Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 456 Nr. 50 Bar Koehba, der Jüdischen Jngcndkompagnie, Herrn Robert Guttmaini-Prag, I lernt Moritz. Kristcllcr-Glorau, Frl. Lotte Struck-Berlin, I. Mnmicrahtciluug des ן. T. V. Bar Koehba, Schüleiabtciluiig des J. T, V. Bar Koehba, ITau I lartbrot-läerlin. Geldspenden: Herren I’osner mul Vamlsburger S M., Jüdischer Turn• mul Sportverein I lalherstailt 30 M., i־rau l’aida Radt-Beriin 2 M., Walter um! Kurl Kielt je 3 M., 1 rau HichcnwaUI l AL, Herr S. ('.olin 2 AL Breslau. Anfang der vorigen Woehe hatten wir nach langer /.eit wieder einmal das Vergnügen, Kurt B I tt 111 e n f e I d in unserer Mitte begrüben zu kiuinen, was um so erfreulicher war, als die Ereignisse der Gegenwart unserer Arbeit hier nicht gerade fürder* lieh gewesen waren. Uleich nach seiner Ankunft am Sonntag nachmittag hielt er einen Vortrag im geschlossenen Kreise des I Icrzl-Kluhs. Für den Abend war ein gemütlicher Tee im ״Verein der zionistisihen Jugend“ vorbereitet, bei dem B 111 in e 11 f e I d in längeren Ausführungen zu den Fragen des Augenblicks Stellung nahm lind über den Stand der Bewegmig berichtete. Am Montag abend hielt er einen groltangelegten mul tief durchdachten Vortrag über ״Die nationalen Lehren des Krieges“ in der Ortsgruppe, der den zahlreich erschienenen (icsuumngsgenossen viel des Interessanten mul Neuen hot und reichlich Anregung zu eigenem Denken gab. Trotz der etwa 1 u. stündigeii Dauer, seiner Rede folgte Blmnenfcld nachher gern dem Wunsche vieler An* wesender und gab eine längere eingehende Dar- Stellung der bisherigen Wirkung der Kriegsivirmi auf die Entwicklung unserer Arbeit in Pai,:isti״a, die mit einem Appell zu eifriger Fortsetzung der Arbeit für unsere Sache auch in Breslau schloll. Audi an dieser Stelle sei dem Redner der Dank seiner Breslauer. Freunde für sein!'ommen und Wirken ausgesprochen. Mannheim. Die Ortsgruppe hielt am 25. Oktober eine sehr gut besuchte Mitgliederversammlung ah, in welcher Rechtsanwalt Dr. Otto Simon über das Thema: ״I)er W e 11 k r i c g 1111 d P a I ä s t i 11 a“ sprach. Der Vortragende zeigte zunächst, wie Palästina im Gange der Weltgeschichte von jedem Wehkrieg in Mitleidenschaft gezogen wurde, um dann eingehend darzulegcn, in welch besonderer Weise jetzt Leiden und Not in Palästina herrschen müssen, Die Schilderung der von der zionistischen Organisation unternommenen Hilfsaktion für Palästina und unserer allgemeinen Hoffnungsfrcudigkcit für dieses Land gaben dem Vortrag weihevollen Schluli. Von der Ortsgruppe stehen ungefähr 10 Mitglieder im Felde; der Vorsitzende, Rechtsanwalt G o i t c i n , hat sich bei Mülhausen ausgezeichnet; ein ganz, junger Gesinnungsgenosse, Fritz Scelig, der am 1. Mobilmacliungstag sich freiwillig gestellt hatte, fand am 30, Oktober bei Vailly den Heldentod, Persönliches Das Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees und des Vorstandes des N i e d c r 1 ä n d i s c 11 e n Z i on i s t e n b 11 n d e s , Herr Dr. L. S, Ornstein in Groningen, ist zum ordentlichen Professor der mathematischen Physik an der Universitüt Utrecht ernannt worden. Wir sprechen Herrn Professor Ornstein unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Nachrichten Berlin. Unser Gesinnungsgenosse Otto Tot/, ek uns Rydultau bei Ratihor ist gefallen. Unser Gesinnungsgenosse Rechtsanwalt Heilb r u n 11 - Berlin wird vermißt, Herr Rechtsanwalt Dr. V i c t o r - Wandsbek ist zum Vizcfeldwcbcl befördert worden. Feldunterarzt Albert W e 1111 hat das Eiserne Kreuz erhalten. Berlin. Am 2. Dezember verschied hier im Israel. Krankeiihcini der Adaß Jisroel Herr Elieser Schal it aus R i