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Jüdische Rundschau · 1915-04-23 · Heft 17 (23.4.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 17 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 132 Mll1:׳)h׳ Ith RUNDSCHAU Nr. 17 im Jüdischen geworden. Auch liier, in der jüdisehen Literatur, war er nicht Urheber, sondern das lebensfördernde, kraftsteigernde Zentrum. Er verließ die hebräische Literatur, der er durch Jahrzehnte soviel Schönes geschaffen hat. Jene aber weiß es, was sie immer für Le re/ und was er für sie, auch nach seinem Abschied, bedeutet. Richtete er doch immer seinen klaren Blick auf das Ewige unseres (leistes und war sich seines Zusammenhanges mit der Kultur der Jahrtausende voll bewußt; ein Zeitalter löst sich von der Zeit selbst nicht los und eine Geistesrichtung, wenn sie wahr und tief ist, nicht von ihrer höchsten Idee. Die hebräische Literatur wird Lerez, ihren mit ihr eng verbundenen Sohn und Schöpfer, ganz in sich aufnehmen und ihm die Dauer, die nur sie besitzt, verleihen. * * * Wir konnten uns ihn nicht anders als blühend und lebenssprühend denken; so sprudelten seine Quellen und so farbig und von jugendwarmer Liebe war alles, was er schuf. Als wären zwischen dem ersten Liebesgedichtbändchen ״Ha’ugaw“ und seinen letzten Dramen und Erinncrungen die Jahrzehnte der Mülisale, des Ringens und Ermüdens gar nicht gewesen. Von der Freigebigkeit des Hoffnungsvollen und der schönen Nachlässigkeit des großen Könnens war sein Schaffen bis ans Ende durchzogen. Wenn wir Perez lesen, scheint uns die Erzählung nur so hingeschrieben, leicht fließt sie weiter, bis wir plötzlich die dichte Atmosphäre um uns gewahr werden, ohne zu wissen, wie wir in sie hineingekommen sind. - Sein Sein und sein Schaffen wurde uns Jungen zu einer Selbstverständlichkeit, an der die Zeit nichts ändert; sein Leben blieb für uns nahe und frisch und zu unserer Generation gehörend; sein Tod erscheint fast unverständlich. Z. Diesen druck. Dje Zurückdrängung der Jüdin in der russisch-polnischen Selbstverwaltung Wie die Petersburger ״R j e t s c 11“ vom 9. 22. März mitteilt, ist von der russischen Regierung in Polen die städtische Selbstverwaltung eingeführt worden. Die Mitglieder der Stadtverwaltung werden nach einem Dreiklassensystem gewählt. Die erste Klasse bilden die Bürger russischer Abstammung, die zweite Klasse die Juden, die dritte Klasse alle anderen städtischen Einwohner. Die Zahl der Vertreter der jüdischen Bevölkerung darf im Maximum nur ein Zehntel der Stadt-Vertretung bilden. In jenen Städteii aber, in denen die jüdische Bevölkerung die Majorität bildet, darf sie ein Fünftel der Vertreterliste beanspruchen. Die Warschauer Selbst- Verwaltung soll aus 160 Mitgliedern bestehen, von denen die Juden höchstens 16 erhalten sollen. Ferner dürfen die Juden keine besonderen Stellungen bekleiden, nicht nur die Stellungen von Bürgermeistern oder Vorsitzenden der Stadtverordneten-Versammlungen sind ihnen vorschlossen, sie dürfen auch nicht Mitglieder der durch den Gemeimlerat gewählten Stadtämter werden. Die Stadtverwaltung ist seit dem Gesetz vom Jahre 1892 in allen Städten Rußlands eingeführt. Bisher hat sich die russische Regierung geweigert, die Selbstverwaltung in Polen einzuführen. Nunmehr hat sie den Polen diese Kon- Zession gemacht und ihnen die Majorität in der Selbstverwaltung gesichert. Die Protokolle sollen in polnischer Sprache geführt werden. Daß dieses neue Gesetz ein weiterer Schritt zur gesetzlichen Entrechtung der Juden in Russisch-Polen ist, erhellt daraus, daß auf diese Weise die Juden selbst in jenen Orten, in denen sie eine große Majorität bilden, eine minimale Vertretung erhalten, deren Wert noch durch Ausnahnisbestimimmgcn verringert wird. Für das Hilfswerk für Palästina Die Lage der jüdischen Bevölkerung Palästinas erfordert, daß