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Jüdische Rundschau · 1915-03-12 · Heft 11 (12.3.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 11 (12.3.1915)
Date
1915-03-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 11 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 89 allen Kameraden unvergeßlich bleiben würde. Ich sprach für mich leise das Kaddischgebet, habe auch die Absicht, anläßlich des nächsten bei der Reservedivision stattfindenden Gottesdienstes die jüdischen Soldaten am Grabe zu versammeln, um Kaddisch mit Minjan zu beten. Es ist selbstverständlich, daß ich dann auch für eine Ausstattung und Kenntlichmachung des Grabes im jüdischen Sinne Sorge tragen werde. — Es ist übrigens möglich, daß ich, - wenn mein Gedächtnis nicht trügt Ihren Sohn in Stettin anläßlich eines vor mehreren Jahren gehaltenen Vortrages gesprochen habe. Das Vaterland und das Judentum werden in gleichem Maße auf den Gefallenen stolz sein dürfen; sein Andenken bleibt. Ich würde mich freuen, sehr geehrte Frau, von ihnen näheres über Ihren Sohn zu vernehmen. Hat er sich nicht auch um die jüdische Turnbewegung zu Stettin Verdienste erworben? Möge Gott Sie trösten. Ihr Sohn wird nicht Ihm und nicht den Menschen verloren sein. Mit vorzüglicher Hochachtung Feldprediger Dr. Emil Lew A. O. K. 2. Die Juden des Ostens Am 9. Marz sprach im Vortragszyklus der B. Z. V. Herr Dr. Julius Becker über die Juden des Ostens. Er schilderte die Entwicklung der jüdischen Frage in Polen, den Gegensatz zwi* sehen den Juden und den Polen, seine Gründe und Folgen in der Gegenwart. Der Vortrag fand warmen Beifall. —- Den letzten Vortrag hält Herr Dr. Arthur Häntke über ,,Die Juden und der;Weltkrieg“. Dieser Vortrag wird in einein geheizten Saale stattfinden. Wir werden in der nächsten Nummer das Datum des Vortrags mitteilen. Eine neue Perez־ Uebersetzung von Hugo Zuckermann (Perez: ״Die Nacht auf dem alten Markt“, deutsch von Eh־. Hugo Zuckermann.) Auf dieses bibliophile Werk hat die Verlagshandlung R. Löwit (Dr. Mayer Präger), Wien I, Rotenturmstraße 22, bereits die Subskription eröffnet. In einer einmaligen numerierten Auflage von 300 Exemplaren, in der Elga- Antiqua, auf feinsten Bütten gedruckt und in Ganzpergament gebunden, soll dieses Werk zum Preise von ca. 25 K. im März erscheinen und sowohl durch seinen inneren Gehalt als durch seine bibliophile Ausstattung eine Perle auf dem jüdischen Büchermarkt bedeuten. Das Werk wird die von der Verlagshandlung geplante ,,Jüdische Liebhaberbibliothek“ eröffnen und zum ersten Male modernes ostjüdisches Schrifttum in würdigem Gewände in die Weltliteratur einführen. Die Namenlistc der Subskribenten wird auf einem Sonderblatte gedruckt und dem Buche als Beilage angefügt werden. Alle literarisch interessierten Juden werden dieses Werk von Perez und zugleich das schönste Vermächtnis von Dr. Hugo Zuckermann besitzen wollen. Die Subskription wird am 10. März geschlossen. Mit Rücksicht auf die kleine Aufläge empfiehlt sich umgehende Anmeldung. Nach dem 10. März erlischt auch der Subskriptionspreis. R. Löwit Verlag (Dr. Mayer Präger). Die weltpolitische Bedeutung des Zionismus ln dem ״Rußland“ gewidmeten Sonderheft der ״Süddeutschen Monatshefte“ schreibt Professor Josef H o f m i 11 e r, der zu den Milbegründern und Mitherausgebern dieser bedeutenden Zeit- Schrift gehört, in einem Artikel über ,,Rußlands Westgrenze“: ״Ein Problem für sich bilden die sechs Millionen Juden, teils Orthodoxen, teils Zionisten, teils sehr moderne Geister. Sie sind im reaktionären