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Jüdische Rundschau · 1915-06-11 · Heft 24 (11.6.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 24 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 24 1 1 r 1 1 r r r r :1 n n וו 7 1t 1t u 11 ix t, ß rf n t-!e n ס, is- 1ir- ■n ס; zt rn (-!s. lic 1 s de bt en de zu er, 1t: redehnten Teil des jüdischen Grundbesitzes in Erez- Israel zu erlangen. Die Leser dieser Blätter wissen, daß dies der Endzweck des Jüdischen Nationalfonds ist, und wie er seinem Ziele zustrebt. Ich darf bei ihnen eine vertrautere Kenntnis mit dem Zweck und dem System des Jiidischeu Nationalfonds voraussetzen, und sie werden daher ohne weiteres wohl verstehen, wenn ich sage, daß die Leitung des Jüdischen Nationalfonds eine hohe Aufgabe mit der Vorbeugung künftiger Notlagen erfüllen kann. Heute sind die!־'armen des Jüdischen Nationalfoiids noch nicht viel mehr als Versuchsstationen, die aber schon in dieser jetzigen großen Krise sich bewährt und gezeigt haben, was der Jüdische Nationalfonds leisten kann, wenn er schnell auf seinem Wege fortschreitet. Ein anderes Mittel einer Produktionsregulieruiig gibt es zunächst in Palästina nicht, auch keine andere Instanz. Darum ist es dringend erforderlich, daß das Interesse, das schon bisher dem Jüdischen Nationalfonds entgegengebracht wurde, vervielfacht, vertausendfacht wird. Die kleinen Gelegenheitsspenden sind gewiß sehr schön und überaus dankenswert. Aber damit ist es nicht getan. Es ist dringend notwendig, daß weitere Kreise für den Jüdischen Nationalfonds interessiert werden, daß die Eingänge für den Jüdischen Nationalfonds in ganz anderer Weise wachsen, als es bisher der Fall war. Auch in dieser jetzigen Zeit. Gerade sie soll uns eben lehren, daß es notwendig ist, vorzubeugen, daß in Zukunft Palästina nicht wieder solchen Krisen ausgesetzt ist und s91che Hilfsaktionen nötig hat. Das einzige brauchbare Mittel zu diesem Zweck ist der Jüdische Nationalfonds. Und sollen wir nicht hoffen dürfen, daß in dieser Zeit der Läuterung auch weitere Kreise der jüdischen Gemeinschaft über die Reihen unserer Gesinnungsgenossen hinaus die große Idee des Jüdischen Nationalfonds erkennen und sie zu fördern suchen, wenn auch wir Zionisten die Väter des Gedankens sind? Hugo Schachtel. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland kann ihre grossen Rufgaben nur erfüllen, roenn jeder deutsche Zionist dafür sorgt, dass die als Candesbcitrag und für den Propagandafonds eingehenden Summen waebaett. hn zu die ־8< eilern en- 1en 110- /.es 1C11 nci ttcbei als 0 III Erand!en lern llli.s׳ 1US- :en2 lern Eir 1bli■ jais, gen : in de! uns mit seiner bitteren, ätzenden Satire zu entmutigen suchte, ihm sekundierte Konstantin Schapiro, das Faktotum für alle jüdischen Angelegenheiten Petersburgs, der unser Unternehmen mit giftigen Waffen bekämpfte. Zu ihm gesellte sich Zebi Hirsch R a b b i n o w i t s c 11 mit seiner scharfsinnigen, zersetzenden Kritik und seinem kalten, berechnenden Verstand. Er leitete seine Auseinandersetzung mit den Worten ein: ,,Sie sind doch ein Mensch mit fünf gesunden Sinnen!“ und wie kann ein Mensch mit fünf gesunden Sinnen einen Augenblick an die Realisierung der Träume Kantors glauben? Der letzte im Bunde war Zeder bau in. Die erste Nummer erschien Freitag, und Samstag besuchte ich Konstantin Sch a p i ro. Auch Z e d e r b a 11111 stellte sich dort ein. Schapiro, der andere gern zum besten hielt, stellte mich also seinem Neffen Schapiro vor. Nach fünf Minuten.wußte ich schon klar und deutlich, daß der Hajjom mir eine Woche oder höchstens einen Monat existieren könnte. Aber ich brauchte nur J. L. Kantor anzusehen, die ihm innewohnende Riesenkraft und seinen starken unentwegten Glauben wahrzunehmen, um bald anderer Meiuung zu werden und an die Zukunft des 11 a j j o m zu glauben. Freilich, der Hajjom