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Jüdische Rundschau · 1915-01-29 · Heft 5 (29.1.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 5 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 40 J U E Di SCH E RUNDSCHAU Nr. 5 Abend, der zugunsten des Fonds des ״Jüdischen Volkes“ veranstaltet werden soll, energisch Propaganda zu machen. Große Ovationen wurden Mr. Lo u i s D. Brandeis bereitet, der hierauf das Wort ergriff. Mr. Brandeis sprach über die allgemeine Lage der zionistischen Organisation in der gegenwärtigen Kriegszeit und wies auf die grolle Notwendigkeit der vom provisorischen Exekutiv-Komitee eingcleiteten Not- Stands-Aktion hin. Es wurden nunmehr die Neuwahlen vorgenommen. An Stelle von Mr. Henry Iser wurde Rechtsanwalt Max Perlman!1 zum Präsidenten des Council gewählt. Die Versammlung beschloß, Mr. Iser ins Goldene Buch eintragen zu lassen. Mit dem Gesang der Hatikwah schloß die Jahresver- Sammlung. * Die amerikanische P 0 a 1 c Z i o n hielt am 24. Dezember ihre Jahresversammlung in Rochester ab. Zu der Convention waren 65 Delegierte aus 28 Städten erschienen. Den Vorsitz führte Herr G. Avrunim׳ Die Erörterungsrede hielt Mr. B. Zuckermann. Er wies auf die kritische Lage des Zionismus und der jüdischen Arbeiterbewegung in der gegenwärtigen Kriegszeit hin und hob die Pflichten der amerikanisehen Judenheit in dem gegenwärtigen Krieg hervor. Dr. Sehe mar ja Levin begrüßte die Convention im Namen desZionistischenActions- Comites. Seine Rede wurde mit großem Enthusiasmus aufgenommen. In der Sitzung vom 25. Dezember erstattete Parteisekretär Ehren reich den Tätigkeitsbericht. Aus demselben geht hervor, daß die amerikanischen Poale Zion im abgelaufenen Jahr 15 neue Vereine mit zusammen 250 Mitgliedern gewonnen haben. Die Organisation zählt zurzeit 38 Vereine mit 1500 Mitgliedern. Der Bericht erstreckt sich auch auf die Tätigkeit für Palästina, wie auf die Unterstützung des Haschomer, die Empfehlung der Achusa usw. In der allgemeinen Debatte wurde die Tätigkeit des Zentralkomitees scharf kritisiert. Schließlich wurde der Bericht genehmigt, ln der Sitzung vom 26. Dezember erstattete S. Kaplansky ein Referat über die Notwendigkeit der Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses. B. Boruchow schlug in einem Referate die Verlegung der zionistischen Zentrale nach Amerika vor. ln der Sitzung vom 27. Dezember referierte B. Zuckermann über ״Sozialistische und gewerkschaftliche Arbeit“. An das Referat schloß sich eine lebhafte Debatte. El,,wurde beschlossen, das Organ der amerikanischen Poale Zion, den ״Jüdischen Kämpfe r“, wieder herauszugeben und für diesen Zweck 5000 Dollar aufzubringen. Am Abend fand eine große Massenversammlung statt, die von mehr als 2000 Personen besucht war. Es sprachen die Herren Kaplansky, Boruchow, Zuckermann, David Pinsky, Apfelbaum und Prof. Feinmann. Das Meeting schloß mit dem Absingen der ״Scheune“. * Am 27. Dezember hielten die Zionisten des Staates Texas ihre Jahresversammlung ab. Es waren Delegierte von ca. 10 Städten des Staates Texas anwesend. Ein ausführlicher Verliandlungsbericht liegt zurzeit noch nicht vor. Es sei nur erwähnt, daß in der Versammlung beschlossen wurde, jeden organisierten Zionisten in Texas mit einer Abgäbe von 25 Cents für die Opfer des Krieges in Palästina zu besteuern. Es wurde auch eine Resolution angenommen, die auf eine tatkräftige Förderung des Hebräischen Schulwerkes in Palästina abzielt. Vom 1. bis 4. Januar d. J. fand die 18. Convention des Ordens Bnei of Zion in St. Louis statt. Die Convention war von mehr als 100 Delegierten und zahlreichen Gästen besucht. An der Convention nahmen auch die Herren Dr. Sehem a r j a L e v i 11, Louis D. B r a n d e i s und Leon Colo t ho f f teil. Mr. Nathan D. Caplan, Präsident der Bnei of Zion, eröffnete die Konferenz und erstattete den Jahresbericht. Hierauf begrüßten die Vertreter der verschiedenen jüdischen Organisationen von St. Louis die Versammlung. Ausführliche Berichte erstatteten der Sekretär, der Schatzmeister und die Vorsitzenden des Nationalfonds-Komitces, des Bezalel-Komitees, des Schekel-Ausschusses, der