Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 19 c.. Seite 148 14?"1-. Propaganda, die sieh über einen großen Teil des : Landes erstrecken sollte. Bei dieser Arbeit waren | Louis D. Brandeis und Dr. Schniarja Levin, i Mitglied des Engeren Actions-Comites, besonders tätig. Sie wurden dabei von der Föderation der Amerikanischen Zionisten unterstützt, die es zum grollen Feile auf sich nahm, Sitzungen mit den lokalen zionistischen Organisationen zu veranstalten. Für gütigen Beistand sind wir zu besonderem Dank ihrem tätigen Vorsitzeiulen Herrn Lips k y und dem fähigen Sekretär unseres eigenen Komitees, Herrn 1 Perlst ei 11, verpflichtet. Filter den Rednern be-! fanden sich weitere Mitglieder des ״Provisorischen! Exekutiv-Komitees“, so l)r. Stephen S. Wist׳, Dr. j J. L. M;1 g n e s, Professor (iottheil und Frl. | Henriette S z o I 11. Wir fanden im ganzen Lande bei j den Juden der verschiedensten Kiassen eine ausgesprochen freundliche Stimmung für die Palästinafrage und eine gute Aufnahme unserer zionistischen Propaganda. Die Resultate waren zufriedenstellend, denn schon in den ersten 3 Monaten gelang es uns, mehr als die Halite der Summe zusammen zu bringen, deren Aufbringung wir uns als Ziel gesetzt hatten. Doch der finanzielle Erfolg war weder der 1 einzige, noch der Haupterl'olg unserer Bemühungen. Unsere Hauptbefriedigung liegt in eler Tatsache, da 11 es uns gelungen ist, Männer für unsere Sache zu interessieren, die bisher noch nicht Anteil am Zionismus genommen hatten und die aktive Mitj arbeite!■ zu werden versprechen. Wir sind über- I z e u g t, d a ß A 11! e r i k a g r o ß e M ög 1 i ch -; keilen bietet, lind daß weitere Bemühungen j von immer größeren Erfolgen gekrönt sein werden. I fi fi;: fä 1■ fl!':׳ 2. Nachdem unser Komitee einige .Monate lang an der Arbeit gewesen war, überzeugten uns haufigei-e Nachrichten aus verschiedene» Quellen, daß das Engere Aetions-Comite und die allgemeinen Organisationen in den verschiedenen Ländern trotz des Krieges imstande gewesen waren, ihre zionistische Tätigkeit in weit größerem .Maße als wir es für möglich gehalten hatten, fortzusetzen oder wieder aufzunehmen, und daß cs für 1ms tunlich wäre, weit häufiger als wir gedacht hatten, mit dem Engeren Actions-Gomite und seinen Mitgliedern in Verbindung zu treten. So war es uns seit Oktober 1914 möglich, ganz häufig mit den Mitgliedern des Engeren Actions-Comites in Europa zu korrespondieren. Die Anwesenheit des Herrn Dr. Schmarja Levin hat diese Verbindung sehr erleichtert. Unsere Hauptsorge während dieser Zeit war, in regelmäßige Verbindung mit Dr. Arthur R tipp io ,-dem Haupt des Palästina-Amtes in Jaffa, zu treten, und dies ist uns auch geglückt, wenn auch nicht ohne. Schwierigkeiten. Wir sind Herrn Le win-Ep stein, dein Schatzmeister des ״Provisional Committee“, zu großem Danke verpflichtet, denn seinen Bemühungen gelang es, die Verbindung mit Palästina aufrecht zu erhalten. Durch unsere Anstrengungen gelang es uns allmählich, näheres über die Zustände der Organisation in Palästina sowie der Zionistischen Organisation in Europa zu erfahren, und wir sind jetzt besser in der Lage, einen vernünftigen und systematischen Arbeitsplan zu entwerfen. 