Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1914)
- Date
- 1914-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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eine so geringe Aufmerksamkeit zuwendet, und es wäre für den Arbeiterbund fast beleidigend, wenn der Argwohn nicht auftauehte, daß Kautsky nicht ohne Absicht im Kampf gegen den Zionismus die schwache Steile mit solcher Knappheit behandeln mußte. So war es für Kautsky wolil außerordentlich leicht, in ein paar Zeilen auf den Jüdischen Arbeiterbund einen Hymnus zu :;ingen, nicht mehr so leicht dagegen, seine nationale Unschuld nachzuweisen. Wenn Kautsky ■*ich der Aufgabe unterzogen hätte, - wozu er verpflichtet war — die programmatischen Kundgebungen des Arbeiterbundes, also der lange Zeit stärksten jüdischen Arbeiterorganisation, in seiner Schrift über die jüdische Rasse dtirclmigelien, so hätte er seine Polemik nicht nur nach einer Front, sondern auch nach der anderen, der von ihm anerkannten jüdisch-sozialistischen, riehton müssen. War nun dazu Kautsky aus ״taktischen“ Gründen nicht geneigt? Soll vielleicht zuerst der Zionismus niedergorungeu werden, damit dann der leichtere interne Kampf gegen den Bundesgenossen einsetzen kann? Das ist aber klar, daß die Ideologie der Assimilation nicht allein durch die konsequent nationalen, sondern auch durch die halbnationalcn Gedankengiinge und selbst durch instinktive nationale Lebensäußerungen widerlegt wird. Wer sich zur Assimilationslehrc als Prinzip bekennt, muß im Grunde alles, was sich jüdisch nennt, alles, was sich als jüdisch dokumentiert, ausmerzen wollen, muß im Leben unbedingt ein nationaler Unterdrücker werden. Hat Kautsky diesen Gedanken ganz zu Ende gedacht? (Ein zweiter Artikel folgt.) niscucr A. L r Der alte Kurs in Rußland dui . 1, י I 4! der fiimi .ci״׳';• Vc*!•! ׳ .־ wege nach Sibirien •,־>־ di gen“ und ircii <V1 lassen. Was Pole:־ diese vorläufig hu; TruppcnbefU.PhaLv■.•;: als viele andere nich, hingen des Zmh.mus, geblieben sind. Es muß n ר eh h die russische U nutzt, um die A oppositionelle vor zu imfcrdrückcii sind sistiert wuiden a! :־!< v, V s Vor rn,;־ Pickl i'iCl Igllllg ilUigSgnare 11 zu Ul’ ft, rA ׳• cs inh"z.ug auf ,:,e Verspr». c'ncn des kaum wehr wert sind wiiHk'f feierliche Vcrpflichdie bi! her auf dem Panier •t'.Y die 1 hervor/״;!:; ee,11.;1g den > e i t e r b c v )ben werden, daß KriegsÄiistimd be- ׳ e g׳u n g und jede rtra.uuig noch gpransamcr als zu- Sämtliche Arbeilcrblätter iie letzten Uebcrbleibsel werden ausgerottet, isntionen werden ausneue politische Pro- Die politischen Oedinge sowie für poli- In Paris wurde folgende Erklärung des Auslandskomitccs des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes veroffentlicht: In einem in der ״Humanite“ erschienen Artikel über die Pflichten der Sozialisten der neutralen Länder wird dem russischen Zarismus im Gebiet der Inlandspolitik die Absicht zugcsclirieben, sich auf den Boden ״der Gerechtigkeit und der Zivilisation“ zu stellen. Der Zar, wird dort behauptet, habe Polen wieder hcrgestclit, die Pogrome abgeschafft und die Juden seines Reiches aus der Sklaverei befreit. Diese Behauptungen widersprechen in schärfster Weise den Tatsachen. Die russische Regierung führt auch jetzt, genau wie vor dem Kriege, ihre traditionelle Politik der Unterdrückung und Verfolgung. Nicht um ein Jota wurde die Lage der Juden erleichtert: alle schmachvollen Ausnahmegesetze — das Ansiedlungsgebiet, die Beschränkung bei Aufnahme in Lehranstalten usw. — bleiben in voller Kraft. Mit einer der russischen Regierung eigenen geliässigen Kleinlichkeit wird die Erlaubnis zum zeitweiligen Aufenthalt außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebiets auch solchen Juden verweigert, welche gezwungen waren, aus Ortschaften zu flüchten, die von feindlichen Truppen besetzt . wurden; gänzlich unberücksichtigt bleibt der Umstand, daß der Krieg sich im AnsiedUmgsgebict der Juden abspiclt und die jüdische Bevölkerung neben der polnischen allen Verwüstungen und Schrecken des Krieges ausgesetzt ist. Nicht die mindeste Erleichterung wird sogar