Bankkommission und der Ausschüsse für das palästinensische Schuhverk und für die Achusot. Am Sonnabend, den 2. Januar, fanden in allen Synagogen von St. Louis feierliche Gottesdienste zu Ehren der Delegierten statt. In der Sitzung vom 4. Januar fand die allgemeine Debatte über die einzelnen Referate statt und es wurden die Neuwahlen vorgenommen. Abends fand ein Bankett und eine Massen- Versammlung statt, bei der u. a. das Mitglied des E. A. C, Dr. Schemarja 1e v i 11, und Louis D. B ran ilcis Ansprachen hielten. Ein ausführlicher Bericht über die Verhandlungen der Convention soll demnächst folgen. An unsere Abonnenten Wir machen hierdurch bekannt, daß wir nicht mehr in der Lage sind, neu hinzutretenden Abonnenten Nr. I der ״Jüdischen Rundschau‘* nachzuliefern, da diese infolge der außerordentlich starken Nachfrage bereits vergriffen ist. Wir bitten unsere geehrten Leser, die noch im Besitz dieser Nummer sind, sie an unseren Verlag zu senden. ״Jüdische Rundschau,/ G. m. b. H., Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Erzherzog Josef über die jüdischen Soldaten Der Redakteur eines jüdischen Blattes in Budapest richtete an den Korpskommandanten, Erzherzog Josef, die Bitte, der Erzherzog möge seine Meinung über die Haltung der seinem Kommando unterstehenden jüdischen S o 1 d a t c ״ abgeben. Der Erzherzog antwortete darauf mit folgendem Schreiben: ״Ich hatte häufig Gelegenheit, meine Soldaten jüdischer Konfession zu beobachten und fand keinen Unterschied zwischen ihnen und meinen anderen Soldaten. 1 h r Heldenmut ist b e w 1111 dernsvvert, ihre Entschlossenheit über alles Lob erhabe n. Sie kämpfen unter den ungarischen Mannschäften als wahre Ungarn Schulter an Schulter gegen die blutrünstigen Serben und die Russen; sie haben an unseren Erfolgen denselben Anteil wie ihre Kameraden. Unter den hervorragenden Helden gibt es nicht wenige ungarische Juden. Oft sah ich diese mit meinen Augen inmitten der verzweifelten Phasen der entsetzlichen Kämpfe und bewunderte gehobenen Herzens ihren Heldenmut. Auch der Jude hat gezeigt, daß er ein ebenso guter als tapferer Soldat ist wie die anderen.“ An unsere Freunde im Felde Wir senden die ״Jüdische Rundschau“ regelmäßig an alle üesinnungsgenossen, deren Feldadressen uns mitgeteilt worden sind; selbstverständlich auch an unsere Freunde in Garnisonen, Lazaretten usw. Manche Nummer kommt als unbestellbar zurück, weil unsere Freunde vergessen, Adressenänderungen so- _fort uns bekanntzugeben. Wir bitten also darum! Und wir erinnern alle unsere Freunde bei dieser Gelegenheit daran, daß die ״Jüdische Rundscha u“, das Organ der deutschen Zionisten, gerade in dieser Zeit es zu ihren schönsten Pflichten rechnet, das Zusainmengehörigkeitsgefülil unserer Zionisten zu erhalten und zu kräftigen. Dankbar sind wir deshalb für Berichte, Aufsätze und Mitteilungen, die durch die ״Jüdische Rundschau“ alle Gesinnungsgenossen erreichen. Die ehrlichen und persönlichen Briefe unserer Freunde, die wir als Feldpostbriefe schon bisher veröffentlicht haben, zeigen ja, wie sehr die Aeußerungen unserer Freunde, meist gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt, den zionistischen Geist der ״Jüdischen Rundschau“ atmen; wir bitten nun unsere Freunde, auch ihrerseits an die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ selbst nicht zu vergessen. Die Redaktion. Jüdisches Kriegsarchiv Die ״Jüdische Zeit 11 n g“ veröffentlicht folgende Aufforderung: ״Unsere Gesinnungsgenossen werden im Sinne des in unserem Blatte bereits veröffentlichten Aufrufs des ״Jüdischen Kriegsarchivs dringendst gebeten, alle vom jüdischen Gesichtspunkte wuchtigen Tatsachen, die sie aus Anlaß des gegenwärtigen Krieges bisher erfahren haben und weiter erfahren werden, unverzüglieh dem Jüdischen Kriegsarchiv initzuteilen. Säume niemand, diese wichtige nationale Pflicht zu erfüllen. Bedenke jeder, daß die Feinde unseres Volkes sich rüsten, um die klaren Tatsachen, die für uns sprechen, zu unseren Ungunsteu zu verdrehen und hiermit unseren gerechten Ansprüchen auf vollkommene volkliehe Geltung im Staate und in der Völkerwelt entgegenzutreten! Sollen wir sie rüsten lassen, ohne unser Gegenrüsten ernstlich in Angriff zu nehmen und durchzuführen, d. h. ohne für immerwährende Zeiten und als unleugbar festzustellen, was im jüdisehen Interesse festgestellt werden muß? Noch einmal: Es gilt die Ehre und das Heil unseres Volkes! Und keiner darf fehlen, der etwas weiß und zu sagen hat. Die Mitteilungen sind an das Jüdische Kriegsarchiv, Wien, II, Zirkusgasse 33, einzusenden.