3. Ende Oktober merkten wir, daß die Katastrophe, die sich aus dem Kriege für die Juden ergab, größere Dimensionen angenommen hatte, als selbst wir ursprünglich geglaubt hatten. Unser ״Provisional Committee“ sah sich daher genötigt, seine Tätigheit weit über das Arbeitsgebiet des eigentlichen Zionismus hinaus auszudehnen. Das furchtbare Elend der Juden in Ost-Europa und Palästina nötigte die Juden Amerikas, eine allgemeine Hilfsa r b e i t einzuleiten und sich mit den weiteren aus dem Kriege entstehenden jüdischen Problemen zu beschäftigen. Mitglieder des ״Provisional Committee“ nahmen eine hervorragende Stelle bei der finanziellen Arbeit des ״Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees“ ein, das sich die Aufgabe gestellt hatte, den Juden aller Länder, die durch den Krieg gelitten hatten, Hilfe zu bringen. Mr. Br and eis war Vorsitzender des Komitees, welches das ״Amerikanisch-Jüdische Hilfskoniitee“ gründete, und wurde später Vorsitzender des Zweigkomitces für Nevv-England. Dr. Harry F riedenwald ist Vorsitzender des Komitees in Baltimore und Mr. E. W. Lewin-Epstein jind Dr. J. L. Magnes waren tätige Mitglieder des ״Executive Committee“, Dr. Magnes als Vorsitzender des Paliistinensis eben Hilfsschiff-Komitees, das unter der Leitung des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees gebildet wurde, ln Boston waren Jacob de Haas und andere Zionisten tätige Mitglieder des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees. 4. Im Hinblick auf die Hilfsarbeit in Palästina war das ״Provisional Committee“ besonders tätig. Anfang September, noch vor der Organisation des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees, verband sich das Provisional Committee“ mit anderen, um die Summe von 50 000!Dollar aufzubringen, die Dr. R u p p i n auf die Bitte des amerikanischen Gesandten Mr, Morgenthau hin gesandt wurde, um der dringendsten Not in Palästina abzuhelfen. Zu dieser Summe steuerte das ״Provisional Committee“ 12 500 Dollar bei und dieser Beitrag ist uns durch die Freigebigkeit des Herrn Nathan Straus ermöglicht worden. Komitees zur Verteilung dieser Summe wurden in Jaffa, Jerusalem und Haifa gebildet, deren zionistische Vertreter Dr. Ruppin und Dr. Aaron Aaronsohn waren. Infolge einer Abmachung, welche der Gesandte Morgenthau getroffen hatte, wurde das Geld auf einem amerikanischeu Kriegsschiff nach Palästina gebracht. Sein Schwiegersohn, Mr. Maurice Wert he im, erhielt die Verfügung darüber und ging nach Palästina, um Anordnungen für eine richtige Verteilung zu treffen. 5. Die Geldnot in Palästina, der wir, wie wir hofften, in manchen Teilen durch die Ucbersendung der 50 000 Dollar gesteuert hatten, wurde noch weit schlimmer, nachdem sich die Türkei an dem Kriege beteiligt hatte. •Beinahe unüberwindliche Hindernisse wurden dem Import und Export Palästinas entgegengestellt, und Judäa , der hauptsächliche Sitz unserer Kolonien, wurde der Schauplatz militärischer Operationell. Die politischen Gefahren, denen die Juden in Palästina ausgesetzt waren, - ein Ergebnis des Krieges —׳׳, waren groß und machten uns viel Sorge. Dank der freundlichen Haltung der amerikanischen Regierung und dem großen Eifer des Gesandten M 0 r g e n t h a u in Konstantinopel wurde es uns möglich gemacht, die Verbindung mit Palästina aufrecht zu erhalten, sowie Geld mul Nahrungsmittel nach Palästina zu schicken. Nicht genug können wir der Regierung für ihren Beistand dabei danken. So wurde es uns leicht ermöglicht, die Fonds aus verschiedenen Quellen und zu verschiedenen Zwecken nach Palästina zu senilen.;1) Das ״Provisional Committee“ hat Fonds ztir Au fr echterhalt 11 ng zionistischer lns t i 1111 i o n e n gesandt. Für diesen Zweck sandten wir bis jetzt 22 700 Dollar. b) Zu H i 1 f s z vv ecke n in Palästina und für palästinensische Juden, Flüchtlinge in Alexandrien sandte das ״Provisional Committee“ aus seinen Fonds, die extra zu diesem Zwecke gesammelt waren, bis jetzt 34 500 Dollar. Außerdem wurden aus den Fonds, die das Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee