Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 462 Nr. 5י .ID wohin die Kosaken gelangt waren, berichtet, ilali die Rutliencn die russischen Soldaten stürmisch als ihre ״Befreier“ begrüßten und Verhriiderungsfcste mit iliiicn feierten. Oie Kitthcncn wiesen den russischen Soldaten den Weg zu den Häusern und Besitzungen der Juden, sowohl der geflohenen wie derer, die nicht rechtzeitig hatten flüchten können, und nahmen an den Pogromen der Kosaken regen Anteil. Oie Läden der jüdischen Krämer wurden bis auf den letzten Knopf geplündert, die Häuser, Keller und Kammern erbrochen, ausgeraubt und verwüstet, und was die Russen nicht mitschleppen konnten, schenkten sie ihren ruthenischen Freunden. Die Ruthcnen eigneten sich die Möbel der atisgeraubteii jüdischen I läiiser an und ließen sich zum Teil in den Wolmungcii der Juden häuslich nieder. Einem Berichte des ״Israelit“ entnehmen wir folgende Einzelheiten: ״In Voloc kam cs zu einer förmlichen Scldägcrei wegen des Hauses des Sender Gottesmann. Es ist das schönste Haus in dem Dorfe und da hat sich der Dorfriehter berechtigt gefühlt, Anspruch darauf zu erheben. Eine arme Wäscherin dagegen verlangte das Haus für sieh und argumentierte, daß sic im Hause Gottesmaiin über 20 Jahre gedient habe, und sich so ein Anrecht auf dasselbe erworben habe. Die zwei Parteien schlugen sieh blutig und am Ende blieb die Partei der Wäscherin Siegerin. Momentan befinden sielt Dorfriehter und Wäscherin in ein und demselben Kerker. Zu den Räubereien der Kosaken gesellten sich in vielen Ortschaften die wüstesten Ausschreitungen und Schandtaten. Und immer fielen bloß die Juden der Roheit der wilden Horden zum Opfer. In Voloc stellten sie ihre Pferde in die Synagoge, Selbst oben, in der Frauengalerie der Synagoge, riehteten sie Stallungen ein. Einen besonders tragischen Vorfall erzählt man von dem Marktfleck M a j o r a 11 d a. Dort drangen die Kosaken in die Synagoge ein, um eine junge Jüdin zu rauben.“ 111 sämtlichen Karpathenstädten, die im Zusammeiiliangc mit den letzten Russciieiiibrüclieu in der Tagespresse genannt wurden, so in S ä t o r a 1 j a - U j 11 c I y, H 1ח ס o n 11 a, B d r t f a (Bartfeld), E p c r - jes, Nagy-Mihaly usw. gibt es ansehnliche jüdisclie Gemeinden, die von der russischen Invasion, aufs schwerste betroffen worden sind. So haben auch auf diesem Teile des östlichen Kriegssebaiiplatzes unsere Brüder in erster Reibe die Schrecken des Krieges erfahren. Tausende jüdischer Existenzen sind auch hier vernichtet, und es werden wohl viele Jahre liingclien, ehe die jüdische Bevölkerimg sich völlig von den Folgen dieser an sich unbedeutenden Episode im großen Völkerringen erholt haben wird. M. Z. Makkabäerfeier der Berliner Zionistischen Vereinigung Die diesjährige Makkabäeri'eier wird zum Besten der Liebesgaben- Sendungen an unsere Krieger veranstaltet. Sie findet am Sonnabend, den IS). Dezember in den Kammersälen, Teltower Str. 1-4 (HallesehesTor), statt. Beginn 0 Ihr präzise. Herr Oberkantor Schwarz vom Keligionsverein Westen wird die Chanukahlichter anzhnden.. Die Festrede hält Herr Dr. Martin Buber. Das künstlerische Programm enfhält Rezitationen jüdischer Gedichte, Vorlesungen aus der Bibel und jüdisclie Liedervorträge durch Herrn Leo Gollau in. Billetts a 1 M. sind zu haben im Zionistischen Zentralbureau, Sächsisehe Str. 8, im K. d. W., bei Tietz nnd in den Buchhandlungen von Pope lau er und Lamm. 