Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1915)
- Date
- 1915-03-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 88 J U EDI SC H E RUNDSCHAU Nr. tl dieser für das jüdische Volk so sturmbewegten Zeit erzählt werden, heute wollen wir ihm nur für das bisher Getane danken und ihn auffordern, wie bis jetzt im Dienste der jüdischen Flüchtlinge sein Bestes zu leisten. Die löbl. Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeinde in Prag wird es für sich in Anspruch nehmen dürfen, die einzige in Oesterreich zu sein, bei der sich die Flüchtlinge nicht wie unter Fremden, sondern wie unter Eigenen, wie unter Brüdern fühlten, und die ihr Bestes tat, um das Los der von ihrer Heimat verjagten Glaubensgenossen zu erleichtern. Zum Schlüsse wollen wir der Prager Bevölkerung und der hiesigen Presse für ihr loyales und freundliches Verhalten den Flüchtlingen gegenüber unseren wärmsten Dank aussprechen. Der Vermißten-Nachrichtendienst der hiesigen Presse den sie mit so großen materiellen Opfern führt, sichert ihr den tiefgefühlten Dank tausender jüdischer Familien. Das gefertigte Komitee fühlte es als seine erste Pflicht, bei seinem ersten Auftreten vor die Oeffcntlichkeit jenen Dank zu sagen, die sich unserer in unserer schweren Not annahmen und annehmen. Komitee der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina Prag, Benedikgasse 1. l)r. R. Taubes. ‘ Dr. W. Feld. Burgfrieden in Stettin Steffin, den I. März 1915. Münchenstr. 20/1. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W. 15. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie hatten die Freundlichkeit, mir die Nr. 9 der ״Jüdischen Rundschau“ zu übermitteln, in der Herr Jakob- Stettin über angebliche taktlose Angriffe berichtet, die ich in einem Vortrage im Verein für jüdische Geschichte und Literatur gegen den Zionismus gerichtet haben soll. Die ungewöhnlich schroffe und mich persönlich verletzende Form der Aeußerungen des Herrn Jakob macht es mir schwer, zu erwidern. Weil aber mein Stillschweigen auch als Zugeständnis der sachlichen Richtigkeit der Anführungen meines Herrn Gegners aufgefaßt werden könnte, bitte ich ergebenst, sie dahin berichtigen zu dürfen: Im Zusammenhänge meiner Darlegungen kam ich m dem Ergebnis, daß die deutschen luden national-deutsch sein müßten. Daraus folgte fitr mich die Ablehnung des Zionismus. Unter Anerkennung des Idealismus der zionistischen Weltanschauung und ihrer guten Früchte für das Judentum wies ich auf die Gefahr hin, welche die zionistische Doktrin nyt ihrer Verneinung des deutschen Nationalbewußtseins der deutschen Juden gerade in einer Zeit bedeutete, in der Deutschland den Kampf um seine nationale Existenz führt. Dabei betonte ich, daß tatsächlich diese Doktrin, ähnlich wie hei den Sozialdemokraten das Dogma der ״Internationale“, an dem lebendigen Vaterlandsgefühl der Zionisten gescheitert wäre. Gewiß, der Zionist mag und muß meine Ansicht als unzutreffend bekämpfen. Mir aber zu unterstellen, ich hätte insbesondere auch gegen den heldenmütigen Soldaten zionistischer Gesinnung den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit erhoben, verkehrt meine Ausführungen direkt in das Gegenteil. Auch in der Zeit des Burgfriedens muß es erlaubt sein, in einem wissenschaftlichen Vortrage seine lieberzeugung über ein Weltanschaiumgsproblein ernst und ruhig auszusprechen, das hat auch Herr Rabbiner Dr. Wiener in seiner Erwiderung auf die Anfrage des Herrn Jakob erklärt. Die von Herrn Jakob beliebte Art, mich dieserhalb persönlich zu verunglimpfen, dürfte schließlich nur auf ihn selbst zurückfallen. Mit vorzüglicher Hochachtung I )r. B 1״ ־ c k. * Sehr geehrte Redaktion! Die Berichtigung tles Herrn Rechtsanwalt Dr. Brock weicht von meinem Berichte über den Vortrag vom 22. Februar nicht wesentlich ab. ich hatte berichtet, daß Herr Dr. Brock von der Vaterlandslosigkeit der Zionisten gesprochen und behauptet habe, die zionistische Bewegung sei an dieser Vaterlandslosigkeit gescheitert. Herr