisse einer Volksselbstverwaltungskörpcrschaft ungeeignet hat, zurückgesetzt werden, daß die Zahl der unterstützten Juden in keinem Verhältnis zu der der Polen stehe, obgleich die;Mittel des Komitees nur zu einem geringen Teile von polnischer Seite herrühren. Letzthin fand in Moskau eine Delegiertenkoriferenz der auf dein Gebiete des Flüchtüngswesctis tätigen j ii d i s e h e n Kreise Petersburgs und der Provinz statt. Es wurde konstatiert, daß die Not unter den jüdischen Flüchtlingen so groß ist, daß ihr mit Privatmitteln keineswegs beizukommen sein wird. Und es wurde die Forderung nach einer allgemeinen Staatliehen Unterstützung erhoben. Da aber dies vorder hand nur ein frommer Wunsch bleibt, so beschloß die Konferenz, eine intensivere Sammlungst ä t i g k e i t einzuleiten und eine allgemeine S e 1 b's t - beste uerungder Juden Moskaus zugunsten der jüdischen Kriegsopfer durchzuführen. Unlängst hat der Warschauer Generalgouverneur, einem Wunsche einflußreicher polnischer Antisemiten entsprechend, die Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge aus Warschau verfügt. Mit der Abschiebung ist bereits begonnen worden. * Abraham C a h a 11, der Herausgeber des ״Vorwärts“ sprach in einer großen jüdischen Versammlung in New York über seine Eindrücke und Beobachtungen auf dem polnischen Kriegsschauplatz. ״Die längste Zeit,“ sagte fierr Cahan unter anderem, ״verbrachte ich in Russisch-Polen, in der Nähe von Lodz, und besuchte die Städte unti Dörfer dieses Bezirkes. Dieses Gebiet ist jetzt von den Deutschen besetzt und ich hatte!läufig Gelegenheit, ihre Behandlung der Bevölkerung mit dem zu vergleichen, was sich ereignet hatte, als die Russen dort waren. Der Vergleich fällt zugunsten der Deutsehen aus. Das Volk dort ist zufrieden und lobt die ״Streitmächte des Kaisers“. Zum erstenmal in meinem Leben sah ich Polen und Juden in Gegenwart von Soldaten ihren täglichen Beschäftigungen ohne Furcht und Streit nachgehen, und dies waren deutsche Soldaten. Ich prüfte die Erzählungen von russischer Willkür sorgfältig und notierte in jedem Fall genau Namen, Datum und Ort. Sowohl die russischen Offiziere wie die Mannschaften behandelten die Bewohner des Bezirkes auf schändlichste Weise.“ Diese Behauptungen belegte der Redner, der als Herausgeber eines sehr verbreiteten jüdischen Qrgans wohl bekannt ist, durch Erhärtung zahlreicher Einzelheiten. Das amerikanische Judentum ist über die Vorgänge in Russisch-Polen aus mündlichen und schriftlichen Berichten, Zeitungen und Briefen, gut unterrichtet, versäumt aber keine Gelegenheit, sich noch genauer unterrichten zu lassen. * Auf Anfrage der Stadtverwaltung von Rostow hat der Senat erklärt, daß die Ehefrauen jüdischer Männer, die Universitätsbildung haben und daher überall Wohnrecht besitzen, außerhalb des Ansiedlungsbezirkes sich nur dort aufhalten dürfen, wo sich ihre Gatten befinden. Senator Salus, Philadelphia, legte dem 5^‘nat eine Resolution vor, die von der amerikanischen Re-

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