Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XX (1915)
- Issue
- Heft 6 (15.2.1915)
- Date
- 1915-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUEDISCHE RUNDSCHAU So verzagt wurde unsere Hoffnung, da sie allein blieb. Da kam der Krieg. Und plötzlich packte es die Welt und Millionen wurden, wie wir es seit Jahren erhofft. In dem Brausen der Menge vernahmen wir unsere Melodie und plötzlieh umgab uns G e m einschaft. Denn der Mensch war erwacht. Wie uns dies Erlebnis vertraut war! Sollten wir nicht eine Stärkung auch darin finden, daß wir nicht mehr vereinzelt waren, daß alles, was bisher an uns, den Wenigen, geschmäht wurde, nun zum religiösen Erleben von Millionen wurde? War es ein Wunder, daß unsere Brüder, unsere Freunde unter den Ersten waren, die freiwillig dem Rufe folgten, der längst in ihrer Seele lebte? So kam es, daß wir in den Krieg zogen, weil wir Zionisten waren, nicht aber: obwohl wir Juden sind. * * * Noch gibt es vieles, was die Freude lähmt. Noch ist es uns nicht vergönnt, als Juden geschlossen neben Freunden zu kämpfen. Aber wir Träumer von gestern, deren Träume heute zur Wirklichkeit wurden, wir träumen schon wieder vom Morgen. Eine halbe Million jüdischer Kämpfer stehen in diesem Krieg. Kehren sie heim, so werden sie ihre Brüder, ihre Kinder und die Mütter ihrer Kinder lehren, was Krieg bedeutet. Sie werden es nicht vergessen. Nebel verdichten sich und Träume gewinnen Gestalt. Der Träumer aber sieht voll Zuversicht dem Morgendämmern entgegen. - - Zentralfonds Das Aktionskomitee der Zionist!- sehen Organisation hat sich an die Gesinnungsgenossen und an alle bewährten Freunde der zionistischen Arbeit mit der dringenden Aufforderung gewendet, in diesem Augenblick, da die Zionistische Organisation außerordentliehen Aufgaben gegenübersteht, die Leitung nicht finanziell im Stich zu lassen. Das Aktionskomitee hat zur Zahlung der Beiträge für den Zionistisehen Zentralfonds — einschließlich der für das Hebräische Schulwerk bestimmten Leistungen — aufgefordert. Viele unserer Freunde und Gesinnungsgenossen. haben verstanden, daß es die unerläßliche Pflicht jedes Zionisten ist, diesem Ruf Folge zu leisten. Die Liste der bisher eingegangenen Spenden beweist, daß die Zionistische Organisation des Beistands ihrer Anhänger sicher, sein kann. Viele Namen fehlen aber noch in dieser Liste. Darum werden alle Gesinnungsgenossen aufgefordert, jetzt sofort mit der energischen Propaganda für den Zionistischen Zentraifonds einzusetzen. Zentralfonds 1915 Ausweis der eingegangenen Beträge Deutschland Berlin: Dr. H. O. Heymann .... S. Hepner. N. N. Dr. Arthur Hantkc. Julius Busse. Dr. Sandler . Dr. Gustav Bradt. Dr. Walter Munk. San.-Rat Dr. Lewy . . . . Theobald Scholem. S. Rosenbliith . Dr. A. Eliasberg. Frau Dr. Eliasberg . . . . Helene Hanna Colin . . . . N. N... . . . Beuthen: Hugo Lesser . Siegfried Lesser. Jk 1000- -,500 ״ . -,500 ״ . -,100 ״ . -,250 ״ -,200 ״ . -,150 ״ . -,150 ״ -,100 ״ ■ -50 ״ ■ -,40 ״ -,20 ״ -,20 ״ ־10 ״ -5 ״ Jk 100,- -,100 ״ Jk n Jk Jk Breslau: Zahnarzt Hugo Schachtel . . . Hugo Singermann. Danzig: Wolf Ziinels. Düsseldorf: J. Michalowsky . Hamburg: Frau Gustav G. Cohen.U. Dr. Kalmus. R.