s c ho n I c Z io n im •Alter von ßl Jahren. Elieser Schabt wurde in den haitischen 1 rovm/.cn geboren, siedelte in früher Jugend "nac Poltawa über und kam 1881 nach Palästina, \va also einer der ersten Kolonisten in Rischon-lu-Zio! Durch unermüdlichen Fleiß wurde Schalit mit ck Zeit zu einem der reichsten Kolonisten Palästina: Die Produkte seiner Gärten sind die anerkannt beste der Gegend. Vor einigen Jahren erkrankte er, 1111 da sein Leiden immer schlimmer wurde, ents’chlo er sich vor einigen Wochen, den letzten Versuch z machen und nach Berlin zu kommen. Hier vvurc er am 1. Dezember operiert, starb aber leider sehr, am folgenden Tage. Es war ilun nicht vergönn sein Leben in Palästina, das er glühend liebte,; beschließen. Die in Berlin weilenden Pnlästineiis taiulen sich vollzählig bei seinem Leichcnbcgängn em und mich sonstige bekannte Gcsinnungsgenossi erwiesen 111m die letzte Ehre, I’criip. 11. . י.’־ 1׳ d. ■ Bc;׳!i:־.vr I .1!')׳■״haiw.es U O 13 i> 3 ׳ r, (.!'■• <: v /vb!!! .i 10• m׳. äe zu! Vcrfü״Uiv' ::iirl 11u! wohl zu den besttin- ״■criditfUsi PV,..v\. < a: /■.men, vc 1.1 n:.t ni. t tp .!,u Sonntag, den 20. ל!ov!׳.';(•■.;׳, u.’i' Robert S c u t! - m ״ n n-Clior, die t ..׳ ,:;::;;.■.abU'iU-1״g des Judi sehen J tt g c :5 d h u ״ d e ׳:. iw.ter ■•eincin Dm- ■ ■׳criteil Mn,■: .\ o!.;1 einen Voitragsabuid für die braven Va'.e, ־•.־•. temi ׳er. 1:1 abweclisehuler Folge wurden kc/i'1::;:01.1,׳׳,. vor!,<4v, geistliche und patriotische Ci1״r;:c׳<änge 1l;;r;,cboU'n, so 11. a. das immer gern gehörte Altu :cderländiu1;׳e I);uikgchet, oer rliytluniseh ent voigetragene Litiuländiselie und Iorga’uer Marsch, bei dessen Erklingen die Leiclitvcrwumlelen Lust verspi.rten, gewohuheitsgeiuäfS 1)11 Tempo mit/um,וr.'H'luercn. Auch die Schwerverwtin* deten waren begeistert mul vergaben für eine ׳Stunde ihre Schmerzen. Zinn Schluß verteilten die Mitglieder des Robert Sdumiann-Chors Liebesgaben aller Art, und wir konnten (erstellen, daß dieser Abend seinen Zweck erfüllt hatte, denn alle lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den Darbietungen: ein Zeichen für die zweckmäßige Anwendung der Musik im Dienste der Vcrwuudctcnfürsorge. Berlin. Die ״S t a a t s h ü r g e r - 7. c 1111 n g“, die am •I. Oktober infolge des Eiiigreileus des Oberkouimaiulos in den Marken erklärt hatte,!lall sie ״von nun ab ihren Charakter als antisemitisches Blatt aiifgiht, und zwar nicht nur für den Krieg, sondem auch für den Frieden", wieder rief in der Nummer vom 22. November diese Erklärung, ״insofern sie sich auf die Zeit nach dem Kriege erstreckt". Die Erklärung habe sie ״in momentaner Verbitterung“ abgegeben .. . Wien. Folgende österreichische Gesinmingsgeuossen sind noch auf dem Felde der Ehre gefallen: Ing. Adalbert LI off mau 11, A. II. der Brunner jiid. nat. akad. Verbindung Veritas; er war ein tätiges .Mitglied des Alten-! lerren-Verbandes der österrcichischeu Zionisten. Fähnrich Dr. Ernst Koref, A. II. des Vereins jüd. 1 lodiscluiler Bar Koehba in Prag (:ms U, Kralowitz in Böhmen). Unser junger Wiener Gesinnungsgenosse, Architekt Dr, Berthokl AI :1 r in o r s t e i 11. Er war einer der begabtesten jüngeren Wiener Architekten und war auch dem breiteren Publikum schon durch eine Reihe von Kunstwerken bekannt. Lebhaft beschäftigte ihn die Frage der Einführung jüdischer Motive in die lül- (lende Kunst, und er hat selbst glückliche Versuche zu ihrer Lösung gemacht. Der großen zionistischen Oei'fentliehkcit winde er beim letzten Kongreß in Wien bekannt, wo die gesamte künstlerische Alisstattimg nach seinen Angaben erfolgte. Rcservefälmrieh Ernst Placzck, A. 11. der jüdisch-nationalen Verbindung 