Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1914)
- Date
- 1914-12-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Seite 471 ging zur Schmiede. 111 einfach schlichten Linien habe ich da ein neues Grabmal geschmiedet für den gefailcnen Freund. Die Mitte trägt ein Schild aus Kupfer, worin der Name des Entschlafenen tief eingegraben ist, Sic möchten gern etwas wissen von dem, dem ich in kurzer Zeit so zugetan, in einer hellen Septembernacht lagen wir draußen nebeneinander im Stroh. Der Himmel hatte ein so schönes sattes Blau. Wir sprachen von Scgantini und vielen anderen Meistern der Farben. Wir sprachen von Liebermann und Israels und langten so ganz natürlich bei der jüdischen Frage an. Welch feines Verständnis brachte er allem entgegen. Immer wieder mußte ich ihm von H erz! erzählen. Die ganze Nacht haben wir unter dem schönen Sternenzelt geplaudert und waren am Morgen innige Freunde. Ich sandte dieser Tage an ihre Adresse M. M. 6,— sind für einen Oelbaum auf den Namen meines gefallenen Freundes, die übrigen M. 2,— sind für unsere Kriegshilfe. Herzliche Grüße Ihres Isaac Meyer. Russisches Zur Lage der Juden in Russisch- Polen. Der Warschauer Korrespondent des ״Sccolo“ berichtet von fortgesetzten Grausamkeiten der russischen Behörden und der Soldateska gegen die Juden in Russisch •Polen. Von diesen werden sehr viele als Spione gehenkt, andere werden auf grausamste Weise vertrieben, ihre Häuser und Läden geplündert. Blutmärchen werden amtlich verbreitet und der Pöbel auf die Juden gehetzt. Amsterdamer Blätter veröffentlichen Depeschen aus Petersburg, wonach die russischen Behörden der jüdischen Bevölkerung, die die vom Feinde bedrohten Städte verlassen will, die grüßten Schwierigkeiten in den Weg legen, indem sic darauf hinweiseu, daß den Juden a tt c h i m Kriege keine Freizügigkeit gestattet i 8 t. * P o 1 i z e i ■ u n d V c r w a 11 u 11 g s s c h i k a n e 11. Nach Privatberichten aus Petersburg, die in Genf eingetroffen sind, fanden in der russischen Hauptstadt letzthin wieder die bekannten ״Oblawi“, das sind nächtliche Haussuchungen nach nicht wobnungsberechtigtcii Juden, statt. Dabei wurden auch diejenigen Juden nicht geschont, die sich aus den Orten des Kriegsschauplatzes nach der Hauptstadt geflüchtet hatten. Ein jüdischer Soldat, dem ein Bein amputiert worden war, wurde nach der Entlassung aus dem Moskauer Spital, weil er dort nicht wohnungsbercchtigt ist, in sein e n Heimatsort abgcschobcn, Russische Blätter bcsprechen diese Nachricht mit strengstem Tadel wie auch andere Maßnahmen der Regierung, durch welche die rechtliche Lage der Juden beschränkt wird. Unter diesen ist hervorzuheben, daß den aus feindlichen Ländern zurückgckchrtea jüdischen Studenten die Erlaubnis zur Ablegung der Prüfungen, nachdem sie ihnen anfänglich gewälirt wurde, jetzt wieder strikt verweigert wird. Gesuche von Schülern um Aufnahme in die Mittelschulen über die Prozentnorm hinaus werden abge wiese 11, Zu großen Protesten gab auch der Vorschlag des Ministers des Innern Mnklakow Anlaß, daß bei der Genehmigung von Aktiengesellschaften die A usschließungvon Juden als Direktoren und Aufsichtsräte wieder streng durchgeführt werden soll. Ausweis Schekel: Frankfurt a. M. 11,—, Guben 1,—, Halle 1,—, München 11,—, Nürnberg 10,—, Wetzlar 1,—. Landesbeiträge: Frankfurt a. M. 214.