und das Zentrale Hilfskomitee gesammelt hatte«, bis heute 25 000 Dollar überwiesen. c) Das ״Provisional Committee“ schickte bis jetzt 97 000 Dollar nach Palästina für Einzelpersonen oder Einrichtungen dorK Diese Fonds sind ihm zu diesem Zwecke von weiugstens 3500 Einzelpersonen überwiesen worden. Von dieser Summe wurden 85 000 Dollar durch das ״Provisional Committee“ gesammelt und 12 000 Dollar durch das Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee. 6. Nachrichten, die wir Ende Januar empfingen, überzeugten uns, daß wir, da in manchen Teilen Palästinas große Schwierigkeiten bestanden, sich Nahrungsmittel zu verschaffen, Vorräte direkt von Amerika schicken müßten, um der Möglichkeit einer tatsächlichen Hungersnot vorzubeugen. Die zionistischen Führer hielten es daher für richtig, ein Hilfsschiff von Amerika nach Palästina zu schicken, und Schritte wurden getan, um Geld und andere Beiträge für eine geeignete Ladung von Nahrungsmittein zu erlangen und ein Schiff zu diesem Zwecke zu chartern. Die Bewegung wurde eingeleitet durch das Anerbieten des Flerrn Nathan Straus, für diesen Zweck 50 000 Dollar zu stiften. Das Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee bewilligte infolge der Anstrengungen des Dr. Magnes große Summen zu diesem Zweck; und die zionistischen Organisationen in 40 Städten gaben Beiträge von Geld oder Lebensmitteln. Hierbei waren Jacob d e Haas aus Boston, sowie Nathan D. Kaplan und M. Schulman aus Chicago besonders tätig. Indessen waren die Schwierigkeiten, ein Schiff zu bekommen, sehr groß und schienen im Augenblicke beinahe unüberwindlich. Da gewährte uns die amerikanische Regierung unentgeltlich die Möglichkeit, 200 Tons Nahrungsmittel auf dem ״V u 1 c a n“, der am 10• März nach Jaffa segelt, zu verschiffen*). Mr. Louis H. L e v i n aus Baltimore, ein erfahrener und fähiger Mann, wird die Sendung begleiten als ein Vertreter, der alle an der Sendung Beteiligten sicher zufriedenstellen wird. Herr Rechabiah Levin-Epstein, Sohn unseres bewährten Gesinnungsgenossen Herrn E. W. Levin-Epstein, wird ihn begleiten. Die auf dem ״Vulcan“ befindlichen Vorrate sollen nicht nur ausschließlich an Juden verteilt werden. Die anderen bedürftigen Einwohner Palästinas werden ebenfalls in gerechter Weise bedacht werden. Das Geld, das für das Hilfsschiff nach Palästina gesammelt wurde, übersteigt weit die geforderte Summe und es wird beabsichtigt, späterhin eine weitere Schiffsladung nach Palästina zu senden. *' Das Schiff ist am 23. März ausgefahren, unterdessen aber schon in Palästina angekommen. Anm. d. Red. 7. Amerika versuchte auch auf andere Weise, den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Palästina zu steuern. Orangen bildeten den Hauptexportartikel der jüdischcn Kolonisten. Die Hauptmärkte für Orangen waren Liverpool, Aegypten, Rußland und Australien. Als die Türkei an dem Kriege teilnahm, wurde den Kolonisten untersagt, Orangen nach diesen Häfen auszuführen, und es bestand die Notwendigkeit, einen anderen Markt zu finden. Zu diesem Zwecke unternahm Mr. Samuel Pewsner aus Haifa eine Reise nach Amerika, um zu sehen, ob es möglich sei, dort einen Markt für Palästina-Orangen zu schaffen.׳ Zur Probe wurden mehrere tausend Orangen-Kisten nach Amerika geschickt. Ein besonderes Komitee wurde gebildet, um sie hier einzuführen, und infolge der Anstrengungen dieses Komitees wurden die Orangen zu einem Preise verkauft, der genügte, um alle Unkosten in Amerika zu decken und eine Summe von 9000 Dollar für die Kolonisten übrig zu lassen Aus dem Ergebnis dieses Verkaufs kann man jedoch nicht schließen, daß Amerika ein günstiger Markt für Orangen ist, denn der hohe Preis, den wir für sie erzielten, beruht zum Teil auf dem menschenfreundlichen Wunsche der Käufer, den Palästinensern zu helfen. Versuche, einen Markt in Amerika zu gründen, wurden jedoch bald vereitelt durch einen Befehl der türkischen Regierung, die weitere Exporte von Orangen aus Palästina untersagte*). 