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Jüdische Rundschau · 1914-12-11 · Heft 50 (11.12.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 50 (11.12.1914)
Date
1914-12-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 50 Seife 454 GeuieindemitglicJcr für sic' zur Genüge beweist. Es ist also mir kleinlicher, durch nichts gerechtfertigter A u s I ä n d e rli a II, der die sieh ,,libenil" neimenden Herren zu diesem schinählicheu Schritt geführt hat. Die Tätigkeit des Hilfskomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Den zahlreichen gütigen Spendern, die 1ms so bereitwillig unterstützt haben, sind wir einen Reellensehaftsherieht filier unsere Tätigkeit schuldig auch über den Ralmien der trockenen Zahlen hinaus, die unser Ausweis allwochentliüli gibt. Dieser Ausweis freilich sagt ihnen, daII unsere Mittel im Verhältnis zu den Anforderungen der Zeit begrenzte waren und uns eine Lieheslätigkeit im grollen Mallstahe leider nicht gestatteten. Wo wir mm nur mit knappen Geldmitteln zugtvifen konnten, bemühten wir uns durch persönliche Arbeit unserer jungen Freunde und Freundinnen Wertvolles mul Nützliches zu leisten. Das gelang uns durch die Einrichtimg des P e n s i o n s - und V <> h n 1111 g 8 Nachweises, der von den vorübergehend hier anwesenden russischen Brüdern zahlreich in Anspruch genommen wurde, sowie durch die Bemühungen unscrcr jungen Freunde vom Iler/l-KIub, die den in den 1 leimen des Volksvcreius Untergebniehteii wertvolle Dienste aller Art leisteten, während wir dem V o I k s v e r e i 11 nur eine ei 11 in a 1 i g e S 11 b - vc 111 io n von 300 M. gewähren konnten. Eine Reihe junger Studenten, wie auch junger Kau fl eilte wurden ständig von uns unterstiitzf und gleichzeitig eingehend beraten, so daß es ihnen möglich ist, sich trotz aller erschwerenden Umstande mit einem Existenz-Minimum ein/nriditeit. Vielfach konnten wir auch durch Gewährung von Darlehen die Abreise derer ermöglichen, die an irgend einem, anderen Ort günstigere Lehenshedingungen zu finden hoffen durften, Erleichterungen mannigfacher Art konnten wir den in den K o 11 /tut r a t i o n s 1 a g e r n F e s t g c h a 11 e 11 e 11 durch Be- Schaffung warmer Wäsche usw. verschaffen. Einen besonderen Zweig unserer Tätigkeit bildet die F a in i 1 i c 11 f ü r s o r g e , deren Kreis zunächst ein ganz beschränkter war, der sich aber durch taglieh neu an uns herantretende Gesuche mehr und mehr erweitert; namentlich stellen den letzteren die F I ü c h 11 i n g e aus Galizien, A n t w־ e r p e n und auch aus Ostpreußen ein großes Kontingent. Wenn auch hier die Geldhilfe nicht so umfangreich sein konnte, so gelang es uns durch die g ü t i g c p e r s ö ״ I i c It e Mit a r b e i t unserer I) a in e 11, vielen Obdachlosen ein Heim zu schaffen es mit den gütigen Spenden von Möbeln, Wäsche, tmd Betten auszustatten. Vielfach übernahmen es unsere Damen, sich mit je einer Familie dauernd in Verbindung zu setzen, für den notwendigen Lebens mtcrhalt zu sorgen, oft auch durch Beschaffung tv>. Arbcitsgclcgcuhcit die Familie auf eigene Fülle zti stellen. Sehr segensreich konnten wir durch die Einnelitimg unserer Sam meist eile von Kleidern und Wäsche wirken. Denn die Not der Zeit gestattet es heute;mch sulchen, die sonst