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Jüdische Rundschau · 1914-12-04 · Heft 49 (4.12.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 49 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 444 Nr. 49 nicht in dieser Zu vc rsi cht. Das neue Palästina erwies sich als lebensfähig. Seit der Zerstörung des jüdischen Staatswesens und seit der Niedcmvingung des lkir Koclibauisehen Aufstandes dürfte es wohl zum erstenmal der Fall gewesen sein, daß eine jüdisch-nationale Körperschaft Zahlungsmittel in Umlauf brachte, die ohne weiteres von der ganzen Bevölkerung als gangbares Geld anerkannt werden; dali Städte, Dörfer und Kolonien, kommunale und soziale Verbände einmütig׳ ans Werk gingen, um autoritativ Maßnahmen für die allgemeine Wohlfahrt und öffentliebe Sicherheit in Stadt und Land zu treffen. Keine Panik, keine Massen flucht, wie wir sie durch die bekannten Bilder des jüdischen Wanderlebens kennen. Auf der iiciniatlichen Scholle harrte inan aus, beseelt von nationaler Willenskraft und nationalem Lebensdrang. Schwere Zeiten sind über Palästina hereingebrochen. Auch in die einsamen Berge von Judäa dringt das Getöse des Weltkrieges. Bangen Herzens richten weite Kreise des jüdischen Volkes Ihre Blicke auf die Entwicklung der Ereignisse im Orient. Handelt es sich doch für uns nicht nur um Opfer an Gut und Blut, wie wir sie auf den blutigen Schlachtfeldern!Polens und Galiziens gebracht haben und noch bringen. Hier handelt es sich für uns auch um n at io 11 a I e Güter, um Ewigkeitswerte. Und dennoch, was immer auch im fernen und nahen Orient geschehen möge, für uns wird und kann es nur eine Parole geben: Die nationale Wiedergeburt unseres Volkes auf seinem historischen i leimats• Boden, Auf diesem Wege werden wir uner* scliüttcrlicii vorwärtsschreiten. Eüeser Kaplan.‘ Am 30. Oktober ist in Warschau einer der bewährtesten Vorkämpfer der jüdisch-nationalen Idee, der he* kannte Gründer der Vcrlagsgescllsehaft ״Achiassnph", E1 i c s c r Kaplan, plötzlich gestorben. Auch er ist sicherlich ein Opfer der großen seelischen Erschiitternngen geworden, welche die Juden Russisch-Polens in den letzten Monaten durchgemacht haben. Demi sein Tod kam allen seinen Freunden in Warschau, wo er seit 1SS0 seinen Wohnsitz und sein Wirklingsfehl halte, völlig unerwartet. Der nationaljüdisclien Bewegung hat sich Kaplan bereits in seinem frühesten Jugeudalter, vor mehr als drei Jahrzehnten angeschlossen, und gemeinsam mit dem vor einigen Jahren verstorbenen bekannten hebräischen Schriftsteller Saul I’inehas R a b i n o - witsch hat er in Warschau die einflußreiche Abtcilung der C h o w c w e - Z i o n gegründet und durch alle Fährlichkcitcn des russischen Lebens aufrecht erhalten. Wie S. P. Rabinowitseh zählte auch er zu Hoch der Kaiser! Von Morris Roscnfeld. Morris Rosen f e 1 d veröffentlicht in einem jiddischen Blatt Amerikas die folgenden hochinteressanten Verse, in denen er seiner Genugtuung über die Niederlagen der russischen Armee und seinen Sympathien für Deutschland Ausdruck gibt. In Rußland is mein Wieg gestannen, Dort hot men mich zum Sclilof gesungen ...' Es hot in Land vun die Tyrannen Mein Wieg-Lied traucrig geklungen. Vun Anfang hot geweint mein Mutter, Nachdem hob ich gegossen Trühren; Mich hot gepeinigt der Nit-Guter U11 nit gewollt mein Jammer hören. iX׳r Frühling pflegt far mir nit grünen, Dos Leben sein far mir verschlossen; ’eh hob nit gekeimt dem Soinc1) dienen, Denn wos wollt ich dervun genossen? In Weh gewacht, in Schreck geschlofcn Hob ich in jenem Land vun Klogcn, Ich hob gesüfzt un bin cntloffen, Entloffen, mi die Aeugcn trogen. ׳ch hob in der weiter Welt vertuimmen Die G’waltcn vun dem groben Schikker2), Gehört vun Bär dem wilden Brummen, Wenn er zerreißt mein Volk In Stücker. den Gif;,.!•1.< 1 ( .! ׳-'■ , ד v.'evvc-ZK. r ti•׳rliCfl Orden.׳ . ׳X *“ ״ ' 'X•' ’ 1 ׳:;>'!or;;r.;usator ö .; ... ״" Xe“, die im Jahre 1sr;j :.tat;;״mi,!...,״ I.;, cl er Koloiii ation Pa- Iä:,!i11;:! ii... 1!':' ./״:!/•:/ :.־, :׳ : ־, führte er mit großer Eik. ׳ >;׳ ■ . :V.,.r / •׳.!