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Jüdische Rundschau · 1914-12-11 · Heft 50 (11.12.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 50 (11.12.1914)
Date
1914-12-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50 JUEDISCME RUNDSCHAU Seite 455 ihre Namen gab. Adam sagt (Seite 2): ״Er hat ja eine lange Nase wie ein Elefant, so soll er auch Elefant heißen.“ Der Rezensent sagt nicht genau, was ihn! an dieser Erzählung mißfällt, doch meint er offenbar, daß der scherzhafte Ton nicht recht zur biblischen Erzählung passe. — Anderen Beurteilcrn hat gerade der scherzhafte Einschlag besonders gefallen. Die Erzählungskunst des Buches findet ungeteilte Anerkennung. So schreibt Kurt Miinzer in der Wiener ״Z eit“: ״Die Ueberfülle des Stoffes war da; blieben nur die biblischen Geschichten wie lür Siebenjährige vorzutragen. Aber das tat er trefflich .. . Selbst Erwachsene werden sich freuen, die Bibel in dieser neuen Märehcnform noch einmal durchzublättcrn. Und gern wird man das schöne Buch, das nie prüde und doch immer einwandfrei jene verwickelten Menschheitsaffairen darstellt, Kindern in die Hand geben. Es ist eine treffliche Brücke hinüber ins Reich der Bibel selbst,“ Unser Gesinnungsgenosse Dr. Hugo Bergmann sagt in der ״Jüdischen Volksstimnie“: ״Was Asch hier gegeben hat, ist keine wörtliche Uebersctzung in eine deutsche Sprache, aber die Nacherzählung der biblischen Geschichten in einer Weist', die sie heutigen Kindern iinhebringt . . . Die Märchen sind gut übertragen. Das Buch ist entzückend ausgestattet. Alte deutsche Holzschnitte und Motive aus alten llagadalis illustrieren• die Märchen und tragen gewiß viel dazu bei, diese Geschichten Kindern lieb zu machen.“ Und ähnlich heißt es in den ״K. C.-Blättcrn“: ״So ist es auch für den Erwachsenen ein künstlerischer Genuß, diese alten Geschichten in neuer Darstellung zu lesen. Es werden sich ihm neue Gedanken mischen in alte liebe Erinnerungen aus der Kinderzeit, die lächelnd an ihm vorüberschweben. Die von Dr. Helene S o k o I o vv besorgte Uebersctzung aus dem Jüdischen trifft in ihrer Tonart überall die sprachlichen Feinheiten der Dichtung.“ — Die Ausstattung wird durchweg gelobt. Schon oben haben wir Bergmanns Urteil in der ״Jüdisehen Volksstimmc" zitiert. Die ״A 11 g c 111 c i n c Zeitung des Judentum s“ sagt: ״Das Buch ist in einer Weise ausgestattet, die alle Anerkennung verdient und auch verwohnten Ansprüchen gerecht wird.“ Aus der Besprechung in den ״Mitteilungen des Israelitischen Latides-Lehrcrvercins“ führen wir fol- י gendes an: ״Die Illustrationen nach Holbcin und Behnm, die schöne Ausstattung haben hier ein Kinderbuch für die jüdische Kinderstube geschaffen, von dem wir wünschen, daß es bald in weiteren Kreisen Aufnahme fände." ״Die Ausstattung des Buches ist in Druck, Bildschmuck und Einband überaus gefällig und gediegen." (Wir verweisen im übrigen auf das Inserat «les Jüdischen Verlags in der gleichen Nummer, in dem noch einige Details angeführt sind.) Außerordentlich bemerkenswert ist, was ein nichtzionistischcs Blatt ,,Die jüdische Presse“ über die Bedeutung des Buches als eines nationalen Erziehungsmittels sagt; ״Wenn dieses Buch nichts mehr bewirken wird, als daß unsere Kleinen von allein Anfang