stets in der Lage waren, sieh anständig zu kleiden, nicht, Netianschaf* Itingen zu machen, wo die Ernährer entweder im Felde oder sonst erwerbslos geworden sind. Da kamen uns inshesondere auch die Spender neuer Kleidungsstücke zugute, für die wir uns tim so herzlieber bedanken, als wir Bedrückte und Beschämte wieder aufrichten konnten. Auch die gebrauchten Gegenstände farden — soweit sie gut erhalten waren — dankbare Abnehmer. Wir bitten auch ferner, uns in den Stand zu setzen, durch freundliche weitere Spenden Frierende zu bekleiden. Schuhe und Stiefel sind sehr begehrt. 'Auch mit Bett- und Tischwäsche können viele Arme erfreut werden. Uhanukah ist da, so recht ein Fest der Familie. Laßt uns auch das Lichtlcin in den Häusern der Armut, der Not und der Verlassenheit entzünden! Helft uns ein wenig Freude auch dort zu verbreiten! Wie dankbar leuchtet ein Kinderatigc auf, wenn ihm eine freundliche Hand cntgegcngcstreckt wird! — Wir erwarten von den Damen, die mit uns arbeiten, daß sic das Chanukahfcst den ihrer Obhut jeweils anvertrauten Familien bereiten und bitten auch solche Damen, die uns bisher noch nicht nliliergctrctcn sind, sich mit der Unterzeichneten in Verbindung zu setzen; denn unversorgter Familien gibt cs leider noch zahlreiche! Lasset Eure Kinder zu "den Kindern der Armut gehen I Lehret sie früh die edle Tugend des Gebens! H ulda Zlocisti, Weißcnbnrger Str. 6. Die Adresse für Geld- und Klcidcrspenden lautet: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsischeste 8. )CU RUNDSCHAU Eu eben Zionisten. Die tm:;.tri:׳u־he Regierung bat ungeordnet, daß die in Um;an; ]ci.cmie.i Ae'äamlcr von den Polizeihehördeu k״n,knbiTrf werden sollen und daß_ den Angehörigen der mit Oe:־terreic!1TJ1!g;n 11 im Kriege stellenden Staaten die wöchentliche Meldepflicht aufe'i’legt werde. Diene Maßregel erstreckt sich naturgemäß auch auf die zahlreidien russischen Juden, die schon seit vielen Jahren in Ungarn leben. Nun hat die 11 ug ar I ä 11 d i sc 11 e zionistische Org a n i s a t i o 11 , wie ״/.sidö Szcmle“ berichtet, an die Regierung eine Denkschrift gerichtet, in welcher darauf hingewiesen wird, daß diese unglücklichen Opfer des russischen Zarismus eine besondere BeliamJliiiig verdienen. In der Denkschrift, die von dem Vizepräsidenten des zionistischen Landcskomitccs Dr. Josef Schon l eid verfallt ist, wird unter anderen! aiisgclührt: ״Die in unserem Vaterlande sieh aufhaltemleii russischen Juden haben auf der Flucht vor nissischer Tyraimci und vor den dortigen Judcuverfolgimgeit in unserem Vaterlande Zuflucht gesucht 11ml sich hier durch ehrliche Arbeit ein bescheidenes Heim gegründet , . . Die zu uns eingewamlertcn russischen Juden, deren großer Teil bereits seit Jahrzehnten in unserem Vaterlande lebt, sind vollständig verschmolzen mit den übrigen Staatsbürgern und die meisten von ihnen haben bisher nur deshalb die ungarische Staatsbürgerschaft nicht erlangen können, weil sie nicht die Möglichkeit hatten, die hierfür notwendigen Dokumente aus ihrer trüberen Heimat zu beschaffen. Diesen Menschen gegenüber wiirtle jede Vergeltungsmallregel ihr Ziel verfehlen, i lall doch Rußland seine jüdischen Untertauen selbst zuhause nicht für vollberechtigte russisehe Staatsbürger, viel weniger noch diejenigen, die