-A. Hirsch, 1. Rate.״ Dr. Huldschiner. Dr. Sam. Weiß.״ Heddernheim: San.-Rat Dr. Goldberg Jk II1 k i r c 11: Achille Baiunann Kiel: Dr. Opet. Königsberg: Leo Dinesmann . Leipzig: Jacob Neumann. Dr. E. Löbl. Dr. E. Chamizcr. Militsch: Dr. Jutkowski . . . M ü n c he 11: Dr. L. Wassermann . West Österreich Innerösterreich Wien: Kaiser!. Rat Hirsch I)r. Leopold Meisel Böhmen Prag-Karolinenthal: Anton Glaser . . . Brüx: Volksverein . . . N. N.. Arthur Kohn . . . T e p 1 i t z: Ernst Bechert (1. Rate Kr. Kr. Kr. 500, 100, 100,- ■1-8,30 5,— 5,— 10,— Jk Jk Jk Jk Jk Jk 100,- 10,- 100,- 20,- 100,- 100,- 50,- 20,- 10,- 20,- 100,- 20,- 100,- 100,- 20,- 20,- 40,- 10O,- 395,- 78.- Jk 78,■ Kr. 68,30 Jk 54,60 7,80 7,80 Mähren-Schlesien 01 m ü t z: Zionistische Mittelschüler- Vereinigung . . .Kr. 10, Verein ״Jung Juda“ . . 10 ״, Südslawische Länder M i t r o v i z a: Dr. S. Bauin, z. Zt. Vukovar (Urig.) . Kr. 20,— Jk 16,- Italien Florenz: Tobias Markus.Jk 30, Amerika Ne w Yo rk: Provisional Zionist Committee . . . . 8 2000,— Jk 0000, Hebräisches Schulwerk Deutschland A 11 e 11 s t e in: Samtni. Dr. Wistinctzki: Ascher 10,—, Grünberg 3,—, Hirschheim 5,—, B. Jacob 3,-■, Zahnarzt Krüger 5,—, L. Lehmann 3,- , Louise Lewalu 10, , Apotheker Lewin 5,— H. Let will 3,--, Dr. Olitzki 5,-. M. Pciser 5, H. Raphaelsolm 5,—, L. Raphaelsohn 10,- , Sass 3,—. 'Landriehter Silbermann 3, ~, J. Silberstein 5,—, Rechtsanwalt Wistinctzki 10,—, Dr. Wolfhcini 5, -, J, Woythaicr 3,— Jk Berlin: Kartell Jüdischer Verbindungen . . Jk N. N. A. L. Fürst.״ l)r. Zlocisti.״ B. Sulmann.,, Rechtsanwalt Dr. H. Friedmann . . ״ Herzl-Bund.״ B r e s 1 a 11: Lippmunn Bloch, 2 Raten ä R.-A. I>. ßerschak .... Burgk 11 ndst a d t: Dr. Lazarus Chemnitz: Dr. W. Frankel . Essen -West: L. Rosenberg . Hamburg: Aus dem Nachlass von Wolf Cobliner Jk L. M. Michael.״ Homberg: Unterarzt S. Weihl . . . J4 Idar: Nathan Baer.Jk Kiel: Professor Dr. Opet.Jk Leipzig: Dr. E. Löbl.Jk Dr. E. Chamizcr.״ M a n!1 h e i m: B. Mainzer.Jk Posen: Erben Dr. Jeremias .... Jk Westösterreich Böhmen Pr a g: Legat des in Serbien gefallenen Leutnants Dr. Alfred Kraus.Jk R. Gutmann.. Jk 202,50 Jk : '.1 . . Jk . . Jk 101 - 1000,- 500,- 100,- 100,- 20, 15,- 5,- 405,- 30,. 4, - 2,- 100,- 100,- 25,- 5, - ־,5 -,20 -,100 ,100 -,50 -,100 79, 1,10 Holland Rotte rdam: Nederlandsche Zionisten Bond . . . Schweiz Basel: Schweizerischer Zionistenverband R u m ä n i e 11 Piatra: Sammlung Dr. Drimmer . . . Verschiedene J. Levin .Jk R. Kleiner ., Verschiedene Spenden . . ... . . j Jk 310,- Jk 32,- Jk 490,00 55,00 9,72 53,28 Zentralfonds 1914 (Eingegangen seit dem letzten Ausweis im Juli 1914.) D e u t s c 111 a n d Berlin: Rechtsanwalt S. Hirsch . . . Jk 10,— Chemnitz: Dr. Frankel.Jk 2,— Westösterreich Böhmen Prag: Legat des in Serbien gefallenen Leutnants Dr. Alfred Kraus . . . Jk 79,— Tcplitz-Schönau: L. Steiner . . . Jl. 184,18 G a I i z i e n N a d w o r n a: Simche Jacob.Ik 8,67 Verschiedene Spenden .Ik 64,20 (NB. Die fremden Währungen sind nach dem jeweils erhaltenen Tageskurs