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Jüdische Rundschau · 1915-01-15 · Heft 3 (15.1.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 3 (15.1.1915)
Date
1915-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 20 J U ED! SCH E RUNDSCHAU Nr. 3 Eine kaiserliche Auszeichnung für die österreichischen Reserveoffiziere Kaiser Frau/ Jose( liat folgendes für die Rcserveoffizicrc im k. 11. k. Meere außerordentlich rühmliehe Befehlsschreiben erlassen: ״Die vortreffliche Haltung der nichtaktiven Offiziere im gegenwärtigen Feldzuge veranlaßt Mich, anzubefehlen, daß jene nichtaktiven Offiziere, Militär-, Marine-, Landwehrgeistliche und -Beamte, welche am 2. Dezember 1908 bereits zum Offizier (Beamten) ernannt waren und die den gegenwärtigen Feldzug mitmachen, mit dem Militär-Jubiläumskreu/.e zu beteilen sind. Wien, am 31. Dezember I9M. Franz Joseph in.!>.“ Das mit dem Bildnis des Kaisers geschmückte Kreuz trugen bisher nur die aktiven Offiziere. Seine in so besonderer Form erfolgte Verleihung an die Reserveoffiziere bedeutet für sie eine ganz außerordentliche Anerkennung. Wir nehmen von ihr deshalb hier Notiz, weil, wie jeder Kenner der östcrreichischen Arnieevcrhältntsse weiß, der Reserveoffiziersstand in Oesterreich zu einem besonders hohen Grade aus j ü d i s c h e!1 Reserveoffizieren besteht. Wie hervorragend sich die jüdischen Reserveoffiziere in diesem Feldzug bewährt: haben, ist schon verschiedentlicli anerkannt worden; eine neue Allerkennung ist in gewissem Sinne auch diese kaiserliche Auszeichnung für den gesamten Reserveoffiziersstand. Flüchtlingsfürsorge in Budapest (Von unserem Berichterstatter.) In Budapest hat sich ein Z e ti t r a 1 k o m i t e e für die g a I i z i s c h e 11 Flüchtlinge gebildet, in dem die Kultusgemeinde und verschiedene jüdische Gesellschaften, darunter auch die zionistische Organisation, vertreten sind. Im Aufträge des Komitees haben die Herren Ministerialrat Josef V e s z i, Gemeindepriisident Baron Kohner, Hofrat Franz S z e k e 1 v und Moritz. M e z e i im Interesse der Flüchtlinge bei der ungarischen Regierung interveniert und die Zusage erhalten, daß von weiteren Abschiebungen der in Ungarn weilenden Flüchtlinge nach den österreichischen Flüchtlingsbaracken Abstand genommen werden soll. Die Flüchtlinge sollen die ihnen zusteh enden staatlichen Hilfsgelder von der ungarischen Regierung durch Vermittlung einer aus Staatsbeamten und Mitgliedern der beiden Pester jüdischen Gemeinden bestehenden Kommission erhalten. Dieser Kommission gehören je vier Mitglieder der großen jüdischen Gemeinde und der orthodoxen Gemeinde an; den Vorsitz führt ein höherer Regiernngsbeamter, außerdem entsendet die Regierung in die Kommission einen Rechmmgsrat'־ und einen Schatzmeister. Es soll ein Kataster der in Ungarn weilenden Flüchtlinge angelegt werden, wofür in der vom H i 1 f s h 11 r e a 11 d e r 1111 g a r i - sehen Zionisten geschaffenen Kartothek bereits eine wertvolle Vorarbeit vorliegt, die der Kornmission zur Verfügung gestellt worden ist. Budapest. Von den Mitgliedern des z i o 11 i s t i - sc 11 חג Sportklubs (Vivo es Atletikai Klub) hefinden sieh nicht weniger als 05 im Felde. Als Verw 11 n d e t e sind in Kriegsgefangenschaft geraten: Eugen Bl ei er und Eugen Munk. Verwundet sind ferner Alexander B e e r, Max Eise n s t ii d t e r, Dr. Julius Kraus/, Ferdinand V e I k o v i t s und Ander Zsoldos. An den Folgen einer auf dem russischen Kriegsschauplatz, erlittenen Verwundung starb arn 15. Dezember in Budapest Gesinnungsgenosse Jakob Bela R o s e 11 f e! d , der zu den eifrigsten und tüchtigsten Mitgliedern des zionistischen Sportklubs gehörte. Er hatte sich im Felde die Silberne Tapferkeitsmedaille I. Klasse erworben. Budapest. Auf dem nördlichen Kriegsschauplatz ist unser Gesinnungsgenosse Ernst Gabor, Mitglied der 11 e r z 1 v e r e i 11 i g u 11 g , im Alter von 20 Jahren gefallen. Gabor war Oberbuchhalter der Budapestcr Telephonfabrik A.