Rußland wegen ihrer Rührigkeit und Intelligenz, ihres Dranges nach vorwärts und aufwärts, ihrer ausgesprochenen politisch-agitatorischen Begabung, ihres Zusammenhalts unter sich und ihrer Wurzellosigkeit gegenüber dein Reiche im Frieden womöglich noch rechtloser als im Kriege. Der jetzige Krieg bietet endlich die Handhabe, dieses Volk, das Unsägliches erduldet hat und Tag für Tag erduldet, zu befreien und dem zionistischen Teil seinen tausendjährigen Traum vom alten Heimatland zu verwirklichen: Ansiedelung als Ackerbauer und Handwerker in Palästina, wo sie durch ihre Zahl, ihren Expansionsdrang, ihren Widerstand gegen Assimilation, ihre fortschrittliehe Tendenz eine hocheinzuschätzende Hemmung gegen großbritannische Einnistungsversuche bilden würden. Zu den russischen Auswanderern, deren jährlichcr Durchschnitt 95 000 beträgt, stellen sie ohnehin das weitaus stärkste Kontingent. In diesem Zusammenhang gewinnt das Problem des Z i o - nismus weltpolitische Bedeutung und Syrien erscheint als ein Land der Zukunft.“ Nachrichten Berlin. Unser Gesinnungsgenosse Viktor Weil- Freiburg i. B., Vizefeldwebel in! Infanterie-Rgt. 113, Sohn des verstorbenen Gesinnungsgenossen Moritz Weil, hat die silberne Badische Tapferkeitsmedaillc und das Eiserne Kreuz erhalten. Ferner wurden mit dem Eisernen Kreuz geschmückt die Gesinnungsgenossen Dr. Meinhold N u ß ba 11 m - Fulda (K. J. V.), Fredy B r ü 11 - Posen, Unteroffizier der Res., Mitglied des Jüdischen Turn- Vereins Posen, Hermann J a e c k e 1 - Wronke, Unter- Offizier des Landsturmbataillons Samter und Kraftfahrer Fritz Salm, Jüd. Turnverein Köln a. Rh. Unser Gesinnungsgenosse Kriegsfreiwilliger Silvy K a rg e r - Breslau, Sohn unseres Gg. Hermann Karger-Breslau, ist im Festungslazarett einer Lungenentzündung erlegen. Unser Gesinnungsgenosse Willi B e h r e n d - Hamburg (Herzl - Klub) ist bei den Kämpfen in Ostpreußen gefallen. Wien. Leutnant Herman S t e u e r, A. H. der jüd.- akad. Verbindung ״Emunah“ in Bielitz wurde zum Oberleutnant befördert; Assistenzarzt Dr. Max Arminski, Wien, der am südlichen Kriegsschauplatz tätig war, erhielt dieser Tage seine Beförderung zum Oberarzt; Patrouillenführer Arnold Goldstein, der als Bauer vcrKiJiH seine Kompagnie rettete, erhielt die silberne Tapfer״ Htsmedaillel. Klasse. Gg. Dr. Moritz Tischler, Assistenzarzt, Ä. H. der jüd.-akad. Verbindung ,,Unitas“ wurde mit dem goldenen Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaiilc ausgezeichnet. Beuthen. Das Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Beuthen (O.-S.), Erich ־Nothmann, der bisher als vermißt gemeldet war, befindet sich in russischer Kriegsgefangenschaft. Seine Adresse lautet: Kriegsgefangener Unteroffizier Erich Nothmann, Nikolsk-Usuriuski, Gouvernement Primoskaja. Breslau. Als Kriegsopfer starb in Breslau unser junger Gesinnungsgenosse Silvy Karger. Trotz seiner nicht allzu kräftigen Konstitution hatte er sich gleich zu Beginn des Krieges in einem Artillerie- Regiment als Kriegsfreiwilliger gemeldet. Da die Einberufung lange Zeit nicht erfolgte, trat er bei einem Breslauer Infanterie-Regiment ein. Er war begeistert von dem Gedanken, gegen Rußland zu Felde ziehen zu können. Leider kam er nicht so weit. Aut dem Truppenübungsplatz zog er sich eine Lungenentzündüng zu, der er trotz des Aufgebots der besten ärztliehen Kräfte in voriger Woche erlag. Die Breslauer Zionisten bedauern den Tod des sympathischen und lieben Gesinnungsgenossen aufs tiefste. Sie durften von seinem hohen Idealismus und seiner poetischen Begabung