— (davon 100,— außerordentlicher Beitrag), Halle 6,—, München 12,—. Propagandafonds: Berta Cohn, Boizenburg, 5,—, Noe Colinen, Duisburg, 10,—, Frl. Luise Treu, Düsseidorf (Dezemberrate), 10,—, Edgar Meyer, Emden, 15,—, Erlangen (Emzelbeitrng), 4,—, K, R,, Nürnborg, 15,—, Dr. A. Bacr, Stettin, 5,—, Tarnowitz: Rechtsanwalt Kurzweg 11,—, Oberarzt d. Res. Dr. Stahl 10,—, div, Einzelbciträgc 14,—. Eingang vom 27. November bis 22. Dezember 1914: Schekel 35,—; La n d c g b c i t r ä g c: 232,—; Propagandafonds: 99.—. Gesamteingang: Schekel: 4354,—; Landesbeitrage: 6260,90; Propagandafonds: 6772,10. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcrtinlgung für Deutschland! Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co-, Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. J ü ״-Di CCH A RUNDSCHAU 7* ,PN ■ % i » Nachrichten MiitcssASR [Ic.'j siuslnsccaca *״-£u01jG-Corn!l& Das: Ääioiis-Cünlite hat beschlossen, von der Wied e rit e ra u .׳> g a b e der ״W e 11“ vorläufig Abstand ra nehmen, da die Verscndungsmöglichkeitcn sich nicht gebessert haben. Die geplante W 01 f f s o h n - G e d e n k 11 u in in e r wird erscheine;), sobald die Möglichkeit bestellt, aus allen Ländern Beiträge zum Gedächtnis David Wolffsolms zu crliaiteu und diese Nummer überalihin zu versenden. Mittcüm^ca c’cs!־louptburcaus ck:1 jtiaäaäien Nation&lfonds Versicherungen und Testamente zugunsten des Jüdischen Nationalfonds Es sind in letzter Zeit von neuem eine größere Anzahl V e r 8 i.c 11 c r u n g c n zugunsten des Natio* nalfonds abgeschlossen worden, vornehmlich von amerikanischen Juden. Es geschieht dies dort in der Regel im Anschlüsse an eine persönliche Versicherung, in der Weise also, daß z. B. der Auftraggeber für sich und seine Familie eine Ver- Sicherung im Betrage von 10000 M, mifnahin und weitere 100!) M. zugunsten des Natloiiallonds versicherte. Andere wiederum haben die Vcrsichcriingssumme ausschließlich für den Nntlonalfonds bestimmt. Insgesamt sind in Amerika Natioiiulfonds-Versieheruugeii im Betrage von 120 000 M. abgeschlossen worden, eine Summe, die in Anbetracht des Um- Standes, daß es sich meist nicht um reiche Leute handelt, immerhin bemerkenswert Ist. Aber auch in den europäischen Ländern haben die bei vcrschicdenen Gesellschaften abgeschlossenen Versicherungen zugunsten des Nationalfonds erfreulich zugenommen. Auch t e s t n m e 111 a r i s c h e Z u w e n d u 11 g e n an den jüdischen Nationnlkmds mehren sich in letzter Zeit. Aus dem Nachlaß von David Popkln, Btilavayo (Südafrika) wurden dem Nationalfonds kürzlich 1800 M, überwiesen. Fenier haben manche Feldzugs t c i 111 c hm e r die Verwaltung des Nationalfoniis von ihren letztwilligcn Verfügungen zugunsten des Fonds in Kenntnis gesetzt. Außer dem bereits in einer früheren Mitteilung erwähnten Leutnant Kraus hat auch der leider vor kurzem in Serbien gefallene Gesinnungsgenosse Ingenieur Ad. Hofin a n 11 den Nationalfowin testamentarisch bedacht, Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß Angehörige und Freunde eines gefallenen russischjüdischen Soldaten, namens Benzion O tt t k i 11 aus Malnja-Wisehcra (Öotiv. Nowgorod), einen