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Jüdische Rundschau · 1915-03-26 · Heft 13 (26.3.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 JUBDISCHE RUNDSCHAU Seite 103 Die Notwendigkeit der Konkurseröffn ung während des Krieges war sachlich absolut unbegründet. Es hätte, wenn der Wille auf Seiten der Faktoren, die den Konkursantrag gestellt haben, vorhanden gewesen wäre, die Verschiebung bis nach dem Kriege durchgeführt werden können, denn es!null nochmals zusammenfassend betont werden, daß eine tatsädhliche Ucberschuldung des Instituts nicht vorbanden war. Ferner aber steht fest, daß das Vorhandensein von angeblich 80 000 M. dringender Forderungen keinen genügenden Grund der ZahlungseinsteUung gebildet hat. ln Wirklichkeit war nur eine wesentlich geringere Summe von unaufschiebbaren Verpflichtungen vorhanden und zu ihrer Deckung hätten sich selbst im Kriege Mittel gefunden. Dem Hilfsverein der deutschen Juden wird aus seiner Handlungsweise kein Heil erblühen. Er wird einsehen müssen, dali er durch sein Vorgehen weder seinen, noch den jüdischen Interessen, noch, wie er vielleicht glaubt, den deutschen Interessen einen!Dienst erwiesen hat. Das Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina hat seinen Wert nicht in den Steinen und in dem toten Inventar. Seine Bedeutung liegt in den jüdisch-kulturellen Aufgaben. Und diese kulturellen Aufgaben kann kein Institut erfüllen, das sich auf die Datier im Gegensatz zu den Wünschen und Lebensinteressen der Bevölkerung befindet, für die es errichtet ist. David Wolffsohn Persönliche Erinnerunge 11. Von Leon Kellner. Für die Wolffsohn-Qedenkiminmer der ״Welt“ schrieb Professor Leon Kellner den folgenden warmen Aufsa / In dieser eisernen Zeit, da wir mit dem Tod auf Du und Du stehen, hat imser tlerz es gelernt, Verluste von Verwandten, Freunden, Schülern klaglos zu tragen. Und doch wirkt die Nachrieht vom Hinscheiden David W o 1 f f s o h n s auf mich mit atembenehmender Wucht. Wieder einer der Starken, Grollen, Treuen, Unerschütterlichen, mit denen man jung und hoffnungsvoll war, dahingegangen vor der Zeit, verzehrt vom eigenen heiligen Feuer für die Zukunft unseres Volks. Wolffsohn wußte schon auf dem Hamburger Kongreß, also vor fünf Jahren, daß sein Herz der Schonung bedurfte; die Acrztc sagten es ihm schon damals, daß sein Verbleiben auf dem schweren Posten eines Präsidenten des zionistisehen Kongresses die schlimmsten Folgen für seine Gesundheit nach sich ziehen würde; seine Frau weinte und beschwor ihn, die Mahnung zu beachten er wich nicht von seinem Platz. Wolffsohn war unendlich stolz auf die Würde, die ihm die zionistische Welt auf die Schultern gelegt hatte, viel stolzer als Herz!, der sie ins Leben gerufen hatte, denn Wolffsohn fehlte dem Judentum gegenüber der kosmopolitische Maßstab, den Herzl niemals aus den Augen verlor. Herzl hatte Augenblicke, Tage, Wochen, in denen ihm seine Mission zweifelhaft, seine Stellung als Judenführer nicht gerade beneidenswert erschien. Wolffsohn war von solchen Schwächen frei: außerhalb des profanen Alltagslebens gab es für ihn kein geistiges Interesse, das nicht aus dem Judentum erwachsen wäre, das nicht zum Judentum führte. Wolffsohns Bildung war nicht gering; seine politischen Gegner, die ihm Mangel an Intellekt nachsagten, w׳aren in einem argen Irrtum befangen. Er war gesättigt mit Kultur, nur war es ganz und gar jüdische Kultur ־— Bibel und Talmud. Was diese geistige Ausrüstung bedeutet, das merkten die Gegner in Hamburg, wo Wolffsohn als Volksredner und Politiker den Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte. Wolffsohns Verhältnis zum Judentum war alles andere nur nicht objektiv, denn er hatte niemals im Leben auch nur eine Stunde außerhalb des Judentums gestanden. Wenn er jüdische Eigentümlichkeiten berührte, w ar es immer in der ersten Person Mehrzahl. ״Wir Juden sind einmal so. Wir sind Bankiers und haben den Ehrgeiz, י ס Bücher zu schreiben; wir sind Schriftsteller und wollen Bankdirektorcn lehren, wie man Gcschichte macht.