es durch die verschiedenartigsten Verfolgungen zum Verlassen ihrer I leim.it gezwungen bat. 111 unserem Fcld/nge gegen Rußland haben sielt die russischen Juden als Freunde unserer verbündeten Heere erwiesen, und sie ersehnen gleich uns die Niederlage der russischen Waffen. Die aus Rußland vertriebeneit und in unser Vaterland geflüchteten Juden sind durchweg Opfer ihres Glaubens und ihrer Abstamuumg und hängen mit ganzem Herzen an der neuen Heimat, die ihnen Zuflucht gewährt, und so wäre es nicht eine Retorsion, sondern ein Liebesdienst für die russische Regierung, wenn wir die russischen Juden wegen der Sünden der russischen Regierung hierzulande verfolgten." des Prager lar Kochba Der Verein jüdischer Hochschülcr Bar Kochba in Prag versendet folgendes Rundschreiben an seine Bundcsbrüder: A ״ alle Bb. und A. H.l Wir machen Euch die schmerzliche Mitteilung, daß unser teurer Uh. Alfred Kraus, Professor in Trautenaii, Leutnant i. 11. R,, am 20. Oktober d, J. auf dem südlichen Kriegsschauplatz, den Heldentod geftmdeii hat, Was der Verein und der Zionismus an ihm verloren haben, können nur d i e ganz, ermessen, die das Glück hatten, mit ihm zusammen zu arbeiten. Die jugendliche Kraft, die allumfassende Liebe ist mit ihm von uns gegangen . . . Der Wunsch Alfred Kraus’, ihm, wenn er falle, Oclbäume zu pflanzen, legt uns eine heilige Pflicht auf. Der Verein Bar Kochba hat beschlossen, einen Alfred Kraus-Garten zu stiften. Eine ganze Anzahl von Bäumen ist schon eiugegangcn. Wir fordern hiermit jeden A, H. und Bb. auf, das seine zu tun, daß dieser Garten sobald als möglich vollständig sei. In seinem Feldpostbriefe vom 25. September d. J. au Bb. Dr. Robert We Itsch (abgedruckt in der ״Jüdischcu Rundschau“ Nr. 44 vom 30. Oktober d, J.) regte Alfred Kraus die Gründung einer Kriegse r I n n^c r u n g s s t i f t ti 11 g des B a r Kochba zu in Studium Erez Israels an und stiftete gleichzeitig; 5b Kr. für diesen Zweck. Der Verein Bar Kochba sicht in dieser Anregung Alfred Kraus’ ein Vermächtnis, das unter allen Umständen durchgeführt werden 11t ti fl. Er hat daher beschlossen, eine ״Alfred Kra1is-Krie״r.crinner1111gs!;tiftung des Har Kochba zum Studium Erez Israel“ zu gründen. Es soll durch Spenden von A. H. und Bb. sowie von Freunden des Vereins, die das Andenken an Alfred Kraus dadurch ehren wollen, endlich durch alljährliche Zuwendungen der Generalversammlung des Bar Kochba ein Fonds gcbildet werden, dessen Zinsen einem Bb. alljährlich die Studienreise nach Palästina ermöglichen. Zwei Bb. haben bereits je 100 Kr. für diesen Fonds gezeichnet. Wir wissen uns darin mit allen A. H, und Bb. eins, daß ein jeder von uns den letzten Willen Alfred Kraus' nach seinen besten Kräften erfüllen wird. Verband Alter Herren des Vereins 'jüdischer Fl o e h s c h ü 1 e r Bar Kochba in P r a g. Verein jüdischer Hochschülcr Bar Kochba in Frag. Geldsendungen an Bb. Oskar Busch, Fra׳.; Graben 27. ’ Ungarische Zionisten auf dem serbischen Kriegsschauplatz l liiser Budapcstcr Bruderblatt ״Z s i d 6 S z c m I teilt aus einem Feldpostbrief des Fräsidenten der zionistischen Laiidcsorganisatiou Ungarns, Ing. Armin Be reg i , dessen Truppenteil jetzt am Drinamcr steht, folgendes mit: ״Ich bin Kompagiiicführcr ׳.cworden und es unterstehen mir etwa 300 Mann iiml •1 Offiziere. Ich stelle fest, daß das jüdische Eleirnnt eine sehr bedeutsame Rolle bei den Truppen spielt und daß mau die Juden, wie auch mich, an den exponiertesten Stellen zu verwenden weiß.