“ Auch die deutschen Zionisten haben an der Arbeit des Jüdischen Kriegsarchivs außerordentliehes Interesse. Genaue Auskünfte erteilt die Redaktion der Jüdischen Rundschau. Das Generalkommando gegen den ״Hammer“ Ein jüdischer Großkaufmann aus Süddeutsehland hat dieser Tage den folgenden Bescheid vom stellvertretenden Generalkommando des 19. Armeekorps erhalten: ״Leipzig, den 7. Januar 1915. Auf Ihre gegen den Schriftleiter der Zeitschrift ״Hammer“ erhobene Beschwerde wird Ihnen eröffnet, daß es bis Ende 1914 für das stellvertretende Geueralkommando unmöglich war, gegen den Schriftleiter, abgesehen von wiederholt ausgesprochenen Verwarnungen, mit schärferen Maßnahmen vorzugehen, da bei dem damals im Bezirk des 19. Korps herrschenden einfachen Kriegszustand die Preßfreiheit nicht aufgehoben war. Nachdem kürzlich der verschärfte Kriegszustand über den Korpsbezirk verhängt und insbesondere die Preßfreiheit aufgehoben ist, wird das stellvertretende Generalkommando im Wiederholungsfälle mit den schärfsten Maßnahmen gegen den Schriftleiter des ״Hammer“ Vorgehen, insbesondere würde es nicht anstehen, das Erscheinen dieser Zeitschrift zu verbieten, was dem Schriftleiter Fritsch bereits eröffnet worden ist. Fritsch hat darauf versprochen, sich künftig jeder hetzerischen Tätigkeit gegen das Judentum zu enthalten. Auf Befehl gez. Neumann, Oberkriegsgerichtsrat.“ Russisches Aus dem österreichischen Kriegspressequartier wird über russische Greueltaten gegen die Juden gemeldet: Wie durch amtliche Erhebungen festgestellt wurde, haben die Russen nach der Besetzung von Galizisch-Dolhopolo einen Bewohner erschossen und einen zweiten Bewohner an zwei zusapimetigewachsenen Fichten gekreuzigt j Vor* lern Gemarterten unterhielten sie drei Tage lanM״*bis er starb, eine Wache. Eine krank im Bette liegende Jüdin wurde buchstäblich abgeschlachtet und ihr Mann niedergeschossen. In Dichtinetz verbrannten die Russen 42 Häuser, darunter alle Häuser der Juden, die Volksschule und das Gemeindehaus. Die Bewohner der Häuser wurden fast nackt hinausgejagt. * Wie dem Nein Yorker ״V o r w ä r t s“ von einem Augenzeugen berichtet wird, haben die Russen in Z i k o w den 72 jährigen Mendel Schiffmann, dessen 48 jähriger Sohn Herschel, den 50 jährigen Leser Perlmutter, dessen Eidam und den 70 jährigen Josef End, wegen Bewirtung der österreich-ungarischen Soldaten an G e b e t r i e m e n aufgehängt. Oesterreichische Zionisten im Felde Leopold Reich, Kadett d. Res. im L. I. R. Nr. 31, Mitglied der jüd.-akad. Verbindung ,,Emunah“ in Bielitz, wurde zum Fähnrich befördert und mit der großen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Dr. Karl Wagner, A. H. der jüd.-akad. Verbindüng ״Emunah“ in Bielitz wurde zum Oberarzt befördert. Unser Gg. Einj.-Freivv. Fritz Hein aus Neutitschein erhielt für tapferes Verhalten vor dem Feinde die silberne Tapferkeitsmedaille II. Klasse und wurde zum Kadett-Aspiranten befördert. Leutnant cand. phil. Isaac Barbog, A. H. der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien und A. H. der ״Teehija“ in Broily, erhielt in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde das signum laudis. Jüdische Feldgeistliche im englischen Heere Wie Londoner Zeitungen berichten, hat das englische Kriegsministerium den Feldgeistlichen Rabbiner Michael Adler zum Seelsorgedienst für die Expeditionsarmec erwählt. Rev. Adler wird England in den nächsten Tagen verlassen und sich an die Front begeben. Es ist dies das erstemal, daß ein Rabbiner das englische Heer ins Feld begleitet. Rabbiner S. Lipson ist zum Hilfsgeistlichen ernannt worden und wird die bisherigen Amtspflichten des Rev. Adler versehen.

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