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Jüdische Rundschau · 1915-01-15 · Heft 3 (15.1.1915) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XX (1915)
Issue
Heft 3 (15.1.1915)
Date
1915-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3 J U E D1 SCH E RUNDSCHAU Seite 21 Ein ״jüdischer Markt“ in New York Der Verband der jüdischen Farmer Amerikas beschloß in seiner im Dezember v. J. abgehaltenen 0. Jahresversammlung, die Erzeugnisse der jüdischen!•'armer Amerikas auf die öffentlichen Markte New Yorks zu bringen und zu diesem Zweck e i n e n öffentlichen j ü d i s c h e n M a r k t unter der Manhattan Brücke auf der Ostseite zu eröffnen. Die Kosten des Marktes werden 1000 Dollar betragen, welche durch den Verkauf von Anteilscheinen ä 5 Doll, an die beteiligten Landwirte aufgebracht werden sollen. Obwohl seitens der New Yorker Detailhiindler gegen die Errichtung eines solchen Marktes agitiert wird, dürfte die New Yorker Stadtverordnetenvcr- Sammlung, der dieser Vorschlag zur Genehmigung unterbreitet worden ist, dem Projekte ihre Zustimmung erteilen. Scholem Alejchem in Amerika Der bekannte jiddische Dichter A. S. R a b i n o - w i t z (Scholem Aleichem) ist kürzlich aus Kopenhagen in New York angekommen. Er will in verschiedenen Städten Amerikas Vorträge halten, ln New York fand ihm zu Ehren ein von Z e h 11 t a u s e n d e 11 besuchter Empfangsabend statt, wobei dem beliebten Volksdichter rauschende Ovationen bereitet wurden. Der griechische Premierminister gegen die judenfeindliche Presse in Saloniki Im griechischen Parlament richtete vor kurzem der griechische Premierminister sehr heftige Angriffe gegen die griechische Presse in Saloniki, die bestrebt sei, Zwietracht zwischen den verschiedenen Bevölkerungselementen der Stadt zu säen. Die Juden, sagte er, sind ein höchst wertvoller Faktor für die Entwicklung der griechischen Industrie in Saloniki, und ihre Ergebenheit für Griechenland kann nicht bezweifelt werden. Er appellierte an alle Hellenen in den neu erworbenen Gebieten, sich mit den Juden auf freundschaftlichen Fuß zu stellen und den gestörten Frieden wiederhcmistellen. Jahresbericht des Jüdischen Turn- Vereins Bar Kochba in Hamburg über das Geschäftsjahr Oktober 1913/14 lieber die Entwicklung unseres Vereins im Berichtsjahre läßt sich im großen und ganzen nur Günstiges sagen. Zwar war der Zuwachs in der Mitgliederzahl kein sehr großer, doch sind die Durchschnittsbesuchsziffem unserer Turnabende in fast allen Abteilungen bedeutend gestiegen, so daß z. B. im letzten Monat vor Ausbruch des Krieges in der Herrenabteilung ein Besuch von (>0 Turnern, in der Damenabteilung von 70 Turnerinnen zu verzeichnen war. In der inneren Entwicklung des Vereins sind folgende Punkte bemerkenswert. Im Anschluß an unsere vorjährige Generalversammlung fanden eingehende Diskussionen über unsern natioiialjüdischen Tendenz- Paragraphen statt, die unsere Mitglieder über die Ziele der jüdischen Turnbewegimg aufklärten. Fertier verdienen Erwähnung ein Vortrag des Herrn Inspektor Gordon über ״die Probleme der modernen Erziehung, besonders für Juden“, ein Vortrag des Herrn Dr. Zadik anläßlich unseres Elternabends über ״Renaissance und Regeneration“ und ein ״Jung- Jüdischer Kunstabend“, der unsere Mitglieder in das Wesen der neuerwaehten jüdischen Kunst einführte. Im Februar veranstalteten wir, zum ersten Male seit Bestehen unseres