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Jüdische Rundschau · 1915-05-21 · Heft 21 (21.5.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 21 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 168 J U B DI SC H C RUNDSCHAU Nr. 21 eigenen Heimat fehlt. Wir sind überall in der Welt, aber nirgends sind wir beheimatet. Ikr Jude Berliner wohnt in Paris und London, die Juden London und Pariser in Berlin; Herr Italiener ist natürlich in Wien und Herr Wiener ln Rom ״zü Hause". Wohl dem, der jetzt den vorläufig noch neutralen Namen Spanier, Schweizer oder Holländer trägt. Es ist, wie wenn wir auf jeder Station unseres tausendjährigen Exils ״abgestcmpelt“ worden wären. Und cs ist klar, wie peinlich gerade unter den herrschenden Verhältnissen solch ein waschechter Stempel dem Einzelnen werden kann. Er erleichtert es manchen Völkern ungemein, ihre alte Gewohnheit ״Haust Du meinen Juden, hau’ ich Deinen Juden“ pietätvoll aufreehtzuerhalten und gcwissenhaft durchzuführen. Und da dieses Prinzip besonders in Zeiten politischen Unwohlseins erfahrungsgemäß als wirksamer Aderlaß benutzt zu werden pflegt, so macht sich natürlich auch gerade unter solchen Umständen das aufdringliehe Bemühen jener politischen Parvenüs, die Unsicherheit ihrer noch frischen Naturalisation durch die Quantität ihres lauten Patriotismus zu verdecken, in widerwärtigster Weise bcmerkbar. Für aufrechte Juden gibt cs nur den einen Trost: gottlob! All diese Elemente, deren Wahl- Spruch ubi bene, ibi patria ist, streben ihrem ganzen Wesen nach dorthin, wo ihrer persönlichen Behaglichkeit am wenigsten Störungen drohen. Und da ihnen diese Aussicht ganz gewiß nicht im jüdischen Lager winkt, so werden sie sich mit Naturnotwendigkeit mehr und mehr von uns entfernen; so weit, daß sie uns schließlich gar nicht mehr zu kompromittieren vermögen. Die Tendenz auch dieses staatsbürgerlichen Renegatentums führt somit schließlich zum selben Ergebnis wie die des rcligiösen Uebcrläufertums; sie ebnet uns den Weg zum Ziele unserer Sehnsucht und unseres Strebens: zur sozialen und nationalen Reorganisierung eines aufrechten, lebcn-wollenden Judentums. Die dereinst in’s Land der Väter heimzukehren das Olück haben, um dort der Zukunft unseres Volkes den Samen zu geben, werden frei von solchen unedlen Schlacken sein. Dr. fW i II y U n n a, z. Z. Feldarzt. In der Kriegszelt Das ״Ocmeindeblatt der Jüdischen Gemeinde 7« Berlin" veröffentlichte in seinen in der Kriegszeit erschienenen Nummern di* nachfolgenden Austritteausdcin Judentum׳. Wir bringen sie in übersichtlicher Zusammenstellung, weil wir in dem Austritt aus dem Judentum in einer Zeit, die selbst die Schwachen Treue lehren konnte, einen besonders tu kennzeichnenden Schritt sehen. September 1914, Zahntechniker Alfred Casnarius, Schöncberg, Neue Wintcrfcldstraßc 8.. Chemigraph Richard Kellner, Chlbg., Leibnizstr. 75, Oktober 1914, Buchhalterin Fräulein Magda Heller Klonstockstr. 