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Jüdische Rundschau · 1915-05-21 · Heft 21 (21.5.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 JU EPISCHE RUNDSCIH AU Seite 169 Der Perez-Abend Die Berliner Zionistisch« Vereinigung veranstaltete Montag, am 17. Mai, zur Ehrung des verstorbenen Dichters J. L, Percz im Meistersaal einen Percz-Abend. Eine groflc Zuhörcrschalt war erschienen, um die Feier zu einer würdigen Kundgebung intd einer wannen Ehrung des großen Verstorbenen zu gestalten. Und der Abend war, dank der Ansprache Dr. Martin B11 b c rs über J. L. P c re z und dank der außerordentlich feinen, verständnisvollen und leben• digen Vorlesung Ludwig Hardts, tatsächlich von ganz ungewöhnlich geschlossener und reiner Wirkung, b u bc r sprach zunächst einiges Allgemeines tiher die Eigenart und Entwicklung der jüdischen Literatur und legte sodann die besondere Stellung von Percz innerhalb dieser Literatur dar. Er war ein Erzähler, doch haben seine Werke im Gegensatz, z.u denen seiner Zeitgenossen eine ethisch-lyrische Prägung! das Gcfühlsmällige herrscht vor. Sein Hauptgegenstand sind die l eiden und Freuden der breiten Volksinassc, die er nicht in epischer Objektivität abschildcrt, sondern aus seinem tiefen Mitgefühl mit den Armen und Unterdrückten, aus seiner Liebe für die Stillen und Einfähigen nachschafft, so daß ihre Stimmung uns unmittelbar ergreift. Percz hat der stummen Seele des ostjüilischen Volkes Sprache geliehen; sic wird sein Gedächtnis treu und dankbar bewahren. Ludwig Hardt las die Oeschichtc ״Bonze schweigt“, er las mit einem köstlich warmen und innigen Ton den kranken Knaben und zum Schluß die Wandlungen einer Melodie. Der hebräische Dichter S. S c h n e ü r las einige jüdische Gedichte Peres’, in schlichter Wiedergabe den Ton treffend, — Daß der Reinertrag des Abends dem Hilfswerk für Palästina einen größeren Beitrag brachte, ist zu begrüßet). Seder in Feindesland III Der erste Sederabcnd . . . Weites Schlachtfeld , . . Meine Oedanken weilen in der Ferne bei den Lieben. Bei dem weißgedeckten Tisch, bei den Jontcwlcuchtcm, bei der Mazzoth, bei den dampfenden Schüsseln ... bei dem angebratenen Knochen . . . dem Knochen ... Ja! Knochen liegen auch hier zu meinen Füßen . . . Sollte tics das einzige Wahrzeichen sein des Scders im Felde?! . . . Lm merkwürdiges Gefühl: das erste Mal ohne riehtigen Seder. — Da! . . . Scheinwerfer, Lcuchtraketcn blitzen auf am kriegsrofen Horizont. Sind das nicht die Flammcnzcichen Gottes am weiten Weltaltar?! — Seiler auch hier . , . Der Herr selbst entzündet seine Peßachlichtcr am gestirnten Himmelszelt . . , Liegen doch weit draußen auf den Schlachtgcfildcn über eine halbe Million von seinem alten Volke. — — Ma nischtanu halaihlu hase? Warum ist diese Nacht ausgezeichnet von allen andern? . . . Und wieder sinne ich in die Nacht hinein ... Ist denn nicht Krieg? Was kümmert mich’s heuteI Friede ist in meine Seele gezogen ... Ja! Es gibt noch ein großes Gefühl, das die Seele erhebt über alles irdische KricgsgctümmcL Es gibt noch einen stillen Seder. Er lebt da draußen in den Herzen unserer jüdischen Kämpfer. Ein stiller Seder, der auch mich erhebt: iwri onauchi! — Fritz Sch. Aus sibirischer Kriegsgefangenschaft Nikolsk, den 1. IV, 1915. Geliebte Mutter und Geschwister! Heute wurde mir von S. Frcudcnthal Rubel 20,20, sowie von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ein Licbcspaket, am 5. 11. von Berlin abgesandt, cingehändigt, Es enthielt einige Süßigkeiten, vorschiedene nützliche Sachen und unter anderem cm Paar von Fräulein Rosi Bcrney-Mannhcim, lullastralle 21, selbstverfertigte, sehr gute wollene Strümpfe und ein von ihr verfaßtes Oedichtchcn. Ueber diese Aufmerksamkeit habe ich mich natürlich riesig gcfreut und da unberufen kaum ein Tag vergeht, der mir nicht etwas aus der Heimat bringt, (üble ich mich von soviel Liebe umgeben, daß ich die weite Treunung und die Gefangenschaft beinahe vergesse. Die Sederabcnde habe ich würdig und vorschriftsmäßig verbracht. Die Stimmung war anfangs sehr ernst und kein Auge blieb trocken. Nach Berlin- Mannheim bitte ich jedenfalls zu danken, was ich natürlich auch tue. Vielen Dank für das Ocld und herzliche