Vereins, ein Kinderfest mit anschließendem Ball, das in jeder Beziehung einen Erfolg bedeutete; wir konnten einen namhaften Ueberschuß unserm Sportplatz-Fonds zuführen. An turnerischen Ereignissen verdient in erster Linie unser Schauturnen Erwähnung. Die große Zahl unserer Turner und Turnerinnen und ihre Leistungen zeigten, daß unser Verein während seiner vierjährigen Tätigkeit fleißig gearbeitet hat. Bei unserer Teilnähme an der Alsterstafette im April konnten wir den 28. Platz von 42 Vereinen, den 5. unter den 12 zum ersten Male startenden einnehmen. Ein leichtathletisches Meeting mit einem befreundeten Sportsverein erzielte ebenfalls gute Resultate. Es bestanden im Berichtsjahre folgende Abteihingen: 1 Herren- und 1 Dameiiabteilung, 2 Knaben-, 3 Mädchenabteilungen und 1 orthopädische Abteilung, ferner Fußball-, Ruder-, Hockey- und Wanderabteilung. Bis vor Ausbruch des Krieges ließen wir unsern zum Militär einberufenen Mitgliedern fachmännischen Unterricht im Militärturnen erteilen. Es turnten in der Herrenabteilung durchschnittlich ca. 55, in der Damenabteiluug (10, in den Knabenabteilungen 95, in den Mädchenabteilungen 130, in der orthopädischen Abteilung 25 unter der bewährten Leitung von Herrn und Frau Rechtem, sowie Fräulein Katzenstein. Wir konnten in allen Abteilungen ertreuliche Fortschritte feststellen. Die Fußballabteilung hat im Berichtsjahre einen starken Zuwachs in der Mitgliederzahl zu verzeichnen. Sie wurde im April in den Norddeutschen Fußball- Verband aufgenornmeii und konnte die ihr zugewiescnen Spiele erfolgreich absolvieren. Im Mai trugen wir ein Wettspiel gegen den Berliner Bar Kochba aus, in dem wir siegreich blieben. Die Kaderabteilung trainierte regelmäßig dreimal wöchentlich und unternahm an Sonntagen Tourenfährten auf Alster und Elbe. Die Hockevabteiluiig hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Es bestanden vor Ausbruch des Krieges eine Herren- und eine Damenmannschaft. Wettspiele mit andern Vereinen haben in Anbetracht des kurzen Bestehens dieser Abteilung noch nicht stattfinden können. Unsere Wanderabteilung veranstaltete alle 1 1 Tage eine Wanderfahrt. Vorbereitungen zur Gründung einer leichtathletischeu Abteilung wurden leider durch den Ausbruch des Krieges unterbrochen. Wir hatten vorher auf unserm Sportplatz fleißig Leichtathletik trainiert und Spiele getrieben. Bei Ausbruch des Krieges schien es zunächst, daß unsere Vereinstätigkeit ins Stocken geraten würde, doch konnten wir erfreulicherweise schon nach wenigen Wochen unsern Betrieb, wenn auch in beschränktem Umfange, wieder atifneltnieii. Ein großer Teil unserer Turner, ca. 40״״, ist zu den Fahnen einberufen. Wir richteten für diese einen regelmäßigen Versand von Liebesgaben ein, dessen Kosten durch freiwillige Gaben bestritten werden. Das Interesse, das unseie im Felde stehenden Kameraden auch draußen für unsere Vereinsarbeit zeigen, bietet uns eine gute Gewahr dafür, daß nach Wiedereintritt normaler Verhaltnisse unser Verein einen Aufschwung in jeder Beziehung nehmen wird. Am 7. Dezember a. p. fand unsere Generalver- Sammlung statt. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht, aus welchem hervorgeht, dal! der Verein in jeder Beziehung erfolgreich gearbeitet hat. Sodann folgten die Berichte der einzelnen Turn- und Sportabteilungen, die ebenfalls ein zufriedenstellendes Bild des Geleisteten gehen. Auf Antrag des Vorstandes sah die Generalversammlung von einer Personenwähl ab, da der größte Teil der in Betracht kommenden Mitglieder im Felde stehe. Der Vorstand w 11 rd c w i ede rg e wa 1111. Am H. Dezember a. p. fand im Logenheim unsere Makkabäer-Feier statt. Unser aus dem Felde zurückgekehrter früherer 1. Vorsitzender, Herr Dr. Weigert führte den Vorsitz. Die Festrede hielt Herr Rabb. Dr. Löwenthal, der ungefähr folgendes ausführte: ln unserm Chamikahiied; ״Moaus zur“ führt uns der Dichter die Geschichte des jüdischen Volkes in seinen kritischen Zeiten vor Augen. Er zeigt uns, wie uns während dieser langsam die geistigen und körperliehen Eigenschaften, die ein Volk für eine nationale Existenz braucht, verloren gingen, und wies uns auf unsere Aufgabe hin, besonders bei der Wiedererritigung dieser Güter mitzuarbeiten. Sodann erfreuten uns Fräulein Rccha Nathan und Herr Erich Schönlank durch Rezitationen. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Vom Zionistischen Zentralfonds An alle Zionisten ist der Ruf ergangen, der Schekelsammlung energische Arbeit zu vvidmen. Nun erhalten alle jene Gesinnungsgenossen, die dem Zionistischen Z e ת t r a 1 f o n d s und seinem besonderen HebräischenSchulfonds im vorigen Jahre Beiträge zugeführt haben, die Aufforderung, in dieser schweren Zeit, die dem Aktionskomitee der Zionistischen Organisation Aufgaben ganz außerordentlicher Art gestellt hat, mit der neuerlichen Zahlung ihrer Beiträge nicht zu zögern. Das Kartell Jüdischer Verbindungen hat dem Hcbräii s c 11 e n Schulfonds soeben eint a usen d Mark an das Zionistische Zentralbureau abgeführt. Ebenso hat eint a u s e n d M a r k Herr Dr. H a n s G i d c o n H e y m a 11 n für den Z i o - n i s t i s c 11 e 11 Zentralfonds erlegt. Zionistisches Zentralburcau, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Vom Landesbeitrag Wir haben uns in unserem Vertrauen auf das zionistische Pflichtbewußtsein unserer Gosinnungsgenossen im ganzen deutschen Reich nicht getäuscht. Unser Aufruf und unsere Mahnung, aus wichtigen organisatorischen Gründen den Landesbeitrag abzuführen, hat Verständnisvolle Aufnahme gefunden. Die deutschen Zionisten haben zum großen Teil schon jetzt erklärt, daß sie allen ihren organisatorischen Pflichten nachkommen werden. Landes- und Propagandafonds-Beiträgc, die bis zum 18. Januar an uns abgeführt werden, weisen wir in der Jüdischeu Rundschau vom 22. Januar aus. Zionistische V c r e i 11 i g u n g für D e 111 s c h 1 a 11 d. Die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds Im Dezember 1914 Das Hatiptbureaii des Jüdischen Nationalfomls im Haag (Adr.: Keren Kajenieth, p. A. J. II. Kami, Bierkade 8a, Den Haag) teilt uns mit: Die Spenden-Einnahmen des Jüdischen Nationalfomls im Monat Dezember haben 4(1271,2(1 M. betragen. Hiervon entfallen auf Nordamerika 18 085,78 Mark, Rußland 0311,50 M., Deutschland 5550,83 M., Oesterreich 3333,48 M., Rumänien 3288,80 AL, Bulgarien 1370, (»4 M., Holland 1213,08 M., England 075,20 M., Südslawische Länder 173,35 M., Aegypten 440.10 M., Ungarn 112,05 \\ , Griechenland 107,17 M., Dänemark 210,10 M., Australien 105,53 AL, Italien 55.10 M. Die Türkei und die Juden Im Rahmen eines vorn Jüdischen Turnverein Bar Kochba in Berlin veranstalteten Z y k I u s z e i t g e m ä ß e r V o rt r .1 g e spricht am Milt w o c h , d e n 20. J a n u :1 r, abends 0 Uhr in den Sophiensälen (Sophienstr. 