Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1g0 JUEDISCHE RUNDSCHAU weizen des Hauran, der sich zur Makkaroni- Fabrikation eignet, und die Braugerste von Gaza umfaßt, beides Produkte, die sich zur Verarbeitung als Brotgetreide wenig eignen und die in Anbetracht der immer noch mangelhaften Verkehrsverhiiltnisse nur sehr schwer auf den Markt von Jaffa und Jerusalem gelangen können, wo sie bekanntlich am nötigsten gebraucht werden. Was nun gar die jüdischen Kolonisten betrifft, so machen sie erstens nur etwa ein Zehntel der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas aus, so daß von einer Deckung des jüdischen Bedarfs durch die jüdischen Kolonien schon an sich nicht die Rede sein könnte, und besonders in Judäa, wo die meisten städtischen Juden wohnen (Jerusalem allein wird bis auf 70 000 Juden geschätzt), treiben unsere Kolonien sehr wenig Getreidebau, und auch ihre Baurnzucht usw. produziert zum weitaus größten Teil Artikel, die sich nicht zur Ernährung eignen. Man weiß, daß die Haupterzeugnisse der judäischen Kolonien Weintrauben, Orangen und Mandeln sind; — nach europäischen Begriffen also ausgesprochene Genuß- und nicht Nahrungsmittel. Die Araber geben uns zwar das Beispiel, daß man in der Trauhenzeit fast ausschließlich von Trauben und längere Zeit nachher noch weitgehend von Rosinen leben kann, so daß in dieser Zeit unter denjenigen Arabern, die als Eigentümer oder Arbeiter mit dem Weinbau zu tun haben, der Brotverbrauch auf ein Minimum und oft auf Null sinkt. Aber unsere aus Osteuropa stammenden Kolonisten und Arbeiter haben sich au diese, sicherlich gesunde, Lebensweise noch nicht gewöhnt, und auch die anderen nahrhafteren Südfrüchte, wie Feigen und Aprikosen, werden vorerst bedauerlicherweise von ihnen kaum angebaut. In diesen Hinsichten wäre künftig viel zu bessern. Aber der gegenwärtige Zeitpunkt ist sicher nicht geeignet, statt der dringend erforderliehen Hilfe Ratschläge zu erteilen, die im besten Falle '■®*et cafr״a*%:kn jahicu die Wiederkehr solcher Notlagen verhindern könnte«. Auch dann ist sogar fraglich, ob ein etwaiger Kriegsfall nicht doch wieder zu Lebensmittelknappheit führen könnte, denn eine Armee kann auch ein Vielfaches dessen requirieren, was heutzutage in Palästina zu holen war. Im übrigen haben die Getreidevorräte besonders unserer galiläischen Kolonien auch jetzt schon übermäßiges Steigen der Getreidepreise in den Städten verhindert und das türkische Heer verproviantieren helfen, und wir sollten froh sein, daß wir solche Dienste leisten konnten. Dr. J. L. Kantor Von Dr. Renzer. Kaum einige Wochen sind verstrichen, seit uns die traurige Kunde vom Tode Perez’ überrascht hat. Und wieder stehen wir an einem frischen Grabe, das sich über einen! der markantesten Träger des hebräischen modernen Schrifttums wölbt. Dr. Kantor, der Schöpfer der modernen Journalistik in der hebräischen Literatur, ist in Riga zu Grabe getragen worden. Zwar hat Kantor in den letzten Dezennien keine nennenswerte literarische Tätigkeit entwickelt und dürfte daher dem jüngeren Geschlecht des hebräisch lesender! Publikums wenig oder gar nicht bekannt sein. Aber die Begründung der ersten hebräischen Tageszeitung, im streng europäisehen Geiste redigiert, war damals eine Kraftleistung, die nicht hoch genug bewertet werden kann. Im Jahre 1886, wo die ersten Versuche, die hebräische Sprache wiederzubeleben, als Träume von Utopisten und Phantasten angesehen wurden, schritt Kantor zur Herausgabe des ersten hebräischen Tageblattes ,,Hajjom“. Es gehörte dazu ein unversiegbarer Mut und ein unerschütterlicher Glaube an die Lebenskraft und Schmiegsamkeit der hebräischen Sprache. Zugleich war dazu ein großes Maß von Vertrauen auf die hebräischen Leser vonnöten, um an ein solches Unternehmer! herantreten zu können. In der Zeit, nach dem Kriege wird es sehr dienlich sein, wenn die Freunde des jüdischen Palästinawerkes sich mehr als früher um die Fragen der praktischen Kolonisation kümmern