solchen Juden zuteil, die sich im aktiven Heeresdienst befinden und ihr Leben für ihr ״Vaterland“ hergeben. Ihre Gesuche um ungehinderte Aufnahme ihrer Kinder in Lehranstalten, um zeitweilige Aufcnthaltsbewiliigung für ihre Familien außerhalb des jüdischen Siedlungsrayons, wodurch allein diese dem Hungertode entgehen könnten — werden ihnen entschieden verweigert mit einer herzlosen Begründung, di« jedem menschlichem Empfinden Hohn spricht: ״in Ermanglung gesetzlicher Veranlassung“. Auch im Verhältnis zu den Finnen ist sich die russische Regierung treu geblieben. Den besten Beweis ihrer brutalen Rachsüchtigkeit liefert sic <Jurch die Tatsache, daß sic sich — in den ersten Tagen des Krieges — entschieden geweigert hat, einem Gesuche nachzukommen, eine Anzahl finder Arbciterorganisationen die Leiter der Arbeiierorg.'tn spioniert und eilige kerkert, zessc werden in ־«,liiert, fmigeiu'i), Unter.:i'.claiu/.;uhüft tische Delikte zu K.üorga Abgvurteilte, die in den Gefängnissen des we.stiiciien Grenzgebietes interniert waren, wurden, sobald in dieses Gebiet feindliche Truppen eiiidnuigen, schleunigst nach entfernteren Gouvernements des Keichsiniicrn abtransportiert, in der Befürchtung, das deutschösterreichische Militär könnte die Gefangenen auf freien Fuß setzen. Auf diese Weise ist die Behauptung, die russische Regierung habe den Weg der Reformen betreten oder sei geneigt, dies zu beginnen, völlig aus der Luft gegriffen und muß naturnotwendig beim französischen Proletariat eine ganz verkehrte Ansicht über das wirkliche Wesen des russischen Absolutismus entstehen lassen, der tatsächlich genau wie ehedem auch jct־zt die schlimmste Form der politischen Despotie bleibt. Auslands ko mitee des Jüdischen Arbeiterbundes Rußlands, 6*$' J1 ו! Feld für’iwsere Itn Unser Aufruf, unsern Brüdern, die im Felde stellen, zum Chanukah-Fent eine Liebesgabe zu senden, hat in allen deutschen Ortsgruppen begeistörten Widerhall gefunden. Es ist uns auch ge׳ hingen, eine ziemlich lückenlose Liste aller im Felde stehenden Gesinnungsgenossen׳ zu erhalten Wir haben dabei die überraschende Tatsache feststellcn können, daß die Organisation der dcut sehen 'Zionisten noch weit mehr Soldaten ins Feld geschickt hat, als wir selbst angenommen hatten. Aus Berlin allein sind 300 Zionisten zu den Waffen geeilt. Es sind uns ferner eine große Anzahl Adressen armer jüdischer Soldaten zugegangen, die nicht unserem Verbande angehören, die wir aber auch zum Chanukah-Fcste beschenken wollen, erhalten sic doch zu unserem jüdischen Feste keinerlei Gabe von lieben Angehörigen zuhause. Auch sic sollen an unserer Festesfreude teilnehmcn. Wenn wir auch in diesem Jahre das Fest mit tiefem Ernst feiern müssen, so sollen doch alle unsere Lieben draußen im Felde sich unserer Sendungen freuen, die ein Beweis unseres Gedenkens für sie sind. Die Opferfreudigkeit unserer Gesinnungsgenossen hat sich auch bei diesem Liebesvverk wieder einmal in schönster Weise gezeigt. Wir haben eine große Anzahl Liebesgaben aller Art erhalten, die wir zweckmäßig in die einzelnen Pakete vorteilt haben. Es fehlen uns jedoch noch große Geldmittel für den Versand, das* Porto und den Einlauf bestimmter notwendiger Gegenstände. Wir eine! davon überzeugt, daß es nur dieses Hinweis es bedarf, um diejenigen tinserer Freunde, die ihre Spende für obigen Zweck noch nicht eairklitet haben, hierzu zu veranlassen; sie 1 Brüder im Alle Ko; an Herrn l Roschersin. onr.cn; 1 tr״ ״1r rekte des Ol. CCS in. .d r, richten. unserer tapferen Geldspenden sind Charlottenburg, yccdr.l (Von unserem Berichterstatter.) New York, 30. «kt. Ein Bostoner Journalist, liernard G. Richards, schreibt in dem New Yorker Blatt ״O lobe and A (i v c r t i s e r“ über unseren Gesinnungsgenossen o u i s I >. B r a n d e i s: Jede Krisis bringt ihren neuen Mann hervor, und die Schwierigkeiten, welche jetzt die jüdische k’Vülkcnmg Europas bedrohen, besonders soweit sie ic /ionistischc Bewegung betreffen, haben einen neuen Führer der jüdisch-nationalen Kräfte hervorgerufen. Dieser Mann ist kein anderer als Louis D. Brand eis aus Boston, welcher