Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1915)
- Date
- 1915-04-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 j U E Dl SC H E RUNDSCHAU Seite 133 Palästinas gewidmet. An diesem Abend sprachen die Herren Joseph Barondes und Dr. Schmarjah Levin, die die Lage des palästinensischen Judentums schilderten. Der ־ Reinertrag des Bazars, um dessen Arrangement sich u. a. die Herren Joseph Barondes, Samuel Goldstein, Samuel Wiesen, M. Kramer, Joseph Schorr, Eisik Spiegel und D. Wallach verdient gemacht haben, wurde mit Ausnahme des für die palästinensischen Juden bestimmten Betrages an das Zionistische Hilfs- Komitee in Wien überwiesen. * Die österreichisch-ungarischen Zionisten in New York haben zur Linderung der Not der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina über Intervention der Herren Red. Frostig, Adolf S t a n d und Ober-Ingenieur Stricker den Betrag von 1000 Dollar (5500 Kronen) gesammelt und an die Adresse der Obengenannten emgesendet. Diese Gelder wurden laut Beschluß des ״Exekutiv ko m i t e e s d e r Zionisten Oesterreichs“ in der Weise verwendet, daII durch das Bureau der Hilfsaktion anläßlich der Pe ß a ch f e i e r t a ge 2500 Kronen an jüdische Flüchtlinge aus Galizien, 500 K. an solche aus der Bukowina verteilt wurden. Weitere 1000 K. wurden für jüdische Flüchtlinge aus der Bukowina bestimmt und der Rest von 1500 K. dem ״Zionistischen Zentralkomitee für Westösterreich, Hilfsaktion für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina“ überwiesen. Eine ״Jüdische Legion“ in Alexandrien Zeitungsnieldungen der jüngsten Zeit wußten von der Gründung einer ״Jüdischen Legion“ im englisch-ägyptischen Heere zu berichten. Die Meldung ist darauf zuriickzmführen, daß sich unter den aus Palästina Abgereisten eine Anzahl junger Leute russischer Staatsangehörigkeit, insgesamt 320, befanden, die militärpflichtig waren und denen der russische Konsul in Alexandrien freigestellt hat, ihrer Dienstpflicht entweder in Rußland oder aber im englischen Heere in Aegypten zu genügen. Die jungen Leute haben von der Möglichkeit, ihrer Dienstpflicht in Aegypten Folge zu leisten, Gebrauch gemacht. Es handelt sieh in der Hauptsache uni Juden und diese scheinen tatsächlich in einer besonderen jüdischen Kompagnie zusammengeschlossen zu sein. Die Bezeichnung ״Jüdische Legion“ ist also stark übertrieben. Juden im italienischen Parlament Mit der Ernennung der Herren Frazzi und Leone Wollemborg zu Senatoren sind es jetzt im ganzen 18 Juden, die im Oberhaus des italienischen Parlaments sitzen, während es 16 im Abgeordnetenhaus sind. Herr Wollemborg war bereits jahrelang Kammermitglied und wurde im Jahre 1901 zum Finanzminister ernannt. Er sowohl wie seine Frau sind in Rom wegen ihrer Teilnahme an gemeinnützigen Werken sehr bekannt. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Amerika. Die allgemeine‘ Konferenz des Misrachi in Amerika wird vom 23. bis zum 28. April in New York, Broadvvay-Central-Hotel, tagen. An dieser Konferenz werden die bedeutendsten Mitglieder der Misrachifederatiori in Amerika teinchmen. Kalifornien. Am Sonntag, den 13. März, hat in Los Angeles eine zionistische Versammlung zugunsten der Hilfsaktion für die palästinensischen Juden stattgefunden. 5000 Juden füllten das Majestic Theater und Hunderte konnten keinen Einlaß finden. Nathan Straus war Vorsitzender und Oscar Straus einer der Hauptredner. Mehrere sehr einflußreiche jüdische Persönlichkeiten sind für unsere Sache gewonnen worden und haben sich verpflichtet, 100 Taler monatlich während des Krieges zu zahlen. Ein Betrag von zehnt a u s e 11 d M a r k ist in der Versammlung gesammelt worden. Bern a rd S c 11 i r e s o n. Jüdischer Nationalfonds Nach den letzten Berichten aus Palästina haben zwar die Nationalfonds-Betriebe unter der allgemeinen Krisis in mancher Hinsicht zu leiden, doch geht