-G. Kriegsfiirsorge der ungarischen Zionisten Das von dem Landeskomitee der ungarischen Zionisten ins Lehen gerufene Hilfsbureau für die g a 1 i z i s c h e n F 1 ü c h t 1 i n g e entfaltet eine segensreiche Tätigkeit. Die statistische Aufnahme der in Budapest weilenden Flüchtlinge ist beinahe vollendet. Die unentgeltlich gewährte ärztliche Hilfe wird von zahlreichen Flüchtlingen in Anspruch genommen. Aerztliche Sprechstunden halten im Bureau die Herren Ffr. Ludwig F i s c h e r, Dr Samuel Klein, Dr. Aladar Lass ä 11 y i und Dr. Ferdinand Schwarz ab. Um die Beratung und Versorgung der Flüchtlinge haben sich ferner die Gesinnungsgenossen Dr. S i 111 o n , Dr. Schlosser und Frl. Rene 11 o f s z k i verdient gemacht. Auch das von der zionistischen Organisation Umgarns eingerichtete Lazarett steht auf der Höhe seiner Aufgabe. Unter den dort gepflegten verwundeten Kriegern befinden sich auch zahlreiche galizische Juden, denen die brüderlich-liebevolle Behändhing und die rituelle Verpflegung, die sie im Lazarett genießen, doppelt wohltut. Budapest. Die zionistischen Vereine ״M a k k a - b e a“ und ״ß a r K 0 c h b a“ veranstalteten am 19. Dezeniber gemeinsam eine großangdegte Makkabäerfeier im Festsaale der Pester isr. Kultusgemeinde. Die Eröffnungsrede hielt Gesinnungsgenosse Fisch. Oberkantor Quart in entzündete die Chanukahlichter und rezitierte mit bekannter Meisterschaft die üblichen Gebete. Gesinnungsgenosse Rechtsanwalt Dr. Nison Kalla 11 hielt die nach Form und Inhalt gleich gediegene Festrede. Unter großem Beifall kam hierauf die neue jüdische Symphonie ״Der letzte Hohepriester“ von Prof. Julius Major zum Vortrag. Die Symphonie stellt eine Vertonung der bekannten Ballade von L. A. Frankl in der Uebertragung des ungarischen Dichters Johann Arany dar. Das zahlreiche Publikum bereitete dem Komponisten lebhafte Ovationen. Prof. Major dankte und kündigte an, daß seine nächste Symphonie, an der er jetzt arbeite, eine Verherrlichung der jüdischen Renaissancebewegung enthalten werde. Ein Kriegshain im Wolffsohn-Walde Die Nationalfonds-Ausweise und insbesondere die Oelhaumspenden waren stets ein Spiegelbild von Freud’ und Leid der deutschen Zionisten. Kein fröhliches Ereignis in ihren Reihen und auch kein trauriges Geschehen, das nicht seinen Ausdruck fand in den Spenden für unseren Volksschätz, in der Stiftung von Oelbäumen. Da schien es mit einem Male, als ob der gewaltige Krieg, welcher über die Welt hereingebrochen ist ttnd der so Vieles gewandelt hat, auch hierin eine Aenderang schaffen wollte. Zwar ist die Liebe für unseren Nationalfonds nicht ganz geschwunden, aber eine ganze Reihe unserer Freunde hat nicht mehr das Interesse für ihn, wie ehedem. Und so kam es, daß die wöchentlichen Ausweise sich wesentlich verkleinert haben. Die wirtschaftliche Lage der Daheimgebliebenen hat sich wohl bei manchem verschlechtert; bei anderen wiederum ist sie besser geworden. - Was immer auch in der Welt geschehen mag, wir Zionisten haben die heilige Pflicht, das begonneue Werk der Wigderaufrichtung Palästinas durch den Nationalfonds mit allen unseren Kräften zu fördern und dürfen bei halber Arbeit nicht stehen bleiben. Wir müssen den Nationalfonds weiter alimentiereii und dazu beitragen, die Mittel aufzubringen, die der Fonds in Palästina jetzt mehr denn je benötigt. Anlaß zu Spenden ist in der jetzigen bewegten Zeit reichlich gegeben. Eine Anzahl unserer Freunde hat bereits den Heldentod für das Vaterland gefunden; wir wollen ihnen zum Andenken Oelbäume in Erez Israel pflanzen. Andere wiederum sind verwundet worden und gellen in den Lazaretten ihrer Heilung entgegen, sie werden es sicher mit Stolz und Genugtuung lesen, wenn wir ihnen durch den Nationalfonds unser Mitgefühl aussprechen und baldige Genesung wünschen. Auch derer wollen wir gedenken, die mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden oder welche in eine höhere Charge befördert worden sind. — Und sicher werden unsere Freunde i.1n Felde sich dieser Ehrungen freuen. Es ist bezeichnend, daß die Organisation immer und immer wieder aus dem Felde die Aufforderung erhält, in der Arbeit für unsere Bewegung, für unsere Institutionen, nicht zu erlahmen. Wir glauben daher, die Zustimmung aller unserer Freunde zu haben, wenn wir für alle durch den Krieg veranlaßen Oelhaumspenden einen Kriegshain im Wolffsohn-Waide errichten, der uns eine dauernde Erinnerung an die große Zeit, die wir durchleben, sein soll. Zögert nicht mit Euren Spenden für den Kriegshain; ein jeder von Euch hat Brüder, Verwandte und Freunde im Felde, die er begrüßen oder ehren kann! . Die Tätigkeit des amerikanischen jüdischen Hilfskomitees (Von