existierte nicht lange. Er behauptete sich zwei Jahre und einige Monate. Kantors Rechnung stimmte nicht in einem kleinen Punkt. Er wußte damals die einfache Tatsache nicht, die heutzutage jedem kleinen Kinde geläufig ist, daß kein Tageblatt, und Clara Schapira Clara Schapira, die Frau unseres Hermanu Schapira, ist am 22. Mai in Jerusalem gestarben. Fs ziemt uns nicht nur, das Andenken der Lebensgefährtin Professor Schapiras zu ehren : ihr Leben gibt ihr ein eigenes Anrecht, daß wir selbst in diesen Zeiten, da alles individuelle Schicksal erdrückt zu sein scheint, bei ihr in treuem Gedenken verweilen. Clara Schapira ist irn Februar 1858 in Odessa geboren. Ihr Vater war ein angesehener, wohlliabender Kaufmann; ihre Familie zahlte Salomo Jehuda Rapaport zu den ihren. Die alte Mutter, der es beschieden ist, die Tochter zu überleben, wohnt jetzt noch in Odessa und wirkt dort als Muster einer echt jüdischen Frau, die in Sorgen und rastloser Tätigkeit für die Not ihrer Volksgenossen aufgeht: ein Beispiel für die Tochter, in deren Seele schon von Kindheit an der Keim zur Größe der Lebensauffassung und ideellen Strcbens gelegt wurde. Das ganze Leben der Dahingegangenen war durchtränkt von diesen Grundsätzen. In ihren klugen, energischen Augen leuchtete ihre reine, empfindungsreiche Seele. Als junges Mädchen schon lernte sie Professor Schapira im Hause ihrer Eltern kennen und folgte ihm 1876, als Achtzehnjährige, als Gattin nach Heidelberg. Es war ein harmonisches Eheglück, ein Ineinanderaufgehen, das diese beiden bedeutenden Menschen lebten, das leider kinderlos blieb. Doch als sich Hermann Schapira mit seiner ganzen, ewig-jungen Kraft der eben erstandenen zionistischen Bewegung anschloß, kannte die lebliaft schwingende Seele der Frau kein anderes Ideal mehr als dieses: wie in allem, was voll ihm ausging, ward auch sie ganz von der Schönheit der uralten, neugeweckten Idee gefangen genommen. Es war beider Gatten innerste Sehnsucht, den Rest ihres Lebens in Palästina zu verbringen. Ihm war es nicht vergönnt. Er starb im zweiten Jahre des Zionismus in Köln, mitten in der Arbeit für die Bewegung, ohne das Land seiner Hoffnungen gesehen zu haben. Von da an führte sie ein arbeits- und entsagungsreiches Leben in Heidelberg, bis es ihr möglich war, in rastlosem, unermüdlichen! Tätigkeitsdrang den Sinn ihres Lebens zu erfüllen: leider nur für kurze zwei Jahre. Nicht um dort ihren Erinnerungen zu leben; um mitzuschaffen am Aufbau des Landes und des Volkes war sie hinübergegangen; aber die schwere Zeit, in der wir eben leben, verhindert uns in diesem Augenblick zu erfahren, geschweige ein hebräisches, von seinen Abonnenten leben kann. Vor allein hätte er sich nach Erlangung der Erlaubnis zur Herausgabe der Zeitung nach einem Finanzmann umsehen müssen. Aber ich will doch heute nicht über den Hajjom als Unternehmen sprechen, ob er lange existiert hat oder nicht, und warum er eingegangen ist. Die Hauptsache ist, daß er die erste hebräische Tageszeitung war. Auch die Redaktion des Hajjom hatte für mich viel Interessantes. Ich habe in meinem Leben in vielen Redaktionen gearbeitet, aber jene Zeit des Hajjom bleibt mir unvergeßlich. Es war ein schönes, freudiges Arbeiten aus reiner Liebe. Ein besseres Vorbild für eine Redaktion kenne ich überhaupt nicht. Es ging alles so spielend, daß einem nicht der Gedanke an eine Arbeit in den Sinn kommen konnte, jene Leichtigkeit, mit der wir selbst die sclnvierigsten und kompliziertesten Arbeiten bewältigten, nirgends findet man ihresgleichen. In zwei bis drei Stunden war das Blatt fertig, ln einer Zinunerecke stand Kantor und schrieb vor Schluß des Blattes einen Leitartikel oder einen Aufsatz. Nicht weit von ihm vollendete ich mein Feuilleton. Ueberall herrschte damals Freude, Frohgemut und Ausgelassenheit, von Arbeit oder Anstrengung war keine Spur. Bald kam der Dichter Frug