alles erfreulicherweise seinen gewöhnliehen Gang. Ueberall konnte man fast alle Arbeiten, wie sie von der Verwaltung ursprünglich im Wirtschaftsplan vorgesehen waren, ausführen. Man hat sich besonders in diesem Jahre auf den Anbau von Gemüse verlegt. Aus der Pflänzlings- und Ackerbau-Farm Be!1־Schen1en werden täglich Milch lind Käse nach Tel Avvivv, sowie Geflügel und Eier nach Jaffa gebracht. Die Genossenschaff Dagania am Jordan bringt in Ermangelung einer guten Verbindung nach Haifa oder Jaffa- Jerusalem ihre Produkte nach Damaskus zum Verkauf. * Während des verflossenen Monats März hat der Jüdische Nationalfonds 30 223,08 Mk. an Spenden vereinnahmt. Diese verteilen sich: auf Nordamerika 15 382,07!Mk., Oesterreich 6078,73 Mk., Rußland 2773,39 Mk., Deutschland 2345,84 Mk., Rumänien 629,64 Mk., England 482,98 Mk., Schweiz 135,66 Mk., Holland 332,93 Mk., Griechenland 244 Mk., Australien 222,24 Mk., Bulgarien 212 Mk., Ostasien 183,60 Mk. Perez’ Tod (Telegramm unseres Kopenhagener Berichterstatters.) Perez ist an einem Herzschlag verschieden, während er an einem Schauspiel für die Jugend ״Flüchtlinge“ arbeitete. An der Beisetzung in Warschau beteiligten sich 150000 Personen. Auf den Wunsch des Verstorbenen ging sie ohne Reden vonstatten; auch Kränze hatte sich Perez verbeten. Bei der Trauerfeier in der Synagoge sprachen Rabb. Poznanski und ^1dere. ln Amerika fanden Massen versa m mlungen. zur Ehrung des großen Dichters statt. Am 20. April fand in Kopenhagen unter dem Vorsitz von Motzkin eine große Trauerfeier statt. fl US ALLER WELT Auf Amerika. —-:- (Der Ko n g r e 15 p I a n.) Die New Yorker Tageszeitung ״Der Tag“ bringt die Ansichten her- Vorragender Männer über den Plan, eine große Konferenz von Vertretern leitender jüdischer Organisationen eiiizuherufen und eine ständige jüdische Körperschaft in Amerika zu begründen, die die Autoritat in allen Fragen, die das jüdische Volk betreffen, haben soll. Ein Brief von Jacob H. Schiff über die große Bedeutung der jetzigen Lage sagt unter anderem: ״Es ist höchste Zeit, daß das amerikanische Judentum sich zusammenschließt, und daß alle Parteien sich zu einem einzigen Zweck ziisainmcntun - - es dem amerikanischen Judentum zu ermöglichen, seine Vorschläge und Anforderungen in einer Stimme zu vereinigen. Solange nicht alle Partei- Streitigkeiten aufhören, wird es uns nicht gelingen, dies so unbedingt notwendige große Ziel zu erreichen, das denjenigen unserer Brüder Menschenrecht sichern soll, die noch in, Knechtschaft schmachten. Das Amerikanisch -jüdische Komitee, vielleicht die beste vereinigende Instanz für diesen Zweck, die B’ne Brith-Logen, die Zion i s t i s c h e Organisation und zahlreiche andere Organisationen sollten keine Zeit verlieren, um wenigstens in der gegenwärtigen Zeit alles zu beseitigen, was darauf ahzieit, Unfrieden zwischen ihnen z\1 säen, sich zu vereinigen und ein nicht zu großes Actions-Comite zu wählen, das die drei Millionen, die das amerikanische Judentum bilden, vertritt und für sie verantwortlich ist.“ Zu dem Thema der Organisierung des jüdischen Volkes äußerte sich Herr Dr. Sclunarja L e v i n in einer unter dem Vorsitz des Zionist Council abgelialtencn Versammlung folgendermaßen: ״Wenn der Krieg vorbei ist, so wird Tür die Juden aller halbzivilisicrtcn Länder das Trauerspiel erst beginnen. Wir, ein Volk von 14 Millionen, haben nichts zu hoffen, nichts zu erbitten, wenn wir uns nicht zu einem einzigen Körper zusammenschließen und ei n e Stimme ■erschallen lassen. Jetzt ist die Zeit und die Stunde hierzu gekommen! Zwcimälhundcrttausend Juden, die organisiert sind, sind besser als 14 Millionen ohne ein gemeinsames Ziel. Wenn wir organisiert wären, so brauchten wir nicht um milde ( iahen zu flehen, hs gibt Hunderte von reichen Juden, von denen die Völker der Erde Millionen sich borgen, während der Jude nicht einen Dollar bekommen kann. Dies ist darin begründet, daß die Völker organisiert sind, und daß wir es nicht sind.