iimgerechnet.) Gesamtausweis dieser Nummer: Zentralfonds 1915 (einschl. Hebräisches Schuiwerk .Jk 18 210,29 Zentralfonds 1914 348,05 ״ .U. 18558,34 Ein polnischer Humanitätsapostel in der Schweiz Die Tageszeitungen bringen die Nachricht, daß sich in der Schweiz ein Hilfskomitee mit dem Sitze in Lausanne gebildet hat, welches die Not der Bevölkerung Russisch-Polens lindern will. Die Sammeltätigkeit soll sich über die ganze Welt erstrecken. Der Präsident der Schweizer Republik hat die Leiter des Komitees empfangen und ihnen erklärt, daß die Bundesregierung gerne das Protektorat dieser Aktion übernehmen und ihr jede mögliche Förderung angedeihen lassen wolle. Hierzu bemerkt unser Wiener Bruderblatt, die ״Jüdische Zeitung“ an leitender Stelle ihrer jüngsten Nummer: ״Die Gründung eines Hilfskomitees für die Bevölkerung Russisch-Polens kann von aller Welt nur freudig begrüßt werden. Die Leiden, welche der Krieg über diese armen Menschen gehäuft hat, sind entsetzlich. Besonders die Not unter den Juden dieses Landes ist unbeschreiblieh. Neben den Leiden des Krieges haben sie blutige Verfolgungen, Progrome zu erleiden, welche die russische Soldateska unter Mit- Wirkung einer verhetzten Bevölkerung veranstaltet .Wenn je Hilfe nottat, dann hier. Auch der Umstand, daß die schweizerische Regierung großmütig das Protektorat übernommen und so ihren Namen mit der Hilfsaktion verbundeii hat, ist rühmlich und entspricht den edlen Traditionen der Republik. Und doch kann diese Aktion nicht rückhaltlos gebilligt werden. In den Verlautbarungen des neuen Komitees wird zum Schlüsse bemerkt, daß die Notleidenden ohne Unterschied der Nation und Konfession, nur nach Maßgabe ihres Elends bedacht werden sollen. Voran aber steht der Name P a d e r e vvs k i׳ s , als Führer der Deputation beim Schweizer Präsidenten, als Leiter der ganzen Aktion. Der Gegensatz zwischen diesem Anfang und diesem Schluß ist einfach himmelschreiend. Herr Paderewski, der berühmte polnische Klaviervirtuose und Komponist, hat eine politische Vergangenheit und lebt eine politische Gegenwart im Zeichen des unversöhnlichs t e n Juden h a s s c s. Die heftige Judenlietze, welche Russisch-Polen seit einigen Jahren durchtobt, fand ihr Hauptorgan in der von Herrn Paderewski gegründeten Zeitung ״Dva Grosze“ (Zwei Groschen). Dieses Blatt hat beständig den Boykott und die unbarmherzige Juden- Verfolgung gepredigt, ln den traurigen Tagen des Beilisprozesses hat diese Zeitung das Ritualniordverbrechen als Leitmotiv gewählt und die schon aufgeregte Volksstimmung zur Siedehitze gebracht. In den Tagen des Weltkrieges hat sie ihre Haltung als Dienerin des russischen Schwarzen Hunderts getreulich beibehalten. Nun erscheint Herr Paderewski, sonst Pogrommann in Polen, als Humanitätsapostel in - der Schweiz. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über diesen Kostümwechsel herzlieh lachen. Einmal hat Herr Paderewski die richtige Antwort erhalten. Vor zirka zwei Jahren mußte er eine Tournee durch die Vereinigten Staaten abbrechen, weil die empörte amerikanische Gesellschaft, vor allem die Juden, gegen! 1 ■ ►י 1