“ Diese Worte wurden auf dein Hamburger Kongresse laut belacht; keiner fühlte sieh verletzt. Von Nordau hätte inan eine Kritik jüdischen Wesens nicht so gutmütig hingenommen, vielleicht auch nicht von Herzl. * Wolffsohn wurde von den Intellektuellen in der zionistischen Bewegung vielfach verkannt. Als ich ihn zum ersten Male im Hause Herzls kennen lernte, war ich von seiner liebensw ürdigen Art, von seinem kameradschaftlichen Verhältnis zu den Kindern sehr angenehm berührt, wunderte mich aber im stillen, daß er seitens Herzls eine so unbegrenzte Hochachtung genoß. Sein Deutsch ließ zu wünschen übrig; das stritt gegen mein schulmeisterliches Gewissen. Später vergaß ich im Verkehr mit ihm, daß er gelegentlich den dritten Fall nicht sorgfältig vorn vierten unterschied. Seine homerische Breite brachte mich und andere oft zur Verzweiflung; im Laufe der Zeit merkte ich, daß er nur in zionistischen Angelegenheiten so umständlich zu Werke ging. Als er einmal auf dem Wege nach Slavonien in Wien war, verbrachten wir mehrere Stunden im Hotel Imperial, ohne vom Fleck zu kommen. Ich war am Ende meiner Geduld. Da kam ein Geschäftsfreund Wolffsohns ins Zimmer; die beiden verhandelten in kurzen Schlagworten wenige Minuten und das Ergebnis war, daß Wolffsohn die Hund hinhielt: ,,Wird gemacht!“ Als der Herr fort war, machte ich Wolffsohn Vorw ürfe, daß er in unserer verhältnismäßig geringfügigen Sache so viel Zeit brauche, während er ein offenbar großes Geschäft in zehn Minuten erledigt habe. ״Hören Sie,“ antwortete er, ״das ist doch sehr einfach. Wenn ich ein Holzgeschäft abschließe, handelt es sich uni 111 e i n e n Vorteil; wenn ich mich aber in einer zionistischen Sache entscheiden soll, frage ich die Verantwortung für das jüdische Volk.“ i .vlAT : 'י . “V Wolffsohn war im Gegensatz zu uns Modernen — den allerjüngsten Leuten in unserer Bevvegung sei bei diesem Ausdruck ihr Lachen vergönnt! — eine einfache, ungebrochene Natur. Das machte sein Wollen so stark, noch stärker als es von Hause aus schon war. Das erwarb ihm Herzls unerschütterliches Vertrauen, lange bevor die beiden Männer sich in jener einzigen Freundschaft fanden, die wir alle keimen. Herzl, der seine seelischen Erlebnisse und Zustände gerne an bestimmte Vorfälle knüpfte, wie er überhaupt die Meilensteine aller Entwicklungen im Gedächtnis festhielt, erzählte mir, bei welcher Gelegenheit sich ihm der eiserne Wille, der Trotz widrigen Umständen gegenüber in Wolffsohn offenbarte. Sie hatten von Aussee einen Ausfing in die Umgebung unternommen. Als es Zeit war, die Rückfahrt anzutreten, begann es zu regnen. Herzl, der damals das Radfahren leidenschaftlich liebte, schwang sieh wohlgemut auf sein Stahlroß. Wolffsohn widerrief wegen des Regens, warnte vor der Gefahr einer durchweichten Landstraße. Herzl wollte nicht hören. ״Wenn Sie fahren, fahre ich natürlich auch,“ sagte Wolffsohn und folgte. Auf halbem Wege wurde es so arg, daß Herzl abstieg und den Vorschlag machte, irgendwo einen Wagen aufzufinden. ״Nein!“ sagte Wolffsohn; ״wenn wir soweit mit 'dem Rad gefahren sind, kommen wir auch mit dem Rad ans Ziel.