Grüße und Küsse von Eurem Erlen. Aufruf der Jüdischen Turnerscliaft Der Kriegswinter ist vorbei und zahlreiche Briefe aus dem Felde haben uns gezeigt, daß die )aheimgcbhebcnen ihr Teil dazu beigetragen ta en, unseren Turnern draußen Erleichterungen bei den schweren Strapazen der Wintcrmonatc zu verschaffen. Aber wir wollen darum nicht zufrieden die Hände in den Schoß legen. pic Sommermonate nahen und mit Ihnen die drückende Last der Hitze und des Staubes. Wer die Sommerarbeit unserer jüdischen Turner kennt, weift, daß sic sich allen Mühseligkeiten gewachsen zeigen werden. Trotzdem ist cs an uns, ihnen mit Liebesgaben zu beweisen, daß unser Herz bei ihnen ist. Auch die kleinste Gabe kann Erquickung in schwerer Stunde bringen. Jüdische Turner und Krieger; dieser Zusamnicnklang macht uns froh, denn er bedeutet Begeistemug und Kraft, Auf diesem Boden wird die Zukunft unseres Volkes blühen. Darum wollen wir wie im Winter auch jetzt wieder Liebesgaben an unsere Turner ins Feld schicken. Wir werden auch diesmal nicht vergcblieh bitten. Alle Spenden (Lebensmittel, Getränke, Erfrischungcn, Marmeladen, Schokolade, Rauch«■ werk usw.) sind zu adressieren an das Büro der Jüdischen Turnerschaft, Berlin W. 15, Hlcibtreustraßc 25. Eingeschriebene und Geldsendungen sind am die persönliche Adresse unserer Sekretärin Frau lein Anni, Zucker (für die Jüd. Turncrschaft), Bcrliiii W. 15, Blcibtrcustr. 25 zu richten. Ueber die Spenden werden wir in der ״Jii dischen Rundschau״ quittieren. Der Ausschuß der Jüdischen'Turnerschaft. Dr. Leo Münz. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Amerika. Die 18. Jahreskonvention der Federation of American Zionist» wird in Boston stattfinden mul am Sonntag, den 27. Juni, morgens 10 Uhr, eröffnet werden. Sie wird wahrscheinlich bis zum Donnerstag, den I. Juli, fortgesetzt werden. Am Sonnabend, den 26. Juni, werden die üblichen Vorhesprcchungcn stattfinden. — Diese Konvention wird die wichtigste Jahreskonferenz sein, die die ameriklinischen Zionisten jemals veranstaltet haben. Unsere Gesinnungsgenossen in Amerika müssen eine außergewöhnliche Verantwortung übernehmen; große Verpflichlimgen und Opfer werden von ihnen gefordert. Zu dieser Konvention werden Vertreter aller zionistisehen Organisationen Amerikas erwartet. Die H a - das sali, deren Vorsitzende Frl. Szold ist, und die Organisation der J 0 u n g h Jude a werden gleichzeitig in Boston ihre Tagungen abhaltcn. Die zionistische Landesorganisation Misrachi hielt am 23. April ihre Jahresversammlung ab der eine Anzahl weiterer Versammlungen folgte, Mehr als 500 Vereine waren vertreten. Rabbiner Abraniowitz, St, Louis, leitete die Versammlung, Rabbiner Meier Berlin aus Deutschland, der ict/.t in Amerika weilt, um für die imsrachistisclic Organisation Propaganda zu machen, wurde herzlich begrüßt. Der Bericht des Kassierers bewies, daß die Finanzen sich in gutem Zustand befinden und daß der Misrachi in den Vereinigten Staaten 05 Zweigvereine hat. ., . _ , , . Rabbiner Margoltcs spracli für die Errichtung der nationalen Universität in Jerusalem. — In einem Telegramm an den Präsidenten Wilson, sein Kabinett den Senat untl das Abgeordnetenhaus drückte die Versammlung den Wunsch nach Wahrung vollkommciicr Neutralität aus. Bürgermeister Marks und Louis l>. Brande!» hatten Begrüßungsschreiben *'CS!* *Ain'zweiten Tage der Versammlung befanden sich unter den Teilnehmern Dr. Stephen S, W i s c, Dr. Maurice H. Harris, Leo K o h n 8, Hermann Bernstein, William Rosenau, Baltimore, Dr. Rudolph brosman und Isidore Lcwi von der ״Tribüne“. Am selben Tage sprach Herr Nathan Straus in einer Öffentlichen Versammlung und versuchte, die wohlhabenden Juden Amerikas aufzurütteln, deren Ocwisscn noch nicht erwacht sei, um die Lage ■ihrer auswärtigen Brüder durch Geldmittel zu verbessern. Es war für die ca. 1000 Personen, die der Misrachi- Versammlung beiwohnten, eine uebcrraschung, daß Herr Straus, der den Ruf eines ״Reformjuden" hat, eingewilligt Hatte, in einem jüdlsch-orthodoxen Kreise zu sprechen; er gab für seine An- Wesenheit folgende Erklärung: ״Ich begann damit, ein orthodoxer Jude zu sein, dann wurde ich ein reformicrtcr. Jetzt, meine Bruder, bin ich wieder