kürzlich zum Vorsitzenden des Provisorische» Executivkomitces für allgemeine zionistische Angelegenheiten gewählt wurde und der bei der grollen Massenversammlung, ic kürzlich in Aeolian ll.ili stattfand, zum ersten Male eilige führt und als ״Kämpfer für die Freiheit der Juden“ begrübt wurde. Eine nationale Figur in der amerikanischen Mitik, Anwalt für soziale kclorincn und politischer Schriftsteller, spezieller Berater der Regierung in schwierigen Fällen, Sachverständiger in der Gesetzgebting und in Vcrwaltungsdingcn, Verteidiger der Volksrcchtc gegen die Uebcrgriffe der Machtbaber —• erscheint Herr Brand eis jetzt in der Rolle des Kämpfers für die Rechte der Unterdrückten in Israel Es ist richtig, daß er »ich schon vor einer Reihe von Jahren für die zionistische Organisation interessiert und ihr seinen moralischen und finanziellen Beistand geliehen hat, aber erst bei der gegenwärtigen Krise, welche die Bewegung zu vernichten drohte, hat er sich als tätiger Mitarbeiter und Führer des Zionismus gezeigt. Erwählt durch den Spruch der Versammlung von Vertretern der Bewegung aus vielen Städten, welche sowohl durch den Charakter der Persönlichkeiten und durch den unübertroffenen Enthusiasmus bemerkenswert war, stürzte sich Herr Brandeis sofort in die Arbeit, und sein großes organisatorisches Talent und seine schönen rednerischen Gaben sind jetzt fast ausschließlich der Arbeit des neuen Komitees gewidmet. Herr B r a n d c i s sprach mit hoher Begeisterung von den Aussichten des Zionismus, als ihn Schreiber' dieses Artikels in den Bureaus des Provisorischen Komitees im Aeolian-Üebäude in New York aufsuchte. Befragt, was ihn zuerst zu der Bewegung hingezogen hätte, meinte er, cs wäre das Element des!dealismus gewesen, welches den Kampf für die nationale Wiedergeburt der Juden kennzeichnet. ״Die Zionisten fesselten mich,“ sagte er in dem Intcrwicw, das wir natürlich nicht vollständig bringen können, ״weil sie Idealisten sind, und ich nahm Interesse an ihrer Arbeit, weil*sie die alte Sehnsucht des jüdischen Volkes darstellt. Sie legen den größten Nachdruck auf das geistige Leben unseres Volkes, wobei sie auch nicht das ökonomische Leben vernachlässigen. Es mag viele Wege geben, um die materielle Wohlfahrt der Juden zu fördern, aber es scheint mir, daß, uin ihr geistiges Leben zu heben, um ihre hohen moralischen Fähigkeiten zu erhalten, es nötig war, ein großes kulturelles und geistiges Zentrum zu schaffen, worin ein eigenes jüdisches Leben freien Raum haben würde, seine Probleme auszuarbeiten und aufs neue die Anwendung der alten jüdischen Lehren auf die praktischen Interessen des Lebens zu demonstrieren. Ich fühlte mit manchen Anderen, daß solch ein Zentrum seinen Einfluß auf die Juden der ganzen Welt ausüben könnte, und daß unser Volk hier in Amerika, so gut wie anderswo, noch stärker von den Idealen seiner Rasse durchdrungen und vor den Angriffen des modernen Materialismus geschützt werden könnte. Während nur ein Teil des jüdischen Volkes an dem Aufbau dieses Zentrums teilnehmcn und die Mehrzahl der Juden noch lange Zeit in ihren jetzigen Wohnländem bleiben würde, wurden doch die Wohltaten, speziell die geistigen und kulturcllen, allen zugute kommen . . . Die drei Millionen Juden in Amerika würden stolzer denn je auf ihr altes Erbteil werden, mehr eingedenk ihrer Verantwortlichkeit als Juden und als Bürger dieses Landes, sic würden mehr wünschen, Amerika das Beste zu geben, das in ihnen ist. Sic sehen, ich bin Zionist sowohl aus amerikanisehen wie auch aus jüdischen Gründen . . , Natürlich ist Pa lästina, die Wiege unseres Volkes und der jüdischen Kultur, das Hauptziel der Bewegung, und cs ist sowohl dem Ruf des alten hebräischen Geistes wie auch der 'Wirkung der modernen Bedrängnisse znzuschreibcn, daß in einem Viertel- Jahrhundert soviel geleistet wurde. Bei einer weiteren landwirtschaftlichen und hidustriciicn Entwicklung konnte Palästina ein Zufluchtshafen, ein Ort der Sicherheit und des Wohlstands für viele Millionen unseres Volkes werden, weiche jetzt in den Landern der Unterdrückung leben oder nur vegetieren.“ I-