Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ausweis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Schekel 1913/14: Bremerhaven S, -, Erfurt 30,—, Hohcnsalza (Jugetidverein) 12. . Landesbeiträge 1914: Bremerhaven 36,35, Cöln Verein Haschachar 3S,, Erfurt 10. , Evdtkuhiien 30,--, Hohcnsalza 11.20, Jugemlverein hohcnsalza 18,—, Kosehinin 6,40, Mainz -!, , Ryluiik 10- Stuttgart 30,- . '; Schekel 1914/15: [)armstadt 3, , üolltib 21, , Wronke 25, aus dem Felde 3, .; Landesbeiträge 1915: Darnistadt 3,—, Gollub 24, - Wronke 75.—. Propagandafonds 1915: Berlin: Frau Becky Engel 20,— (davon 10,— noch f. 1914); Elberfeld: Dr. Orüncbcrg 20,—; Essen: Albert Baruch 5.; Frankfurt a. M.: X. N. S,—; Köln: S, Enker 5,--; Leipzig: (Jttilie Löwenthal 10,; Wilhelm!Jubilier 10,—; aus dem Felde: Ers.-Res. Gustav Salomo» (Bochum) 10,--; Arthur Stein 10, . Verschiedene Spenden: aus dem Felde 3, und 3.—. Eingang vom 3. bis 9. Juni 1915: Schekel 1913/13: 50,— M.; L a 11 d e s h e i t r ii g e 191-1: 243,93M.; Schekel 191445: 54,-- M.; Landesbeitrage 1015: 102,-■• M.; Propaganda- Fonds 1915: 106,-- M. Gesamte in gang: Scheke 11913/14: 5383,— M.; La n d e s b c i t rii ge 1914: 7940,95 M.; Schekel 1914/15: 1797,— M.; L a n d e s b e i t r ä g e 1915: 1791,- M.; Propagandafonds 1915: 6206,— M. “ ׳•׳'' *"״ ' '״ ' rtc h t 1 g 11 n " ־״ ״'׳*״׳ ־'*־' ''־■' ln Nr. 23 sind 5,— M. als Propagandafonds- Beitrag \on R. Warburg atisgewiesen, die für die Notstandsaktion bestimmt waren. «Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlieh-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina." Baseler Programm. Solidarität Die russischen Hochschulen sind bekanntlieh zum Teil der jüdischen Jugend so gut wie verschlossen, zum Teil läßt das Gitter der Prozentnorni nur eine bestimmte und beschränkte Anzahl jüdischer Studenten zu den Stätten akademischer Bildung zu. In Petersburg aber besteht ein Institut, das jüdische Studenten nicht einmal durch die Prozentnorm fernliält: ,das psychonervologische Institut. Gegenwärtig sind unter den Studierenden an diesem Institut etwa 1200 Juden. Diese Zahl entspricht einem Prozentsatz von 40 Prozent. Dieses Institut muß natürlich einen Preis dafür zahlen, daß es jüdische Besuchet ganz ohne Beschränkung aufnehmen darf: es besitzt nicht die Rechte der staatlichen Hochschulen, kann daher vor allem keine staatlich anerkannten Zeugnisse ausstellen. Den Weg zum akademischen Beruf öffnet also das psychonervologische Institut nicht, die lockenden Möglichkeiten einer materiell gesicherten Existenz lind des Rechts der den Akadcinikern in Rußland gewährten Freizügigkeit bieten : sich dem Absolventen dieses Instituts nicht. Aber der Wissenschaft zu dienen, die Wahrheit zu erforschen, in wissenschaftlicher Arbeit sich zu einer Höhe menschlicher Kultur zu erheben, das sind Ziele, die hunderte junge Juden an das psychonervologische Institut in Petersburg fesseln. ־ Nun hat die russische Regierung, das Kultus- Ministerium, diesem Institut, das sich durch wissenschaftliche Leistungen einen begründeten Ruf geschaffen hat, einen Vorschlag gemacht. Das Institut soll sämtliche Rechte einer Staatliehen Hochschule unter der Bedingung erhalten, daß das übliche ProzentverhäJtnis für jüdische Studierende eingeführt wird. Um den Studierenden, die schon jetzt das Institut besuchen und daher gewissermaßen als zum Organismus der Anstalt gehörig betrachtet werden können, den Wechsel erträglich zu machen, wollte das russische Kultusministerium freundlicherweise gestatten, daß die augenblicklich am Institut studierenden Juden von der Prozentnorm nicht betroffen werden und ausnahmslos ihr Studium beenden dir!׳- feil, wenn sie dazu bis zum Jahre 1920 imstande sind. Für alle Neuaufnahmen aber solle dann die übliche Prozentnorm gelten: nur 3 Prozent der Studenten dürfen Juden sein. Allerdings gab es eine kleine Gruppe von jüdischen Studenten, die auf den für sie so verführensehen Vorschlag des Kultusministeriums eingeheii wollte. Die Majorität war aber gegen die Annahme. Er wurde abgelehnt. Die jüdischen Studierenden erhalten keine staatlich anerkannten Zeugnisse, können ihre Kenntnisse also nicht im Beruf und damit auch zum Wohle ihrer persönlichen Freiheit und Entwicklung verwerten. Lind gerade in den letzten Wochen iatbeir* ::4״:מ1&!,׳,ו*ו»9־׳זממ)0,1:ר״י^ג dium am psychonervologischen Institut geineldet, so daß nach ihrer Aufnahme der Prozentsatz der jüdischen Studenten an dieser Anstalt gegen 65 Prozent betragen wird. Nicht deshalb scheint uns dieser Vorgang wichtig, weil er in den raffiniert grausamen Geist russischer Regierungskunst hineinleuchtet. Wir sind gewohnt, von der