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Jüdische Rundschau · 1914-11-27 · Heft 48 (27.11.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 48 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 438 Nr. 48 J 0 IIIII .. c; I ״ r. U II D C C11 A u Aus der Türkei* « Nun ist mich die Türkei schon seit Wochen in den Weltkrieg verwickelt. Ihre militärischen und maritimen Leistungen scheinen schon jetzt den Beweis gebracht zu haben, daß Lebenskraft und Lebenswille genug im ottonianischen Reiche vorhanden ist, um die Absichten der Gegner zu enttäuschen. Aus Palästina sind seit Kriegsausbruch nur spärliche Nachrichten nach Europa gcdrimgen. In Jerusalem haben patriotische Kmulgebilligen für den Dreibund Türkei-Oesterreieh-Ungarn-Dcutsebland stattgefunden. Den Juden gegenüber hat die Türkei ihr stets bewährtes Wohlwollen bewiesen. Fünftausend jüdische Einwohner Palästinas, die noch groflenteils russische Untertanen waren, haben in Konstantinopel die Aufnahme in den türkischen Staatsverb and n a c hg c• su eilt. Die türkische Regierung aber hat, um den Juden ihr Wohlwollen zu beweisen, den Juden, die die Ottomanisierung wünschen, die sofortige Naturalisierung gewährt. Da sonst ein fünfjähriger Aufenthalt in der Türkei die Vorbedingung der Naturalisierung ist, bedeutet dieser Akt bedingungslosen Entgegen• koinnicns einen außerordentlich schäl /.baren Beweis wohlwollender Gesinnung gegenüber dem jüdischen Volke, das ja auch seinerseits die Stärkung der Türkei wünscht. Dank den guten Beziehungen, die mit der türkischen Regierung bestehen, können auch die zionistischen Institute in Palästina weiterhin ihre für das ganze Land so segensreiche Tätigkeit entfalten. Von der Tätigkeit des zionistisclien Bankinstituts in Palästina, der Anglo- Pa 1 c s t i 11 c ■ C o m p a 11 y haben wir schon friiher berichtet. Dieses Institut ist als englischc Bank konstituiert, kam! aber jetzt, trotzdem die anderen englischen, französischen und russischen Banken geschlossen worden sind, wieder für das wirtschaftliche Leben in Palästina arbeiten, lloffent* lieh wird unsere Bank auch geschäftlich in der Lage sein, ihre Tätigkeit erfolgreich fortzusetzen. Aus Oesterreich-Ungarn 111 der österreichischen Armee dienen zahlreiche höhere jüdische Offiziere, Der höchste jüdische Offizier ist , Faklmarscliall-Lcutnant Adolf Korn• h a b c r R i 11 e r y o n P i I i s , der in Droliobycz geborene Bruder des Bürgermeisters von BorysI.w, Moses Isak Kornhabcr. — Unter den Auszeichnungen, die jüdischen Soldaten zuteil geworden sind, sei erwähnt, datl Kadett Ludwig Löwy (aus Volcnitz in Böhmen) die Große Goldene Tapfer• kcitsmedaillc erhalten hat. Unser Gesinnungsgenosse Ing. Oskar Ascher• mann aus Dobris-Prag hat sich in mehr als dreißig Gefechten, die er mitgeinacht hat, so ausgezeichnet, daß er mit der Silbernen Tapferkcitsmcdaille dekoriert und, als Fähnrich, zum Bataiilonsadjutanten ernannt wurde, eine Funktion, die sonst nur vom Oberleutnant versehen wird. Der Troppauer Zionistische Verein Jcsclturun — von dem 16 Mitglieder im Felde stehen — hat auf dem Schlachtfeld seinen Schriftführer, Gcsiiinungsgenossen Rudolf Fuchs, verloren. An den Zeichnungen für die Kriegs* anlcilic haben sich die österreichischen Juden hervorragend beteiligt. Nicht nur jüdische Privatleute haben dem Rufe, die finanzielle Bereit- Schaft des Staates zu vergrößern, freudig Folge geleistet, sondern auch jüdische Organisationen und Institutionen, Gemeinden ,und Stiftungen, Die Wie- 11 e r israelitische K u l't u s g e m e i 11 d e /.., B, zeichnete 500600 Kronen. Das L a n d e s k 0 n! i t e c der ungarischen Zä o n i s t c 11 hat, wie der ״Pester Lloyd" am 20, November berichtet, eine Landesagitatiou cingelcitct, die bisher Zeichnungen von 300000 K, ergeben hat. Auch das offizielle (Organ der ungarischen Zionisten ״Z s i d ö S z e in 1 e“ i'ordert die Organisationen und Vereine zur Subskription auf, Wien. Die jiid.