erwarten, daß er einmal wertvolle Arbeit im Dienste unserer Idee leisten würde. Schon als Sechzehnjähriger hat er ein Heft zionistischer Gedichte, ,,Lieder des wandernden Volkes“, veröffentlicht, das bereits Zeugnis ablegte von dem Makkabäermut, der in ihm war und den er jetzt durch die Tat bewiesen hat und leider auch durch den Tod. Posen. Die zionistische Jugend hat wiederum einen herben Verlust erlitten. Der Kriegsfreiwillige Walter Rosenberg (zuletzt Stettin) ist in den Kämpfen an der Yser gefallen. Wie es für ihn selbstverständlich war, als junger, idealgesinnter Jude für unsere Sache überall einzutreten mit stolzer Begeisterung und in vorderster Reihe, so ist erden! Rufe des bedrohten Vaterlandes als Kriegsfreiwilliger gefolgt und hat für seine Ehre sein junges, blühendes Leben dahingegeben. Die Zionistische Jugendgruppe Posen wird Walter Rosenberg als einen ihrer ersten Mitarbeiter dauernd i!1 ehrender Erinnerung behalten. H. Berlin. Unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Ascher- Dessau, Mitglied des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung, fiat einen schweren Verlust durch den Tod seines Vaters erlitten. Wir sprechen unserem Gesinnungsgenossen Dr. Ascher unsere herzliebste Teilnahme aus. Berlin. (Zionistischer Verein West- Berlin.'! Am Sonnabend, den 13. März, abends 9 Uhr, spricht im Cafe Austria, Potsdamer Str. 28, Herr Julius Berger über ״Zionistische Politik". Anschließend Diskussion. Eintritt nur gegen Karten gestattet. Dieselben sind kostenlos zu haben bei Herrn Max Jacob sohn, Steglitz, Kieler Str. 3. Berlin• (Z i on i s t i s c h e r J u g e n d v e r c i 11,; Am Sonntag, den 14. d. M., findet eine Tageswandermig durch den Tegeler Forst nach Hohcnncuendorf statt. Treffpunkt 9 Uhr an der Endstation der Straßenbahn in Tegel. Pünktlichkeit und gute Wanderausrüstimg sind unerläßlich. Führerin: Regina Israel. Berlin. Der Jüdische T u r 11 v e r e i 11 Ba r Kochba veranstaltet am Sonnabend, den 13. d. M., abends SU; Uhr, eine M i t g 1 i e <1 e r v e r - Sammlung in Neumanns Festsälen (Rosenthaler Str. 36 . Herr Georg Kareski spricht über ״Unsere Gegenwartsarbeit“. Ferner findet die Wahl eines neuen V orstan de s statt, da die jetzigen Vorstandsmitglieder ihre militärische Einberufung erwarten. Gäste haben nur während des Vortrages Zutritt. Berlin. Der V e r b a ml Jüdischer Traue n für K u 11 11 r a r beit i 11 P a 1 ä s t i 11 a lädt seine Mitglieder zu der am l(>. März 1915, nachm. 5 Uhr, in seinem Bureau, Burgstr. 27, I, Bureau 11, stattfindenden Generalversammlung höflichst ein. Tages- Ordnung: Bericht des Vorstandes; Kassenbericht; Decharge; Event iiiilia; Wahl des Vorstandes. Chemnitz, lieber ״Die nationalen Lehren des Krieges“ sprach am 28. Februar Herr Kurt B I u 111 e 11 - feld vor einem ungewöhnlich zahlreichen Publikum. Der Vortrag, der an anderer Stelle der ״Rundschau“ schon gewürdigt wurde, war durch die klare und rednerisch schöne Form ein wahrer Genuß und hinterließ bei allen Zuhörern einen außerordentlich starken Eindruck. Unseren herzlichsten 1 Jank auch hier an Herrn Blumenfeld für den großen Dienst, den er unserer Sache geleistet hat. München. Die ״M ünchen-Augsb u r g e r A b e 11 d zeit 11 n g“ vom 5. März schreibt: ״Im Saale des Edcnhotcls veranstaltete die Zeitschrift ״Das jüdische Echo“ einen literarischen Abend zugunsten des Palästina-Hilfswerkes, an dem der Regisseur am Münchener Volkstheater Arnold Marie jüdische Dichtungen vortrug. Der künstlerische Ernst, der Marie als Schauspieler beseelt, zeichnete ihn