wollten, aber im Augenblick kommt es viel mehr darauf an, den palästinensischen Juden über die Kriegsnotlage hinwegzuhelfen und die Arbeit zu leisten, für die im jüdischen Palästina einstweilen noch die allgemeinen staatlichen und kommunalen Fürsorgestellen und ähnliche Einrichtungen fehlen. Unabwendbar? So sehr man auch den Ausführungen Leo Rosenbergs in Nr. 21 der ״Jüdischen Rundschau“ beipflichten und sich über seine sachlichen und fachlichen Zurückweisungen der von Dr. Arthur K a h n in der ״J ü d i s e 11 e n Presse“ beklagten palästinensischen ״Entt ä us c 11 u n g e n“ freuen muß, wird man doch dem Abschluß des R o s c n b e r gs c 11 e 11 Aufsatzes nicht zustiminen können. Zunächst erscheint uns schon der letzte Satz seines Artikels ein wenig überflüssig, besonders einem Mann gegenüber, der sich bisher noch immer als tatkräftiger Helfer und nicht als übelwollender Kritiker erwiesen hat. Aber auch wenn man noch so viel gegen die Klagerede Dr. Kahns einzuwenden hat und sie bis zum Ende widerlegen kann, so kann man doch über den Ausgangspunkt seiner Ausführungen, über seine vorsorgliebe Warnung nicht so leicht, wie es Rosenberg tut, damit hinweggellen, daß man sagt: ״Schließlich wird aber auch dieser furchtbarste aller Kriege nicht ewig dauern. Die Hilflosigkeit, in der sich gegenwärtig unser nach außen isoliertes, im Innern aber von jeder äff entliehen Wohlfahrtsorganisation entblößtes Land befindet, ist eine durchaus natürliche Erscheinung, eine unabwendbare Folge einer naturgewaltigen Erschütterung aller normalen Lebens- Verhältnisse.“ Selbstverständfcl».. wird ■ dieser Krieg nicht ewig dauern. Gebe Gott, daß er bald zu Ende geht. Aber wer bürgt dafür, daß er der letzte der Kriege ist, der letzte vor allem, an dem Palästina beteiligt ist? Ist nicht gerade die Türkei gefährdet? Was ist, wenn bald oder in absehbarer Zeit ein neues Völkerringen den Balkan und vorderen Orient und mitten darin Palästina erschüttert? Soll dann wieder die von Rosenberg als ״durchaus natürlich“ und als ״unabwendbar“ hingestellte Erscheinung eines Mangels an Brotgetreide eintreten? Soll Palästina dann wieder auf sich bekämpfende oder bestenfalls Keine der literarischen Schöpfungen der letzten Jahrzehnte hat der hebräischen Literatur einen solchen Ruck nach vorwärts gegeben, hat sie wie mit einem Zauberstab von dem primitiven und naiven Gelalle ihrer Skjiberiten befreit, wie die Gründung des Hajjom. Nun wurde das Hebräische in die reale Wirklichkeit gestellt und mußte seine Lebensfähigkeit und Kraft im Drange der eisernen Tatsachen bewähren. lieber die Entstehung des Hajjom gibt uns David Frisch mann, ein Mitarbeiter Kantors in der Redaktion des Tageblattes, eine intercssante Skizze, aus der hier einige Stellen aus dem Hebräischen*) übersetzt seien. ״Wenn wir einen Anfang, mehr als einen Anfang einer Literatur haben und viele bedeutende literarische Produkte aufzuweisen haben, müssen wir dafür Kantor Dank wjssen. Die neue Epoche beginnt mit seiner Neuerung und der sich anschließenden literarischen Arbeit. Wenn wir endlich etwas besitzen, das mehr oder weniger einer Literatur gleichkommt, so datiert dies erst seit der ersten Nummer jenes ersten hebräischen Tageblattes Hajjom. Die ganze Literatur erhielt mit einem Schlage ein anderes Gepräge. Man kann sich kaum vorstellen, welche erzieherische Wirkung und welche kulturelle Bedeutung jene Neuerung im Gefolge hatte. Wenn ich nicht fürchtete, ausgelacht zu werden, würde ich sagen: das war eine Erfindung, ähnlich der *) D. Frischmann, Gesammelte Werke, Bil. 2, Warschau 1914. Nr. 24 Nr sich ergänzen-wollende Hilfsaktionen angewiesen sein? Ist das Erez-Israels würdig? Ich wundere mich, daß solche Gedanken Leo Rosen berg nicht kamen, die doch für jeden, selbst nicht zum Pessimismus neigenden Juden und Zionisten jetzt so nahe liegen. In I) e 111 s c h 1 a n d , mit dem Rosenberg in seinem Aufsatz Palästina des öfteren und ganz mit Recht in Parallele stellt, wird schon