Oelbäum garten in Palästina auf den Namen des Verstorbenen gestiftet haben. Maklcabllcrfclcr der Dorllncr Eioülstloclion Vereinigung Die Mnkkabäerfeier der B, Z. V. wurde dieses Jahr zugunsten der Liebe sgaben scn<lungen an unsere Krieger veranstaltet. Das war wohl mit ein Grund des großen Andranges m dieser Veranstaltung. Mögen cs manche bedauert haben, daß sic statt auf bcquemen Stühlen m sitzen, dichtgedrängt zwei Stunden stehen mußten, so werden sie doch zufrieden sein in dem Gedanken, daß für unsere Freunde im Felde, die cs auch nicht bequem haben, aus dem unerwartet starken Besuch eine freundliche Gabe entsteht. Den jüdischen Soldaten und den jüdischen Flüchtlingen halte die B. Z. V. freien Eintritt gegewährt. # Die Feier wurde durch Herrn Oberkantor Schwarz eingeleitet, der die Chanukahlichter anzündete und ״Moatts Zur“ sang. Herr Dr. Martin B u b e r hielt eine gedankenreiche Festrede, die in der ״Jüdischen Rundschau“ zum Abdruck gelangen wird. Dann sang Go 11 anin einige seiner bckannten Volkslieder: Das Alef Bcis, das Piekele, das Pogromlied, Seine Meisterschaft ist so bckannt, daß jedes Lob seiner Leistung überflüssig wird. Die Rezitationen wurden diesmal nicht Berufsdcklamatoren anvertraut, sondern Gcsinmingsgenossen, die mit der Technik des Ausdrucks auch das Verständnis für den Inhalt verbinden. Herr Dr. Bruno Kirschncr brachte eine Skizze von Emil Colin ״Mathatlijnhu“. und Herr Dr. Kro ja!1 k e r, ״zwei Tänze“ von Martin Bubcr zu in Vortrag. Den Schluß machten wieder Gollanins Lieder, der durch immer sich erneuernden Beifall gezwungen wurde, noch zwei Lieder zuzugcbcn. Berlin, Folgende Gesinnungsgenossen haben das Eiserne Kreuz erhalten: Dr, Martin Ascher- Berlin (K. J. V.), Willy Schön- Berlin (K. J. V,), Josef K o e p p I e r - Charlottcnburg. Dr. Rudolf Ja1• coby-Berlin (K.J.V.). 1 Hanns Locwy-Berlin (K. J. V.), Vizcfcldwebcl Fritz H a 111 k e - Berlin und Ersatzreservist Oskar S ch wa rz-Posen wurden verwundet. Siegfried H i r s c h f c I d - Berlin (Mitglied des Ruderklubs Ivria), cand. med. Arthur Löwens tc i n-Berlin (Mitglied des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba) und Willy Wo 1 f-Karlsruhe sind gefallen. Alexander H a u ro w i $ z Königsberg ist im Lazarett gestorben, desgleichen Dr. Wolff Cobli-!1 c r - Hamburg (K. J.V.). Berlin. (Jüdische Turnerschaft.) Lie* besgaben für die Jüdische Turnerschaft gingen ein von Frau Flora N e 1111 a 11 s - Lciphcim, Fr. Frieda Marc u 8 - Rees a. RI1., Frau Hayma n 11 - Laupheim, U. jugcndabteiliing des J. T. V. Bar Kochba, An Geldspenden gingen eia von Frau K a - minski, Berlin NW., Thomasiusstr. 22, 5,— M.; Dr. Levy, Danzig, 5,— M,, Dr, Landau, Danzig, 5,- M., Oeberschnß der Makkabäerfeier des J.T.V׳ Bar Kochba am 13. 12. 