auch als Rezitator aus und mit Recht überschüttete das sehr zahlreiche Publikum den Künstler nach jeder Nummer des Programms mit Beifallssalven. Die starke Innerlichkeit, vereint mit einer auffallend guten Sprechtechnik, befähigten Marie, den Stimmuiigsgehalt jeder der so verschiedenartigen Dichtungen auszuschöpfen: er erschütterte tief mit der Wiedergabe der großen Szene de:- roten It/ig“ aus Beer-Hofmanns ״Graf von Cliarolai-׳‘, riß seine Hörer mit in des vor wenigen Wochen auf dein Fehle der Ehre gefallene» Hugo Zuckerniaims schwungvollem Lied ״Makkabäer 5675“, bot mit dem im Volkston gehaltenen ,״Wiegenlied“ von Berthold Feiwel ein Kabinettstück der!Vortragskimst, und traf überaus glücklich den behagliehen Ton in der schiminzelnd-vergnügtcn Humoreske ״Eheglück“ von J. L. Perez. Schade, daß er ״Das hohe Lied“, mehrere Psalmen und ״Moses׳ Gesang am Schilfmeer“ in der zwar geschickt gereimten, aber verflachten Ucbersetzung M. A. Klausners vortrug, statt im Wortlaut der Bibel! Man darf dein ״jüdischen Echo“ dankbar sein für die Veranstaltung dieses Abends, der starke Eindrücke hinterließ, und kann es begrüßen, wenn diese Zeitschrift fortfährt, weitere Kreise mit einer Literatur bekannt zu machen, die besser gekannt und gewürdigt zu werden verdient. Zugleich weckte der Abend den lebhaften Wunsch, dem so hochbegabten Herrn Marie öfters am ,Vortragstisch zu begegnen und ihn recht bald irn Münchener Volkstheater als Shylock sehen zu dürfen.“ Es erübrigt sich, dieser Besprechung etw as liiiizu/ufügeii es sei denn, daß es erfreulicherweise auch möglich ist, dem Palästinahilfswerk einen entsprechendem Betrag als materielles Resultat /iizufiilireu, so daß der Zweck des Abends, dein sieh Gesinnungsgenosse Marie in dankenswerter Weise selbstlos zur Verfügung gestellt hatte, auch in dieser Hinsicht erreicht ist. LR, Königshütte, O.-S. Der zionistische Mädchenklub hat trotz der Kriegsmirulien seine Tätigkeit regelmäßig fortgesetzt. Seine größte und schönst(‘ Arbeit ist die Schaffung eines eigenen Heimes, das den Mittelpunkt für di(‘ jüdische Jugend der Stadt bildet und sich als Bindeglied glänzend bewährt hat. Das Heim hat einen echt jüdischen Charakter und übt auf Alt und Jung eine sehr erzieherische Wirkung aus. Fs finden dort Lese- und Diskutiembendc allwöchentlich statt. Seit Beginn des Krieges wurde während des Lesens gestrickt und es war möglich, zu Chmiukah größer(‘ Pakete au die im Felde stehenden Gesinnungsgenossen zu senden. Die Zusammen- Fünfte vermitteln eine gründliche zionistische und jüdische Ausbildung. Alle vier Wochen werden Vorträge von Gesinnungsgenossen aus dem engeren Bezirk veranstaltet. Fs sprachen im Januar .Assessor Dr. Ehrlich über ״Die Erziehung der jüdischen Mädchen“ und irn Februar Rechtsanwalt Lachmann über das ,,Ghetto‘', jeden Sonnabend Nachmittag kommen die jüdischen Kinder der Stadt in das Heim. Die Mitglieder lest'!! jüdische Bücher mit ihnen, spielen und singen. Auch werden vorläufig die Mädchen des Klubs durch öftere Wanderungen zu F ü h re ri 11 n e!1 für den Blau-Weiß erzogen. Chatiukah wurde fiir die Kinder im Heim eine sehr gelungene Chaimkalifeier veranstaltet. Auch die zionistische Frauengruppe tagt in den Räumen des Heims und hat ihre Strickabende da veranstaltet. Mit den Erfolgen, die durch die Schaffung des Heims erzielt wurden, kann man sehr zufrieden sein. Die eigenen Räume schaffen einen engen Zusammenhang unter den Oesinnungsgenossen, der zur Fördermig der Arbeit sehr beiträgt.

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