'I ׳# 4 X&ä U 4 ä%Ji* In in Ko sehen glic der Der Si p c Ae Es wurde daher beschlossen, Hilfsaktion in die Wege zu /*c״oa:3coa11t60 Ta:•;en vom 4. bis (>. Dezember fand hager! eine Sitzung des Zionistior.soöniitcs statt, an der sieh Mitverschiedenen ländern beteiligten, g lagen ausführliche Berichte über die Lage der jüdische» Siedelung und der ziouistischen Institutionen itt Palästina vor, die durch den Krieg in grolle Bedrängnis geraten sind. Mit dankenswerter Energie haben die aiuerikaiiischen Juden bereits eine Aktion für die Linderttng der Not unternommen, es hat sich aber herausgestellt, daß weitere große Mittel erforderlich sind, eine großzügige leiten. Zur Durchführung dieser Hilfsaktion und zwecks Erleichterung der Verbindung der ein- /.einen Teile der zionistischen Organisation wurde beschlossen, ein A r b e i t s b u r c a u in einem neutralen Lande cinzurichten. Die endgültige Bestimmung des Ortes für das Bureau wurde dem E. A. C. überlassen. Bis dahin wird cs seinen Sitz in Kopenhagen haben. Generalvcrc31״t;1l1!81f» der Berliner Zionistischen Vereinigung In Anbetracht der gegenyvartigen Lage hält es der Vorstand für geboten, die Cieneralver- Sammlung, die statutengemäß noch in diesem Kalenderjahr stattfinden müßte, bis zum Ende des Krieges zu verschieben. Falls eine genügende Anzahl von Mitgliedern dennoch die Abhaltung der Generalversammlung wünscht, wird dieselbe sofort einberufen. Dahingehende Wünsche bitten wir an die Adresse des Vorsitzenden, Dr. Egon Rosen borg, W. Passauerstr. 18, zu richten. Die”Konferenz der zionistischen. Sfudontenorganiaation ״Hechawer“ Die Organisation zionistischer Studenten ״Hechawer", die sicli in der zionistischen Well bereits große Anerkennung erworben hat, ist durch den Ausbrucli des Krieges in starkem Maße erschüttert worden. Die meisten Vereine in Deutschland und in Oesterreich mußten aufgelöst werden. Kürzlich hat das Zentralkomitee beschlossen, Schritte zu unternehmen, um die Tätigkeit der Organisation wieder aufzunehmen. Am 20. Dezember findet in Genf (Boulevard Carl Vogt 7')) eine außerordentliche Konferenz des ״Hechawer“ statt, zu der eine grolle Anzahl von Personen und samtliehe Vereinsvorsteher eingehwlcn worden sind. Die Konferenz wird von Vorstehern zionistischer Stildcntcnvercine aus der Schweiz, Holland, Italien, Frankreich mul Rußland besucht sein. Es sollen Beschlüsse gefaßt werden zwecks Fortsetzung der Arbeit itt den I.ändern, wo die Möglichkeit dazu vorhanden ist. Auch das Zionistische Actions-Comite wird auf der Konferenz vertreten sein. Die Einberufung der Tagung ist in den Kreisen der zionistischen akademischen Jugend mit großer Genugtuung aufgenommen worden. Zionistisch© Tagungen in Amerika Vom 21,—20, Dezember d, J. findet tu Roe 11 e s t e r, N. Y,, die Convention der amerikanischen Poale-Zion st.itt. Die amerikanischen I’oale-Zion werden hei dieser Gelegenheit das 10jährige Jubiläum der Organisation in Amerika festlich begehen. Auf der I ngesordiuuig der Convention befinden sieh 11. a., folgende Punkte: ״Der Krieg und die Judeiifrage“, ״Unsere Arbeit in Palästina“, ״Politische und wirfscliaftliche Tätigkeit“, ״Nationale radikale Schulen", ״Jugendvercine". Am 'iß. und 31. Dezember und am I., 2. und 3. Jantiar findet in St. Louis die achtzehnte Convention des Ordens K night« cf Zion statt. juaiü Die Speitdcn-Einuahmcn des Jüdischen Nationalfonds im Monat November haben 38(15(1,30 M. betragen. Hiervon entfallen auf Nordamerika 0001,07 M., Oesterreich 3M>Ü,08 M., Deutschland 1081,22 M., Holland 1271,55 M,, Galizien 1270,54 M., Rumänien 740,80 M,, Ungarn 030,41 M., Schweiz 323,57 M., Griechenland 180,70 M., Schweden 08,80 M. Die Verwaltung des Jüdischen Nationnhoiuts ersucht alle Vertrauensmänner, die gesammelten Spcn* den unverzüglich au die Sainmelstellen abzuführen, damit die Betrüge noch im Jahre 1914 ausgewiesen werden können. Die Adresse des Haupibureatis des Jüdischen Nationalfonds lautet jetzt: Keren Ka jeniet 11, p. A. J. H. Kann, Den Haag (Holland), Bierkade 8a. Unteroffizier Fritz S c 11 i d I o w s k i, langjähriger Beamter des I lauptburemis des Jüdischen Nationalfonds, ist nach den schweren Gefechten hei Sedan Mitte September als vermißt gemeldet worden, Hit; angestellten Nachforschungen nach seinem Verbleib in Frankreich haben bisher zu keinem Resultat ge. führt. der Zionistischen Vereinigung für Deutschland In einer der uns zugegarigeneri Kleidcrscndungcti befand sich ein kleines silbernes