׳ C ״ rihc!1.״.it ,,!'11111c h o W a.! c ׳. 1 ״" A«l (i׳!;;1׳.׳.:.e;1::chaft, welche di־: Del.. . ö.,;־;,.:!׳ woMänium-Vr Juden nach Palästina Kk1.;;:׳׳:׳, r,;:u ini jr.üre 100׳ ׳ reiste er .11׳:; Abge0iu1..:ler X... r Ge. X';.־Iiaii n־;ch Pal; •;tiisa, um den Bodeiikauf za besorgen und das; Werk zu vollenden, Mi cht zum wenigsten ihm verdankt die herrliche Kolonie 111 c 11 o b o 111 il.r Entstehen und ilire Bhiie. Noch mehr ab auf praktisch kolonisatorischem־ Gebiete hat er sieh in der literarischen Welt durch seine langjährige unerrr.üdlichc Tätigkeit einen bedcu- Senden Manien erworben. Von glühender Liebe zur hebräischen Sprache und Literatur erfüllt, widmete er seine kommerziellen und seine organisatorischen Fähigkeiten mehreren hervorragenden literarischen Uiitcruclmnmgcii. So hat er den Verlag ״A c 11 i - a s s a p!1“ nicht nur ins Leben gerufen, er war auch die beiden Jahrzehnte hindurch die eigentliche Seele des Unternehmens, Was dieser Verlag für die hebritische Literatur geleistet hat, ist allgemein bcknmit. In der jüngsten Zeit ist allerdings der ״Achiassapli“ durch frischere und modernere Verlagsanslalteu in den Hintergrund gedrängt worden, aber seine geschichtliche Bedeutung bleibt nach wie vor bestehen. Außer dem ״Achiassaph“ hat Eliescr Kaplan nicht wenige andere literarische Unternehmungen gefördert. Die Monatschril't ״I111 s e 11 i 1 o ah“, die für die Ent- Wicklung des nationalen Gedankens so viel geleistet hat, verdankt ihre Entstehung zum Teil ebenfalls der tatkräftigen Initiative Kaplans, Schließlich hat er sich noch bei dern Neuerscheinen des hebräischen Tageblattcs ״II a z e f i r a 11“, das zum Leidwesen aller Hebraisten mehrere Jahre nicht erschienen war, 11ervorragcude Verdienste erworben, und es muß ausdrüeklieh betont werden, daß der Tod Kaplans gerade in diesem Moment für die ״Hazcfiralt“ eine Kata- Strophe bedeutet. Ueberhaupt hiuterläßt sein Tod in der literarischen Welt Warschaus und des russischpolnischen Judentums eine sehr empfindliche Lücke. Er war ein Mann der alten Schule, der über den Rahnie״ des Chowewe-Zionismus geistig nicht hinausragte, aber seine Leistungen sind direkt und indirekt dein modernen Zionismus in hohem Maße zugute gekommen. Auch die hebräische Sprachbewegnng wird seinen Tod aufs tiefste betrauern: War er doeh der zweite Vorsitzende der bedeutenden Warschauer Gruppe ״Chowewe Sefath Ewer". Kurzum, er war eine einheitliche Individualität, die auf eine reiche Betätigung ztirückblicken konnte. Kein Wunder, daß die Warschauer Juden, mit denen der vorzeitig Verstorbene (er war ein Fünfziger) so eng verwachsen war, trotz, der schweren Zeiten, die sie jetzt durchleben, an seinem Tode solchen Anteil nahmen und ihm, wie berichtet wird, durch ungewöhnliche Massenbeteiligung die letzte Ehre erwiesen. a, 1. ״Wct Risches cibig, eibig3) siegen? Ihr böser Dünner eibig rollen? Wet Jowon ף mehr sein Psak nit kriegen3)? Wct Rußland mehr ihr Schuld nit zohlcn?“ Gefragt hob ich dos mit Verzogen, Ich hob gezittert noch Nekome. Itzt hör ich, as sie vverd geschlogcn Un Freud füllt über mein Ncscliotne, Far jeden Schmitz3), wos sei tierlangen, Begleit׳ mit der Geschichtcs Beiser 7), Ruf ich mit fröhliche Gesungen: Hurra far Deutschland! Hoch der Kaiser!... 1) Dem Feinde, 2j Das Toben des rohen Trunkenbokls, ־l) ewig. *) volkstümliche Bezeichnung des orthodoxen Kusxenluins, f׳) etwa: die verdiente Strafe erlangen. «) Hieb. י) Begleitet vom Zorn der Weltgcschichtc, D2e!]crcel1ät!, Theodor Kerzl! Sechs Kongreßreden. Preis 4 M. Alleinvertrieb heim Jüdischen Verlag, Berlin. ״Diese Schrift׳‘, heißt es In einer Nachbemerkung, ״wurde von der zionistischen Ortsgruppe Leipzig zum zehnten Todestage Theodor Hcr/Is und zu Ehren des am 14, und 15. Juni 1914 In Leipzig veranstalteten Dclegicrtcntagcs der deutschen Zionisten herausgegeben und in 400 nummerierten Exemplaren gedruckt." *־ Zwei Feldpostbriefe I. .... den 20, November 1911, An den Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft, Berlin, Liebe T urnbrüder! Haben Sic herzlichen Dank für Ilire freundliche Sendung und für Ihr liebenswürdiges Schreiben. Ich 11:11)0 mich unendlich darüber gefreut. Sic glauben gar nicht, wie wohl einem zu Mute ist, wenn nia., von allen Seiten mit solchen Aufmerksamkeiten bcdacht wird. Man will uns das Leben hier drauß׳!! so leicht, so angenehm wie möglich machen, und da׳ ist auch gelungen. Nicht der Inhalt der Pakete ist es, was uns beiin Empfang der Gaben so überaus an genehm und freundlich berührt. Nein, daß Sie 7!, Hause unserer aller gedenken, das macht uns!