51. Frau Eva Ruhiz, geh. Mihallc, Steglitz, Brandenburgischc Str. 11.! Oymnasiast Walther Carl Salomons, Halcnsee, Kurfiirstendamm 163/164, Fabrikbvs Dr. jur. Richard Friedmann, Rnuchstr, 26. Zahnarzt Ernst Rcichenberger, Charlottcnbg., Lietzenburger Str. 11. Frau Zahnarzt Gertrude Alice Reichenberger, gcb. Bunin, Charlottenburg, Lletzcnburgcr Str. 11. November 1914, Ing. Elias von Ourland, W. 57, Stcinmetzstr 3. Kaufm. Martin Gerso» Bcrlin-Dahlcm, lm Dol 21. Frl. Juliannc Heller, Wilmersdorf, Hekforstr, 12. Pezcmber 1914. Bürobeamter Le0|wl<I Birnbaum. Altonncr Str. 12. Konigl, Kommerzienrat und Handelsrichter Artur Vietorius, Sicgismundstr. 9/10. Frl. Charlotte Weiilenlöw, Tcmpclhof, Ordensmeistcr- Straße 56. 1 Kaufm. Paul Wcchselmann, Chlbg., Oeisbergstr, 11. Frau Öisela Wcchselmann, gcb. Politzer, ebenda. Ingenieur Samuel Occ2ynsk1, Schönhauser Alice 57. Frl. Alice Neumann, Charlbg., Kuritirstcnstr. 112, Januar 1915. cand. hist. Max Fischer, Charlbg., Ansbacher Str. 22. Kaufm Emil Block. Wilmersdorf, P8riscr Sfr. 56/57, Kaufm, Wilh. Wrcscnncr, Schöneb., Innsbrucker Str. 55, Fr. Johanna Heine, geb, Pels, Chlbg״ Reichsstr. 104. Frau Ikiris Leviitsolm, gcb. Sander, Wilmersdorf. Weimarischc Str. 5. 1 Frau Oberleutnant Ilse von Sticro, gcb, Valentin, Holzmarktstr. 65. Kunstmaler Walter Trier, Friedenau, Elsastr. 2. Frau Elsa Hoffmann, geb, Brszynskl, Rheinsberger Straße 6.! Kaufmann Hans Ehrlich, Blumcnstr. 11. Frl. Ernestine Bencdek, Charlottcnbg., Phillpplstr. 8. Februar 1915. Bankier Jcau Lnbnnd, Schönebg., Sncyercr Str. 15/16, Frau Dr. Rose ScnfL geb. Pohl, schöneberg, Neue llayrcutlicr Str. 7. 1 Frau Florcntinc Fromm, gcb. Pohl, Schöncberg, Neue Bayreuthcr Str. 7. ' Offizicr-Stellvcrtr. Richard Fuchs, Landsturm-Bat. III, aus Berlin W,, Martin Luthcrstr. 84. Kaufm. Franz Heymann, Schöneb., Eisenacher Str. 100. März 1915. Die minderjährigen Kinder des Kaufmanns Robert Hochhäuser, Luise Anita und Kurt Leopold, Wilmersdorf, Hcktorstr. 17. Frl. Käthe Pollack, Schöncberg, Mcnzclstr. 23/24. Verehelichte Postaushclfcr Julie Fröhlich, geb. Braun, Belfortcr Str. 12 Vizefcldwcbel der Reserve Fritz Schwabe aus CHarlottcnburg, Wiclandstr, 33, z, Zt. im Felde, April 1915. Diplom-Ingenieur Dr. Salomon Günther Subkis, WHmersdorf, Weimarischc Str. 4. Kaufmann Julius Hirschberg, Willibald Alexisstr. 32. Mechaniker Ludwig Rosenberg, Reinickendorf, Herbststrafte 16.! Fräulein Martha Felizitas Maria Jnblonowsky, Wilmersdorf, Darmstiidtcr Str. 3. Frau Sein« Maria Bcatrixe Encarnaciön Carrasco, geh. Jablonowsky, Wilmersd., Darmstädter Str, 3, Kaufmann Siegfried Kosak, Halcnsee, Ringbahnstr. 5, cand. nied, Oskar Schulmann, Chlbg״ Rankestr. 35. Konzertsängcrin Fräulein Betty Hcymann, Charlottenbürg, Pcstalozzistr. 99a. Rentner Gustav Spiro, Bcrgmannstr. 