einer von vielen, einer von Euch. Ich versuche, die Reichen zu bewegen, ihren elenden Brüdern zu helfen. Wir müssen der Welt Einigkeit zeigen, und wir Juden werden imstande sein, etwas zu leisten. Wenn wir zusammenatbeiten, werden uns die Völker der Welt einen angemessenen Teil zuerkennen müssen. Die armen Juden tun mehr als ihre Pflicht. Von den reichen Juden kann man das nicht sagen. Nur, wenn es treu Zusammenhalt, wird das jüdische Volk anerkannt werden." Die Fonds des Provision,11 Zionist Committee betrugen am 31. März: Notstandsfouds ö9 328,77 Doll. Allgemeines Hilfswerk für Palästina 57 191,78 ״ Personen und Institutionen 119 515,53 ״ Das Komitee hat monatliche UnterstülZungen für die notleidenden russischen Studenten in der Schweiz bewilligt. \ * Herr Abraham Oo Id borg, der Herausgeber des ״Yiddischcn Folk“, unternahm in der?weiten Hälfte des April eine zionistische Propagandatoumec nach verschiedenen Städten des mittlerent Westens (Philadelphia, Buffalo, Rochcstcr, Chicago,' Montreal und Toronto). — Zu Ehren des Herrn Samuel Pcwsncr aus Haifa (Palästina) veranstalteten seine zionistischen Freunde am 18. April ein Diner. Herr Pcwsner hält sich bereits seit mehreren Monaten im Interesse der jüdischen Orangcnpflaii/cr Palästinas in Amerika auf und hat sich um das Zustandekommen der Anleihe Verdienste erworben. — Herr Charles Co wen, Executive-Mitglied der Föderation, hielt in einer Versammlung der Maccabcan Zionist Society am 18. April eine Rede, •— Herr Louis 1. ipsky, Vorsitzender der Federation of American Zionists, sprach in der dritten Anril-Woche in mehreren zionis! Rehen Versammlungen in Virginia, und zwar in Norfolk. Newport News, Portsmouth, Richmond, Danvillc timl Roanokc. Er war von Herrn S. Fr unket, dem bekannten jiddischen Propagandisten, begleitet. In den letzten 3 Wochen vor Pcflach fannen in New׳ York eine Anzahl Versammlungen statt. In fast allen diesen Versammlungen sprach Dr. Schmarja Lev in, ferner die Herren Rabbiner llirsrh Mas- I i a n s k y, Joseph llaiondcss, Abram O o I d - borg, Dr. B. Epstein, S. Frankel, Louis Lipsky, Dr. Pool, Henry Marwitz, Charles A. Cowcii, Max Pcrlman, Israel J. Wolf und Isaak Allen. Alle diese Versammlungen förderten die zionistische Propaganda im allgemeinen und die Schckclpropagamla im besonderen. Am 25. März berichtete Victor Schwärtz, der Vorsitzende der Don Abaranel Loge in Brooklyn, daß die Loge 2100 Schekel der Föderation übermittelt habe. Die Don Abaranel Loge ist somit die füllrende zionistische Organisation In der Schckclsainmlung. ■ Die zionistische Massenversammlung in Los Angeles am 7. März, ergab eine Zeichnung von 2300 Doll, für den Notstandsfonds, wovon f02/>0 Doll, bar gezahlt wurden. Ferner wurden 100 Doll, gczciclnict, die während der Dauer des Krieges allmonatlich zu zahlen sind. Der Vorsitzende war Marco R. New mark, es sprachen Oscar S. Straus, Rabbiner S, Hecht, Rabbiner Isidor Myers u. a. * Folgende neue Gesellschaften haben sich der Federation of American Zionists im März nngeschiossen: In C h i c a g o: Die Hadassah .und die David Wolffsohn-Oesellschaft; ״ Pcrtli Amhov, N. J,: Die Hadassah; ״ New York: Society of Zionist Senaredim; ״ Rochcstcr. N. Y.: Daughtcrs of Zion; ״ Springficld, Mass,: Zclrc Zion; ״ Hurlcy, Wis.: Shaarc Zion. Die Louis D. Brandeis Zionist Society, Washington, und die Voluntcers of Zion in Clcvcland w׳erdert im April beifreten. Ferner sind Vereine in Youngstown, Ohion und Beaver Falls, Pa,, in Bildung negriffen. England. 1 In der Jahresversammlung der Zionisten des östliehen London wurde die Arbeit des verflossenen Jahres unter den gegenwärtigen Verhältnissen als zufriedenstellend bezeichnet. Zugunsten der notleidenden Juden in Polen und Palästina wurden größere Summen gesammelt, und ebenso verschiedene Beträge für die Institutionen in Palästina. Zugunsten des Palästina-Hilfswerks fand in London ein Konzert statt, veranstaltet von der North London Zionist Society und der Ezra Bcacon, Order of Ancient Maccabcans. Sowohl vom künstlerischen wie von: finanziellen Standpunkt aus war die Veranstaltung ein Erfolg. Herr Joseph Co wen hielt eine Ansprache. I

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