<> froh in Zeiten bitteren Ernstes. So geht es mir, und ich denke, so geht es auch meinen ander!!! Kameraden. Sic möchten gewiß gern etwas Näher׳:; über unsere, in diesem Falle über meine Tätigkeit liier draußen erfahren. Ich bin Wagen-( lefreiter In; unserer Sanitäts-Kompagnie, d. h. ich habe die Vcr• wwuieten aus der Linie zum Verbandsplatz zu bringen. Jetzt in der Zeit des Hclagcrungskricgcs haben vir ja nicht zu viel Arbeit, aber bei den Kämpfen fr, Belgien, bei Sedan und am Marne-Kanal war die Arbeit kaum zu bewältigen. Das kam aber auch daher, weil wir fast sämtliche verwundete Frau zosen zu versorgen hatten, und wir hatten mehr Franzosen als Deutsche. Ueberhaupt hatten 11,!■ Gegner bedeutend mehr Verluste, sowohl an Verwmuleten wie hauptsächlich an Toten. Dann mußte n wir aber auch sehr häufig die nicht gerade ang!•• nehme Erfahrung machen, daß die Franzmänner mit Absicht das Rote Kreuz unter Feuer nahmen. Welchen Zweck sie dabei verfolgen, ist eigentlich unklar, da doch die Franzosen ihre eigenen Verwimdeten bei ihren Rückmärschen gar zu gern uns Deutschen überlassen. Hoffentlich geht es bald wieder weiter vorwärts. Die Stimmung hier draußen ist überaus gut. Es ist eben so zur Bestimmtheit geworden, daß wir auf allen Linien, über alle Feinde siegen, daß eben die Stimmung eine gute sein muß. Es sind viele Juden im Felde. Vorgestern war Gottesdienst. Trotzdem viele Juden der betreffenden Division dienstlich nicht abkonunen konnten, waren wir doch zu •18 Mann, eine Anzahl, die selbst den Rabbiner überraschte. Und wie unsere Juden sich bewähren? Nun, die vielen Eisernen Kreuze, die den Juden verliehen werden, besagen genug. Fahren Sic fort, unsere Jugend im na t ion a I jücl i - sehen Sinne z. 11 : c r z i c h c n! Der Krieg hat gezeigt und bewiesen, welch gute Deutsche wir Nationaljuden sind. Noch eins. Der Jüdische Turnverein zu Köln schickt seinen Turnern reichlich. Geben Sic die mir zugednehten Sendungen anderen Turnern im Felde, llerzls Kougrellrcden sind in der Gesamtausgabe seiner Werke enthalten, jedoch bilden sie ein einlu itliebes Ganze, das die Berechtigung zu einer Sonderausgabe in sich selbst trägt. — Dem Inhalt der Keilen ist durch die vornehme Ausstattung, die die Herausgeber dem Werk angedeihen ließen, ein wurdiges Relief gegeben worden, das die fein geschliffene Form der Herzischen Reden wirksam hervorhebt. Die typographische und bucltbindcrisclie Ausstattung des Werkes ist gediegen und geschmackvoll. De!־ Einband aus elfcnbeinfarbigcm Pergamentpapier ohne jede Verzierung, nur auf dem Rücken und oben fast am Rande unaufdringlich der Titel in zierlichem Goludruck. Das Format des großen Quartbandes und die lateinische Druckschrift sind mit Verständnis gewählt, das starke kartonierte Papier und die Druckfarbe sind fein gegeneinander abgewogen. Die schönen Initialen am Anfang eines jeden Absatzes beleben diskret den Text. Der schmucke Haiiil wird nicht nur ln zionistischen Kreisen Anklang finden, sondern and! der Bibliothek eines jeden jüdischen Bücherfreundes zur Zierde gereichen. Berlin. H. S. * * Im Anschluß an die vorstehende Besprechung wird unsere Leser sicherlich interessieren, was einig'׳ hervorragende Gesinnungsgenossen über Herzl als Redner gesagt haben! I. ״Er war ein .ausgezeichneter Redner. Ruhig, geistreich, einfach, mit Maß und immer geschmackvoll. Er beherrschte eine Form von tadelloser Eleganz, sogar bei der Improvisation. Seine Geistesgegenwart

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