51. Jüdische Palästina-Hilfsaktion (Zentralstelle Kopenhagen). Das große jüdische Hilfswerk für Palästina ist jetzt in der ganzen Welt organisiert worden. . Die Hilfsaktion in Amerika, die schon im September eingesetzt batte und sehr erhebliche finanzielle Ergebnisse zu verzeichnen hat, wird auf das energischste fortgesetzt. Sie wird von dem ״Amerikanisch-Jüdischen Hilfscomitd“ geleitet, das sich aus Vertretern des ״Provisorisch en Executiv-ComiHs für zionistische Angelegenheiten“ und des ״A in e ri ca n - J c\v islt Committcc“ zusammensetzt. In Europa erfolgt die Organisation der Hilfsaction durch die ״Zent r a 1 s t c 11 e der Jüdischen Palästina- Hilfs action, Kopenhagen, Vcstcrgadc 1“. In fast allen Ländern beteiligen sich Juden aller Parteiriclitnngcn in gleicher Weise am I iilfswerk, Die gesammelten Gelder werden sowohl von New York wie von Kopenhagen aus durch Vermittlung des amerikanischen Botschaftens in Konstantinopcl, Mr. Mergenthau, an das VcrtcilungscomitS in Palästina über- Wiesen. Geldsendungen sind an die Zentralstelle der Jüdischen Palästina- Hilfsaction, Kopenhagen, Vestergade 1, zu adressieren oderan die Da n s k e L a n d m a n d sbank, Filiale Vestcrbro, Kopcnhägen auf das Konto ״Jüdische Paliistina-Hilfsaction, Zentralstelle Kopenhagen“ zu überweisen, In Deutschland ist bekanntlich das ״Hilfswerk für Palästina“ organisiert worden, an das Zahlungen auf das Postscheckkonto Berlin 4192 ״Hi Hs werk für Palästina“ geleistet werden. Von der deutschen Sammelstellc des Hilfswerks für Palästina konnteil bereits größere Summen nach Palästina überwiesen werden. Neuerdings zeigt sich das große Interesse an diesem Hilfswerk auch daran, daß mit gutem Erfolge an Schulen Sammlungen begönnen haben. Da naturgemäß noch sehr große Summen erforderlich sind, um die Hilfsaktion wirklich durcfraiführcn, so ist diese Form der Sammlungen, die sich ja bereits für andere Be- Strebungen recht gut bewährt hat, sehr zu begrüßen. Aus Palästina Heber die Heuschreckenplage und (j|e Befürchtungen, daß die auskriechende Brat erst großtn Schaden anrichtcn wird, ist schon in der ״Jüdischen Rundschau“ berichtet worden. Eine erfolgreiche Bekämpfung der Heuschreckenplage ist natürlich nur möglich,• wenn sic einheitlich und sachverständig or. ganisiert wird. Deshalb legte Herr Agronom Aaron A ron soh n, Leiter der jüdischen landwirtschaftlichen Versuchsstation, Djcmal Pascha, dem ()herbcfehlshahcr der IV. türkischen Armee, einen Pian zur Bekämpfung der Heuschrecken vor. Der türkische Generalissimus genehmigte diesen Plan und ernannte Herrn Aronsohn zum M «dir in Sachen der Heuschrcckenplagc für den Sandschnk Jerusalem m!d Damaskus, sowie für das Vilajct Beirut und erteil« ihm ausgedehnte Vollmachten. Herrn Aronsohn ׳wurden auch von den jüdischen Kolonisations-Inslltuten und Organisationen größere Mittel zur Verfügung gestellt, um eine erfolgreiche Bekämpfung der Gefahr zu ermöglichen. * Die vom Jüdischen Nationalfonds mit fehler einstweilen beschränkten Mitteln in Angriff genommenen Notstands arbeiten beschäftigen auf dessen Farmen, .abgesehen von den dort regelmäßig tätigen Arbeitskräften, 10 Personen in Rcnsclicmcn, 30 in Mcrchawjah und 40 in Kinerctli. Leider wurde die vom Nationalfonds cingclcitctc Notstandsaktion noch nicht in allen Kreisen genügend ge• fördert, um einer größeren Anzahl Arbeiter lohnende Beschäftigung zu gewähren. Der Stand der Saaten und des Octrci* des in den Kolonien, der bis Ende Februar recht gut