73,-- M. Liebesgaben gingen ferner ein: An Wollsachen: Frl. Hella Strumpf-i talberstadt, Frl. Else Benjamin- Berlin und von der I. Klasse der Jüdischen Mädchen* schule Berlin. Ein Posten gefüllter Zigarettenetuis von der Zigarettenfabrik ״Monopol“ Inh. L, Flurwitz-Drcsdcu. Ein Posten Zigarren von der Firma Loeser & Wolff. Dicdcnhofen. Eine außerordentlich würdige Mnkknbiicrfcicr veranstaltete die hiesige Oemcinde am 12. Dezember. Neben zahlreichen Gemcindeinit* gliedern waren die jüdischen Soldaten 'der Festungsbcsatzuug in einer Stärke von etwa 70 Mann er* schienen. In ticfdurclulnchtcr Predigt spraclt Herr Rabbiner K 011 n über alte und neue Makkabäer und zog treffende Vergleiche /wischen der Lage des jü« dischen Volkes beim Aultreten der Hasmoniier und derjenigen Deutschlands in der Gegenwart. Er erklärte den deutschen Idealismus und Optimismus aus der Beeinflussung tles deutschen Volkes durch die jüdische Bibel und ließ sein Gebet ausklingen in den» Wunsche, daß der Sieg dort •einkehreii möge, wo dieser Idealismus und Optimismus lebendig sei. Aus kräftigen Soklatenkelilcn erscholl das alte, ewig junge Clianukahlied und die flimmernden Liclitlcin riefen in uns die Erinnerung an die Vergangenheit und. die Hoffnung auf eine jüdische Zukunft wach. Nach der gottesdienstlichen Feier vereinigten sich auf Einladimg der Gemeinde etwa 50 Soldaten mit den hier diensttuenden jüdischen Krankenschwestern und dem Ffcrrn Rabbiner sowie der Gemeindevertretung zu einer schönen jüdischen Feier. Nachdem die Krieger sich au Speise mul Trank gütlich getan, sprach unser Gesinnungsgenosse Bataillonsarzt Dr. Grüne« b c r g über jüdische und deutsche P f I i c h - t e n d c r j 11 d i s c 11 c 11 S 01 d a t e 11,•Deutschtum und Judentum, so führte der Redner aus, sind Gefühlskreise, die sich niemals berühren, geschweige denn, daß sie sielt beeinträchtigen. Je inniger und tiefer wir unser Judentum erfassen, um 80 freier und tinbefangeuer wird unser Menschentum sich entfalten. Herzlicher Dank sei auch an dieser Stelle der Qcmcindc und ihrem Rabbiner ausgesprochen, die es sich nicht nehmen ließen, den jüdischen Soldaten der Festung an den Herbstfeiertagen und auch jetzt wieder in echt jüdischer Gastlichkeit ihre Ficimat und Familie zu ersetzen. ״Sie halten zusammen wie eine Familie,“ hörte man aus dein Munde Christlieber Kameraden. Möge cs immer so bleiben. Wien• Gesinnungsgenosse Dr. Robert Lichtwitz in Troppau, Beirat des mähr.-schtcs. Zion. Distriktskomitees, wurde vom Assistenzarzt zum Oberarzt befördert. Wien! Am 14. Dezember wurde das vom Zionistischen Zentralkomitee für West• Österreich für die galizischen Flüchtlinge ins Leben gerufene A r m e n a m b u l a 10 ז i u m im II. Bc• zirkc, Taborstr. Nr. 20a, der öffentlichen Benützung übergeben. Dasselbe wird nur Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina ohne Unterschied der Nationalitüi und der Konfession unentgeltlich behandeln. Das einfach, aber höchst sauber und hygienisch ausgestattete Institut umfaßt 5 Räume und Nebenräunte. Es wird in demselben von einer Reihe angesehener Wiener Spezialisten, die sich nach getroffenen Vcreiubarungcn mit der Acrztckammcr und der wirtschaftlichcn Organisation der Aerztc im Interesse der ebenso humanen als patriotischen Sache uncntgelt* lieh zur Verfügung gestellt haben, unter Assistenz einer Oberin und 12 freiwilligen Pflegerinnen zu verschiedenen Zeiten des Tages für Augenkranke, Chirurgie, Gynäkologie, Hautkranke, Interne, Kinder- Heilkunde, Hals-, Nasen-, Ohr- und Zahnlcidende ordiniert werden. Budapest. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Julius K r a u 8 z, über dessen Auszeichnung mit der silbernen Tapfcrkcitsmedaille wir bereits berichtet haben,