an statt deutscher Sagen, statt Frau Holle und Herrn Eckart, statt Kricmhild und Kaiser Rotbart mit alldem vertraut werden, was ihre Grundlage bilden soll für später, dann wird cs genug und Sehr viel geschafft haben. Was dem Westjuden fehlt und was einen bedeutenden ethischen Vorteil des Ostjuden ihm gegenüber bedeutet, ist des ersteren Mangel an jüdischem Gefühl. Und das kommt da* her, weil sie als Kinder die Gestalten von Andersens Märchenbuch, von Onkel Tom usw. lieb gc- «׳innen, während Abraham, Isaak, Jakob nur Gcstalten und Faktoren des Religionsunterrichts sind und bleiben. Später versuchen wir, uns zu ״verjüdischen", aber die ersten Eindrücke sind so tief, duß ein durch und durch jüdisches Fühlen uns schwer und selten wird. Uns Kind, das dieses Buch liest, wird das Märchenbuch nicht vermissen. Darum Dank dem Dichter Asch. Er hat ein jüdisches Buch geschrieben, das in jüdischen Herzen Liebe und Verständnis wecken und erhalten wird.“ Diese einsichtsvollen Worte zeigen seltenes Verständnis für die Aufgabe, die sich der Jüdische Verlag gesetzt hat. Gute Bücher können überall erscheinen, auch gute jüdische Bücher. Unsere Be- Strebungen zielen aber auf die Pflege einer Literatur, die die Erhaltung eines auf breiter Gefühls- und Erinnerungsbasis ruhenden Judentums zur bewegenden Kraft hat. Dem dienen alle Bücher des Jüdischen Verlags, sei cs Aschs Kinderbuch mit seinen aus dem Geist der alten Legenden fließenden Erzählungen, seien es die Denkwürdigkeiten der Glückei von Hameln, die uns die ruhige Selbstverständlichkeit und Ungcbrochcnheit der alten Judenheit zeigen, oder das Pcssnehbucli, das m.s die Schönheit der Fürstin unter den jüdischen Festen offenbart. Den letztgenannten werden die folgenden Ucbersichtcn gelten, ff *»« .יז«»,ו״ rtft 4*5 41 ללו ojftrti IC; O Die stellvertretende sechste Infantcriebrignde in Landau in der Pfalz hat folgende Bekanntmachung erlassen: ״In der letzten Zeit wurden wiederholt durch anonyme Zuschriften schwere Anklagen gegen verschicdcnc 1 Iceresangehörige erhoben. Wenn nun auch die stellvertretende sechste liifnnteriebrignde solchen Anschuldigungen sonst grundsätzlich keine Beachtung schenkt, so sicht sie sich doch veranlaßt, einer Anklage in der Ocffeiitlielikcit entgegenzutreten, die die Ehre eines nicht unbedeutenden Teiles unseres Heeres antastet. Es wurde niinilich durch anonyme Zuschriften unter anderem auch an der Tüchtigkeit und Vcrläßlichkeitvon Hccrcsange hörige 11 jüdischer Konfession g e z w c i f e 11 und der schwere Vorwurf erhoben, daß viele von ihnen Mittel und Wege wußten, sich dem Dienst in der 1' r o 111 zu c 11t z i e h e 11. Diese Anschuldigungen sind durchaus unbegründet. Der stcllvcrtretenden sechsten Infanteriehrigade ist kein solcher Fall bekannt geworden. Sie ist vielmehr überzeugt, daß unsere jüdischen Soldaten sich bemühen, hinter ihren christlichen Kameraden au Vaterlandsliebe,Opfer- Willigkeit und Tapferkeit keineswegs zurückz u s t e h e 11. Wer aus konfessioneller Unduldsamkeit andere verdächtigt, hält schlecht zu seinem Kaiser, dessen Wort heute allen voranleuchtcn muß: ״Ich keime keine Parteien mehr, icli kenne nur Deutsche.