1״. i 11 a 11 o 11 i a“, ist am '23. Oktober auf dem nördlichen Kriegsschauplatz gefallen. Unser Gesinnungsgenosse Fähnrich Otto Spitz, l. Schrifttiihrcr des Briinncr Jüdischen Turnvereins ״Makk a 11 i“, ist, gleichfalls auf dem nördlichen Kriegs- Schauplatz, gefallen. Eine A 11 s z e i c h 11 u n g erhielt: Heinrich Wittin a 1111 (A. H, der Brunner Veritas und der Prager jüd. akad. technischen Verbindung Barissia in Prag), Frankfurt a, Al. Das Vorstandsmitglied der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe, Herr Joseph Oppenheimer, ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Sein Vater, Herr Leopold O p p e 11 11 e i 111 e r, ist nach kurzem Krankenlager Alontag, den 30, November, verschieden. Der Verstorhene erfreute sich wegen seiner Bescheidenheit und humanen Gesinnung in allen Kreisen größter Beliebtheit und wenn er selbst auch nicht in unseren Reihen stand, so erfüllte es ihn doch mit Stolz und Freude, daß sein Sohn einer der eifrigsten Anhänger unserer Bewegung in hiesiger Stadt ist. Wir sprechen auch an dieser Stelle unserem Joseph Oppenheimer nebst seiner Familie das tiefgefühlte Beileid der hiesigen Ortsgruppe aus, Breslau, ln vergangener Woche fanden hier die R e p r ä s c n t a 111 e 11 w a 111 e n statt. Im Zeichen des Burgfriedens war von den beiden Gcmcindcvercinen eine gemeinsame Liste aufgestcllt worden. Bei den Repräsentanten sollte der bisherige Besitzstand gewählt werden. Für die Reihe der Stellvertreter waren der Rechten vier Kandidaten zugehilligt worden. Als solche wurden aufgestcllt die Herren Dr. Joseph Schlesinger, Joseph Kober, Martin Friink e 1, die uns alle, besonders aber die beiden ersten, nahestehen, und unser Gg. R.-A. Dr. Rudolf Bcrschak. Die Wahlbeteiligung war gering. Von 5101 Wahlberechtigten erschienen -101. Eine Gegenliste existierte nicht, also wurde״ alle von den beiden Vereinen Aufgestellten gewählt. Die meisten Stimmen erhielt der bisherige Vertreter der Konservativen im Kollegium, justi/rat Hirsch b e r g. Die 483 Stimmen, die auf seinen Namen abgegeben wurden, kann man vielleicht als ein Zeichen des Dankes arischen für seine unermüdliche und opferwillige lätigkeit im Interesse unserer Stranmcsgcnosscn aus Polen und Rußland, die in letzter Zeit unfreiwilligen Aufenthalt in Breslau hatten nehmen müssen, Von den Stellvertretern erhielt die meisten Stimmen (15(1) Dr. Schlesinger, Dr. B er sc hak erhielt •12(1. Die wenigsten Stimmen - 371 -- erhielt Sanitätsrat Dr. Alexander trotz seiner stets so eifrigen Betäfigung im Kampfe gegen — den Zionismus. Wien. Die vier angesehensten Cltassidimrabbis ans der Familie Friedmann, Rabbi Isak Fried* mann aus Bojan, R. Israel Fricdinaim aus Czort- Icovv, U. Israel J'riedmanu aus Husiatyn und Rabbiner Fiicdmann aus Sadagöra, die zurzeit als Kricgsflüehtlinge in W icn weilen, veröffentlichten gemeinsam einen warmherzigen Aufruf an die Juden Galiziens und der Bukowina, worin diese aufgefordert werden, sich nach Kräften an der Kriegsa 111 c i 11 c zu beteiligen. Budapest. Wie wir bereits berichtet haben, hat die zionistische Organisation Ungarns ihre in der Königsgasse befindlichen Räume in ein Lazarett umgewamlclt und dem ungarischen Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Der geräumige Sitzungssaal mit vier nach der Straße gellenden Fenstern ist mit 10 Krankenbetten ausgestattet worden und enthält außerdem einen I. e s e t i s c 11. Bücher und Zeitungen aller Art stellen den hier gepflegten Verwundeten reichlich zur Verfügung. Der Vorraum ist in eine l< ü c 11 c!