Dr. Brock hat seiner Berichtigung zufolge gesagt, die zionistische Doktrin bedeute eine Gefahr für die deutschen Juden und sie sei an dem lebendigen Vaterlandsgefühl der Zionisten gescheitert. Damit wird doch unzweideutig ausgesprechen, lebendiges Vaterlandsgefühl sei unvereinbar mit dem Zionismus und wer solches besitze, könne nicht länger Zionist bleiben. An dem Widerspruch zwischen Vaterlandsgefühl und zionistischer Doktrin sei letztere gescheitert. Daß aber die zionistische Bewegung Seliiffbrnch leiden muß, wenn ihre Doktrin scheitert, braucht doch wohl nicht erst bewiesen zu werden. Mein Bericht stimmt demnach mit dem, was Herr Dr. Brock tatsächlich gesagt hat, dem Sinne, wenn auch nicht dem Wortlaute nach, recht gut überein. Der Vorwurf, der Zionismus sei unvereinbar mit der Liebe zum Vaterlande, ist von den Antizionisten seit dem Auftauchen der zionistischen Bewegung immer wieder erhoben, von den Zionisten immer wieder widerlegt worden. Ich war daher durchaus berechtigt, zu sagen, er gehöre zum eisernen Bestände des Antizionismus. Was darüber von beiden Seiten gesagt und geschrieben worden ist, macht nachgerade eine ziemlich umfangreiche Literatur aus. Nun haben wir deutschen Zionisten von jeher betont, Die Peßachspende für unsere Freunde im Felde Zahlreiche Zuschriften beweisen uns, daß wir mit unserem Plane, unseren Freunden im Felde als Peßachspende eine schöne Ha gada und ״Chad gadja, das Pe 15 ach buch“- zu widmen, wiederum das Richtige getroffen haben. Vor allem haben sich schon diejenigen unserer im Felde stehenden Freunde, die schon von unserer beabsichtigten Aktion erfahren haben, voller Freude über sie geäußert. Was wir ihnen geben wollen, ist so bekunden sie das Liebste, w as ihnen aus dem Geiste jüdischen Genieinschaftsempfindens heraus gegeben werden kann. Alle unsere Freunde, die sich für die Durchführung der Aktion einsetzen, werden in dem herzlichen Dank unserer jüdischen Soldaten ihren warmen Lohn finden. Wenn wir unsere Absicht, an mindestens 2000 jüdische Soldaten unsere Peßachspende zu versenden und zwar so, daß sie zum ersten Sederabend in ihren Händen ist voll und ganz ausführen sollen, bedürfen wir hierzu viel größerer Mittel als uns bis jetzt zur Verfügung stehen. Noch sehr viele unserer Gesinnungsgenossen und Freunde in der Heiinat haben ihre Pflicht nicht erfüllt. Und wer möchte fehlen, wo es solch schöne Pflicht gilt? Wir bitten daher um beschleunigte Samrnhing und Absendung der Beiträge für die Peßachspe״de Alle Zuschriften und Gaben sind an Herrn Max Woi ist einer, Charlottenburg, Roscherstraße 5 (Postscheckkonto 3847) zu richten. Zionistische Vereinigung für D e 111 s c 111 a n d. * PESSACHGRUSS ZiONiSlISCHEN VEREINIG:. NO FÜR DhtTSC! 11 AND PESSACH 5675 ERSTER SLDERAÜ!• NI י Mr>nue. Öre V.!a ZWEITER SFDI.RAH! NI* I'iMsiav. lim y, M.ifi, HER! IN W 15. SACHSiSCHESTR s I;.... _ iliif ElS \u\wumm DasPessaffiburf! Jüdisrtterileilaij ilerlin SS 0 S s SS daß die Anhänglichkeit an unseren Jahrtausende alten Volksstamm, an unser von den Vorfahren ererbtes Volkstum niemals in Widerspruch kommen könne mit der Treue zu unseren Vaterland«. Herr Dr. Brock erkennt das lebendige Vaterlandsgefühl der Zionisten nachdrücklich an. Man hätte nun erwarten müssen, er würde die naheliegende Schlußfolgerung ziehen, daß der 'Vorwurf der mangelnden Vaterlandsliebe endgültig zum alten Eisen zu werfen sei. Statt dessen konstruiert er einen Widerspruch zwischen dem Verhalten der Zionisten und ihrer Doktrin, was nicht eben von tiefem psychologischen Verständnis zeugt. Würde er die Feldpostbriefe deutscher und österreichischer Zionisten gelesen haben, die ja zum Teil durch die zionistische Presse veröffentlicht worden sind, er hätte daraus mit der Ueberzeugung von der unanfechtbaren Treue zum Vaterlande auch die von dem unwandelbaren Festhalten an der zionistischen ״Doktrin“ gewonnen und seine Anschauungen wahrscheialieh einer Revision unterzogen. Daß ich Herrn Dr. Brock unterstellt haben