unserem Berichterstatter) Das A in c r i k u 11 i s c h - j u (I i s c h c H i 1 f s ״ k o m i t c e für die vom Kriege B c t r o f f e ־ n e n bewilligte auf einer Versammlung seines Exekutive-Komitees am Sonntag, den 13. Dezember, die Summe von 100 000 Dollar zur sofortigen Ueberweisung wie folgt: 50 001)!Dollar für die notleidenden Juden Rußlands, 25 000 Dollar für Galizien, 25000 Dollar für Palästina. Das Central Jewish Relief-Committee wird an Herrn Felix M. War bttrg, den Schatzmeister des amerikanisch-jüdischen Hilfskomitees, 10 000 Dollar als seinen Anteil an dieser 100 01)0 Dollar-Spende überweisen. Amerikanische Lebensmittel für die notleidende Bevölkerung Jerusalems Amerikanische Zeitungen berichten aus Wash i n g ton: Die türkische Regierung hat durch den amerikairischen Botschafter M o r g e n t h a 11 dem Staatsdepartement ihren Dank ausgesprochen für die Initiative amerikanischer Kreise, die eine Hilfsexpedition entsenden wollen, um die notleidende Bevölkerung Jerusalems mit Lebensmitteln zu versehen. Die Expedition wird durch jüdische Wohltätigkeitsgesellschatten in New York ausgerüstet, welche beabsichtigen, durch das Mittelländische Meer ein Schilf nach Palästina zu senden. Die türkische Regierung übernimmt die volle Garantie, daß sie die Verteilung aller Hilfsmittel, welche aus den Vereinigten Staaten kommen, erleichtern wird, und sichert der amerikanischen Regierung zu, daß keine dieser Sendungen für militärische Zwecke in Anspruch genommen werden dürfe. Das amerikanische Hilfsschiff soll, wie die amerikanischen Blätter melden, wahrscheinlich in Jaffa landen. Allerdings besteht noch die Gefahr, daß dieses Lebensmittelschiff von den E n g 1 ä n d e 1׳ n abgefangen wird . . . Die Einwanderungsfrage in den Vereinigten Staaten Die amerikanische Arbeits-Föderation (A in e r i - tan Federation of Labor), deren Führer fast sämtlich Söhne von Ausländern sind, hat kürzlich eine Resolution zugunsten der Beschränkung der Einwanderung angenommen. Der Einfluß der Föderation auf die öffentliche Meinung der Union ist groß, obwohl gerade in der Frage der Einwanderungsbeschränkungen die Stellungnahme der Föderation nicht als Ausdruck der vorherrschenden Meinung der arbeitenden Bevälkerung Amerikas angesehen werden kann. Der Staat A 1־ i z o n a erwägt die Bestätigung eines Gesetzes, welches die Zahl der Ausländer, die an einem Ort beschäftigt werden, auf 20 0׳ der Ges a m f z a h I der Beschäftigte n beschränken will. Also eine echt russische Prozeiitnorm! 111 einigen Industrien würde es in den meisten Städten unrtiöglieh sein, genug eingeborene Arbeiter aufzutreiben, uni die 80 ״״ der Gesamtzahl zu erreichen. Wie verschicdene amerikanische Blätter berichten, haben die Botschafter einer Anzahl europäischer Regierungen gegen die Annahme eines solchen Gesetzentwurfs Ein- Spruch erhoben, da eine Beeinträchtigung ihrer Vertragsrechte daraus entstehen würde. Diesmal sind es nicht nur die japanischen und chinesischen Ein- Wanderer, die von der Bill betroffen würden, und darum werden die Proteste mit größtem Nachdruck betrieben werden. Von der jiddischen Presse ln Amerika ״Der Tag“, die neue jiddische Tageszeitung in New York, wird in einer durchschnittlichen Auflage von 55 000 Exemplaren herausgegeben, ein vortreffliebes Zeichen für ein neues Unternehmen diesem Art. Die älteren jiddischen Tageszeitungen Amerikas haben bekanntlich Auflageziffern, die in die Hunderttausende gehen. Aus New York wird ferner berichtet: [fas American Jewish Relief Committee hat bis Anfang Dezember 171 000 Dollar für die vom Kriege betroffenen jüdischen Familien gesammelt. Das Komitee hat einen Plan des Zusammenarbeitens mit dem Zentralkomitee zur Unterstützung der durch den Krieg leiden de n Juden ausgearbeitet, wobei das letztere die Sammlungen bei den orthodoxen jüdischen Körperschaften und die Herausgabe und den Verkauf der Selbstbesteuerungsmarken übernimmt. Der Betrag der Sammlungen des Zentralkomitees beläuft sich auf etwa 35 000 Doll. Von zionistischer Seite sind etwa 120 000 Doll, zum Besten der notleidenden Juden Palästinas abgesandt worden, in welcher Summe der Betrag enthalten ist, der dem Provisorischen Exekutivkomitee vom American Jewish Committee zur Verfügung gestellt worden ist.

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