17), Herr Dr. Israel Auerbach aus Koustantinopcl über ״Die T ii 1־ k e i u n 11 d i e J 11 d e 11“. (Liste willkommen. Mitteilung Für eine wichtige Zusammenstellung der Palästinaliteratur werden ganze (oder eventuell auch uuvollständige) Jahrgänge von den Paliistina/eitschrifleu ,,Alt- 11 e 11 1 a n d“ mul ״Palästina“ benötigt. Mitteihingen von Gesinnungsgenossen, die zu ihrer Ucberlassung bereit sind, erbittet die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau‘'. Nachrichten Berlin. Folgende Gesinnungsgenossen haben das Eiserne Kreuz erhalten: Dr. Moses- Dessau, Dr. Rcmy H i r s c 11 - Berlin, Isidor Israel Pinczo w e r - Rat i hör. Herr Assessor Dr. Ba d t - Breslau ist zum Kriegsgcrichtsrat ernannt worden, Herr Emanuel Röhr- Berlin (K. J.V.) wurde zum Vizewachtmeister befördert. Unser Gesinnungsgenosse H e i 111 b a c h (FlerzI- Klub Köln) wird vermißt. Das Mitglied unserer Hamburger Ortsgruppe, Herr Zahnarzt I s e 11 b e r g - Hamburg, ist gefallen. Berlin. Am 0. Januar feierten Fräulein N a 11 n y Auerbach und Herr Heinrich Margit lies in Berlin ihre Vermählung. Beide sind uns liebe Freunde und in treuer ,Mitarbeit bewährt. Herr Heinrieh *Margiilies hat, früher in Kattowitz, jetzt in Berlin, auf dem Gebiet der zionistischen Jugendarbeit, in der Organisation und publizistisch, Wertvolles geleistet. Fräulein Nannv Auerbach ist seit Jahren in verschiedenen zionistischen Institutionen, zuletzt als Sekretärin im Verlag der ״Welt“, mit großer Hingabe tätig gewesen. Zu seiner Vermählung sprechen wir dem jungen Paare unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Berlin. (Zionistischer Jugendverein.) Am Donnerstag, den 21. Januar um 1,4) Uhr hält Herr Dr. Gurt N a w r a t z k i - Berlin, im Nollemlorl-Gasino, Kleislstr. 41, einen Lichtbildervortrag über ״Palästina“. Es wird pünktliches Erscheinen erbeten, da um 9 Uhr die Saaltüren geschlossen werden. Karlsbad. In Karlsbad ist nach kurzem Leiden im 58. Lebensjahre unser Gesinnungsgenosse Herr Leopold Hirsch verschieden. Der Verstorbene, der sich in allen Kreisen höchster Wertschätzung erfreute, stand seit vielen Jahren an der Spitze des Karlsbader zionistischen Vereins, von dein er als Delegierter zu allen zionistischen Tagungen, so auch zum Kongreß, entsendet wurde. Wir betrauern in Herrn Leopold Hirsch einen treuen Gesinnungsgenossen und sprechen den Hinterbliebenen unsere herzlichste Teilnahme aus. Einer der beiden Söhne des Verstorbenen, — beide in der zionistischen Organisation tätig, -- ist vor kurzem auf dem galizischen Kriegsschauplatz gefallen. Stettin. Die Ortsgruppe verwaiste zu Beginn des Krieges fast ganz; besonders durch die Einbeuifutig aller jungen Leute; auch die Freitagabende wurden zuerst nur spärlich besucht; schon glaubte der Vorstand, es würde diesmal keine Arbeit geben — da kam plötzlich die Nachricht, daß russische Juden auf dem städtischen Schlachthof iintergebracht seien. Naturgemäß hatten wir sofort das Bedürfnis, unseren Brüdern zu helfen; in der Gemeinde fanden sich manche ,die davon abrieten, für sie waren die russisehen Juden ,,Leinde“, denen man nicht helfen dürfe; schon deshalb nicht, weil man persönlich bei den christlichen Mitbürgern in Mißkredit kommen könne; es sei jedoch anerkannt, daß sich auch gleich zuerst einige Nicht/ionisten der russischen Juden warm annahmen. Vom Vorstand der Ortsgruppe war Frau

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