soll, er habe insbesondere auch gegen die heidenipütigen Soldaten zionistischere«- sinnung den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit erhoben, ist in meinem Berichte nirgends zu lesen. Herr Dr. Brock berichtigt da etwas, was ich nicht gesagt habe. Auch in der Zeit des Burgfriedens mag es erlaubt sein, seine Ueberzeugung über ein Weltanschauungsproblem Wissenschaftlich auszusprechen. Als ״wissenschaftlich“ kann inan es aber unmöglich bezeichnen, wenn man dieses Problem gelegentlich eines längeren Vortrages so ganz nebenher in 5 bis 10 Minuten abtut. Daß die Art, wie er sich über den Zionismus äußerte, die Zionisten unter seinen Zuhörern aufs tiefste kränken mußte, darüber konnte Herr Dr. Brock unmöglich im unklaren sein. Er ist ja durch seinen Beruf daran gewöhnt, die Wirkung seiner Worte richtig einzuschätzen. Wenn nun Herr Dr. Brock das Verletzende meiner Ausführungen rügt, so hätte er dabei an das Wort vom Splitter und Balken denken sollen. Daß übrigens nicht nur die anwesenden Zionisten peinlich berührt worden sind, beweisen die Aeußerungen uichtzionistischer Vereinsniitglieder, die die Ausführungen als ״durchaus unangebracht“ bezeichnet haben. Ein dem Vorstande nahestehender Herr trat sofort mit der Bitte an mich heran, ich möge doch den Vorfall nicht als Veranlassung nehmen, die Zionisten zum Austritt aus dem Literaturverein zu bewegen! Vielleicht noch bezeichnender ist die schadenfrohe Aeußerung eines bekannten Antizionisten, es sei gut, daß es den Zionisten mal wieder ordentlich gegeben worden sei! Im Literaturverein ist die Parität — von einem über 10 Jahre zurückliegenden Vorfälle abgesehen — immer gewahrt geblieben. Das wird auch ferner so bleiben müssen, wenn der Verein bestehen und gedeihlich wirken soll! Entgleisungen, wie die vorgefallene, können zwar nicht den Zionismus, wohl aber den Literaturverein ernstlich schädigen. Hermann Jacob, Vorsitzender der Stettiner Zion. Vereinigung. Walter Hammerstein Die Mutter unseres im Westen gefallene« treuen Gesinnungsgenossen Leutnants Walter Hammerstein (aus Stettin) erhielt von unserem Gesinnungsgenossen Feldprediger Dr. Emil L e v y den folgenden Brief: St. Quenti n, 20. 2. 1915. Sehr geehrte gnädige Frau! Das Regiment Nr. 207 wird Ihnen wohl schon die erschütternde Mitteilung von dem Soldatentode Ihres tapfern, wackern Sohnes gemacht haben. Ich selber bin aufs schmerzlichste ergriffen, und doch möchte ich Ihnen mitteilen: Wenn Sie der würdigen Leichenfeier beigewohnt, wenn Sie das Lob vernommen hätten, daß die Offiziere ihrem gefallenen Kameraden spendeten, dann würde ein Gefühl des Stolzes und der Freude den ganzen Schmerz übertönen. Ich war telegraphisch von dem Tode Ihres Sohnes in Kenntnis gesetzt und habe als jüdischer Feldprediger der 2. Armee natürlich sofort zugesagt, die Beerdigung zu übernehmen. Als ich im Kraftwagen in Ablaincourt ankam, war der Sarg, grün mnkränzf, bereits in der feierlich hergerichteten Ortskirche aufgebahrt. Um 4 Uhr Nachmittag (ain 16. 2.) fand die Beerdigung mit allen militärischen Ehren statt. Infolge eines um die Zeit einsetzenden heftigen Angriffs der Franzosen war der kommandierende General am Erscheinen verhindert; er ließ sich durch seinen Adjudanteu, Hauptmann von Kleist, vertreten. Der Regimentskommandeur und die Herren. Offiziere waren, soweit sie in Ruhe- Stellung lagen, alle anwesend, natürlich auch die Truppen, welche zurzeit, vor der Kirche und auf dem Wege zum Friedhof als Ehreneskorte aufgestellt waren. Ich hielt im Ornat die Leichenrede und sprach hebräisch und deutsch das vorgeschriebene Totengebet. Dann setzte sich *der Zug zum Friedhof in Bewegung, die Truppen präsentierten, die Musik intonierte ״ich hatt einen Kameraden“ es war ein gewaltiges Gefolge, war doch Ihr Herr Sohn der erste Offizier seines Regiments, der den Heldentod fürs Vaterland starb. Am Grabe rühmte noch der Regimentskotnmandeur Major Goltz, die menschlichen und soldatischen Eigenschaften des Verstorbenen, der