8. Unter der Leitung des Dr. Ruppin hat sich Mr. Pewsner hier auch damit beschäftigt, die Achusa-Bewegung zu fördern, aber wir dürfen uns nicht der Hoffnung bingeben, daß seine Bemühungen einen durchgreifenden Erfolg iiaben werden. 9. Mr. P e vv 8 11c r hat sich neuerdings bemüht, eine Anleihe für die Orangen -Pflanzer in Palästina aufzunehmen, uni es ihnen zu ermöglichen, die Ausgaben des nächsten Jahres zu decken. Durch die Unmöglichkeit, Orangen zu exportieren, haben die Kolonisten wahrscheinlich 1 500 000 Frcs. verloren, und so auch die Mittel, die zur Bearbeitung der Pflanzungen im nächsten Jahre nötig sind. Daher droht ihnen der Verlust der Pflanzungen selber, die auf 15 000 000 Frcs. geschätzt werden. Dr. Ruppin hat angegeben, daß 120 000 Dollar als Darlehen aufgebracht werden müßten, rückzahlbar in 5 Jahren mit Zinsen, und zwar sollten sie durch eine gemeinsame Verpflichtung der Pflanzer gezeichnet sein. Ein Koniitee ist gegründet worden, das versuchen wird, in Amerika wenigstens einen Teil des erforderten Darlehens aufzubringen**). Zwei Vertreter des Jüdischen Nationalfonds, Dr. Kapla 11-Kaplansky und Dr. Epstein, sind nach den Vereinigten Staaten gekommen, um die Interessen der Organisation des Jüdischen Nationalfonds zu fördern. Wir haben allen Grund zu glauben, daß ihre Arbeit gute Resultate erzielen wird und daß der amerikanische Beitrag zu dem Jüdischen Nationalfonds im Laufe des nächsten Jahres wachsen wird, trotz der gegenwärtigen geschäftlichen Depression. Das Natioiialfonds-Bureau in New York veranstaltete am Purim einen Flaggentag, um Beiträge für den Jüdischen Nationalfonds zu sammeln. Die Resultate w׳aren recht zufriedenstellend. 11. Es scheint nicht angebracht, die politische Lage in Palästina ausführlich zu besprechen. Nachrichten, die Ende Dezember, im Januar und während eines Teils des Februar zu uns kamen, waren sehr beunruhigend. Wir glauben, daß sich die Regierung in Konstantinopel jetzt von der Loyalität der Zionisten überzeugt hat, und die Regierung dort hat den Zionisten alle Freundlichkeiten erwiesen. Die günstigen Aussichten verdanken wir den Anstrengungen der Regierungen der Vereinigten Staaten und Deutschlands und deren Gesandten. Wir können auf das bestimmteste erklären, daß die amerikanischen Beamten sowohl in Washington als auch in Konstantinopel alles, was in ihrer Macht liegt, getan haben, um unsere Interessen zu wahren. 12. Augenblicklich erachten wir es als unsere besondere Pflicht, in Amerika für die Bedürfnisse der palästinensischen Institutionen zu sorgen und die Föderation der Amerikanischen Zionisten zu kräftigen. Wir glauben, deutliche Anzeichen eines bedeutenden Wachstums unserer zionistischen Örganisation hier zu erkennen. Es ist wahrscheinlich, daß die Zahl der Schekelzahler in diesem Jahre mindestens doppelt so groß sein wird, wie die des letzten Jahres. 13. Wir möchten der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß alle Landes- und Sonderorganisationen alles, was in ihrer Kraft steht, tun werden, um ihre eigene Organisation zu kräftigen und die Zahl *) Seither hat die türkische Regierung den Export wieder gestattet. Anm. d. Red. **) Ueber den Erfolg dieser Anleihe berichten wir an anderer Stelle dieser Nummer. Anm. d. Red.