die Zionistische Organisation, die im Verein mit anderen Organisationen das gemeinsame Hilfswerk für Palästina eingerichtet hat, mit ganzer Energie die Hilfsaktion durchführt. Jeder einzelne Zionist, jeder Verein und jede Gruppe stelle sich in den Dienst dieser dringenden Aufgabe! Einzelne Ortsgruppen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland haben mit der Arbeit schon eingesetzt, wie die nachfolgenden Berichte zeigen. Heber die Tätigkeit der anderen jüdisehen Organisationen, mit denen zusammen die Zionistische Vereinigung für Deutschland das Hilfswerk für Palästina geschaffen hat, ist schon berichtet worden. Bad Na u h e i in. Hier ist durch Herrn Nachum Go Id mann aus Frankfurt a. M. eine Sammlung für das ״Hilfswerk für Palästina“ eingeleitet worden, die bisher 275 M. ergeben hat. R a t i b o r. Di•־ hiesige Synagogengenieiiule hat eine Sammlung unter den (ieineindeniitgliedern veranstaltet. Der Vorstand hat auf Antrag der Zionistischen Ortsgruppe beschlossen, die Hälfte der Sammlung ei er deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung in Frankfurt a. M. und die andere Hälfte dem ״Hilfswerk für Palästina“, Berlin W., Sächsische Str. 8, zuzuwenden. Benthe n. Für das ״Hilfswerk für Palästina“ ist hier eine Sammlung durch Herrn Kirschner und Fräulein Hildegard Kamm eingeleitet worden, die bisher ein Ergebnis von 393 M. erzielt hat. Weitere Spenden nimmt Flerr Hans Kirschner, Beuthen (O.-S.), Goystraße 4, entgegen. Duisburg. Eine von der Zionistischen Vereinigung Duisburg eingeleitete Sammlung hat bisher den Betrag־ von (184 M. ergeben. *Die Sammlung ist noch im Gange. Beuel. Die durch Herrn Max (i o I d r e i c h eingeleitete Sammlung hat bisher das schöne Ergebnis von 300 M. gezeitigt. Auf Grund neuer telegraphischer Nachrichten aus Palästina über die Notlage der jüdischen Bevölkerung ist das Zionistische Actions-Gomite an das ״Komitee für Volksküchen in Palästina“ in Berlin mit der Anregung herangetreten, weitere Summen für die von dem Komitee in Palästina unterhaltenen Volksküchen zur Verfügung zu stellen. Dies Komitee hat dem A11suchen sofort entsprochen und hat dem Zionistischen Actions-Gomite zur Uehermittlung nach Palästina einen besonderen Spendenbeitrag von 2000 M. für die Volksküclien in Palästina zur Verfügung gestellt. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß das ,,Komitee für Volksküchen in ’Palästina“ trotz des Krieges die laufenden von ihm gespendeten Beträge regelmäßig nach Palästina überwiesen und sich damit ein besolideres!Verdienst erworben hat. Die Ausfahrt des amerikanischen Kohlenschiffes ״Vulkan“ nach Palästina Mit einer Ladung von Lebensmitteln, die einen Wert von 150000 Dollar darstellt, verließ der amerikanische Kohlendampfer ״Vulkan“ unter Kapitän Shurtleff am 23. März Leaguc Island. Punkt 9 Uhr 45 Min. fuhr das Schiff aus dem Hafen, still begrüßt von den Kriegsschiffen, welche ihre Flaggen entfalteten, als der ״Vulkan“ vorbeifuhr. Da der ״Vulkan“ Meere passieren muß, in denen Kriegsschiffe der kriegführenden Nationen kreuzen, steht er unter dein Befehl des Leutnant- Kapitäns Fenn e r, während sein bürgerlicher Kapitän I. F. Shurtleff, der ihn gewöhnlich befehligt, als Navigationsoffizier mitfährt. Das Schiff wird direkt nach Beirut gehen, um dort seine Ladung zur Verteilung zu löschen. Die 900 Tons der Lebensmittel bestehen hauptsächlich aus Zucker, Mehl, Reis und Bohnen. Auch führt der ״Vulkan“ 8000 Tons Kohlen für den amerikanischen Kreuzer ״Tenessee“ mit sich, der schon seit Monaten im Mittelländischen Meer sich aufhält. Herr Louis H. Lev in, der Herausgeber des Jewish Comment in Baltimore, und Herr ן L e w i n - E p s t e i n , New York, Schatzmeister | des Provisorischen Komitees für allgemeine zioi nistisehe Angelegenheiten, befindet sich auf dem ״Vulkan“, um die Verteilung