-akad. Verbindung ״Ivria“ in Wien teilt ihren Freunden mit: 62״ Ivrianer sind cingeriickt! Darunter 36 Alte Herren (von 70)1 11 inaktive Burschen (von 11); 7 aktive Bursdien (von 8); 8 Füchse (von 11, darunter 4 freiwillig). Von den Eingerückten sind 23 Offiziere, 8 Acrzte, 2 Beamte, 1 Ingenieur, 28 Mannsehaftspcr'• sonen. Au s!,t Fra t!׳.,;Run 33; in Garnisonen sind 24 (davon 11 i;; Eiiij.-Fiviw.-Scliiiicn imd 8 in ,Spitalern). Mit giößU'in htolze verzeichnen wir bereits 4 A u s zt: i c h 11 » ,1 ׳: c 11: A. ,11־. Dr, Otto Eisler: (1 o! d e n c T a n! e r k c i t s!11 t «1 a 111 e; A. H. I Albert Schön iiaf: Silberne Tapferkcitsmcdaille unter gleichzeitiger Beförderung zum Leut 11 a 111; mal. K;1111 ׳ a!1; S 11 b c r n e T a p f c rk e 11 s 111 c d a ii I c II. Kl.; 'Ing. 'T litt mann: Eisernes Kreuz ,(vor Antwerpen). — A. H. Dr. L ö w wird leider vermißt. A. H. Dr. Ehrlich wurde auf dem Felde zum Oberleutnant ernannt. Verwundet wurden!bereits 9, erkrankt sind 4 Bundcshrüdcr, «und zwar: Dr. Brand: Phlegmone am Fuß (Krcmsier); Dr. Ehrlich: Ischias (in Wien); Dr. Eisler: Bauchschuß (in Wlachowitzi; Ing. G o i d s e!1 n e i d e r: erkrankt, wieder cingcrückt; Dr. Hahn: Schrapnell-Üriistscliuß (in Wien); Dr. Ii a u s m a n 11: verwundet (in Wien); Dr. K a r p - lus: Bajonettstich, Fuß (in Wien); Dr.. Körner: Ruhr (wieder im Felde); Koch; Unterschenkelsclniß (wieder cingeriickt); Lenk: Schrapnell-Brustliiiigenscliuß (in ,Karlsbad); Roth: Bajonettstich, Wade (in Ostrau); Ing. Sch a Hing er: Knieschuß (in Wien); Steiner: Obersclicnkclschuß (in Wien)." Verkleinerte Wiedergabe der neuesten Herzlradierimg, die H e r 111 a n » S t r u c k für den jüdischen Verlag hcrgcstellt hat. Das Blatt hat 65X 70 Panicrforniat, 10׳X50 Bildformat. Es sind zwei Ausgaben liergcsU'llt zu Vorzugspreisen. 40 nummerierte und vom Künstler signierte Exemplare, auf Seide und allein holliindisclien Bütten zum Preise von 150 und 100 Mark. — Eine Schriftausgabc zum Preise von 15 Mark. Russisches Russische Judenpolitik. Die ״Rjctsch“ meldet am 7, November: Der Zentralausscbuß des Hundes der russischen Seinstwovcrwallimgen wurde benachrichtigt, daß der Gouverneur von Nowgorod im Gebiete seines Gouvernements den jüdischen Krankenpflegerinnen, die in den Krankenliäusern und Lazaretten der Semsiwovcrwaitungen ar- I beiten, den Aufenthalt nicht gestattet. Der Bund der SeinstwovcrwalUmgcn beschloß, sich in dieser Angdegenheit ans Ministerium des Innern zu wenden. Die J u d c 11 a 1! s w e i s 1111 g c n a 11 s Petersbürg dauern nach einem Bericht der ״Neuen Zürcher Zeitung“ fort. Dieser Tage wurden wieder große Hausdurchsuchungen vorgciiommen. In einer Wobnting wurden fünf Juden, die kein Wohnrecht in Petersburg hatten, verhaftet und zur gerichtlichen Verantwortung gezogen. Aus Czernowitz wird gemeldet: Der Telegraphenverkehr wurde heute' wieder eröffnet. Fliichtiinge aus Sadagora erzählen, daß die Russen wütende Pogrome veranstalten; cs werden haarsträubende Einzelheiten erzählt, wie die Jude n — Männer, Frauen und Kinder — hi 11 gemordet und die Wohnungen der Juden geplündert wurden. Viele Frauen und Mädchen wurden von den Kosaken vergewaltigt. Die Bevölkerung flüchtet in jede Riehtung, heute sind in Czernowitz 500 Familien ange* kommen. Einen echt interessanten Fall der russischen Dankbarkeit ,weiß unser Petersburger Briulcrblatt, der ״R׳a s s wi c t״, zu berichten. Der Vorsteher einer der größten Gemeinden von Ruß-!and hatte sich nach Petersburg begeben, um die Erlaubnis zur Errichtung eines Lazarettes für verwundele Soldaten nachz.usuchen. Als Antwort auf sein patriotisches Gesuch verständigte ihn die Polizei, daß er als Jude kein Wohnrecht in der Hauptstadt habe und daß er infolgedessen die Stadt sofort . verlassen müsse! Einen zweiten nicht minder Intercssanten Fall bringt der ״R a s s w i et“, der