“ Unser Gesinnungsgenosse Dr. Julius Kraus/ Assistent der Personalabteilung des jüdischen Ki.mkciihauses in Budapest, ist für hervorragende Waffentaten auf dein serbischen Kriegsschauplatz, mit der Tapferkcitsmedaille erster Klasse ausgezeichnet worden. Stimmen der Presse über die Bücher des Jüdischen Verlags*) I. Schalom Asch; Kleine Geschichten aus der Bibel Mit dieser Ausgabe wollte der jüdische Verlag ein modernes Kinderbuch großen Stils schaffen. Ls wäre eine Ucbertreilnmg, wenn man sagen wollte, daß Aschs Bibelmärchen nun das Kinderbuch für deutsch lesende Juden wäre. Dali es aber einen außerordentlich gelungenen Versuch darstcllt und für Jahre hinaus mit eine der ersten Stellen in der Literatur für jüdische Kinder cinnchmen wird, darf füg• lieh wohl behauptet werden. Davon zeugt auch die Aufnahme des Buches im Kreise der jüdischen Lehrer. So schreibt einer der bekanntesten Führer der jiidischen Lehrerschaft in Deutschland, M. Steinh a r d t, in den ״U lüttem für Erziehung!; ’ d Unterricht“: ״Es wird seit einer Reihe von Jahren unendlich viel ״über“ jüdische Jugendliteratur gcschrieben. Leider bleibt es aber immer noch zu sehr bei diesem ״über“. Wenngleich die letzten Jahre uns manches gute und brauchbare Werk gebracht haben, so ist doch die Auswahl an gceigneten jüdischen Jugendschriften immer noch gcring. In Schalom Asch hat sich jetzt einer unserer Berufensten in den Dienst dieser edlen Sache gestellt. Das vorliegende Buch enthält eine Anzahl Erzählungen aus dem I. Huch Mosis mit midrnschischcn Ergänzungen. Beides äußerst glucklieh miteinander gemischt. Die Sprache biblisch, ohne sich sklavisch an das Bibelwort zu klammern, voll wahrhaft poetischen Empfindens und dabei dennoch kindlich schlicht.“ Auch ein anderer Schulmann, Dr. M. S p a n i e r, hebt in der ״B i b I i o g r a p h i sc I! c n Viertel- Jahresschrift“ den echten Kinderton des Buches hervor. Er sagt unter anderem: ״Wir begrüßen jedes Buch mit großer Freude, das zur Belebung und Vertiefung des Religionsttntcrrichts beiträgt. Die 35 Geschichten halten sielt nicht an den Wortlaut der Bibel, sondern das Bibelwort wird mit den jüdischen Legenden verschmolzen, fast durchweg im schlichten Volkston. Erzählt!!!- gen, die dem Kinde auf der ersten Stufe vorgeführt werden, müssen anschaulich sein und einen leicht faßbaren Inhalt haben, dann wird auch für die ׳ethische Verwertung die nötige Empfängnis vorhanden sein. So hat die• Schilderung des Paradiesgartens unseren vollen Beifall, auch andere schichten sind trefflieh dargestellt.“ Freilich möchte der Rezensent einige Ausste!- luiigcn nicht unterdrücken. Unter anderem bemängelt er die schnurrige Erzählung, wie Adam den Tieren *) Wir gedenken, den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“ von Zeit zu Zeit über die Aufnahme, die die bekannteren Schriften des Jüdischen Ver- I a g s in der allgemeinen und jüdischen Presse gcfanden haben, zu berichten. Wir beginnen diesmal mit Schalom Aschs ״Kleinen Oeschichtcn aus der Bibel".

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