“ Aus Polen. Seit dem 1<). März, erscheint in Lodz unter dem Titel 1.0״ dz. er Volk s b 1 a 11 “ eine neue Z.citung in jiddischer Sprache. Die Zeitung, als deren Herausgeber L. Kaltau in Lod/ zeichnet, will sich ״iiTlitig und energisch“ der Behandlung der vielen jüdischen!־ragen widmen, die der Krieg für Lodz und ganz Polen zu den bestellenden 11 ich gebracht hat. In einer der Nummern wird mit großer Wärme der Verleihung ries Eisernen Kreuzes an den Feldrabbiner Dr. Arthur l.cvv gedacht, weil er, wie das Blatt schreibt, sich 111 der Fürsorge um die Notleidenden in Lodz und um das große Elend im jüdischen Polen so besonders verdient gemacht hat. Aus Rußland. Der russische Senat hat ein Gesetz veröffentlieht, nach dem man keine jüdischen Kinder taufen darf, solange ihre Eltern den christlichen Glauben nicht angenommen haben. * Eine Deputation, bestellend aus den Herren F r i e d in a n 11, Advokat Gruse 11 borg und M. I) a v i d s o n ," Warschau, wurde kürzlich vom Premierininister Gorernykin empfangen. Sie berichteten dem Minister die schrecklichen L e id e 11 d e r J u d e!1 i 11 [י o 1 e n und ersuchten die Regierung 11111 Unterstützung. Gorernykin versprach, für die leielenden Juden zu tun, was in seiner Macht liegt. Dagegen verweigerte der Minister des Innern, Mak- 1 a k o vv energisch die Erfüllung der Bitte vieler russischer Flüchtlinge, ihnen zu gestatten, sich zeitweise außerhalb des Änsiedlungsrayons aufziihalten. Er sagte, daß der Ansiedlungsrayon für alle Juden noch groß genug sei. Er gestattete aber den jüdischen Studenten, die auf fremden Universitäten studiert hatten und denen die Erlaubnis erteilt worden ist, ihr Examen auf russischen Universitäten abzulegen, während der E x a m e n zeit sich außerhalb des Ansiedltingsrayons aufziihalten. Aus England. (Hilfs werk in London.) ln einer Spezial- Versammlung der J e w s’ Temporäre Sh eit er berichtete Herr Hermann Landau von dem Hilfsw e r k z. 11 g u 11 s t e n d e r j ü d i s c h e n F 1 ü c h t - linge in England. Die Ausgaben für das Hilfswerk betrugen pro Woche über 7500 Doll, lieber 1500 sind in den verschiedenen Heimstätten untergebracht, die von der Gesellschaft errichtet sind, während andere in Privatwohnungen einquartiert wurden. Mehr als 175 000 Doll, seien bereits ausgegeben worden, und die Gesellschaft sehe das Vorsiegen ihrer Hilfsquellen nahe. In der Ansiedlung sind für die Vertriebenen alle Bequemlichkeiten vorgesehen. Eine Synagoge, eine Beth-harnidrasch und auch hebräische Klassen sind für sie eingerichtet. Die Zukunft Palästinas und die Judenfrage in der bekannten Berliner Wochenschrift ״Die Hilfe“ ist in der Nummer vom 15. April ein interessanter Aufsatz von Bert hold Bürg e r: ״Die Zukti n ft P a I ä s t i n a s u n d d i e Jude n frage“ veröffentlicht, in dem die ״jüdische Kolonisation Palästinas, die unter den Auspizien der zionistischen Bewegung immer weitere Kreise zieht,“ mit außerordentlicher Anerkennung gewürdigt wird. ״Gewiß“, heißt es in dem Artikel, ״ohne die Begeisterung, welche die zionistische Idee der Schaffung einer Heimstatte für das jüdische Volk in Palästina in jenen Pfadfindern erweckt hat, wäre wohl niemals solche Leistung Wirklichkeit geworden, aber die Resultate der wirtschaftlichen Kolonisation in Palästina liefern den vollgültigen Beweis dafür, daß die anfänglich als Utopie bezeidmetcii zionistischen Bestrebungen von Erfolg begleitet sind und das alte Volk der Juden noch Schöpferisches zu leisten imstande ist.“ Der Schluß des interessanten Aufsatzes, der zur Information über das jüdische Werk in Palästina in deutschen Kreisen sieheiiicITGieigetragen hat, lautet folgendermaßen: ' ״Die zionistische Weltorganisation hat von jeher auf ihren Kongressen und Tagungen die unvcrbrüeh-