ein Beweis dafür ist, wie Rußland seine heldenhaften jüdischen Soldaten zu belohnen wisse: Ein jüdischer Soldat, der auf dein Schlacht fehle schwer verwandet wurde, ist nach Moskau befördert worden, wo man ihm im Militärkrankeiiliaiis ein Bein amputierte. Nach der Operation erhielt er von der Polizeibehörde den Bescheid, Moskau sofort zu verlassen, da er als Jude kein Wohnrecht in Moskau habe. ... Er machte geltend, daß seine Residenzstadt in Polen jetzt vom feindlichen Heer besetzt sei und er nicht die materielle Möglichkeit hübe, dorthin zu gelangen — half nichts! Er mußte unbedingt die heilige Stadt Moskau ver* lassen, die er mit seiner Gegenwart verunreinigte... Die türkischen Juden in Frankreich. Wie der ״Nieuwe Rottcrdamsche Courant" meldet, hat die französische Regierung allen in Paris wohnenden Türken erlaubt, dort zu bleiben; von dieser Erlanbnis sind jedoch die türkischen Juden, deren Zahl mindestens 1600 beträgt, ausgeschlossen worden. ״Zionistische Tagesfragen“ 1111 Zyklus ״Zionistische Tagesfragen“ findet der näehste Vortrag Dienstag, den 1. IX'• zember, abends 9 Uhr, im kleinen Saale der Prachtsäle des Westens, Spicliernstr. 3, statt. Es spricht Herr Kurt Blu m enf eld über; ״Die Judenpolitik der Mächte.“ Zutritt haben nur Mitglieder der Zionistisehen Organisation. Solche Gesinnungsgenossen, die erst von jetzt ab an dem Zyklus teihieluncn, erhalten für die noch folgenden vier Vorträge Karten zum Preise von 1 M. Die Karten sind erhältlich bei dem Kassierer der B. Z. V., Herrn Dr. Schwarz, Tempelhof, Bergstr. 71 und an der Abendkasse. Es werden noch sprechen: Herr Leo Motzkin: Die Juden in Rußland; Herr Nahm» Sokplow: Die polnischen Juden; Herr Richard Lichtheim: Oie Juden im Orient. Von der Clianukah-Spendensanimlung der Zionistischen Vereinigung Bis zum Redaktionsschluß dieser Nummer hat das Bureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland (W. 15, Sächsischeste 8) schon über tausend Licbcsgahcnscmlungcn anläßlich des Chanuka- Festes versandt. Reiche Spenden an Geld und Gaben liefen rechtzeitig ein; von vielen freiwilligen Mitarbeiterinnen unterstützt, hat das Bureau, unter der Leitung des Herrn Max Wo 11steine r, die Sendungen an alle Freunde im Felde, deren Adressen Uns bekannt sind, zusamniengestellt und fcrtiggcniaclit. Der Aktion der Zionistischen Vercinig11ng für Deutschland haben sich der Neue jüdische Gemeinde v ercin in Berlin und der Sy ״ n go g c n v c re i 11 B ism a rck str a ßc für ihre Mitglieder allgeschlossen. Den einzelnen Sendüngen werden auch vom Verband der de ntsehen Juden herausgegebene und zur Verfügung gestellte Kriegsgcbctb 11 eher und ein besonderen C h a 1111 k a 11 h c f t beigelegt. Die Jüdische Rundschau hat eine besondere Cha-!111 k a 11 f e s t n 11111 m e r für unsere Freunde i in Felde, zwölf Tcxtsciten stark, herausgegeben. Die Sondernummer, die eine Festgabe für unsere Freunde im Feldeist und nicht z u r a I lg c in c i 11 c n Ausgabe gelangt, enthält Beiträge von Dr. Taub- 1 c r, Martin B 111 e r, Heinrich L o e vv e, A. P i n s k i, A. Karl in er, CI1. N. Bialik, S. Bettelheim, Hugo Herr in a n n, Moses C a 1 v a r y u. a. Für die Liebesgaben Sendung werden, wie schon in einem besonderen Aufruf gesagt wird, 11.1tiirlieh weitere Spenden jetzt erst recht mit herzliclicni Dank entgegeugeuommeu, die Zionistische Vereiiiigung für Deutschland bedenkt mit ihren Sendüngen natürlich nicht nur Zionisten, sondern wird, solange die zur Verfügung stehenden Mittel reichen, Licbesgabensemluiigcn an alle ihr aufgcgcbcucu jüdisehen Soldaten versenden, da keine andere jüdi- 8 c h e Organisation in Deutschland unseres Wissens eine ähnliche Aktion durchgeführt hat. Es wird uns lind allen Spendern eine hohe Geiiugtuung bereiten, von unseren Freunden im Felde zu hören, daß sie die herzliche und jüdische Absicht

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