der Lebensmittel in Jaffa zu leiten. Als die Regierung den Raum für 900 Tons Nahrungsmittel zur Verfügung stellte, glaubte man, daß der ״Vulkan“ früh genug abfahren und schnell genug direkt nach Jaffa kommen könnte, um dort noch vor Peßaeh einzutreffen. Durch eine Reihe unvorhergesehener Umstände konnte das Schiff erst mehrere Tage später, als beabsichtigt, auslaufen, und mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, zuerst die amerikanischen Kreuzer ,,Nord-Carolina“ und ״Tenessee“, die sich in den mittelländischen Gewässern befinden, mit Kohlen zu versorgen, wird der ״Vulkan“ Palästina erst ziemlich lange nach Peßaeh erreichen. Aus Palästina Die in New York erscheinende zionistische Wochenschrift ״Das Y jüdische Volk“ erhielt einen Bericht aus Palästina, wonach die Juden in J e r 11 s a 1 e in anscheinend starken Anteil an dem allgemeinen Enthusiasmus nehmen, der dort herrscht. Die Juden werden aufgefordert, an allen öffentlichen patriotischen Arbeiten teilzunehmen, und viele jüdische junge Männer und Frauen haben sich dem Roten Halbmond angeschlossen und beteiligen sich an den Kursen, die von jüdischen Aerzten zur ersten Hilfe für Verwundete eingerichtet worden sind. Sie waren auch hei den Empfängen anwesend, den die Bürger Jerusalems der durchmarschierenden tiirkischen Armee bereiteten. Eine via triumphalis wurde von den Juden am Jaffator errichtet, und Hunderte von jüdischen Kindern, Schülern der verschiedenen Anstalten, schlossen sieh dem Zuge an. Die naticinale Landwehr, welche seit Kriegsausbruch liier begründet wurde, umfaßt eine große Anzahl jüdischer junger Leute. In H a i f a sind fast alle russischen Juden tiirkische Staatsangehörige geworden. Das v on den amerikatiischen Juden organisierte Hilfswerk leistet der armen jüdischen Bevölkerung großen Beistand. Dieses Komitee eröffnete einen Vorratsladen, worin Nahrungsmittel fast zürn Einkaufspreise abgegeben werden und wo die Schecks der Anglo Palestine Company zu ihrem vollen Wert in Zahlung genommen werden. Die Hebräische Realschule in Haifa ist wie immer geöffnet und hat 104 Schüler, 10 mehr als im vorigen Jahre. Palästina im Kriege Ueber das Thema ״P a 1 ä s t i n a i m K r i e - ge“ spricht am 29. d, M. Herr Kurt Bl 11 menfeld in der Berliner Zionistischen Vereinigung. Herr Blumenfeld wird über die Lage in Palästina auf Grund authentischer neuester Nachrichten berichten. Der Eintritt ist nur den Mitgliedern gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladungskarte gestattet. Auswärtige Gesinnungsgenossen, die Zutritt haben wollen, erhalten auf Wunsch persönliche Einladungen im Büro, Sächsische Straße 8. Wir verweisen im Uebrigen auf die Annonce in dieser Nummer. Hilfsaktion der österr.-Ungar. Zionisten New Yorks für die jüdischen Flüchtlinge Der Bazar, den das Hilfskomitee der Oesterreich-Ungarischen Zionisten in New York zugunsten der galizischen Flüchtlinge in Wien veranstaltete, ist durch eine feierliche Eröffnung in den ״Hinington Hall“ eingeleitet worden. Der Leiter der ungemein besuchten Eröffnungsver- Sammlung war der jüdische Schriftsteller Moses Richter. Hierauf schilderte Honorable Joseph Baron des, Präsident des Ordens Bnei Zion und Mitglied des New Yorker Schulrates, in einer sehr wirksamen Rede die Lage der Juden Osteuropas. Nach ihm sprach als Vertreter des K. u. K. Konsulats in New York, Herr von Grand- Wandmayer. Im Rahmen des Bazars fanden verschicdene Versammlungen statt, in denen hervorragende Redner das Wort ergriffen. Es sprachen die Herren Dr. Ing. Kaplan-Kaplanskv, Sekretär des Jüdischen Nationalfonds, Rev. J. H. Masliansky, die Dichter Schalom Asch, David Pinskv, Abraham Reisen und Schalom Alejchem. Der Bazar dauerte zwölf Tage. Der letzte Abend war der Unterstützung der notleidenden Juden

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