Daiiienporleinomiaie vermutlich in einer Kiste• aus Breslau. Wir fordern die Eigentümerin auf, sieh bei uns zu melden. Ferner hat eine der Helferinnen bei imstter Liebesgabciivcrsendung einen Regenschirm hei uns vergessen. Mitteilungen des Jüdischen Verlags Wir haben an eine große Anzahl unserer Kunden mit der Feldpost Kontoauszüge geschickt. Da hei der Unsicherheit der Postverliältnisse ein großer Teil der Briefe nicht in den Besitz der Adressaten gelangt sein dürfte, möchten wir unsere Kunden auch auf diesem Wege bitten, ihre Rechnungen bei uns zu regeln. Diejenigen Kunden, die aus irgendeinem Grunde zurzeit zur Zahlung nicht in der Lage sind, bitten wir wenigstens um Anerkennung der Auszüge. Auf unsere Bitte tun Einsendung von Material für unsere Sammlung von Kriegsbriefen deutscher und österreichischer Juden haben wir ziemlich viele Briefe erhalten. Trotzdem könnten wir noch erheblich mehr brauchen mul wiederholen daher unsere Bitte an alle Besitzer von Kricgsbricfcit. Die Originale werden nach kurzer Zeit zurückerstattet. Um unseren Gesinnungsgenossen auch im Kriege den Bezug der zionistischen Klassiker zu ermöglichen, haben wir Uns entschlossen, die Preise der zionistischen Schriften von H crzl und Nord au folgendermaßen herabzusci/en: a) Hcrzl; bröselt, statt Al. 3,50 M. 2,80, geb. statt M. 5, M. 4,-; b) Nordau; bröselt, statt M. 2,— M. 1,80, geh. statt M. 3,50 M. 3,--. Wir haben unseren neuen Prospekt 21״ gute jüdisclie Bücher" an eine (große Zahl von Rabbinern, Lehrern und Kantoren verschickt, um diesen Kreisen, die mit der jüdischen Jugend am meisten in Berüliruug kommen, eine praktische Handhabe bei Auswähl von Gcscbenkbüchern zu bieten. Wir bitten auch unsere Gesinnungsgenosse 11, wo sie können, darauf zu achten, daß bei Bestellung von Prämienbüchcrii für Schulen und Vereine die Bücher unseres Verlags, die ja im Verzeichnis zum großen Teil enthalten sind, entsprechend berücksichtigt werden. Die in den letzten Mitteilungen erwähnte kleine gerahmte Merzl-Gravürc nach einer Zeichnung von Hermann Struck (eine Sonderausgabe des für die Luxusausgabe von Friedeinamis Flerzlbiographie bestimmten Bildnisses) kostet nicht M. 3,—, sondern M. 2,50. Das Bild wird mir gerahmt abgegeben. Die Rahmen sind weiß oder rot. Berlin. Der Jüdische Turnverein Bar Kochbn halte zu einer M a k k a b a e r f c 1 e r geladen, die am Sonntag, den 13. Dezember, im Nordwcst-Hotcl stattfand. Der über Erwarten starke Besuch des Abends bewies, daß in dieser Zeit vie'leicht mehr noch als sonst dos Bedürfnis besteht, das Audenken der heldenmütigen Makkabäer zu feiern. Das Programm der schlichten Feier war ganz auf den Ton unserer Tage gestimmt: Herr Dr. Klee wies in einer einleitenden Ansprache darauf hin, daß wir Natioiialjtulen mit Selbstverständlichkeit uns in den Dienst der deutschen Waffen stellen; daß wir aller mit derselben Selbstverständlichkeit auch fernerhin unseren jüdischen Idealen leben werden. Mit begeisternden Wol len malmte er die jüdische Jugend, in Treue und Opfermut dem Beispiel der llasmonäer zu folgen. Fräulein Etta Reimer brachte unter der Klavierbegleitung von Fräulein Else Moje einige Lieder von Mendelssohn, Mozart, Jeuscu, Raff usw. in ihrer bekannt sympathischen Art zum Vortrag. Der Beifall des Publikums veranlaßte die Kirnst- Icrinncu zu Extragahen. Sodann bewiesen die Fcchtriege mul eine Musterriege am Barren durch ihr schneidiges Können, daß der Bar Kocliba trotz seiner 150 bereits eingezogenen Mitglieder immer noch über sehr gute Turner verfügt. Den Schluß des Programme.* bildeten jüdische Rezitationen des kgl. Hofschnuspielers Herrn Karl Vogt. Der Künstler wußte durch seinen meisterhaften Vortrag der ״Menorah" von Hcrzl, verschiedener Gedichte von Rosenfehl, Heine u. a. seine Zuhörer bis gegen Mitternacht zu fesseln. Entsprechend dem guten Besuch des Abends war auch der materielle Ertrag, der für Liebesgaben an die int Felde stehenden Turner bestimmt ist. /