“ * In Briin n wurden,׳ w׳ie die dortige ״Jüd i s c h c V o I k s s t i m m c“ berichtet, am 30. November d. J. ga I i zi s cli j ü d i 8 c 11 c Fl licht- I i 11 g e auf der belebtesten Straße der Stadt, vor den Bahnhöfen, mißhandelt und blutig ges c 111 a g e n! Tschechisch-antisemitische Agitatoren hetzten die Menge gegen die galizischen Flüchtlinge auf, Soldaten verbreiteten das Gerücht, daß die JiidcninOaliziciidasMilitiirbcwuchcrten. Das Hilfskomitee für die Flüchtlinge hat sich telegraphisch n 11 die j ü d i 8 c 11 e 11 A b g e o r dn e t e 11 mit der Bitte gewandt, nach Ürüini zu kommen, um den i lergang fcstziistcllen und den bedaiiernswcrten Flüchtlingen, die bei den maßgebenden Behörden anscheinend keinen ausreichenden Schutz gegen die Ausschreitungen des jtidcufcindlichcn Mobs finden, Genugtuung z.u verschaffen. v In einer kombinierten Vorstands- und Ausschuß- Sitzung des Vereins zur Abwehr des Antis c m i t i 8 m u s am 30. November wurde unter anderem die Einwirkung des Krieges auf die innere Pniitik und insbesondere auch auf den Verein eingehend besprochen, Von den Teilnehmern aus den verschiedensten Gegenden des Reiches wurde übereiustinimeml festgestellt, daß die Antisemiten zwar — nicht zuletzt infolge des Eingreifens der militärischen Zensur — sich i m Auge tublick einige Zurückhaltung aufcrlegcn, daß sie aber keineswegs gewillt sind, als politische Partei oder als völkisch-politische Weltallschaumig zu liquidieren. Auch manche Behörden, die sich bisher schon von antisemitischen Vorurteilen nicht frei machen konnten, scheinen sieh nur mühsam in den Geist dcrncucn Zeit finden zu können. Im übrigen war man der Ansicht, daß erst nach Beendigung des Krieges ein Urteil darüber möglich sein wird, ob dieser neben manchen anderen Schlacken im deutschen Volksleben auch den Religions- und Rassenhaß endgültig hinweggespült haben wird. Ausländer-Ausv/eisungen in Köln Das ״Kölner I s r. G c m c i 11 d c b I a 11“ bcrichtet; Die Ausweisung slimtllclier Angehörigen felmllieber Staaten, wie für eine Reihe deutscher Städte auch für Köln verfügt, hat liier in Köln eine ganz außerordentlich große Anzahl polnisch-jüdischer Familicn getroffen. "Die ersten, in den Tagen, vom 18. bis zum 21. November erlassenen Ausweisbefehle haben geradezu eine Katastrophe für über öOO 'jüdische Seelen in Aussicht gestellt, die in dein frcigebliebciicn Teil des Vitt. Armeekorps unterzubringen eine einfache Unmöglichkeit bedeutete, ganz abgesehen von der gewaltigen materiellen Hilfe- Icistuiig, die dazu erforderlich gewesen wäre. Es ist dem wohlwollenden Verständnis und Gerechtigkeitssinn des Kölner Polizeipräsidenten, Herrn von Glasenapp, zu danken, daß die' im Oesctzerlaß selbst vorgesehene Erleichterung der Ausweisung bei den in Köln ansässigen russischen Juden in weitestem Maße zur Anwendung gekommen ist. In einer mehr als cinstiindigen Unterredung, die er am Sonntag, den '22. November, den Herren Rabbiner Dr. Frank, Rabbiner Dr. R o s ent 11 a 1 und Salomon Simon gewährte, nahm er in die diesbezüglichen Kölner Verhältnisse genaue Einsicht mul traf daraufhin die gceigneten Maßnahmen, Es konnte infolgedessen für den weitaus größeren Teil der Betroffenen der Auswcisungsbefclil wiederenvogen bzw. zurückgcnomrnen, und dadurch Hunderte von der quälenden Sorge bcfreit werden . . . Daß aber auch für die endgültige aus Köln Ausgcwicscnvn einigermaßen gesorgt werden konnte ... ist das Verdienst der Armenierwältung unserer Gemeinde. Dort hat eine Reihe von Damen und Herren, denen sich auch Vertreter von Bonn und Beuel ansdilossen, sich tagelang den Angelegenheiten dieser Armen für ihren Wegzug von hier, wie für die in. Betracht kommenden neuen Aufenthaltsorte in hingebungsvoller und aufopfernder Tätigkeit gewidmet. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Berliner Makkabäerfeier Berlin. Die bereits angekündigte Makkabiierfcicr des Jüdischen Turnvereins Bar Kocliba findet am kommenden Sonnt a g, d e 11 13. I) e z 0 in b er,abends 8R> U 11 r, im ,Nordwcst-Hotcl, T u r m s t ra ß c 7, statt. (Das Lokal ist 7 Minuten vom Bahnhof Bellevue entfernt.) Wir verweisen nochmals auf das reichhaltige j'rogramm des Abends, das durchaus dem Ernst dieser Tage angepaßt ist. Herr Dr. Th. Z loci st i: Festrede. Frau Etta Reimer: Qcsangsvorträgc. Herr königl. Hof- Schauspieler Karl Vogt: Jüdische Rezitationen. Ferner turnerische MustervorJührungen der Männer- und Fechtriegcn, Reigen der Damen- und Mädchenabteilungen usw. — Eintrittskarten ,(nur an der Abendkasse) 0,50 M., Garderobe 0,25 M, Der gesamte Ertrag des Abends ist für Liebesgaben an die iin Felde stehenden Turner be* stim m t. Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ln einem uns zu gesandten Paket, das Liebesgaben enthielt und dessen Absender sich nicht feststellcn läßt, befand sieh ein wertvolles sil* bernes Zigaretten-Etui. Da sich dasselbe zur Ver- Sendung ins Feld nicht eignet, stellen wir es dein Eigentümer wieder zur Verfügung. Sollte sich letzterer ,nicht melden, werden wir den Gegenstand dem Jüdischen Turnverein Bar Kocliba zur ,Stiftung eines Preises überweisen. * Es ,haben sich bei uns eine Reihe von Gcsimiungsgenosscn gemeldet, weiche die Absicht haben, an a r m c jüdische Soldaten in regelmäßigen Zwischenräumen Liebesgaben zu senden. Obwohl wir bereits eine große Anzahl solcher Adressen besitzen, möchten wir doch, daß diese Wohltat möglichst allen armen jü* d i s c h e n Kriegern zuteil werde und fordern daher unsere Freunde auf, uns solche genau bezeichnetcn Adressen baldgcfl. aufzugeben; selbstverständlich ist es völlig gleichgültig, ob der ,betreffende Soldat unserer Organisation angehört oder nidit. ״Zionistische Tagesfragen“ Im ,Zyklus ״Zionistische Tagesfragen“ sprach am 1. Dezember Herr Kurt Blumenfeld über ״Die Judenpolitik der Mächte‘?. Der Redner gab einen historischen Uebcrblick über die seit der Emanzipation der Juden in den Staaten Europas verfolgte Judenpolitik, und besprach dann die realen Möglichkeiten für eine selbständige jüdisch-nationale Politik, für die sich durch den Krieg neue Perspektiven eröffnen. Die ,Vorträge der Herren Licht heim, So ko low und Motzkin müssen wichtiger Gründe ,halber bis auf weiteres verschoben werden. Die Fortsetzung des Vortragszyklus wird ,rechtzeitig in der ״Jüdischen Rundschau“ bekanntgegeben werden. Liebesgaben für die jüdischen Turner Im Felde Der Ausschuß der Jüdischen Tumerschaft teilt uns mit: Liebesgaben für die jüdische Turnerschaft gingen ein von der Damenfechtabteilung des J. T. V.

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