■ungestaltet worden, in der zionistische Frauen und Miiik'hcii für die Ernährung der verwundeten Soldaten sorgen, und zwar ist die Verpflegung eine den strengsten rituellen Anforderungen entsprechende, da das Lazarett im Einvernehmen mit der Leitung des Roten Kreuzes in erster Linie für diejenigen jüdischen Krieger bestimmt ist, die auf streng rituelle Kost Wert legen. Allerdings finden naturgemäß auch christliche Verwundete in dem Lazarett Aufnahme, ja unter den ersten Verwundeten, die cingcliefcrt wurden, befand sieh überhaupt kein Jude. Trotzdem fühlen sich die christlichen Soldaten sehr wohl in dieser rein jüdischen Atmosphäre. Eine heitere Episode erzählt /. B. der Berichterstatter der ״Zxidü Szcmle“, Als an einem Sonnabend das vielgepriesene Sabbatgericht Schalet einem czcchischen ehristkatholischen Soldaten vorgesetzt wurde, bekreu* z i g t e e r s i c 11 a 11 d ä c 111 i g und verzehrte hierauf die duftende Sabbatspeise mit großem Behagen. Auf seiner tausendjährigen ruhmreichen Laufbahn — fügt der Berichterstatter hinzu — hat das Schalet wohl kaum ähnliches erlebt. — Die Vorarbeiten für die Errichtung des Lazaretts besorgte eine vom zionistischca Lawleskomitee eingesetzte Lazarettko mm iss io 11, an deren Spitze die Herren Rechtsauwalt Dr. Heia Ocstcrrcichcr, Gemeindcsekretär M. Kramer und Ingenieur M. Bisse liehes stehen. Der La/arettkominission zur Seite stellt ein Damcnkomitcc, das den Küchen- und Wirtschaftsdienst versieht und dem die Gcsiiinuiigv genossiniien Frau Jakob L i 11 d e 11 b a u 111 gcb. Freu* d i g e r und Frau Dr. B. Ocstcrrcichcr vorstellen. Die Anstalt hat auch in nidit/ionistischen Kreisen lebhaftes Interesse und werktätige Förderung gefunden, Pozsony (Preßlnirg). ■Auch die hiesige Jesein ha hat sich an der Kriegsanleihe beteiligt und einen Teil des gesammelten Hilfsfonds für die Abgcbrannten und den Neubau der Jcschiba in der Höhe von 80000 Kronen gezeichnet. Eine Chanukashchrift des Verbandes der Deutschen Juden Der Verband der deutschen Juden hat eine kleine Druckschrift ״Z 11 in C 11 a 11 u k ,1 f e s t 1914“ herausgegeben, die zur Versendung an die jüdischen Sol- (laten im Fehle bestimmt ist. Die Druckschrift wird vom Verbände an die jüdischen Feldgeistlichen zur Verteilung unter die Mannschaften ihres Bereichs versandt, sowie nach Möglichkeit auch anderweit jüdischcii Soldaten im Felde übermittelt. Der Verband hat auch der Zionistischen Vereinigung für D e 111 s c 111 a n d eine größere Anzahl von dieser Chanukaschrift für ihre Licbcsgabcnscndung zur Verfügung gestellt. Gemeinden oder sonstige Jü* dische Organisationen, die die Schrift jüdischen Soldaten im Felde oder in Lazaretten zukomtnen lassen wollen, können Exemplare vom Bureau des Verbandes, Berlin W, 35, Potsdamer Str. 15, zu diesem Zweck erhalten, dem jedoch die möglichst genauen Angaben der Personalien — einschließlich Truppenteil bzw. militärischer Adresse der Fkeresangeliürigcn, die die Exemplare erhalten sollen — mitzuteiien sind. Die Juden und das Eiserne Kreuz Der Verlag von Louis Lamm, Berlin C. 2, bcab* sichtigt, nach dem Kriege ein groß angelegtes Erinnerungswerk ״Die Juden und das Eiserne Kreuz. Wie wir es uns erwarben“ herauszugeben. Der Verlag bittet die Inhaber bzw: deren Angehörige, ihm Schiltlerungcn über den Erwerb des Eisernen Kreuzes Und sonstiger Tanferkcitsauszcichnungcn zur Veröffcntlichung in diesem Buche zugehen zu lassen. Es ist dringend zu wünschen, daß dem Verlag zahlreiche Mitteilungen gemacht werden, denn ein solches Buch kann später einmal für die jüdische Sache von großem Nutzen sein. Dia Juden Im 6וו6ו1;>£118ח Heere Die ״Times“ berichtet über die Teilnahme der englischen Juden um Kriege, daß, während früher etwa bloß 500 Juden dem englischen Heere