dafür gesorgt werden, daß hier in Zukunft selbst der leiseste Gedanke an die Möglichkeit einer Aushungerung nicht mehr aufkoirunen kann. Aber wer wird in Palästina dafür sorgen? ln Deutschland wird es ״von oben her“ geschehen. Das ״wie“ wollen wir hier unerörtert lassen und auch die Frage, oh genügend radikal, zu deutsch: von der Wurzel aus. Jedenfalls wird dabei sehr in Erscheinung treten, wie der Krieg die Anschauungen gewandelt hat in bezug auf alle Fragen der Agrarpolitik. Aber wird man auch in Palästina wie bei uns zu Lande!ungelernt haben? Werden vor allem unsere Kolonisten!ungelernt haben? Vielleicht werden sie wenigstens gelernt haben, daß es notwendig ist, selbst Gemüse zu bauen, Geflügel zu züchten u. dgl. und sich damit nicht auf die Araber zu verlassen. Aber wie wird es in Zukunft mit dem Körncrbau stehen? Man kann nicht, wie es Dr. Kahn tut, eine Besserung dadurch herbeiführen wollen, daß man den! einzelnen Kolonisten einen Vorwurf aus seinem ״Egoismus“ macht, weil er die in Friedenszeiten einträglichere Plantagenwirtschuft dem Getreidebau vorzieht. Das ist eine kapitalistische Erscheinungsform, aus der dein Einzelneil einen Vorwurf zu machen ebenso rückschrittlich ist, wie das Verhalten des Antisemiteii gegenüber dem jüdischen Warenhaus- Besitzer. Was zu bekämpfen ist, ist der Kapitalisiuus als solcher, zumal andere seiner Erscheinungsfornien unserer palästinensischen Landwirtschaft in Zukunft wahrscheinlich ebenso zu schaffen machen werden, wie schon jetzt in andern Ländern, auch in den argentinischen Kolonien •und zwtiuTeil auch bereits in, PaUjsfin;., Und in diesen Kampf sind wir ja bereits eingetreten. Wir Zionisten. Mitunserm Nationalfonds, Schon jetzt haben wir erfahren, daß die Farmen des» Jüdischen Nationalfonds zu Beginn des Krieges reichlich mit Brotgetreide versehen waren. Der Jüdische Nationalfonds gibt auch die Möglichkeit, daß in zukünftigen Krisen solche, diesmal noch ״natürlich“ erscheinende Folgen nicht mehr eintreten. Allerdings ist dazu nötig, daß der Jüdische Nationalfonds schneller, viel rascher als bisher zu seinem Ziele kommt: dehnt Israel wisse Natic: streb׳ nis ת scher den ich s fond‘ ki'ml'1 Farn: viel in d und tioiw seine eine! in F Dari esse, fond taus! speii dank Es i für e den, null'( hisli׳ Ger; wen lästi ist 1 -;ige Jiidi hoff uucl übei liina fonc aucl sind h ס d i das Obereigentum über einen möglichst ausgeder Eisenbahn. Endlich begann eine Eisenbahn auf den! Gefilde der hebräischen Literatur zu verkehren. Nicht die Dampfkraft allein war die Hauptsache bei jener Erfindung, nicht die Möglichkeit, von einer Stadt in die andere schnellstens zu gelangen, war das wichtigste, sondern all die wunderbaren, unermeßlichen Errungenschäften, die im Gefolge jener Neuerung überall in die Erscheinung traten. Wir bekamen einen neuen Rhythmus, das Tempo eines 1110dernen Volkes. Dadurch mußte unser ganzes kulturelles Leben eine neue Wendung bekommen und dieses alles hat J. L. Kantor mit seine! ersten Tageszeitung geschaffen. Ach, wie spotteten jene gewitzigten Ueberklugcn damals über ihn und sein Vorhaben . .!“ Frischmann wurde von Kantor als sein Mitarbeiter in die Redaktion des Hajjom nach Petersburg berufen und schildert sejue Erfahrungen bei der Fahrt nach Petersburg und in der ersten Petersburger Zeit folgendermaßen ״In einen! Abteil der Eisenbahn, in dem ich Platz genommen hatte, fand sich zufällig N. So ko low. Auch dieser kluge, weitaus schauende Mann glaubte nicht an die Existenz eines hebräischen Tageblattes und begegnete dem Vorhaben Kantors mit Achselz'ucken. Ein Spielzeug für kurze Zeit! Das hebräische Publi Iciun hat kein Verlangen nach solchem Luxus, Man will durch solche extravagante Neuerungen selbst das schwer Errungene uns rauben! Die Hauptgegnerschaft fand sich erst ii Petersburg. J. L. Gordon war der erste, dm uns mut Sei Ang lieh׳ gesi mit sein sein ״Sit Sin! ges־ sier letz Nui ich stel ger Nef ich nur exi! Ka Rie Gl; nur H; Fr Ka Ule r1״ Kir