in die Redaktion und schrieb einige satirische Gedichte. Da er nicht fertig wurde, ließen wir unsere Arbeit beiseite, um ihm behilflich zu sein. Einer schreibt ein russisches Gedicht, zu dem ein anderer eine Seite 191 inwieweit ihr Wille Erfüllung fand und.wodurch ihre Kraft inmitten der gegenwärtigen Krise vor, der Zeit gebrochen ward. Tieferschüttert und wehen Herzens stehen wir im Geist vor ihrem (irabe und schauen über die alte Stadt. Und fühlen, daß die Ideale, die diesen Beiden das Leben erst lebenswert gemacht haben, weiter leben bis zu ihrer Verwirklichung. Neben Hermann Schapira wird auch das Gedächtnis von Clara Schapira in uns fortleben. Mit Dank und mit treuem Gelöbnis schreiten wir den weifen Weg weiter, bis einst die Sonne alle Schatten vertrieben hat. M a!1 n 11 e i m, im Juni 1<I 15. 1 )r. P. S c 111 i f e r o w i t s c 11. Eine erfreuliche Nachricht über Josef Chasanowitsch Wir erhalten eine freudige Nachricht, deren Richtigkeit wir nicht bezweifeln und die wir deshalb, obwohl wir sie nicht genau nachprüfen können, unseren Lesern nicht vorenthalten dürfen: Josef (211 a s a 11 o w i t s c h lebt! Die Nachricht, daß dieser unser Gesinnungsgenosse, der Gründer der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem, einer der populärsten Männer unserer Bewegung, in seiner Heimatstadt Bialystoek ein außerordentlich verehrter und gelichter Arzt, gestorben sei, hat überall die tiefste Trauer hervorgerufen. Wir entnahmen die traurige Botschaft Privatbriefen und glaubten, an ihrer Zuverlässigkeit leider nicht zweifein zu können. Selbstverständlich versuchten war sofort, hauptsächlich durch das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation, Einzelheiten zu erfahren und erhalten nun die Nachricht, daß die Todesnachricht bisher keine Bestätigung erfahren hat. Auch die jüdischen Zeitungen Rußlands vom Ende Mai bringen keine Nachricht über das Ableben Josef Chasanowitsch’, so daß wir zu unserer großen Freude annehmen dürfen, daß die Todesnachricht auf einem Irrtum beruht. Wenn uns auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine weitere Prüfung vorläufig nicht möglich ist, hoffen wir doch, mit allen unseren Freunden und Lesern, daß Josef Chasanowitsch sich tatsächlieh des besten Wohlseins erfreut. Das Rilfehomltee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland braucht Mittel für seine humanitär« Hrbclt. ferner roerden — für Gefangeneniager usm. — Gebetbücher gebraucht. gleichlautende Nachdichtung verfertigt. Bald kommt S. Furie in die Redaktion. Kaum erfährt er, daß wir noch wenig Material haben, sofort macht er sich an die Arbeit. Nach einer halben Stunde ist ein Artikel von 200 Zeilen fertig. Aron Rosenfeld, ein ausgezeichneter Stilist, brachte seine Telegramme und einen Aufsatz. nach dem Journal de St. Petersburg. Nun machte sieh K r iw o s ch e j c \v , unser Korrektor, der spätere Direktor der Königlichen Theater in Warschau, an seine Arbeit und in 25 Minuten war die Korrektur gemacht. Auch der Täufling W. Sußmann, ein gefürchteter und strenger Zensor, kam des öfteren zu uns. Sehr oft wollten wir einen von der Zensur beanstundeten Artikel doch drucken. Um dies zu erlangen, mußte ich mit Sußmann in der Redaktion einige S c h a c 11 p a r t i e n spielen, manchmal sogar bis Mitternacht, ihn durch einige schöne Züge kirre machen, bis er unseren Wunsch betreffs eines Artikels erfüllte. Eine angenehmerc Redaktion kann man sich kaum vorstellen. Nur ein Kantor besaß jene geheimnisvolle Kraft, ein Tageblatt spielend zu redigieren. Der Hajjom ging plötzlich ein. Kein Mensch wußte einen Tag zuvor, daß diese Nummer die letzte sein wird. Ich schloß mein Feuilleton mit ״Schluß folgt“. Den Schluß habe ich bis heute noch nicht geschrieben. Der Hajjom ging ein, seine Wirksamkeit aber lebt noch fort.“

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