“ Und Herzl stieg wieder auf. * * * Wolffsohn war unter allen ergebenen Freunden Herzls der ergebenste. Er stand Tag und Nacht zur Verfügung, vernachlässigte seine Bequemlichkeit, sein Geschäft, seine privaten Interessen. Wie oft wurde er mitten in der Nacht durch ein dringendes Telegramm geweckt, das ihm die sofortige Abreise nach Wien, nach London oder nach Konstantinopel befahl! Es gab Zeiten, da Wolffsohn wie ein coimnis vogageur wochenlang nicht zwei Nächte hintereinander in demselben Bette schlief, weil Herzl es so haben wollte. Das geschah selbst dann noch, als unsere Bewegung bereits über viele Mittel und einen Stab von tüchtigen Männern verfügte. Wolffsohns Verhältnis zu Herzl war eben von einer einzigen Intimität und aus diesem Grunde konnte ihn keiner aus der Umgebung des Führers ersetzen. Wolffsohn war bei Leb- Zeiten Herzls der (iroßsiegelbewahrer der zionistischen Organisation. Keiner war wie er mit den Plänen Herzls vertraut; er wußte um seine geheimsten Gedanken. Wie muß Wolffsohn seinen großen Freund geliebt haben, daß er bei so unbegrenzter Vertraulichkeit sie waren in den letzten Jahren Dutzhrüder geworden nicht ein Jota verlor von der Verehrung für den überlegenen Denker, Schriftsteller, Organisator, Diese fraglose Hingebung des Freundes wurde vielfach für sklavische Willenlosigkeit dem Führer gegenüber gedeutet. Eine lächerliche Verkennung vor! Wolffsohns innerster Natur. Bei der Lektüre von Wolffsohns Briefen an Herzl war ich überrascht zu sehen, wieviel Selbständigkeit des Urteils er dem Führer entgegenstellte und mit welch rücksichtsloser Entschiedenheit. Als Jakobus Kann in der Bankangelegenheit Herzls Autorität zur Seite schob und den- Zorn des Führers entflammte, so daß es zum offenen Bruche kam, stellte sich Wolffsohn, nachdem er die Sache geprüft hatte, unbedenklich auf die Seite des Bankiers und bereitete dem Freunde durch seine Haltung kummervolle Tage. Die Briefe, in denen er diese Haltung begründete, waren noch schmerzlicher als ihre Veranlassung: Wolffsohn hielt dem Führer seine Irrtümer vor und warnte vor bösen Folgen, wenn er nicht einlenkte. Und Herzl gab nach . . . * * * In den letzten Jahren seines Lebens fühlte Wolffsohn, daß ihm das Schicksal seines Führers und Freundes bevorstand: das Land unserer Sehnsucht nur sehen, nicht darin Fuß fassen zu können. Und da äußerte er immer wieder den ütaGickicncii WtJirsvjY; das jdtiisc’n(* Volk niöetUi:׳ am großen Tage nicht vergessen, mit den Gebeinen Theodor Herzls auch seine ins Land der Vater zu überführen. Der Arzt, der ihn zuletzt behandelte, hat uns diesen letzten Willen des Sterbenden überbracht . . . An die deutschen Zionisten Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, die ihren Propagandafonds-Beitrag für das laufende Jahr bisher noch nicht entrichtet haben, dies unverzüglich zu tun. Unser Etat ist auf das äußerste eingeschränkt. Wir können aber unsere Arbeit nur dann fortführen, wenn jedes Mitglied unserer Organisation, das hierzu irgend in der Lage ist, uns finanziell unterstützt. Der nächste Ausweis der eingegangenen Beiträge erscheint■ in Nr. 19 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 9. April. Für diesen Ausweis können nur die Beiträge berücksichtigt werden, die bis zum 6. April bei uns eingegangen sind. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Ausweis Schekel 1913/14: Posen 50, . Schekel 1914 15: Berlin 1, , Bernburg 7,—, ans dem Felde: 3, . Landesbeiträge 1915: Berlin (Einzelbeitrag; 4,—, Bernburg Krotoschin (außerordentl. Beitrag) 10,—, Posen 50,— , aus dem Felde 1,—. Propagandafonds 1915: Berlin: J. Bosehwitz und Frau (2. Rate! 30,- ׳; Cassel: Rechtsanwalt Dr. Elias 25,—; Eschweiler: Mor. Meyer 10,-.; aus dem Felde: Kriegsgerichtsrat Dr. Badt-Breslau, 10,—, Offiz.-Stcllvertr. Dr. Alfred Wollstein-Berlin (2. Rate), 30,—, Leutnant Hans Lipschitz 5,—. Eingang vom IN bis 23. Atärz 1915: Schekel 1913/14: 50, M.; Schekel 1914/15: 11,— M.; L a n d e s b e i t r ä g e 1915: 71,— M.; Propagandafonds 1915: 110,—- M. Gesamteingang: Schekel 1913 14: 4999, — M.; Schekel 1914/15: 681,- M.; Landesbeiträge 1915: 1062,— M.; Propagandafonds 1915 : 4935,- M.

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