russischen Regierung Beweise eines durchaus nicht primitiven und nicht leicht zu bekämpfenden Antisemitismus zu empfangen. Wir wissen, daß der Vernichtungskainpf gegen das jüdische Volk im Reiche des Zaren mit allen Kunstmitteln berechnender und verbohrter Verfolgungssucht geführt wird. Das Danaergeschenk des Kultusministeriums entspricht durchaus dem Geist des russischen Regicrungsantisemitisnius, der unablässig bemüht, ist, den Juden den letzten Rest materieller Sicherheit und geistiger Freiheit zu rauben. Ein Drittel muß verhungern und vernichtet werden, ein Drittel muß auswandern und das letzte Drittel — Die Juden des psychonervologischen Instituts haben aber den Vorschlag des Kultusministeriums abgelehnt. Wie sie darauf verzichtet haben, manchen ihrer Altersgenossen nacheifernd, durch die Taufe den Weg zu Bildüng und Beruf zu finden, so lehnen sie es ab, durch einen feineren, aber nicht minder verachtliehen Verrat für sieh persönlich ein Recht und eine Lebensmöglichkeit zu gewinnen. Sie wollen nicht ihr Zeugnis erschachern, indem sie einer nächsten Generation durch ihre Mitwirkung an der Einführung der Prozentnorm eines der letzten Tore zu wissenschaftlicher Arbeit versperren. In den jungen russischen Juden lebt Kraft und Würde. Auch der russische Antisemitismus, Verfolgung und Verachtung, Blut und Kerker konnten sie nicht entmannen. Wollen und müssen wir uns nicht stolz und freudig zu der Gemeinschaff mit dieser Generation der russischen Juden bekennen, fühlen wir nicht die Verbundenheit mit ihnen als ein lebendiges Gut unseres Blutes und unseres Schicksals? Doch in uns Juden Deutschlands und Oesterreichs steigt eine Erinnerung auf. Es gab eine Zeit, da die studentischen < Jrganisationen hei uns sich ihrer Juden entledigen wollten. Sie führten die Prozentiiorm ein, mir ihren schon aktiven ״Mitgliedern und ihren ״Alten Herren“ erlaubten sie, weiter Mitglieder zu bleiben. Dainals trat ein Theodor Herzl aus seiner studentischen Korporation aus. Damals begann es auch im Westen, daß sich die einen um das Banner des Jude11stol7.es und der Arbeit für jüdische Zukunft und jüdische Volkserueuerung sammelten, während die andern, schnell oder langsam, sich in den Strom der Assimilation, der jüdischen Selbstentäußerung, warfen. Vielleicht wird wieder eine Zeit kommen, wo es sich um solche Entscheidungen handeln kann. Vielleicht wird es für uns Juden Deutschlands und Oesterreicli - Ungarns dann um Wertvolleres und Bedeutsameres gehen als um studentische Formen und selbst um akademische Rechte. Vielleicht wird es sich in nicht allzu ferner Zukunft darum handeln, daß wir uns mit unserem ganzen Sein und Wollen, mit Treue und mit Kraft, für die Eiitwicklungsmüglichkeifen und das Recht unserer ostjüdischen Brüder einsetzen. Dann wollen wir uns des Beispiels erinnern, das die jüdischen Studenten des psycho-;BWÄTilt'ÄSieij' 4»*Mtwtet% VflÄ*’ haben. Sie wagten es, ihre Interessen zu opfern, wo es das Wohl und die Würde der jüdischen Gemeinschaft galt. Zur Hilfsaktion für Palästina Von Davis Trietsch, Berlin. Der Notstand in Palästina, der in der jetzigen schweren Zeit zu besonders energischer Sammeltätigkeit Veranlassung gibt, hat zahlreiche Freunde des jüdischen Palästinavverkes — und zwar vorwiegend solche des ״neuen jischub“ — zu allerlei Bedenken und Zweifeln gebracht. Sie stellen auf Grund der Propaganda für die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation im Heiligen Lande unter dem Eindruck, Palästina als agrarisches Land und die dortigen Juden als Bauern könnten unmöglich durch den Krieg in eine Lebensniittelnot geraten. Nun haben wir zwar erst in diesen Tagen in allen Zeitungen lesen können, daß das hochagrarische Rußland Mangel leidet: an Roggen in Wilna, an Zucker in Moskau und in ״Retrograd“, an Fleisch in Moskau und in Warschau (wo jetzt das Fünffache des üblichen Preises gezahlt wird!), und an allen Lebensmittein in den Gouvernements Wjatka und Wladimir. Und dabei ist Rußland tatsächlich der agrarischste Großstaat, und sein üblicher riesiger Export an Brotgetreide, Zucker usw. ist tatsächlich durch den Krieg vollständig unterbunden, so daß ein ungeheurer Ucberfluß im Lande bleibt! Palästina hingegen ist in viel geringerem Maße agrarisch. Seine Einwohnerschaft lebt zur größeren Hälfte in den Städten. Ein Export — nach anderen Teilen der Türkei und im Wege der obligatorischen Versorgung der Sinai- Armee — findet auch während des Krieges statt. Selbst im Frieden werden Lebensmittel eingeführt, und wenn die Ausfuhr auch bei weitem überwiegt, so steht doch einem Ausgleich entgegen, daß die palästinensische Ausfuhr an Getreide beispielsweise den Spezial-