war, hat sich inzwischen etwas verschlechtert, weil cs in der letzten Zeit in Palästina fast gar nicht oder nur sehr wenig geregnet hat. Im April sind jedoch in Jaffa und Umgegend, sowie in Galiläa starke Regen niedergegangen, so daß aiiztmehmcn ist, daß sich die Fehler wieder erholen und auf eine gute Ernte gerechnet werden kann. Die militärischen Requisitionen, unter denen auch die NationaHonds-Hctriehc im Anlang sehr litten, und bei denen ein Teil des Zugviehes überhaupt weggenommen, ein anderer Teil für Militärtransportc wochenlang verwendet wurde, haben seit einigen Wochen beinahe gänzlich aufgehört. Trotz der Requisitionen ist cs in allen Farmen gehingen, das Pflügen der Felder, wenn auch teilweise mit einiger Verspätung, durchzuführen. 111 einigen NatiouaUonds-Farmcn waren einige Zeit hindurch viele Soldaten ciuquarticrt. Sic kampierten jedoch nicht in den Häusern der Kolonie, sondern in Zelten, und ihre Beziehungen zu den Farmen, überhaupt zur ganzen Kolonie, waren die denkbar besten. Das Militärkommando sorgte dafür, daß die Felder in keiner Weise litten und der Kolonie nicht der mindeste Gegenstand entzogen wurde. Im Laufe der Kriegsmonate hat sich die allgemeine Stimmung unter den Juden Palästinas wieder gebessert. Auch in wirtschaftlicher llc- Ziehung sind die Verhältnisse jedenfalls nicht schlech- (er geworden, teils weil erhebliche Geldbeträge aus Amerika emgetroffen sind, teils auch weil die Administration der lea den Kolonien Kredite gewährt hat, und schließlich, weil cs den Kolonisten seihst gelungen ist, wenigstens in beschränktem Umfange Wein und Mandeln nach dem Auslände zu verkaufen. Die Ora 11 genernte muß jetzt allerdings als ganz• licli verloren betrachtet werden. Die Frucht ist entweder überhaupt nicht von den Bäumen heruntergenommen worden oder wurde im Lande zu einem Preise, der kaum die Kosten für das Abpfliickcn deckt (100 Stück für 20—30 Centimes), verkauft. Von der städtischen Bevölkerung leiden am meisten die armen Juden in Sa f fed, Tiber ins und in J e r 11 s a 1 c m, d. h, also die Elemente, die auch in normalen Zeiten ihren Lebensunterhalt nicht ans eigenem Erwerb decken, sondern auf die Clialttkkahspende von außen her angewiesen sind. Da diese Spenden jetzt nur kümmerlich einfliellcn, so sind diese Leute ohne das Alleriiotwcndigste geblichen. Hier wurden nun aus den Geldern des amerikanischen Hilfsfonds Brot und andere Lebensmittel gratis vorteilt, Darlehen gegen Pfänder gewährt und auch Kredite zur Beschäftigung von Arbeitern bei Privat- Unternehmungen und Notstandsarbeiten hcrgcgebeit. Bisher ist so das Schlimmste verhütet worden, t rotzdem jetzt eine gewisse Konsolidierung der allgcmeinen Verhältnisse cingetretcn ist, wird die Lage doch immer kritischer werden, da die Krisis nun schon 8 Monate dauert, und die Bevölkerung bald ihre letzten Reserven verbraucht hat. Es ist daher dring e n d notwendig, daß die H i I f s a k t i o n e n für das palästinensische Judentum die Förderung aller Pa• lästinalreunde finden.

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